Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert…
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“…es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“(Karl Marx, Thesen über Feuerbach MEW: 3:7)
Diesen Ausspruch von Marx kennt fast jeder. Aber das heißt nicht, die Philosophie zu verteufeln! Marx selber hat sich sehr intensiv mit den verschiedensten Philosophen auseinandergesetzt. So mit Kant, dessen “kategorischer Imperativ” ihn zu der Überzeugung führte, so zu handeln, dass es zu einer Bildung der aufgeklärten Menschheit beitrage. Auch mit dem antiken Materialismus Epikurs und besonders mit Hegel und der Hegelkritik Feuerbachs, der die “Hegelsche Dialektik” vom Kopf auf die Füße stellte, hat er sich intensiv beschäftigt. Nicht der “absolute Geist” sondern der konkrete Mensch sei das Subjekt und der Motor der weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit Friedrich Engels entwickelte er den “historischen Materialismus“. In den letzten Jahren wandte sich Marx den Grundlagen der ökonomischen Verhältnisse des Kapitalismus zu und schrieb das “Kapital”.
Neben seiner theoretischen Arbeit nahm Marx aber auch an den politischen Bewegungen seiner Zeit teil: er engagierte sich in der bürgerlichen Revolution von 1848 und schrieb mit Engels im gleichen Jahr das “Kommunistische Manifest“, eine Handlungsanleitung für die Zukunft.
Dabei muss man Marx wie Engels als Menschen ihrer Zeit betrachten. Es ging zunächst darum, die feudalen, aristrokratischen Strukturen zu überwinden. Die Französiche Revolution 1789 mit ihrem Schlachtruf “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” hatte das Rad der Geschichte schon vor ihnen mächtig in Schwung gesetzt. Auch die Restauration unter dem Kaiser Napoleon konnte das Rad nicht mehr zurückdrehen und durch die napoleonischen Truppen wurden auch die neuen französischen Ideen nach Europa getragen, der Ruf nach mehr Demokratie, Pressefreiheit, Steuergerechtigkeit, Sicherung des Privateigentums, das Aufheben der alten Stände und Beteiligung an der politischen Macht. In Deutschland kam es zur unvollendeten Revolution 1848/49, wo weite Teile der Bevölkerung diese neuen Ideen aufnahmen. Und nicht nur Deutschland – weite Teile Europas wurden von den Ideen erfasst.
Der erste Versuch einer “sozialistischen Gesellschaft” bildete die Pariser Kommune 1871. Nach Sebastian Haffner ging es dabei „zum ersten Mal um Dinge, um die heute in aller Welt gerungen wird: Demokratie oder Diktatur, Rätesystem oder Parlamentarismus, Sozialismus oder Wohlfahrtskapitalismus, Säkularisierung (Trennung von Kirche und Staat), Volksbewaffnung, sogar Frauenemanzipation – alles das stand in diesen Tagen plötzlich auf der Tagesordnung.“
Angesichts der Staaten des “realen Sozialismus” des 20. Jahrhunderts klingen die Sätze von Rosa Luxemburg, die sie 1918 schrieb, geradezu prophetisch:
„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für die Mitglieder einer Partei – und mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden […] Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution, wird zum Scheinleben, in der die Bürokratie allein das tätige Element bleibt. Das öffentliche Leben schläft allmählich ein, einige Dutzend Parteiführer von unerschöpflicher Energie und grenzenlosem Idealismus dirigieren und regieren, unter ihnen leitet in Wirklichkeit ein Dutzend hervorragender Köpfe, und eine Elite der Arbeiterschaft wird von Zeit zu Zeit zu Versammlungen aufgeboten, um den Reden der Führer Beifall zu klatschen, vorgelegten Resolutionen einstimmig zuzustimmen, im Grunde also eine Cliquenwirtschaft – eine Diktatur allerdings, aber nicht die Diktatur des Proletariats, sondern die Diktatur einer Handvoll Politiker, d. h. Diktatur im rein bürgerlichen Sinne, im Sinne der Jakobinerherrschaft […] Das ist ein übermächtiges, objektives Gesetz, dem sich keine Partei zu entziehen vermag.“(Quelle)
Wie so oft in der Geschichte folgte auf ein ungestümes Vorwärtsdrängen (zwei Schritt vor) meist eine Gegenreaktion: die alten Mächte vermochten mittels ihrer militärischen oder wirtschaftlichen Macht die Geschichte wieder um einen Schritt zurückzudrängen. Aber auch zwei Schritt vor und dann einen zurück bedeutet in der Summe ein Voranschreiten…
So hätten wir heute keine parlamentarische demokratische Republik (hat lange gedauert – vielleicht war die bittere Erfahrung des Nationalsozialismus sogar eine Notwendigkeit für die Deutschen, um sich allgemein der Demokratie zu öffnen), kein allgemeines passives und aktives Wahlrecht, kein Annäherung der Frauen- an die Männerrechte. Doch das gilt noch lange nicht für alle Völker dieser Erde!
