zusammengepfercht, von wo aus sie ab September 1941 mit Sammeltransporten in die Vernichtungslager gen Osten überführt worden sind.
Über das erschütternde Schicksal einer Gruppe Braunschweiger Juden berichtet ein Augenzeuge, der bis Ende 1944 in einem Kohlehydrierwerk in der Nähe von Ausschwitz als Abteilungsleiter dienstverpflichtet war:
'Auf die Lebensmittelkarten gab es manchmal Sonderzuteilungen, Seife
oder so etwas, die auf Aufruf abgegeben wurden. Weil ich sie wegen
meines Dienstes nicht wahrnehmen konnte, meldete ich mich 1943 nach
Braunschweig um, damit meine Verwandten in den Genuß der Sonderzuteilungen
kommen konnten. Zu der Ummeldung begab ich mich in die Polizeiwache an der
Celler Straße/Ecke Ring. Als der Beamte sah, daß ich
mich aus Heydebreck (Ausschwitz) abmeldete, sah er mich plötzlich
ganz ängstlich an und sagte: 'Da bin ich auch gewesen.' Ich sagte:
'Sie haben doch hoffentlich nicht die letzten Braunschweiger Juden
nach Ausschwitz gebracht?!' Da fing er an zu heulen. Stellen sie sich
vor, ein Polizeibeamter! Aber er war Hilfspolizist und offenbar sehr
fromm. 'Der Herrgott möge mir verzeihen', sagte er, 'ich komme nicht
darüber hinweg'. Ich fragte: 'Was ist denn passiert? War das der Zug,
aus dem die Juden herausgewunken haben und wo die SS denen die Knochen
kaputtgehaün hat?' - Das war geschehen, weil die Juden Durst hatten
und um Wasser baten.
Dieser Polizist hatte als Bewachungsperson die Judentransporte aus
Braunschweig begleitet; bis Berlin sei alles ruhig gewesen, aber die
Berliner Juden, die zugestiegen seien, hätten gewußt, wo es hinging.
Dann wäre das eine furchtbare Fahrt bis Ausschwitz geworden.
Ich fragte: 'Was ist denn aus ihnen geworden?' und er sagte: 'Die sind
alle vergast worden, sind alle weg'.
Auch am 29.Juni 1933 liefen während des gesamten Tages Fahndungen nach Propagandamaterialien linker Parteien. Eigentlich war die Aktion bereits beendet, als die SS einen Anruf erhielt, daß im Eichtal Personen dringend verdächtigt wurden, illegale Schriften zu verteilen. Dieses war erneuter Anlaß für die SS, noch am gleichen Tag eine weitere Aktion in dem besagten Arbeiterviertel vorzunehmen. Zwei SS- Streifen führen sie gertrennt voneinander durch. Mittlerweile war es dunkel geworden. Plötzlich begann eine Schießerei. In der Dunkelheit hatten sich die SS-Streifen gegenseittig nicht erkannt und geschossen. Dabei wurde der SS-Mann Landmann von seinen eigenen Leuten erschossen. Der hinzugerufene SS-Chef Jeckeln aber machte sofort Kommunisten für den Tod Landmanns verantwortlich.
In den darauffolgenden Tagen verhaftete man Hunderte von Arbeitern, besonders aus der MIAG. Einige wurden bereits am Abend der Tat in Volksfreundhaus (vgl. Tabelle) und in die AOK (vgl. Tabelle) überführt. Unter ihnen befand sich auch der 20jährige Angestellte Alfred Staats, der unter Anwendung schwerer Mißhandlungen während des Verhörs zu einem Geständnis gezwungen wurde.
Paul Wunder, ein ehemaliger MIAG-Arbeiter und KPD-Funktionär, der sich ebenfalls unter den Verhafteten in der AOK befand, berichtet über die Ereignisse am Tag von Landsmanns Beerdigung:
'Am anderen Morgen (dem 4.Juli) ging es los mit Brüllen. Essen oder
Waschen gab es nicht. Wir mußten in Reih und Glied 'Stillgestanden'
stehen. In einem Raum hatten sie ein Tribunal gebildet. Die ganze Prominenz
der Braunschweiger SA und SS war da. Bis zum Tribunal mußten
wir Spießrutenlaufen machen. Wenn du keine Hosenträger hast und
sollst stillstehen, rutscht dir die Hose runter. Wenn jemand zu lange
an der Hose machte, gab's gleich Prügel. Bei dem Tribunal war einer
dabei, Sturmführer Klages (nicht Klagges), der hat die Leute gefragt,
welche Partei und wie lange und welche Funktion. Dann hieß es nur
noch 'links raus' oder 'rechts raus'. Wer links rauskam, wurde von den
SA-Leuten wieder zurückgeführt, wer rechts raus kam, mußte bleiben.
So haben sie zwölf Mann ausgesucht. Die kamen nicht wieder in unseren
Raum. Zehn von ihnen haben wir nie wiedergesehen. Die sind in Rieseberg
erschossen worden. Wir haben das an diesem Abend nicht gewußt,
daß sie nach Rieseberg gebracht wurden. Das haben wir erst am anderen
Morgen erfahren. Das war der Beerdigungstag von diesem Landmann. Da
ging es erstmal los: Stillgestanden und geprügelt. Die schon so erschöpft
waren, daß sie wackelten - für jedes Wackeln gab es
Schläge.
Bis auf zwei Stunden mittags mußten wir den ganzen Tag 'Stillgestanden' stehen.
Solange bis der Sarg von dem Landmann durch die Stadt
geführt wurde - bis zur Niedersenkung. Das war ein Umzug von vielen
Stunden. Das hält kein Mensch aus. Da haben sie an der Erde gelegen
und kamen nicht mehr hoch. Wer konnte, versuchte sich vor den Schlägen
zu retten, indem er wieder aufstand. Ich erinnere mich an einen 55
Jahre alten Mann. Der war überhaupt nicht in der Partei, hatte gar
nichts mit uns zu tun. Der kam gar nicht mehr hoch.'
