Meine Erinnerungen an das gespaltene Deutschland…
Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer und das politische System der DDR fiel in der Folgezeit in sich zusammen. Angestoßen wurde dieser Prozess durch die friedliche Revolution der mutigen Bürger in der DDR. Durch den Anschluss der DDR an die BRD am 3.Oktober 1990 kam es zur Wiedervereinigung Deutschlands.
Viele junge Menschen, die heute 20 Jahre alt sind, haben die Erfahrungen der zwei deutschen Staaten nicht miterlebt und können sich die über 40 Jahre währende Trennung der Familien nicht vorstellen. Deshalb schreibe ich diesen Artikel, in dem ich meine Erfahrungen widerspiegele…
Ich bin Jahrgang 1953 – und damit habe ich auch noch viele Erinnerungen an das gespaltene Land Deutschland. Mein Vater stammte aus einer Familie in Sachsen und meine Mutter kam aus dem Eichsfeld. So verteilten sich unsere Verwandten sowohl auf die Gebiete in der BRD wie der DDR.
Schon als Kind wurde ich mit dieser Spaltung konfrontiert – Mutter packte zu Weihnachten immer große Pakete an die Verwandten in Sachsen. Das war gar nicht so einfach, denn es gab genaue Vorschriften, was und wie viel in jedem Paket sein durfte. Der Inhalt der Pakete wurde von den Dienststellen der DDR kontrolliert. Ich saß am Tisch und beobachtete, wie Mutter Kaffee, Schokolade und andere leckere Sachen in die Pakete verstaute. Es waren viele Pakete.
Als Kind erlebte ich die Besuche meiner Oma aus Sachsen, die uns als Einzige besuchen durfte, weil sie das erforderliche Ausreisealter erreicht hatte. Meine Cousine war Lehrerin und durfte nicht ausreisen. Auch den anderen Verwandten war dies verwehrt.
Telefonanrufe in die DDR mussten immer schon Tage vorher angemeldet werden. Und manchmal trafen sie zur Unzeit bei uns ein…
Bei dem Tod meiner Oma in Sachsen fuhr ich mit meiner Mutter im Zug zu ihrer Beerdigung – mein Vater war schon verstorben. Ich erlebte diese so völlig andere Welt in der DDR: die Straßen sahen grau aus und in den Geschäften gab es nicht soviel zu kaufen wie bei uns. Trotzdem versuchte man, uns Westlern nur das Beste vor zu setzen. Tauschgeschäfte unter der Ladentheke wurden gemacht, um an diese Leckereien heranzukommen. Mir war dies alles eher peinlich. Eine Beerdigung ist stets ein bedrückender Anlass, um Kontakte aufzubauen. Ich erinnere mich an die Grabstelle, an die große Mauer daneben, hinter der die Soldaten der Sowjetunion ihren Truppenplatz hatten und Schießübungen durchführten.
Auch ich sollte etwas von meiner Oma mitnehmen. Ich entschied mich für zwei alte Medizinbücher, weil mir die Erläuterungen darin gefielen. Bei dem Begriff “Onanie” habe ich herzlich über die Beschreibung lachen können. Also packte ich die Bücher ein und wir fuhren per Bahn zurück.
In Marienborn war der Grenzübergang. Der Zug hielt und Grenzsoldaten gingen an dem Zug mit Schäferhunden vorbei – sie suchten etwaige versteckte Flüchtlinge unter den Waggons. Dann kam die Passkontrolle. Unsere Gepäckstücke wurden durchsucht und – man fand die zwei Bücher. Das seien Antiquitäten, teilte man mir mit. Ich dürfte die nicht ausführen. So musste ich mit einer Grenzbeamtin aus dem Zug aussteigen und mit ihr den ganzen Zug entlang bis zu einer Grenzstube gehen. Dort stellte man mich vor die Wahl: entweder ich schicke die Bücher zurück oder sie werden Eigentum der DDR. Notdürftig packte ich sie in altes Papier und sandte sie zurück (trotz der notdürftigen Verpackung kamen sie später tatsächlich an!).
