Schatten über dem Kongo…

Ein Dokumentarfilm, der mich sehr bewegt hat: Schatten über dem Kongo – ein Film von Pippa Scott

Er beschreibt die Geschichte des Kongo von der Kolonialzeit bis in die heutige Zeit der Kriegswirren. Ich nehme die vielen Videoteile einfach in meinen Blog auf…


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Ich weiß, alle Teile anzusehen macht etwas Mühe… aber YouTube lässt ja immer nur noch 10 Minuten pro Video zu.

In der Kolonialzeit war die Einflussnahme der Kolonialmächte sehr direkt und brutal. In heutiger Zeit ist man da etwas raffinierter…

CIAO Hans

Deutschland als Kolonialmacht…

In einem früheren Artikel bin ich schon einmal auf die Geschichte Afrikas eingegangen. Jetz bin ich einen Dokumentarfilm von Phoenix gestoßen, der die Geschichte der Deutschen Kolonien sehr anschaulich beschreibt. Dieser Kolonialismus, der zunächst von Spanien und Portugal in Südamerika praktiziert wurde (Artikel), griff im 19. Jahrhundert auch verstärkt auf Afrika über. Auf der sogenannten Kongokonferenz in Berlin (1884/85) wurden in der Kongoakte die Grundlage für die Aufteilung Afrikas in Kolonien festgelegt.

Die Kolonialmächte sicherten sich ihre imperialen Interessen und auch wenn Deutschland nach der Niederlage im 1. Weltkrieg seine Kolonien abtreten musste, so endete die Kolonialzeit erst nach dem 2. Weltkrieg. Portugal trennte sich sogar erst 1975 von seiner Kolonie Mozambik. Es wurden neue und bessere Methoden der Einflussnahme gefunden – Stichwort Globalisierung: die politischen Entscheidungen zur Liberalisierung des Welthandels, die Öffnung der Märkte und die Schaffung von Freihandelszonen…

Der Film beschreibt nun die Vorgänge in den Deutschen Kolonien: Süd-West-Afrika, Samoa/Papua-Neuguinea, Deutsch-Ost-Afrika, Kiautschou und Togo.

Auch Braunschweiger träumten den Traum von der “Heimat unter Palmen”, wie z.B. Else Sonnenberg aus Wendeburg bei Braunschweig. Die Völkermorde an den Hereros und Namas in Süd-West-Afrka (75.000-80.000 Tote) und der Maji-Maji-Aufstand in Ost-Afrika (ca. 300.000 Tote) werden dokumentiert. Auch die Rolle der Missionare in Papua-Neuguinea wird angerissen.

Achtet mal auf die Namen der Militäroffiziere – vielleicht habt ihr noch eine Straße in eurem Ort, der ihren Namen trägt. Interessant fand ich auch, dass der berühmte Dr. Robert Koch bei seinen Experimenten in Afrika Menschenversuche durchführte…

August Bebel prangerte in den Reichstagsdebatten immer wieder Menschenrechtsverletzungen in den Kolonien an. 1889 kritisierte er die Masseneinfuhr von Branntwein in die Kolonien. Sie ziele darauf ab, die einheimische Bevölkerung zu degenerieren, zu korrumpieren und sie letztlich völlig in die Gewalt zu bekommen.

Teil 1: Hereros


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Teil 2: Hereros, Nama, Misssionare Samoa/Neuguinea


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Teil 3: Papua-Neuguinea, Missionierung, Hagenbeckss Völkerschauen, Maji-Maji-Aufstand in Deutsch-Ost-Afrika, Robert Koch


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Teil 4: Missionierung, Passmarke, Prügelstrafen, Kiautschou, Kamerun, Kautschuk-Palmöl-Bananen


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Teil 5: Filme für daheim, Togo, drahtlose Telegraphie


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Ich hoffe, ihr findet den Film genauso interessant wie ich…

CIAO Hans

Afrika hat seine eigene Geschichte…

Afrika – dieser Begriff übte für mich schon in meiner Jugendzeit eine Faszination aus. Ich werde nie meine Gefühle vergessen, als ich das erste Mal auf einer Fähre von Algeciras nach Ceuta übersetzte. In jungen Jahren verließ ich Europa und machte mich erstmals auf in Richtung Afrika. Mal abgesehen von den Problemen mit den langen Haaren damals am Grenzübertritt (ich musste sie auf dem Schiff schneiden, um in Marokko eingelassen zu werden) und der totalen Filzung nach Haschisch waren die Fahrten in Marokko mit meinem alten Renault ein wunderbares Erlebnis. In Marrakesch saß ich auf einer Terasse und beobachtete erstmals das mir so fremde Treiben der Markthändler, der Schlangenbeschwörer und Geschichtenerzähler. Alles war mir fremd und ich sog die Eindrücke tief in mich hinein.