Als Antwort auf die Ermordung zweier Arbeiter durch SA-Leute im Oktober 1931 wurde von diesem Betrieb aus eine Massendemonstration organisiert. Auch nach der Erschießung eines Angehörigen der sozialdemokratischen Schutzorganisation 'Reichsbanner' durch Nazis vor dem Eingang der MIAG im Januar 1932 traten die Arbeiter in Streik.
Im März 1933 wurde der sozialdemokratische Oberbürgermeister Ernst Böhme im Rathaus von Nazis überfallen und in das Rennelberg-Gefängnis geschleppt.
Im folgenden ein Bericht eines Betroffenen:
'Im Keller, in den ich gebracht wurde, sah ich ca. 200 Häftlinge, an
der Wand aufgestellt, stehen. Es war einigermaßen hall im Keller.
Jeder dieser Menschen war irgendwie zugerichtet. Alle Augenblicke
kamen andere SA-Leute herein und kühlten an irgendeinem ihr Mütchen
oder an allen. Vor allem tat sich dabei Kleist hervor. Seine Methode
war folgende: Mit der Reitpeitsche schlug er dem vor ihm Stehenden
kreuz und qür durch das Gesicht und zum Schluß trat er jedem in den
Bauch, daß der Betreffende umfiel. Mit dem Ruf: 'Willst du aufstehen,
du Schwein' schlug er dann mit dem dicken Ende seiner Reitpeitsche auf
den am Boden Liegenden ein. Eine Freude hatte er daran, einen Gefangenen
mit der flachen Pistole ins Gesicht zu schlagen. So verging Stunde
um Stunde. Wenn der eine müde war, prügelte der andere weiter. Die
Verhöre der Gefangenen fanden im 4.Stock statt.
Ich war drei Wochen in der Ortskrankenkasse und habe soviel an Brutalität
und Unmenschlichkeit erlebt und gesehen, daß ein Außenstehender
das nicht glauben wird. Braunschweig, dieses kleine Land, wurde für
andere Länder in Deutschland, für die späteren Konzentrationslager,
der Lehrmeister in der Durchführung der physischen Vernichtung politischer
Gegner in der NSDAP.'

Die ahnungslos Hereintretenden wurden mit einem Stahlrohr mit einem
Wasserdruck von 6 atü bespitzt und dann mit Knüppeln so zusammengeschlagen,
daß die Haut platzen mußte. Zwei Mann machten durch einen
Fenstersprung aus dem 4.Stockwerk des Gebäudes den Quälereien und
ihrem Leben ein Ende. Aerztliche Betreuung gab es nicht. In der Nacht
zum 5.Juli wurden wir alle Augenblicke durch ein gebrülltes 'Achtung'
aufgescheucht (...)
(Zitat aus Alfred Oehl: Der Massenmord in Rieseberg 1933, DGB-Kreis
Braunschweig-Wolfenbüttel, Braunschweig 1981)
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Doch auch für die Widerstandskämpfer hatte der Nußberg besondere Bedeutung. Der Eingang des Prinzenparkes diente als Treffpunkt für die Verteilung kommunistischer Flugblätter und Zeitungen. Von hier aus wurde der Kontakt in den Helmstedter Raum aufrecht erhalten. Zerrißene Zigarettenbilder waren Erkennungszeichen der Kuriere. Über die Verhaftung und anschließende Folterung eines Verteilers erhielten die Nationalsozialisten Hinweise auf den Treffpunkt der Widerstandsgruppen im Prinzenpark. Es gelang ihnen jedoch nicht, die dahinterstehende Organistion auszumachen. |
| Aber auch in den folgenden Jahren forderte die Nazi-Herrschaft und der von ihr begonnene Krieg tausende Menschenleben. Unter den im Zuchthaus in Wolfenbüttel Hingerichteten sind viele Opfer der nationalsozialistischen Willkür- und Kriegsjustiz. Zu den Exekutierten gehörten auch zahlreiche ausländische Widerstandskämpfer. Auf dem Gelände der Reichswehr in Salzgitter starben 3400 ausländische Kriegsgefangene, Häftlinge und Fremdarbeiter. 138 von ihnen wurden exekutiert. Auf dem Braunschweiger Ausländerfriedhof am Brodweg liegen anonym ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Auch auf dem alten katholischen Friedhof in der Hochstraße sind polnische Zwangsarbeiter anonym bestattet. Vierzig Luftangriffe auf Braunschweig forderten 2900 Bombenopfer. Die Stadt hatte 5244 Gefallene zu beklagen. | ![]() |
'Seid wachsam - damit unser Tod nicht vergeblich war' lautet die Inschrift eines Gedenksteines der Rieseberger Opfer, deren Urnen im Jahre 1953 auf den Braunschweiger Friedhof überführt worden sind. Ein Ehrenhain erinnert an die Toten.
Die ersten drei Lager unterstanden dem KZ Neuengamme, das letzte dem KZ Buchenwald.
Darüber hinaus wurden 1938 das Luftflottenkommando an der Grünewaldtstraße (heute: Schule Franzsches Feld, Kleines Haus des Staatstheaters, Bundeswehrdienststellen) und das Stabsgebäude an der Schillstraße erbaut. Beim Flughafen Broitzem wurden 1936 die Aufklärungsfliegerschule, beim Flughafen Waggum 1938 die Flugzeugführerschule eingerichtet.
In folgenden großen 'Zivilarbeiterlagern' waren bei Kriegsende zwischen 400 und 1800 ausländische Zwangsarbeiter untergebracht:
In den übrigen 'Zivilarbeiterlagern' waren bei Kriegsende zwischen 60 und 260 ausländische Zwangsarbeiter untergebracht:
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Über die inhumanen Bedingungen von Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen gibt der Bericht eines Braunschweigers Auskunft, dessen Eltern diesen Menschen in ihrem Elend halfen, obwohl dies gesetzlich untersagt war:
'Bei uns auf der Straße wurden Bauarbeiten von Kriegsgefangenen gemacht.
Sie wurden schwer bewacht. Wenn jemand bei ihnen vorbeikam,
flüsterten sie 'Brot! Brot!'. Sie litten Hunger. Obwohl wir auch
genügend Hunger hatten, versuchte meine Mutter dann, ihnen zu helfen.