So richtig mit der Teilung Deutschlands wurde ich konfrontiert, als ich mein Studium der Humanmedizin in West-Berlin antrat. So musste ich viele Male mit meinem alten Auto auf der Transitstrecke von Braunschweig nach West-Berlin fahren. Es war immer dieselbe Prozedur: erst kam der westdeutsche Zoll, den man meist problemlos passieren konnte, dann überquerte man einen weißen Strich auf der Straße und ein DDR-Staatsemblem zeigte an, dass man in das Hoheitsgebiet der DDR einfuhr. Von Soldaten auf einem Wachturm wurde man dabei beobachtet. Dann kam die Passage des Schlagbolzens, der im Notfall ausgefahren werden konnte, falls man unbefugt DDR-Gebiet betreten oder mehr noch verlassen wollte.
Es folgte die Einreihung in eine der vielen Autoschlangen zur Passkontrolle. Ich schätzte immer ab, wo eine schnelle Abfertigung zu erwarten war. DDR-Grenzbeamte fragten regelmäßig: “Haben Sie Funk oder Waffen?” Wie blöd kam mir diese Frage vor. Auch schauten die Beamten nach westdeutschen Zeitschriften. Kam man in der Schlange dran, musste man seinen Pass abgeben. Dieser lief auf einem Fließband weiter zur nächsten Kontrolle. Schließlich kam man in der Autoschlange zur eigentlichen Kontrolle. Unter den Augen eines kritischen Grenzbeamten bekam man seinen Pass mit Stempel versehen zurück oder wurde zur weiteren Kontrolle heraus gewinkt. War alles in Ordnung konnte man auf der Transitstrecke weiter fahren – nur noch an einem letzten Kontrollpunkt vorbei. Jetzt galt die Verkehrsordnung der DDR: maximale Fahrgeschwindigkeit 100 km/std.
In Berlin lief die Kontrolle dann erneut ähnlich ab. Vorbei an einem Panzerdenkmals der sowjetischen Armee kam die Vorkontrolle, ob man einen Pass hat. Danach Einreihung in einer Autoschlange, die Gesichtskontrolle an einem Wachhäuschen und zu guter Letzt am West-Berliner Grenzpunkt Angabe des Übergangs, über den man gekommen war.
Diese Prozedur habe ich wohl viele hundert Mal über mich ergehen lassen. Mein Reisepass war voller Passierstempel der DDR.
Eine Transitfahrt von Braunschweig nach Berlin dauerte gut 3 Stunden, wenn alles gut lief. Bei schlechten Witterungsverhältnissen oder großem Verkehrsaufkommen konnten es auch mal ein paar Stunden mehr sein…
In den Jahren habe ich einiges auf der Transitstrecke erlebt. So kam mir im Winter einmal ein Trabbi – sich überschlagend von der Gegenfahrbahn – direkt vor meinem Wagen auf dem Kopf liegend zum Stehen. Ich sicherte die Fahrbahn nach hinten ab, und kümmerte mich um den Verletzten in dem Trabbi. Er hatte eine Kopfplatzwunde und da es so kalt war, setzte ich ihn in meinen Wagen. Wir warteten auf die Volkspolizei, die auch wenig später eintraf. Dann erhielt ich von einer Volkspolizistin einen Vortrag, was mir denn einfiele, einen DDR-Bürger in meinen West-Wagen zu setzen. Sie drohte mir Schwierigkeiten an. Ich war platt… Doch mein Ärger wurde wieder gedämpft, als der verwundete DDR-Bürger nach Aufnahme des Unfalls nochmals zu meinem Wagen kam und sich bei mir bedankte.
Ein anderes Mal traf ich bei einer Transitfahrt bei der Rast auf einem Parkplatz auf einen Volkspolizisten, dessen Auto defekt war. Er bat mich, ihn mit seinem Wagen nach Magdeburg abzuschleppen. Ich erfüllte ihm seinen Wunsch und verließ – obwohl eigentlich verboten – auf der Abfahrt Magdeburg die Transitstrecke. Doch kurz vor seiner Polizeikaserne forderte mich der Volkspolizist zum Halten auf. Niemand in seiner Kaserne durfte bemerken, dass er sich von einem Wessi abschleppen ließ… Ich fuhr allein zurück.