Später traf ich auf die arabische Kultur in Ägypten und Syrien, sah die vielen Überbleibsel des großen Reiches der Pharaonen und anderer Völker. Doch dies war Nordafrika und nicht Afrika. Wenn ich einen Ägypter in Kairo fragte, wie er sich als Afrikaner fühle, so bekam ich meist die Antwort: “Ich bin kein Afrikaner…”.

Erst viel später auf meinen Reisen durch Ghana, Togo, Burkina Faso, Niger und Benin begriff ich den Unterschied zwischen Nordafrika und dem Subsaharischen Afrika. Und da ich in Togo einen Entwicklungshelfer aus dem Lepradienst des Deutschen Entwicklungsdienstes als Freund kannte, bekam ich die seltene Möglichkeit, als Tourist auch mal in die Buschdörfer zu gelangen und das Leben auf dem Lande kennenzulernen. Durch die Begleitung der Erfassung und Arbeit mit Leprakranken “im offiziellen Auftrag” bekam ich Kontakte mit den Dorfchefs (Chef du Villages) und wir hatten stets einen Dolmetscher dabei, der unsere Worte in Ewe und andere Sprachen übersetzte. Manchmal waren auch mehrere Übersetzer erforderlich. Stets wurden wir von dem Dorfchef in seiner Hütte mit Begrüßungstrunk empfangen und auf seine Frage “Woher kommen Sie…” wurde aus meiner knappen Antwort durch die vielen Übersetzungen meist eine lange Abhandlung, begleitet durch vielfältiges Kopfnicken der Anwesenden. Wir tranken selbstgebrautes Bier aus Kalebassen und einige Riten mussten auch von uns Europäern eingehalten werden. Erst nach dieser Begrüßungszeremonie – wobei vielfältige schwarze Kinderaugen durch die Tür lugten – wurden die orgnisatorischen Dinge geklärt. Es galt einen Tag zu finden, wo sich das ganze Dorf zu einer Reihenuntersuchung einfand – Frauen mit ihren Kindern und alle Männer. Leprakranke mussten versorgt werden und auch Medikamente wurden verteilt. Einen Bericht zu meiner Reise könnt ihr hier lesen.

Mal abgesehen von Ägypten und den Pharaonen, von denen wohl schon jedes Kind schon einmal etwas gehört hat, hat aber auch der “Rest”-Afrika eine lange Geschichte. Es ist die Geschichte von lange untergegangenen Reichen, dem Vordringen des Islam in Nord- und Ostafrika nach dem Tod Mohammeds (632 n.Chr.), dem Sklavenhandel (15. Jahrhundert bis 1815 – als auf dem Wiener Kongress die Sklaverei geächtet wurde), der ungefähr 15 Millionen aus ihrer Heimat riss und entwurzelt in der Karibik und im nord- und südamerikanischen Kontinent stranden ließ. Es folgten vielfältige Missionierungsversuche und die gewaltsame Besitznahme der Ländereien durch europäische Kolonisten, die auf der Kongokonferenz in Berlin von 1884 unter der Leitung von des deutschen Kanzlers Bismarck die Länder Afrikas unter sich aufteilten (dabei gab es ein Deutsches Reich erst seit 1871!). Vor einer 5 Meter großen Karte von Afrika wurden einfach mit dem Lineal Linien über den Kontinent verteilt, ohne Rücksicht auf Kulturen oder Menschen wurden nur die Interessen der Europäer beachtet, Interessengebiete zur Ausbeutung des Kontinents festgelegt.