Das durfte natürlich niemand sehen, denn man durfte Gefangenen nicht
helfen, nicht einmal sich mit ihnen unterhalten. Meine Mutter machte
es ganz raffiniert: Sie schnitt Brote, wickelte sie ein und nahm sie
mit auf dem Weg zum Einkaufen. Mit einem Gefangenen hatte sie inzwischen
Blickkontakt aufgenommen. Dem plinkerte sie zu, nahm das eingewickelte Brot
und warf es in eine in der nähe stehende Mülltonne. Da
wußte der Gefangene bescheid und konnte später die Brote holen.
Dagegen, daß die Gefangenen die Mülltonnen nach Eßbarem untersuchten,
hatten die Bewacher nichts.
Mein Vater arbeitete in einem kriegswichtigen Betrieb in der Stadt mit
ukrainischen Fremdarbeitern zusammen, zum Teil waren das 14jährige
Kinder, die man nicht richtig versorgte.
Es gab im Krieg alle Lebensmittel auf Marken. So war die Möglichkeit
zu helfen, sehr begrenzt. Nur beim Fleischhändler gab es manchmal
ganz schreckliches Muschelfleisch, undefinierbares Zeug. Mein Vater
aß es, und er nahm es im Kochgeschirr mit in den Betrieb für die
ukrainischen Jugendlichen. Auch dies mußte heimlich geschehen.'
(Zitat aus Reinhard Bein: Freistaat Braunschweig 1930-1945, Döring-Druck,
Braunschweig)
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Ziel dieser Akademie war es, eine Elite heranzubilden, die nicht nur
das blutige, brutale, sondern das vermeintlich feine, elegante Bild
des Faschismus zeigen sollte. Neben der nationalsozialistischen Ideologie
waren auch folgende Leitbilder, an denen sich die Erziehung
orientierte, Vorbild:
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Im Oktober 1935 verkündete der Reichsjugendführer auf der Braunschweiger Führertagung die Errichtung einer Akademie zur Schulung der Führerschaft der Hitler-Jugend. Am 24.1.1936 wurde der Grundstein für die 'Reichsakademie für Jugendführung' gelegt. Das ursprüngliche Konzept dieser Akademie sah in der Hälfte der Dienstzeit eine politische Schulung vor, die andere Hälfte sollte der körperlichen Ertüchtigung dienen. Da die Lehrgangsteilnehmer in der Nähe der Akademie zusammengefaßt wohnen sollten, ergab sich eine Dreiteilung der Anlage: Akademie, Sportbezirk und Wohnbezirk. Tatsächlich zur Ausführung gelangte nur der erste Bauabschnitt. Dieser umfaßte den Akademie- und den Wohnbezirk.
Am 5.8.1939 erfolgte die Eröffnung der Akademie und es begann die Aufnahme des regelmäßigen Lehrbetriebs. Er kam jedoch bereits nach vier Wochen, aufgrund des Kriegsbeginns und der damit verbundenen Einberufung der Absolventen, zu Erliegen. Daraufhin wurde das Gebäude für BDM-Lehrgänge und zur Errichtung eines Reservelazaretts umfunktioniert. Ab 1942 fanden Kurzkurse für HJ-Führer statt, an denen Kriegsversehrte teilnahmen.
Der Gebäudekompex hat den Krieg fast unzerstört überstanden.
In den ersten Jahren nach 1945 hatte hier der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) seinen Sitz.
Einzelheiten lassen sich aus dem Bereich des Braunschweiger Sozialdemokraten Fritz Trute entnehmen, der nach dem Attentatsversuch auf Hitler im Juli 1944 in der Gestapostelle Leopoldstraße in 'Schutzhaft' genommen wurde:
'Am 20.August 1944 war ich erst spät von einer Dienstreise nach
Thüringen zurückgekert. Gegen 4 Uhr morgens erschienen zwei Gestapoleute
in meiner Wohnung, nahmen eine Haussuchung vor und erklärten
abschließsend, daß ich zur Aufnahme eines Protokolls mit zum Gestapohaus
in der Leopoldstraße kommen müßte. Dort wurde ich zunächst
in ein Zimmer eingeschlossen, dessen Fenster mit Eisenstäben vergittert
waren. Nach einer Viertelstunde erschien ein Mann, der mich in
ein Büro bracht und eingehend vernahm. Dann kam ich in die Zelle
zurück. Hier fand ich etwa dreißig meiner Parteifreunde vor, die
ebenfalls in 'Schutzhaft' genommen waren und in ähnlicher Weise vernommen
wurden.
Nach der Vernehmung brachte man uns in das berüchtigte Lager 21 in
Watenstedt, wo wir in zwei nebeneinanderliegenden Zellen untergebracht
wurden, die nichts weiter enthielten als je rund dreißig Holzgestelle
mit Drahtgeflecht, die als Schlafstelle dienen sollten.'
(Zitiert nach Reinhard Bein: Freistaat Braunschweig 1930-1945, Döring-Druck, Braunschweig)
Nach dem Erlaß des 'Generalbevollmächtigten Für den Arbeitseinsatz' wurden ab 1943 überall im Reich Entbindungseinrichtungen Für Zwangsarbeiterinnen und 'Ausländerkinderpflegestätten' eingerichtet. Konnte eine Schwangerschaft nicht durch Zwangsabtreibung verhindert werden, sollte durch die sofortige Trennung der Mutter von den Säuglingen der Arbeitsausfall so gering wie möglich gehalten werden.
Das 'Heim' - drei Raume Feür Wöchnerinnen und Kinder in einer primitiv ausgestatteten Baracke - war eine Gemeinschaftseinrichtung der Braunschweiger Industrie. An seiner Einrichtung waren beteiligt: Deutsche Arbeitsfron, Gestapo, Gesundheitsamt, Arbeitsamt, Kasssenärztliche Vereinigung, Rüstungskommando. Die Trägerschaft hatte im ersten Jahr die Allgemeine Ortskrankenkasse, dann die IHK- Gesellschaft 'Gemeinschaftslager der Braunschweiger Industrie'. Unverheiratete Fraün - und die meisten waren es, da Heirat verboten war - mußten das Heim spätestens neun Tage nach der Entbindung verlassen, die Kinder blieben zurück.