Berlin in Zeiten des Mauerbaus war eine Insel. Folgte man den Schildern “Berlin-Mitte”, stieß man plötzlich auf die Mauer. Aber ich liebte in meiner Studentenzeit diese Insel Berlin. Sie war voller Leben und bot so viel…
Einmal kamen Kommilitonen mit mir auf Idee, den Medizinbetrieb in Ost-Berlin zu besuchen. Wir wollten einfach sehen, ob sich das Studium der Medizin im Osten von dem Universitätsbetrieb in West-Berlin unterschied. Die Einreise von West-Berlin nach Ost-Berlin war kein Problem. Wir fanden auch die medizinische Fakultät und Studenten, die gerade eine Anatomievorlesung besuchen wollten. Wir reihten uns einfach ein und setzten uns in die oberen Reihen des Vorlesungssaales. Doch wir fielen auf: wir hatten West-Klamotten an und kurz nach Vorlesungsbeginn kam der studentische Semestersprecher in unsere Reihen und forderte uns auf, ihm zu folgen. Unruhe entstand im Vorlesungssaal. Doch wir folgten ihm schließlich in das Büro des Parteisekretärs der medizinischen Fakultät. Er erklärte uns, dass es kein Kulturabkommen zwischen West-Berlin und der DDR gäbe und verwies uns an eine höhere Stelle in der Humboldt-Universität. Dort warteten wir mehrere Stunden bis endlich ein Ansprechpartner kam. Und dann der Hammer: wenn wir uns bereit erklären würden, für den Staatssicherheitsdienst zu arbeiten, könnte er etwas machen – sonst nicht. Entsetzt verließen wir die Stätte, versuchten noch in die Mensa zu gelangen – aber auch dort wurden wir hochkantig rausgeschmissen… Ein erfolgloser Tag – aber einen Versuch war es wert…
Nachdem ich mein Studium an der FU-Berlin beendet hatte, ging ich als Assistenzarzt nach Dannenberg. Wieder wurde ich mit der innerdeutschen Grenze konfrontiert. Gleich hinter dem Landkreis begann die DDR. Ich saß in einem ziemlich toten Winkel der Bundesrepublik.
Dann die Wende – Gorbatschow, Grenzöffnung in Ungarn, Flüchtende in die Prager Botschaft, die Volksbewegung in der DDR. Ich entschloss mich, einmal zur Leipziger Montagsdemonstration zu fahren, um diese Stimmung zu erleben. Ich gebe zu, ich hatte auch etwas Angst mit diesen tausenden Menschen durch Leipzig zu marschieren und vor dem Stasi-Gebäude “Stasi raus!” zu rufen. Es war spät geworden und ich entschloss mich, im Anschluss nicht wieder nach Braunschweig sondern nach Sachsen zu meinen Verwandten zu fahren. Die Überraschung war groß: “Was, du warst bei der Montagsdemo in Leipzig?” Ungläubiges Staunen schlug mir entgegen. Doch ich erfuhr auch, dass selbst in den kleinen Städten der DDR das Brodeln begonnen hatte.
Nach Honnecker kam Krenz. Und dann werde ich nie vergessen, wie ich in meiner Stube sitze und über Fernsehen von Schabowski höre, die Grenze ist offen und diese Regelung gilt ab sofort. Wir alle konnten es kaum glauben. Und dann diese Fersehbilder aus Berlin von den freudig ihr neues Reiserecht wahrnehmenden DDR-Bürgern. Sie fuhren mit der U-Bahn aus Kreuzberg, die ich durch meine vielen Fahrten zu meiner damaligen Freundin kannte. Ich habe vor Freude geweint.
50 Kilometer Stau auf der Transitstrecke… ich war am Grenzübergang und begrüßte die Trabbis mit ihren Insassen. Spontan warfen einige Wessis Bananen in die Fahrzeuge, was mich aber irgendwie nicht richtig freute. Ich freute mich über ihre gewonnene Freiheit mehr…
Braunschweig liegt nahe der ehemaligen DDR-Grenze. Die “Ossis” strömten die nächsten Wochen in Scharen die Kaufhäuser. Erkennen konnte man sie immer an ihren Stofftaschen – sie hatten keine Plastiktüten.