Und die neuen Kolonialherren verteidigten ihre Gebiete – wenn es sein musste auch militärisch -, und verübten Gräuel an den Einheimischen bis hin zum Völkermord. Die Weißen hielten eine eigenständige Kultur der Schwarzen nicht für möglich. Und viele Europäer vertraten rassistisches Gedankengut, welches ja sogar bis in die Neuzeit in Südafrika überlebte (Buren, Apartheid).

In den 60er Jahren erhielten die meisten afrikanischen Staaten teilweise nach erbitterten Kämpfen ihre Unabhängigkeit. Dabei gab es ein unveränderliches Gebot: die durch die Konolialmächte gezogenen Grenzen durften nicht angetastet werden. Aber auch unter dieser Voraussetzung versuchte Afrika, sich neu zu organisieren.

Die Identität einer Staatszugehörigkeit war bei vielen Menschen noch nicht ausgebildet. Der Familienverband oder die Ethnie waren die alten afrikanischen Denkmuster. Große Führer, die ihre Ausbildung zum Teil an europäischen Universitäten erhalten hatten, da es die afrikanischen einfach noch nicht gab, versuchten, neue Strukturen aufzubauen. Nkrumah in Ghana, Nyerere in Tansania, Touré in Guinea, Lumumba im Kongo, um nur einige zu nennen, hatten eine schwere Aufgabe vor sich. Doch der Neuanfang scheiterte meist durch Militärputsche junger Offiziere, wie zum Beispiel im Kongo durch Mobutu, Bokassa in Zentralafrika oder Idi Amin in Uganda. In einer Authentizitätskampagne benennt der Diktator Mobutu den Kongo um in Zaire und verlangt sogar die Änderung aller christlicher Namen in Namen afrikanischen Ursprungs. Dabei betrachteten diese Diktatoren die Länder als ihre Länder und bereicherten sich auf Kosten des Volkes. Korruption ist ein weit verbreitetes Übel in Afrika.

Im Süden Afrikas, wo sogar ein ganzes Land nach dem englischen Kolonisten Cecil Rhodes benannt wurde – Rhodesien -, hielt sich das rassistische Denken bis in unsere Tage. Sogar die alten Zeugnisse von Great Zimbabwe, einer frühen afrikanischen Kultur, wurden nicht den Afrikaner zugeordnet sondern sie sollten das Goldland Ophir von Salomon aus dem Alten Testament der Bibel sein. Nur diese Vorstellung vertrug sich mit dem rasistischen Denken der Weißen. Heute ist Rhodesien in Sambia und Simbabwe aufgeteilt. In Simbabwe herrscht heute Robert Mugabe, der einst mit sozialistischen Ideen angetreten war. Ab 1990 vertrat er eine Politik der Enteignung und Vertreibung der weißen Farmbesitzer, die die Schwarzen für das geschehene Unrecht der Vergagenheit entschädigen sollte. Heute sind heute Hunger, Arbeitslosigkeit, Energieknappheit und Binnenflucht in Simbabwe weit verbreitet.

Die oben aufgeführten Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Geschichte Afrikas. Afrika hat eine lange sehr komplexe Geschichte. Heute ist so wenig von den alten Reichen bekannt, weil Afrika nur sehr wenige Schriftstücke hinterlassen hat (Geschichte durch mündliche Überlieferung). Und Afrika befindet sich immer noch in der Phase der Selbstfindung mit allen daraus resultierenden Folgen wie Korruption, Diktatoren und Kriegen. Die einfache Übertragung von unserem Demokratiebegriff auf Afrika ist aufgrund der eigenständigen Entwicklung nicht möglich. Auch die einfache Gabe von Entwicklungsgeldern, was ja unser Gewissen beruhigt, ist nicht so ohne weiteres immer sinnvoll. Natürlich ist humanitäre Hilfe im Notfall immer gerechtfertigt. Aber im Mittelpunkt sollte stehen: die Hilfe zur Selbsthilfe. Das sage ich nicht als überheblicher Europäer, der weiß, wo es langgeht…

Jetzt schaut die ganze Welt auf Afrika: erstmals findet auf diesem Kontinent ein Weltereignis statt – die Fußballweltmeisterschaft. Geben wir Afrika das Selbstvertrauen, was es für seine Zukunft braucht. Ich wünsche es Afrika von ganzem Herzen…
…denn ich bin auch ein Afrikaner…