Das 'Entbindungsheim' war ein Sterbeheim. Nahezu alle Kinder, die dort bleiben mußten, starben - an Unterernährung, Darmerkrankungen, Geschwüren. Ihr Tod war einkalkuliert, galten diese Kinder doch als 'rassisch minderwertig' und waren als Arbeitskräfte noch nicht zu gebrauchen. Keiner der verantwortlichen Personen bzw. Institutionen unternahm etwas, um die katastrophalen Verhältnisse im 'Heim' zu verbessern. Mindestens 360 Kinder kamen in der Broitzemer Straße ums Leben. Ihre Leichen wurden im Waschraum gestapelt, bis sich der Abtransport 'lohnte'. Die polnischen Kinder wurden auf dem alten katholischen Friedhof an der Hochstraße, später auf dem Ausländerfriedhof am Brodweg 'bestattet' - sie lagen oft zu mehreren in Pappkartons. Die Leichen der sowjetischen Kinder verbrannte man im Krematorium - ebenso wie bei den jüdischen KZ-Häftlingen wurde ihre Asche verstreut - an ihr Schicksal sollte nichts mehr erinnern.
Ein Ermittlungsverfahren gegen einige Verantwortliche des Entbindungsheimes verlief in der Nachkriegszeit im Sande. Über 40 Jahre lang blieb das Leid der Mutter und Kinder in der Broitzemer Straße vergessen.
Unter der Überschrift 'Eindeutige Antwort des Volkes - Kundgebung gegen jüdische Schmarotzer im Lande Braunschweig' wurde in einem Artikel der 'Braunschweiger Tageszeitung'vom 10.11.1938 auf die Zerstörung der jüdischen Synagoge hingewiesen. Da hieß es: 'Ein besonderer Anziehungspunkt bildete in dieser Nacht naturgemäß auch die Synagoge an der Ecke Steinstraße und Knochenhauerstraße. Erregte Gruppen von Volksgenossen statteten auch diesen Gebäuden einen Besuch ab und machten keinen Hehl aus ihrem begreiflichen Zorn. Die zerschmetterten 'Gesetzestafeln', die vor dem Judentempel auf dem Fußweg liegen, geben ein beredtes Zeichen davon'.
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1940 setzten die Nationalsozialisten an seine Stelle einen Bunker.
Dieser steht heute noch. Auf einer dort angebrachten Gedenktafel ist
folgendes zu lesen: HIER STAND DIE IM JAHRE 1875 EINGEWEIHTE SYNAGOGE DER JÜDISCHEN GEMEINDE ZU BRAUNSCHWEIG. SIE WURDE 1940 MUTWILLIG ZERSTOERT. DUMMHEIT UND UNMENSCHLICHKEIT HABEN ZUNICHTE GEMACHT, WAS GLAUBE - LIEBE - WEISHEIT SCHUFEN. WIR GEDENKEN DER JUDEN, DIE SICH HIER EINST VERSAMMELTEN UND IN DEN JAHREN 1933 - 1945 ERMORDET, VERSCHLEPPT, GEDEMÜTIGT UND IHRER MENSCHENWÜRDE BERAUBT WURDEN ! HAT NICHT DER MICH ERSCHUF AUCH IHN ERSCHAFFEN - UND EINER UNS IM MUTTERSCHOSS BEFREIT ? |
Nach 1945 wurde Hans Hirte als Amtsgerichtsrat in den neün Justizapparat übernommen. Günter Nebelung schied zwar aus seinem Amt aus, erhielt jedoch im Entgegenkommen des Niedersächsischen Ministeriums eine Pension nach den Bezügen eines Regierungsrates.
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Der Dom war seiner Geistlichkeit enthoben. Der von den Initiatoren
politisch gewollte Gegenwartsbezug wurde durch einen Bilderfries an
den Wänden des Mittelschiffs deutlich. In acht Sgraffiti (Wandmalereien)
zum Thema 'Die Ostpolitik Heinrichs des Löwen' wurde der
'Lebensraumgedanke', den Hitler in den Mittelpunkt seiner Außenpolitik
gestellt hatte, aktualisiert. Unter mißbräuchlicher Anwendung
von Geschichte wurde so versucht, das eigene Wollen in eine unauflösliche
Kontinuität zum Mittelalter, hier zur Ostkolonisation Heinrichs
des Löwen, zu stellen. Sofort nach dem Krieg wurde der Dom der Landeskirche wieder zur Verfügung gestellt, die Insignien des Dritten Reiches und der Bilderfries entfernt. An die oben beschriebenen Maßnahmen und die Geschichte des Domes in jenen Jahren erinnern im wesentlichen die Raumfassung, einige bauliche Details, wie z.B. die Stiftergrabmalrahmung aus gespritztem Granit, und der in weiß-schwarzem Schachbrettmuster neu angelegte Fußboden im Mittelschiff sowie die Gruft Heinrichs des Löwen. |
Die Schaffung der neuartigen Elite mit dem Bewußtsein 'Soldat des Führers', also mehr als nur ein Kommisssoldat oder Parteifunktionär zu sein, prägte den Korpsgeist der Junkerschulengeneration nachhaltig.
'Das 'Volksfreundhaus' - im Volksmund 'Rotes Schloß' genannt - war in
Nazikreisen als 'Hochburg des Marxismus' verschrien. Die Rotationsmaschine
war durch eine Verfügung Klagges schon stillgelegt, Tore und
Türen waren verschlossen. Am 9.März 1933, um 16.00 Uhr, marschierte
eine Kolonne uniformierter Nazis unter Führung von Rechtsanwalt
Alpers heran. Man formierte sich zum Sturm! Unter wüstem Geschrei
drang man mit Schußwaffen in den Händen ein.