Und meine Mutter wollte ihren 60igsten Geburtstag feiern und lud alle Verwandten aus dem Osten ein. Alle kamen… Unsere Wohnung war voll. Ich ging mit meinen Verwandten zur Hauptpost, wo sie in langen Schlangen stehend die 100 DM Begrüßungsgeld erhielten. Und ich erlebte die Gefühlsausbrüche einiger, die ob der Vielfalt des Angebotes in unseren Kaufhäusern überwältigt waren und teilweise in Tränen ausbrachen.
Beim Abschied werde ich den Dunst in unserer Straße, den die Trabbis und Wartburgs hinterließen, nicht vergessen…
Die nächsten Monate besuchte ich oft das Grenzgebiet auf DDR-Seite und nahm nochmals die Eindrücke dieser vergangenen Welt in mir auf. Doch das änderte sich langsam.
Wenn ich heute 20 Jahre nach der Wiedervereinigung auf Besuch im Osten bin, so hat sich doch vieles verändert. Die Supermärkte sind teilweise reicher bestückt als bei uns. Das Straßenbild hat sich total verändert und gleicht dem bei uns im Westen. Auch Berlin ist nicht mehr die Insel, die ich noch in meinem Kopf habe, sondern Berlin ist zu einer Weltstadt geworden.
Doch die Wende hat nicht nur Gewinner sondern auch Verlierer. Einige verloren ihren Arbeitsplatz und träumen noch von der eher solidarischen Gemeinschaft von früher. Andere konnten sich mit der neuen Situation arrangieren und einen Gewinn ihrer Lebenssituation erzielen.
Doch zurück in die Alten Zeiten der DDR will niemand mehr. Nur etwas mehr soziale Gerechtigkeit könnte es schon geben…
Nun, ich war schon immer links eingestellt, was meine Verwandten damals in der DDR überhaupt nicht verstehen konnten. Klar, ich war auch gegen das System der Unterdrückung in der DDR. Dieser Verlust von Feiheit und die Bespitzelung in allen Bereichen. Die Zentralwirtschaft mit all ihren Mangelerscheinungen lehnte ich total ab. Mit dem Herzen war ich auf Seiten der friedlich demonstrierenden mutigen Menschen, die schließlich zur Abschaffung der DDR führte. Mit der SED und auch noch mit der Nachfolgepartei PDS hatte ich keinerlei Sympathie. Erst als sich die soziale Entwicklung im wiedervereinigten Deutschland langsam immer mehr zuspitzte und schließlich auch noch die große Finanzkrise folgte, und ich meine politische Heimat bei den Grünen verlor, begann ich, mich auch für die Linke als Zusammenschluss zwischen PDS und WASG zu interessieren. Ich stellte fest, dass die Linke eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte begann. Das immer größere militärische Engagement Deutschlands in Afghanistan, wo als einzige Partei die Linke eine klare Position bezog, führte dann dazu, dass ich mich schließlich auch bei der Linken engagierte. Diesen inneren Prozess, der bei mir Jahre dauerte, finde ich in Gesprächen auch immer wieder bei vielen Leuten auf der Straße. Die Linke wird oft mit Stasi und Unterdrückung gleichgesetzt. Doch wenn man sich etwas tiefer mit den Zielen dieser Partei auseinandersetzt, wird man finden, dass viele ihrer Ideen nicht rückwärtsgewandt sind, sondern durchaus Perspektiven aufzeigen in der heutigen Krise. Ich denke mir, Hauptsache die Linke ist als demokratische Partei in den vielen Parlamenten, um Dinge anzustoßen. Prozentzahlen sind da im Moment gar nicht so wichtig. Aber diesen Entwicklungsprozess der Linken, der auch – das gebe ich zu – noch immer nicht abgeschlossen ist (vor allem im Osten), dem normalen Bürger klar zu machen – ich denke, das ist eine zentrale Aufgabe.
Ja, seien wir froh, dass die DDR nicht mehr existiert – aber eine Alternative zum jetzigen globalen Kapitalismus, der immer ungehemmter und unsozialer wird, ist erstrebenswert. Eine tiefere Diskussion, wie wir Menschen in Zukunft unser Leben gestalten und zusammenleben wollen, steht ganz oben auf der Tagesordnung…
CIAO Hans
Grundeinkommen – eine neue Lebensweise?
“Ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist ein sozialpolitisches Finanztransfermodell, in dem jeder Bürger vom Staat eine gesetzlich festgelegte und für jeden Bürger gleiche finanzielle Zuwendung (Transferleistung) erhält, für die keine Gegenleistung erbracht werden muss. Prinzipiell identisch zum „Bürgergeld“ wird das Grundeinkommen jedoch meist in einer Höhe diskutiert, in der es bereits ohne weitere Einkommen oder bedingte Sozialhilfe existenzsichernd wäre…
Das bedingungslose Grundeinkommen stellt ein Einkommen für alle dar, das eine Grundlage zur Sicherung der Existenz und gesellschaftlichen Teilhabe darstellen soll, ohne dass eine sozialadministrative Bedürftigkeitsprüfung erfolgt und ohne dass eine Bereitschaft zur Arbeit gefordert wird.”(Wikipedia)
Eine Illusion? Ein schöner Traum? Wäre doch toll, wenn jeder 1.500 € monatlich als Grundgehalt bekäme und Kinder die Hälfte. Gleich kommen Fragen “Wer soll denn das bezahlen?” oder “Dann geht doch keiner mehr arbeiten…”. Für die meisten von uns ist das Grundeinkommen zur Zeit einfach noch unvorstellbar.
Aber es steckt mehr hinter der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle. Unsere heutige Form der Arbeit verbunden mit dem Einkommen, das wir dafür erhalten, würde sich grundlegend ändern.
Schon 1844 sprach Karl Marx in seinen ökonomisch-philosophischen Manuskripten von der “entfremdeten Arbeit”: der Mensch im Kapitalismus produziert Waren mit seiner Arbeitskraft, die ihm genauso wie das Produzierte nicht gehören. Er verkauft seine Arbeitskraft an einen anderen, der darüber verfügt. Der Mensch schafft nicht für sich selbst, sondern ist in einem Prozess eingebunden, der sich von ihm selbst entfremdet. Folglich wird die Arbeit auch überwiegend als Belastung empfunden und dient nur zum Lebensunterhalt. Wer keine Arbeit hat, kann auch seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten und ist auf soziale Hilfe des Staates angewiesen. Und diese sozialen Hilfen mussten im Laufe der Geschichte von den Menschen erst mühsam erkämpft werden…
Bei einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle, würde diese Entfremdung weitgehend aufgehoben, der Mensch erhielte seine Würde zurück.
Seit Beginn der industriellen Revolution gab es im 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch einmal wesentliche Produktivitätssteigerungen, was zu leistungsfähigeren Volkswirtschaften und zu einem höheren Lebensstandard ihrer Bevölkerungen geführt hat. Die Produktivität mit dem zunehmendem Wohlstand in unserer Gesellschaft führt aber auch in unseren Volkswirtschaften mit gesättigten Märkten zu struktureller Arbeitslosigkeit und zu einer ‚Befreiung des Menschen von der Arbeit’. Dabei kommt es zwar zu einer immer besseren Versorgung der Menschen mit Gütern und Dienstleistungen mit immer geringerem Arbeitsniveau, jedoch haben Gesellschaften mit gesättigten Volkswirtschaften noch nicht gelernt, damit umzugehen und beklagen deshalb die zunehmende Arbeitslosigkeit, ohne die darin liegenden Chancen zu erkennen.
Dabei erscheinen die Folgen des technischen Fortschritts jedoch paradox: trotz gestiegener Produktions- und Versorgungsfähigkeit nehmen Armut und soziale Ungleichheit zu. Erwerbsarbeit wird zunehmend einkommenslos – die ökonomische Entwertung der Arbeit -, gleichzeitig werden Einkommen in Form steigender Kapitalerträge zunehmend ohne Arbeit erzielt.
Die Politik reagiert immer wieder mit derselben Formel: es sollen mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, was aber mit enormen Kosten verbunden ist. Und auch die Kosten der sozialen Ungleichheit wie ihrer Verwaltung und die Zerstörung von Leistungsbereitschaft nehmen weiter zu.
