Besondere Umstände

1. Die Alters-Appendicitis
zeigt häufig einen abgeschwächten Verlauf und täuscht dadurch auch einen Darmtumor vor und umgekehrt! Besonderheiten der Alters-Appendicitis-Diagnose erschwert durch:
a. Geringe subjektive Beschwerden:
a) Appetitlosigkeit, Übelkeit, Obstipation
b) Kaum beeinträchtigtes Allgemeinbefinden
c) Unklare, flüchtige Schmerzattacken im rechten Unterbauch oder in der Bauchnabelregion (paraumbilical)
b. Geringe klinische Symptome:
a) Keine genauen Schmerzpunkte und keine muskuläre Abwehrspannung
b) Klopf- (Perkussionsschmerz) und Douglasschmerz meist negativ
c) Häufig keine Veränderung von Temperatur, Puls und Leukozytenzahl
d) Loslassschmerz meist positiv
e) Röntgen-Abdomenleeraufnahme: oft coecaler Meteorismus (Luftansammlung im Blinddarm)

2. Die Appendicitis im Kindesalter - häufigster Anlaß zur Bauchoperation im Kindesalter
Mit typischen Entzündungszeichen täuscht sie nicht selten einen Magen-Darm-Katarrh oder eine fieberhafte Magenverstimmung vor.
Eine Besonderheit gerade im Kindesalter ist es, daß fast alle Beschwerden in den Bauchraum projiziert sind, so daß auch dadurch die Fehldiagnose Appendicitis leicht vorkommt.
Bei Verdacht auf Appendicitis im Säuglings- und Kindesalter ist vor allem daran zu denken, daß bei einer einmaligen Untersuchung die im Kleinkindesalter häufige Dyspepsie mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, aber auch erhöhter Körpertemperatur und Leucocytose sowie Palpationsbefund eine sofortige, exakte Diagnose nicht zuläßt.
Vor allem beim Kleinkind sind anamnestische Daten (Wie kam es zu der Erkrankung?), auch von den Eltern, häufig nur schwer zu verwerten. Außerdem ist das Kind zu einer kritischen Schmerzempfindung, welche eine exakte Schmerzabgrenzung ermöglichen würde, nicht in der Lage.
Differentialdiagnostische Richtlinien:
  1. Im Säuglingsalter tritt eine Appendicitis extrem selten auf.
  2. Im Kleinkindesalter müssen Dyspepsie, Invagination und Volvolus abgegrenzt werden. (Verdauungsstörungen, Darmverschluß durch Einstülpen einer Darmschlinge, Stiel- oder Achsendrehung des Darmes)

  3. Beim älteren Kind kommen neben der Dyspepsie noch andere, entzündliche Darmerkrankungen, wie z.B. Morbus Crohn, differentialdiagnostisch in Betracht.

  4. Eine basale Pneumonie (Lungenentzündung) und die sog. Kinderkrankheiten führen nicht selten zu einer Reizung des Bauchfells.

3. Appendizitis in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft wird es eng im Bauch: Der Uterus mit dem Fötus nimmt immer mehr Raum in Anspruch und verdrängt damit auch den Blinddarm nach rechts oben. So kann seine Entzündung leicht mit einer Gallenblasen- oder sogar Nierenentzündung verwechselt werden.
In diesem Fall muß die Untersuchung in Linksseitenlage durchgeführt werden, damit der Uterus nach links unten absinkt und so der rechte Bauchraum für die Untersuchung zugänglich wird.
Es besteht immer die Gefahr, daß Symptome eines akuten Bauches auf Schwangerschaftsbeschwerden bezogen werden.
Die klassischen Appendicitis-Zeichen erscheinen nur maskiert. In der Schwangerschaft sind daher die sonst typischen Palpationsbefunde weniger zuverlässig. Auch gehen in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft entzündliche Prozesse wesentlich leichter und schneller in eine diffuse Bauchfellentzündung (Peritonitis) über.

Diagnostisch-therapeutische Richtlinien bei akutem Abdomen in der Schwangerschaft:
  1. Exakte Auswertung der Krankengeschichte (Anamnese)

  2. Wiederholte Untersuchungen (rectal, vaginal, bimanuell), rechtzeitiges gynäkologische Konsilium

  3. Lokalisation und Analyse der Schmerzen bzw. der Schmerzentwicklung durch wiederholte, schonende Untersuchungen

  4. Bei Schockdisposition sorgfältige Überwachung von Kreislauf und Nierenfunktion (Harnstoff, Kreatininwerte)

  5. Bei Erbrechen: sofort Magensonde, Hinweise für Hämatemesis, Meläna, Anämie?
    Labordiagnostik: Elektrolyte, harnpflichtige Substanzen,
    Ultraschalldiagnostik, im Problemfall Laparotomie,
    Roentgen: Abdomenleeraufnahme, Urographie

  6. a) Keine Schmerzmittel, insbesondere Opiate, evtl.Spasmolytica
    b) Keine Antibiotica bei Appendicitis- oder Peritonitisverdacht

  7. Wehenhemmende Mittel bzw. Abortprophylaxe.
    (Rechtzeitiges gynäkologisches Konsilium und entsprechende tokolytische Medikation. Dabei Beachtung der Herz-Kreislaufverhältnisse und Blutzuckerwerte bei Diabetesdisposition)

  8. In allen Zweifelsfällen frühzeitige Indikationsstellung für die Probelaparotomie
PERITONITISVERDACHT ERLAUBT KEINEN AUFSCHUB!!!