Gewerkschaftssekretär Zerbel wurde auf der Treppe schwer mißhandelt
und dann hinausgeworfen, ebenso der Akquisiteur Graül. Der ehemalige
Polizeioberleutnant Neünfeldt, der Kraftfahrer beim 'Volksfreund'
war, wurde von 20jährigen Burschen mit Knüppeln, Stahlruten, Revolverkolben
und dergleichen solange auf den Kopf und ins Gesicht
geschlagen, bis er bewußtlos zusammenbrach. Die ordentliche Polizei
sperrte unterdessen mit starkem Aufgebot die an den 'Volksfreund'
grenzenden Straßen ab. Vor ihren Augen plünderten die Nazis das
Gebäude aus. Sie zerstörten die Inneneinrichtugen. Was nicht nietund
nagelfest war, schleiften die Horden vor das Volksfreundgebäude.
Akten, Einrichtungsgegenstände, kostbares Verwaltungsmaterial, das
Bücherlager der Volksbuchhandlung, viele Zentner Werbematerial, Filme,
Grammophonplatten, Geschäftsbücher und Fahnen trugen sie zu einem
Scheiterhaufen zusammen und entzündeten ihn. Drei Tage und
Nächte brannte der Scheiterhaufen. Der Polizeipräsident Lieff, angerufen,
antwortete, es handele sich um eine 'völlig legale Maßnahme'!
Der Abgeordnete Alpers sei für diese Aktion mit polizeilichen Vollmachten
versehen. Auch Klagges lehnte jedes Eingreifen ab. Das Echo
der bürgerlichen Presse Braunschweigs am nächsten Morgen war: Die
Besetzung sei 'zu recht erfolgt'. Das Haus sei seit langem ein 'Unruheherd'
gewesen, außerdem sei eine Menge 'staatsfeindliches Material'
und viel Munition im Haus gefunden worden. - Nicht eine einzige dieser
Meldungen ist jemals erwiesen worden.'

Schüsse krachten und
das erst Opfer - der 28jährige Kaufmann Saille - wurde tödlich
getroffen. Der Strom von SS-Leuten ergoß sich johlend in alle Räume,
nach 'Belastungsmaterial und Waffen' wühlend. Alpers erteilte auf dem
Hof mit Kommandostimme Befehle. Verschlossene Türen wurden mit
Gewehrkolben zertrümmert. Gewerkschaftssekretäre, Angestellte,
Stenotypistinnen und alle, deren man habhaft werden konnte, wurden mit
Knüppeln, Karabinern, Revolvern und Dolchen zusammengetrieben und
mißhandelt. Dann sperrte man sie mit 'Hände hoch' stundenlang ein,
ehe man sie mit Fußtritten und Ohrfeigen entließ.
(Zitiert nach Alfred Öhl: Der Massenmord im Rieseberg 1933, DGB-Kreis
Braunschweig-Wolfenbüttel, Braunschweig 1981)
Das Volksfreundhaus war seit jenem Überfall Hauptquartier der SS. Gegener des NS-Regimes wurden systematisch verfolgt und in diesem Gebäude oder in den Kellern dr AOK grausam mißhandelt, in einigen Fällen zum Tode gefoltert. Matthias Theisen, Gewerkschaftssekretär des Baugewerkbundes, wurde so grausam gefoltert, daß er am10.4.1933 starb. Hermann Basse, Sekretär der Eisenbahnergewerkschaft, wurde am 1.7.1933 von den Nazis aus dem 2.Stock des Gebäudes geworfen und starb an den Verletzungen. Unter den vielen anderen, die hier gefoltert wurden, waren Dr. Heinrich Jaspers, bis 1930 sozialdemokratischer Ministerpräsident, Otto Thielemann, Chefredakteur der Zeitung 'Volksfreund', und Otto Zerbel, Gewerkschaftssekretär. Seit 1983 erinnert im Eingang des Gebäudes eine Gedenktafel an die Ereignisse.
In der Anfangsphase wurden verstärkt Kleinsiedlerhäuser errichtet. Das änderte sich in der '2.Phase der Wohnungspolitik' des 'Dritten Reiches', nachdem die Aufgaben der Arbeitsbeschaffung und Selbstversorgung in den Hintergrund traten und besonders der Fach- oder 'Stammarbeiter' angesprochen wurde, wie allgemein Personengruppen, die zu einer höheren privaten Finanzierung in der Lage waren. Es wurde der Bau größerer Eigenheime forciert.
1937 war die Siedlung im wesentlichen fertiggestellt und zählte ca. 7000 Einwohner. Eigenheime lagen vorwiegend östlich, Kleinsiedlerstellen westlich der Saarstraße. Cirka ein Drittel der Wohnungen waren Mietwohnungen.
Die Bauten des Saarplatzes bildeten sowohl städtebaulich wie ideologisch das Zentrum der Siedlung. Der Turm des 'Aufbauhauses' als alles überragendes Gebäude symbolisierte den steingewordenen Führungsanspruch von Partei und Staat. Die ANlage unterschied sich deutlich vom Bebelhof, dem größten SPD-Wohnungsprojekt in Braunschweig vor 1933. Dort gab es nur Mietwohnungen mit vielen Gemeinschaftseinrichtungen. In Lehndorf wollten die Nazis ihren 'Blut -und-Boden-Mythos' städtebaulich verwirklichen.
Er hatte als jüdischer KZ-Häftling bei Büssing arbeiten müssen. Als er 1965 auf Entschädigung klagte, lehnten dies die Büssing-Werke mit vorgeschobenen Gründen ab. Das Amtsgericht Braunschweig aber verurteilte sie zur Zahlung. Nur: Für die 1778 Arbeitsstunden wurde ein Stundenlohn von 1 Reichsmark (RM) angesetzt. Die zustehenden 1778 DM wurden aufgrund der Währungsreform von 1948 im Verhältnis 10:1 in DM umgerechnet, so daß Adolf Diamant 177,80 DM 'Entschädigung' zustanden.
Dietrich Klagges:
Klagges, als führender Nazi für viele Morde in Braunschweig verantwortlich, wurde 1950 zu lebenslanger Haft verurteilt. 1952 wurde dieses Urteil auf 15 Jahre reduziert, 1957 wurde er begnadigt. Doch dies reichte ihm noch nicht. Jahrelang klagte er um eine Rente aus seinem früheren Beamtenverhältnis. 1970 wurde das Land Niedersachsen verurteilt, ihm 100.000 DM Rente nachzuzahlen.