Mit einem allgemeinen Grundeinkommen würden die Bürger unseres Landes enorme Freiraumzuwächse für von ihnen selbst gewählte Tätigkeiten erhalten. Mit der ergänzenden Umstellung des Steuersystems – von der Einkommens- und Ertragsbesteuerung hin zur Konsumbesteuerung – würden Leistungsentfaltung und Arbeit nicht mehr belastet.
Kritik an diesem Modell des Grundeinkommens kommen sowohl aus dem konservativen wie linken Lager. Menschen könnten „sich endgültig aus der Arbeitsgesellschaft zurückziehen”. Von „Stilllegungsprämie“ wird gemunkelt. Die Grünen sind eher beim Arbeitslosengeld II für den Verzicht auf jegliche finanziellen Sanktionen, die dazu führen, dass das Einkommen unterhalb des Existenzsicherungsniveaus sinkt. Die Linksfraktion im Bundestag hat sich für das Modell der bedarfsorientierten Grundsicherung entschieden. Aber auch einzelne Abgeordnete , wie z.B. Katja Kipping, halten weiterhin am Bedingungslosen Grundeinkommen fest.
Nun gut – versuchen wir uns, von unseren Vorurteilen beim Thema Grundeinkommen, die oft auf Neid, Hass und Gier beruhen, zu befreien und schauen wir uns unvoreingenommen einen Film von den Schweizer Autoren Daniel Häni und Enno Schmidt an, der auch auf die Bezahlbarkeit eines solchen gesellschaftlichen Modellvorschlags eingeht.
Hier der Trailer (7 Minuten):
eingebunden mit Embedded Video
In aller Ausführlichkeit (100 Minuten) lässt sich der von Häni und Schmidt produzierte Film hier anschauen (ich finde, es lohnt sich, den vollen Film anzuschauen :
Kulturimpuls – Grundeinkommen, ein Filmessay von Daniel Häni und Enno Schmidt
Dieser Film lässt sich auch problemlos downloaden, auf DVD brennen und mit Designcover und Inlet erstellen.
Ich denke, dieser Film kann uns anregen, neu über unsere zukünftigen Lebensformen nachzudenken und durch die dann neuen Möglichkeiten der freigesetzten Initiativen könnten ein großer Gewinn für unsere Gesellschaft der Zukunft sein.
Hier mal ein Beispiel aus Namibia – Grundeinkommen gegen Armut und Krankheit:
eingebunden mit Embedded Video
PS: Übrigens… Die erfolgreichste E-Petition im Bundestag war die Petition für Grundeinkommen für alle mit 50.000 Stimmen… Artikel
Hoffend auf eine angeregte Diskussion und neuen visionären Impulsen…
CIAO Hans
Kapitalismus in der Krise – Sozialismus eine Alternative?
“Die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor…”
Klingt doch höchst aktuell – doch der Text stammt aus dem Jahre 1848 aus dem dem Manifest der Kommunistischen Partei, und wurde von Karl Marx und Friedrich Engels verfasst.
Aus der Krise des Neoliberalismus erwächst heute wieder die Suche nach Alternativen. International hat eine Diskussion zum “Sozialismus im 21.Jahrhundert” begonnen. Was aber ist Sozialismus?
Dazu haben viele Geister verschiedenes gesagt. Hier eine kleine Zusammenstellung Zitate von bekannten und weniger bekannten Personen…
Bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung fand ich dazu einen sehr interessanten Artikel. In der kontrovers 01/2008 schrieb Michael Brie und Christoph Spehr einen Essay über die Frage: Was ist Sozialismus?
Sie geben einen historischen Rückblick auf den Frühsozialismus, der russischen Revolution bis 1968, von der Neuen Linken bis 1975 und dem Sieg des Neoliberalismus bis heute. Schließlich kommen sie zu Betrachtungen des Sozialismus im 21.Jahrhundert. Dabei haben sie “ein offenes, ehrliches Interesse daran, wie die Probleme der Zeit gelöst und die unerfüllten Ansprüche verwirklicht werden können…” und kommen zu dem Schluss, “ein zukünftiger Sozialismus muss effizient, demokratisch, egalitär und emanzipatorisch sein…”
Ich wünschte mir eine breite Diskussion ihrer Vorschläge. Hier geht es zu ihrem Artikel (PDF):
CIAO Hans