Die allgemeinen Menschenrechte, erstmals verkündet im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1776, stehen dabei immer noch in vielen Teilen zur Verwirklichung an.
Auch in userem wiedervereinten Deutschland sind wir noch lange nicht an dem Ziel angelangt, wo es keine Widersprüche mehr zwischen den Zielen eines jeden einzelnen und der Gesellschaft als ganzer gibt. Im Gegenteil: wir befinden uns in einem Stadium der Verschärfung dieser Widersprüche. Die soziale Kluft unsere Gesellschaft wird immer größer! Heute spricht man nicht mehr von Ständen oder Klassen sondern von Schichten.
“Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in Deutschland immer größer. Die Zahl der armen Haushalte nimmt nicht nur zu – sie werden im Durchschnitt auch immer ärmer. Bei den Spitzenverdienern ist die gegenteilige Entwicklung festzustellen. Es gibt immer mehr Reiche, die zudem stets reicher werden. Die Mittelschicht hingegen schrumpft. Manchen Angehörigen der Mittelschicht gelingt es zwar, zu den Topverdienern aufzuschließen – doch deutlich mehr steigen zu den Niedriglöhnern ab. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)…“, schrieb die TAZ am 15.6.2010.
Und was bei allen vorherigen geschichtlichen Umwälzungen als Ursache mit verantwortlich ist: eine allgemeine Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Strukturen. Und auch da stehen wir heute an einem Punkt 5 vor 12!
Die Zockerei einiger Bänker, Ackermann spricht als Ziel seiner Deutschen Bank von einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent, ist für die Normalbevölkerung nicht nachvollziehbar. Die Milliardenbeträge mit denen unsere Regierung den Finanzmärkten in ihrer Krise unter die Arme greift, kann sich kein Normalbürger mehr vorstellen. “Die Gewinne werden privatisiert und die Verluste sozialisiert…“, höre ich immer wieder. Und da sind wir schon wieder an dem Punkt Ethik, einem Problemfeld der Philosophie.
“In ihrer Ausbildung wird den Bankern beigebracht, dass Gewinnmaximierung und unbändiges Eigeninteressestreben in Ordnung sind. Das ist einfach das ökonomische Lehrbuchwissen.Die Kapitalmärkte haben die Bürger der demokratischen Rechtsstaaten in Geiselhaft genommen…“, sagt der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann (Quelle).
Auch ein verantwortungsvoller Umgang mit der belebten Umwelt (inkl. des Menschen) wird mittlerweile erkannt. Damit sind wir bei der Umweltethik.
Wie schrieb schon Karl Marx in der Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie 1844 mit drastischen Worten:
“Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem [am Menschen] demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst… Die Kritik… endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch den Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln!”
Ihr seht, sich mit Philosophie zu befassen kann durchaus interessant sein!
CIAO Hans
Tags: Handlungsaufforderung, Philosophie, Zukunft



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