Vor kurzem hieß es 'Türken raus', jetzt 'Asylanten schmarotzen von den deutschen Steuergeldern'. Solche und ähnliche Parolen sind auch in unserer Stadt zu lesen und verdeutlichen offen die Stimmung großer Teile der Bevölkerung. Aber nicht der Haß ist das Schlimmste, sondern die zunehmende Gleichgültigkeit, mit der wir den Problemen unserer ausländischen Mitbürger begegnen.
Laßt uns aus der Geschichte unserer Stadt lernen, um Fehler zu vermeiden, die vor uns in ähnlichen Situationen begangen worden sind. Laßt uns gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen, die nicht die Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen bewirken.
Ich denke, ein Schlußwort zu diesem Thema läßt sich nicht sprechen. Die Vergangenheit, auch wenn wir sie nicht direkt erlebt haben, steckt in jedem von uns, in unserer Erziehung, unserer Geschichte. Und das heutige Deutschland ist nur deshalb so geworden, weil die Erfahrung des Nationalsozialismus gemacht wurde. Ich hoffe, wir Braunschweiger haben aus den bitteren Zeiten gelernt und geben den 'neuen' Rechtsradikalen keine Chance.
1. Dr. Heinrich Jasper, Rechtsanwalt, Stadtverordneter, Fraktionsvorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, Staatsminister und Ministerpräsident aus Braunschweig 1933 misshandelt und in Schutzhaft genommen, bis 1939 im KZ Dachau festgehalten, mit der Auflage entlassen, sich täglich bei der Gestapo zu melden. Bei der Aktion "Gewitter" am 22.8.1944 erneut verhaftet und ins KZ Sachsenhausen gebracht. Am 15.1.1945 kam er als Todeskandidat in das Heidelager Bergen-Belsen, wo er nach amtlichen Angaben am 19.2.1945 umkam.
2. Kuno Rieke, Lehrer, Landtagsabgeordneter, 1930 Landtagspräsident aus Braunschweig (SPD). 1933 misshandelt, dann aus Braunschweig geflüchtet. Am 9.8.1935 als wichtiger ehemaliger SPD-Funktionär durch den Präventiverlass ins KZ Dachau verschleppt. Eine von der KZ-Leitung befürwortete Entlassung lehnte Klagges immer wieder ab. Rieke starb im KZ am 2.3 .1945 .
3. Otto Thielernann, Schriftsteller, Redakteur beim "Volksfreund", Landtagsabgeordneter der SPD aus Braunschweig. Auf Befehl von Klagges von Alpers besonders grausam gefoltert, nach seiner Freilassung nach Harnburg geflüchtet und dort kurze Zeit später erneut verhaftet. Drei Jahre Schutzhaft in Braunschweig, 1936 in das KZ Dachau überstellt. Auf Anweisung von Klagges im berüchtigten Bunker stranguliert.
4. Gustav Steinbrecher, Schriftsetzer, Arbeitersekretär , Landtagsabgeordneter und Minister in Braunschweig (SPD). 1933 nach Misshandlung nach Hamburg geflüchetet. Wegen seiner Kontakte zu Braunschweiger Emigranten in Dänemark 1935 dort verhaftet und nach Braunschweig überstellt. Ins KZ Dachau eingewiesen, später als Haftverschärfung ins KZ Mauthausen gebracht. Er starb dort am 30.1.1940 an Ruhr.
5. Rudolf Löhr, Kaufmann, 1918 Arbeiter- und Soldatenrat, Ortsvorsitzender der SPD der Stadt Braunschweig, Landtagsabgeordneter. 1933 misshandelt, in den folgenden Jahren mehrfach für kurze Zeit verhaftet. Vom 16.8.1938 bis 28.11.1938 wegen angeblicher Wiederbegründung der SPD in Untersuchungshaft. Am 21.8.1944 im Rahmen der Aktion "Gewitter" erneut verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht, von dort als Todeskandidat im Januar nach Bergen-Belsen gebracht, wo er im Frühjahr 1945 umkam.
6. Heinrich Siems, Landarbeiter, Geschäftsführer der AOK in Langelsheim bis 1933, seit 1904 Mitglied der SPD, Bezirksleiter des dritten braunschweigischen Wahlkreises (bis 1920), 1918 Arbeiter- und Soldatenrat, 1920 bis 1933 Landtagsabgeordneter. 1933 misshandelt und in Schutzhaft: Am 16.8.1938 wegen angeblicher Wiederbegründung der SPD in Untersuchungshaft. Im Zuge der Aktion "Gewitter" am 21.8.1944 erneut verhaftet und ins KZ Sachsenhausen gebracht, von dort als Todeskandidat im Januar nach. Bergen-Belsen gebracht, wo er im Frühjahr 1945 umkam.
7. Heinrich Simon, Schlosser, Gewerkschaftsfunktionär , Stadtverordneter der SPD aus Braunschweig. 1933 misshandelt, danach nach Holland geflüchtet. Beim Einmarsch der Deutschen verhaftet und nach Braunschweig gebracht. Nach Schutzhaft entlassen. 1944 bei der Aktion "Gewitter" erneut verhaftet, ins KZ Sachsenhausen gebracht, im KZ Bergen-Belsen im Frühjahr umgekommen.
8. August Merges, Schneider, Hauptagitator der Streikbewegung im 1. Weltkrieg, 1918 Arbeiter- und Soldatenrat, Präsident des Freistaates Braunschweig, Mitglied der Nationalversammlung, danach Anarcho-Syndikalist (KAPD und AAU) aus Braunschweig. 1935 als Mitglied einer Widerstandsgruppe verhaftet, von der Gestapo schwer misshandelt, zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Verbüßung der Strafe Schutzhaft in Braunschweig. Durch die Misshandlungen litt er an Knochentuberkulose, an der er am 6.3.1945 verstarb.