Hier ein paar Stichpunkte aus der Geschichte Afrikas:


Afrika – der unbekannte Kontinent auf einer größeren Karte anzeigen

CIAO Hans

Der Ausverkauf von Afrika…

Eine neue Entwicklung ist derzeit in Afrika zu beobachten: ausländische Investoren versuchen immer mehr Ackerland zu kaufen, um Nahrungsmittel und Energiepflanzen für den Export zu produzieren. Sogar die Vereinten Nationen sind besorgt über große Unternehmen, die immer mehr fruchtbares Land in Drittwelt- oder Schwellenländern aufkaufen. Allein in Afrika soll in den letzten drei Jahren fruchtbares Land, das zusammengesehen 20 Millionen Hektar hätte, in die Hände großer Lebensmittelfirmen übergegangen sein.

In der Art “neuer Kolonialherren” versuchen Investmentbanker, Wirtschaftsvertreter, Agrarexperten und Konzernmanager Kauf- oder Pachtverträge für Ackerland zu erhalten. In den Jahren zwischen 2006 bis 2009 wurden Schätzungen nach 22 bis 55 Millionen Hektar Land in Afrika, Asien und Lateinamerika auf diese Weise verkauft oder verpachtet (Ackerland Europäische Union: 97 Millionen Hektar!).

Besonders aktiv sind dabei Staaten, die selber nicht genügend Nahrungsmittel für ihre Bevölkerung produzieren können, weil sie nicht über genügend Ackerland oder Wasserressourcen verfügen: Saudi-Arabien, Libyen, Japan oder Südkorea (Quelle). Sie wollen auf dem gekauften oder gepachteten Ackerland Reis, Weizen, Sojabohnen und Zucker anbauen. Zu Schnäppchenpreise von weniger als 8€ pro Hektar versprechen sie, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Infrastruktur (Straßen,Häfen usw.) auszubauen.

Bei dem unter dem englischen Begriff “land-grabbing” bekannt gewordene Phänomen der Landnahme, ist die einheimische Bevölkerung jedoch von den Verhandlungen ausgeschlossen. Im Gegenteil: politische, ökologische, soziale Probleme entstehen. Die einheimischen Menschen verlieren den für ihre Ernährungsgrundlage wichtigen Zugang zu Land und Wasser, Nomaden werden um Weiderechte, Kleinbauern um ihre Existenz gebracht, Minderheiten vertrieben. Sofia Monsalve von der Menschenrechtsorganisation FIAN kritisiert: “Was wir leider häufig beobachten, ist, dass wenn solche Investoren die Nutzungsrechte von diesem Land kriegen oder das Land kaufen, die Menschen, die darauf leben, einfach zwangsvertrieben werden, ohne sie zu entschädigen und ohne sie woanders anzusiedeln.” Und das sei nach dem internationalen Menschenrechtspakt ein Verstoß gegen das Recht auf Wohnung und auf Nahrung, kritisiert sie (Quelle).

Das “land-grabbing” stellt also eine Bedrohung für die Bauern und damit auch die weltweite Ernährungssicherheit dar. Schon 2009 gab es auf der Welt 1,2 Milliarden Hungernde! Verschärft wird die Lage noch durch die Förderung von Agrarkraftstoffen in Europa und den USA. Ackerland ist in den Augen von Banken, Finanzinstituten und Investmentunternehmen zu einer sicheren Finanzanlage geworden. Sie versprechen sich hohe Renditechancen und gute Gewinnaussichten.

Das INKOTA Netzwerk e.V. hat eine Aktion unter dem Motto “Ausverkauf von Afrika stoppen!” gestartet, und fordert in einer Beilage der Tageszeitung (TAZ) auf, einen Brief an Bundeskanzlerin Merkel und Bundesentwicklungsminister Niebel zu schicken.

Hier eine Briefvorlage als PDF-Datei: Brief an Merkel und Niebel

Adresse der Sammelstelle für den Brief:
INKOTA-netzwerk
Chrysanthemenstraße 1-3
10407 Berlin
Fax: 030 420820 – 210

CIAO Hans

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