9. Paul Gmeiner, Dreher, Aktivist des Spartakusbundes, 1918 Arbeiter- und Soldatenrat, Vorsitzender des KPD-Unterbezirks Braunschweig, Landtagsabgeordneter. Am 31.1.1933 bei einer Flugblattaktion verhaftet, "irrtümlich" freigelassen. Im Sommer 1933 in Hannover erneut verhaftet und nach Braunschweig überstellt. Dort nach langer Untersuchungshaft wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach der Strafverbüßung Einlieferung in das KZ Dachau. Von dort am 20.4.1939 nach Braunschweig entlassen, jedoch bei Kriegsausbruch sofort wieder in das KZ Sachsenhausen eingewiesen. Am 18.4.1944 kam er bei einem Bombenangriff um.
10. Rudolf Claus, Dreher, Sekretär der "Roten Hilfe Deutschlands" (KAPD und KPD) aus Braunschweig. 1933 verhaftet, für kurze Zeit freigelassen. Wegen der Fortführung der illegalen Reichsleitung der i.Roten Hilfe" am 14.5.1934 in Berlin verhaftet und wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens unter erschwerten Umständen vom 2. Senat des Volksgerichtshofs zum Tode verurteilt. Er wurde trotz internationaler Protestaktionen am 17.12.1935 in Plötzensee hingerichtet.
11. Karl Scheide, Klempner, Stadtverordnetenkandidat 1933 für die SPD aus Braunschweig. Er wurde im Zusammenhang mit der .Braunbuch'-Verteilung in der Stadt und an den Baustellen der Autobahn wegen Vorbereitung zum Hochverrat am 16.5.1936 zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Anschließend Schutzhaft in Braunschweig. Er wurde am 20.7.1944 erneut verhaftet und vom Sondergericht Braunschweig wegen Verbreitung von Nachrichten über die Widerstandsaktion gegen Hitler zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Er verstarb am 17.3.1945 im Zuchthaus Coswig/Anhalt.
12. Ernst Donath, Schlosser, Funktionär der KPD aus Braunschweig. Am 26.6.1933 in U-Haft wegen Landfriedensbruchs (Angriff auf Nationalsozialisten, die eine Arbeiterstraße unsicher machten). 7.10.1933 bis 7.10.1938 in Strafhaft in Wolfenbüttel. 12.10.1938 bis 12.11.1938 Gestapo-Haft in Braunschweig. 13.11.1938 bis 14.1.1945 KZ Sachsenhausen. Als Arbeitsunfähiger am 15.1.1945 ins KZ Bergen-Belsen gebracht und dort verstorben (amtliches Todesdatum 4.3.1945).
13. Robert Rose, Maler, Mitglied der Stadtteilleitung in der KPD Braunschweig. Am 2.7.1933 im Zuge der Landmann-Aktion verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Im Sommer 1939 erneute Verhaftung und Verurteilung wegen Verstoß gegen das Heimtücke-Gesetz. Nach der Haftverbüßung ins Lager 21 eingewiesen, danach KZ Buchenwald und Dachau. In Dachau am 25.9.1942 umgebracht.
14. Walter Hensel, Musiker, Stadtteilleiter der KPD in Braunschweig. Schutzhaft vom 4.5.1933 bis 5.10.1933. Am 30.11.1933 Verurteilung wegen Vorbereitung zum Hochverrat (Mitglied einer verbotenen Partei) zu einem Jahr Gefängnis, Nach der Haft sofort wieder in Schutzhaft genommen und am 11.3.1935 wegen öffentlicher Beleidigung einer nationalsozialistischen Person bis 26.7.1935 im Gefängnis Wolfenbüttel eingesperrt. Am 9.8.1935 mit Hilfe des Präventivhafterlasses ins KZ Dachau gebracht. Dort wurde er am 18.3.1937 ermordet.
15. Ernst Flentge, Stanzer, Funktionär der KPD aus Braunschweig. Am 7.10.1933 nach längerer Schutzhaft und U-Haft wegen Landfriedensbruchs (siehe Donath) zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Im Anschluss an die Strafverbüßung wurde er in das KZ Sachsenhausen verbracht. Wie andere Opfer wurde er, als er nicht mehr arbeiten konnte, nach Bergen-Belsen gebracht, wo er im Frühjahr 1945 umkam.
16. Robert Kauschke, Zimmermann, ohne Parteizugehörigkeit aus Helmstedt. Kauschke wurde am 2.6.1936 wegen groben Unfugs zu sechs Wochen Haft verurteilt; In der Haft wurde er zum Antifaschisten. Nach der Entlassung versuchte er, andere zu beeinflussen durch böswillige, gehässige, hetzerische äußerungen auf der Arbeitsstelle über den Führer. Das Sondergericht in Braunschweig verurteilte ihn zu acht Monaten Gefängnis (28.11.1938-30.7.1939). Nach Haftverbüßung Schutzhaft in Braunschweig, am 18.8.1939 ins KZ Sachsenhausen verlegt, am 5.3.1940 nach Dachau verbracht, am 16.8.1941 in Mauthausen eingeliefert. Am 22.5.1942 umgekommen.
17. Herbert Müller, Spinnereiarbeiter , Mitglied der Ernsten Bibelforscher, aus Wolfenbüttel. Wegen seiner Zugehörigkeit zu den Bibelforschern am 19.11.1937 verhaftet und am 9.2.1938 vom Sondergericht zu einem Jahr verurteilt. Nach Verbüßung der Teilstrafe am 7.5.1938 der Braunschweiger Gestapo übergeben und von ihr bis 28.7.1938 in Schutzhaft genommen. Danach ins KZ Buchenwald überführt, am 7.3.1941 in das KZ Niedemhagen verlegt und dort am 29.9.1941 umgekommen.
18. Heinrich Waltemate, Vulkaniseur, Mitglied der KPD in Braunschweig. Im Zuge der Landmann-Aktion in Haft und am 9.8.1933 vom Sondergericht in der AOK wegen Teilnahme an verbotenen Versammlungen und der Verteilung von kommunistischen Zeitungen zu sechs Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die er in Braunschweig, Wolfenbüttel und Münster verbüßte. Anschließend wies man ihn in eine Heil- und Pflege anstalt ein (Haftpsychose infolge von Krankheit). Am 2.7.1941 in Bernburg als sogenannte "Ballast-Existenz" umgebracht.
19. Arthur Wischer, Arbeiter aus Braunschweig. Er wurde am 15.10.1941 von der Gestapo in Braunschweig wegen Arbeitsbummelei verhaftet, als er nicht zur Arbeit kam und auf der Straße erklärte, daß er für die Nazis nicht arbeiten wolle. Die Gestapo nahm ihn in Schutzhaft und überführte ihn ins KZ Buchenwald, wo er am Tag der Einlieferung, den 12.2.1942, umkam.
20. Karl Becker, Arbeiter, 1933 Mitglied des Metallarbeiter-Verbandes, aus Braunschweig. Die Gestapo verhaftete ihn am 19.9.1939, das Sondergericht verurteilte ihn am 9.2.1940 wegen Verstoß gegen das Heimtücke-Gesetz zu einem Jahr Gefängnis. Anschließend überführte ihn die Gestapo in ein KZ Außenlager nach Watenstedt. Am 27.2.1942 starb er im KZ Sachsenhausen.
21. Ernst Casties, Zimmerpolier., Stadtverordneter der SPD aus Bad Harzburg. Casties kam im Zuge der Aktion "Gewitter" in Hallendorf in Haft, wurde am 22.9.1944 in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Wegen Arbeitsunfähigkeit verschleppte ihn die SS im Frühjahr 1945 in das Lager Bergen-Belsen, wo er verstarb (amtliches Sterbedatum 14.4.1945).
22. Ernst Domke, Kaufmann, Kreistagsabgeordneter des Landkreises Wolfenbüttel für die SPD aus Wittmar. Domke ging wie viele andere SPD-Abgeordnete den Leidensweg der bei der Aktion "Gewitter" Verhafteten: Lager 21, KZ Sachsenhausen, KZ Bergen-Belsen. Dort verstarb er im Frühjahr 1945 (amtliches Todesdatum 14.4.1945).
23. August Fuhst, Kutscher, SPD-Mitglied aus Braunschweig. Fuhst versuchte gegen Kriegsende, Gegenpropaganda zu machen, um den Krieg abzukürzen. Er wurde am 1.12.1944 durch ein Urteil des Volksgerichtshofs in Berlin wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 8.1.1945 im Landgerichtsgefängnis Potsdam vollstreckt.
24. Adolf Dimmick, Beigeordneter i.R., SPD-Funktionär aus Bad Harzburg. Dimmick verhaftete die Gestapo wie Löhr und Siems am 16.8.1938 und versuchte ihm nachzuweisen, die SPD wiederbegründet zu haben. Am 4.3.1939 wurde er wieder entlassen. Durch die Aktion "Gewitter" kam er am 22.8.1944 ins Lager 21, anschließend am 20.9.1944 nach Sachsenhausen. Wegen Arbeitsunfähigkeit verbrachten ihn die NS-Schergen nach Bergen-Belsen (24.2.1945), wo er starb (amtliche Toderklärung für den 14.4.1945).
25. Willi Grobe, Schlosser, Stadtverordneter der KPD in Braunschweig, Betriebsrat bei Konegen und Büssing, Stadtrat. Vom 21.3.1933 bis 3.11.1933 in Braunschweig in Schutzhaft. Am 9.8.1935 durch den Präventivhafterlaß nach Dachau verschleppt, am 4.5.1939 entlassen. Im Zuge der Aktion "Gewitter" ins Lager 21, dann nach Sachsenhausen und am 4.2.1945 nach Bergen-Belsen gebracht, wo er starb.
26. Otto Nachtigall, Arbeiter aus Schöningen. Im Herbst 1939 bremste er den Siegestaumel seiner Arbeitskollegen über den deutschen Vormarsch in Polen. Der Stukkateur Arthur Seime zeigte ihn wegen staatsfeindlicher und den Führer verächtlich machender Reden an. Von einem Sondergericht in Braunschweig wurde Nachtigall zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe kam er in das KZ Mauthausen, wo er drei Monate später auf der Flucht erschossen wurde.
27. Hermann Wilke, Arbeiter aus Braunschweig, vor 1933 Mitglied und Kassierer der AAU. Er leistete in der Schade-Gruppe 1933/35 Widerstand und wurde im Hauptprozeß zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Er verstarb während dieser Haft zu einem nicht bekannten Zeitpunkt (1938/39).
28. Fritz Skierde, Technischer Zeichner aus Braunschweig (parteilos). Er äußerte sich gegenüber seinem nationalsozialistischen Kollegen abfällig über die NS-Diktatur. Trotz der Warnung dieses Kollegen, ihn nicht mit staatsfeindlichen Dingen zu provozieren, übte er weiter Kritik. Schließlich zeigte er ihn 1938 an. Skierde wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt und nach Haftverbüßung in das KZ Buchenwald eingeliefert. Dort starb er kurze Zeit später an Lungenentzündung.
29. Erich Plumenbohrn, bis 1933 Geschäftsführer der AOK in Bad Gandersheim, nach 1933 Wachmann bei der Braunschweiger Wach- und Schließgesellschaft (SPD). Er wurde 1938 wegen Verstoß gegen das Heimtücke-Gesetz angezeigt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe wurde er in ein Konzentrationslager eingewiesen, später entlassen. 1944 verhaftete ihn die Gestapo erneut und brachte ihn in das KZ Sachsenhausen. Im Frühjahr 1945 kam er in Bergen-Belsen um.
30. Albert Drösemeyer, bis 1933 Geschäftsführer der AOK in Schöningen (SPD). Er wurde 1938 wegen seiner Verbindungen zu Plumenbohm verhaftet. Er ertrug die Folter der Gestapo nicht und erhängte sich in der Untersuchungshaft im Rennelberg.
Quelle: Reinhard Bein, Widerstand im Nationalsozialismus, Braunschweig 1930 bis 1945, Braunschweig 1985