1968 – ein Jahr, das die Welt veränderte…
1968 war ich 15 Jahre alt. Ich befand mich gerade in der Pubertät und auf dem Weg, mich selbst zu finden. Und das war in diesem Jahr nicht leicht. Ich war Schüler auf dem Gymnasium und erlebte die Studentenrevolte mit Rudi Dutschke und besuchte auch in Braunschweig meine ersten Demontrationen gegen die Erhöhung der Fahrpreise beim öffentlichen Nahverkehr und die Erhöhung der Badepreise…
Täglich flimmerten Nachrichten aus Vietnam über den Fernsehbildschirm – die Amerikaner gegen den Vietkong. Ich war entsetzt über diese Bilder – der Krieg wurde in unser Wohnzimmer übertragen.
In Frankreich gab es den roten Mai, als mit Daniel Cohn-Bendit an der Spitze die Arbeiter sich mit den Studenten solidarisierten.
In der BRD führte Rudi Dutschke die Studentenrevolte in West-Berlin an. Der Student Benno Ohnesorge war auf einer Demonstration gegen den Schah in Berlin von einem Polizisten (Karl-Heinz Kurras: wie sich erst viel später heraustellte, war er Mitarbeiter der Stasi) am 2. Juni 1967 erschossen worden. Am 11. April 1968 schoss der junge Hilfsarbeiter Josef Bachmann (der später im Gefängnis Selbstmord beging – erst jetzt stellen sich Verbindungen zur damaligen rechten Szene in Peine her) vor dem SDS-Büro am Kurfürstendamm dreimal auf Dutschke. Er traf ihn zweimal in den Kopf, einmal in die linke Schulter. Dutschke erlitt lebensgefährliche Gehirnverletzungen und überlebte nur knapp nach einer mehrstündigen Operation. Am 24. Dezember 1979 starb Dutschke in seiner Wohnung an den Spätfplgen des Attentats. Die Studenten machten die Boulevardzeitung “Bild” für das Attentat verantwortlich. So schrieb die “Bild” z. B. am 7. Februar 1968: „Man darf auch nicht die ganze Dreckarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen.“ Infolge kam es zu schwersten Ausschreitungen auf dem Gelände des Springerverlages – Zeitungen wurden verbrannt.
Um sich heute zu rechtfertigen hat der Axel Springer Verlag jetzt ein Medienarchiv68 mit Artikeln ihrer Zeitung aus den 68ern veröffentlicht.
Aber nicht nur in der Bundesrepublik gärte es…
In den USA formierte sich eine große Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg. Einberufene Soldaten verweigerten den Dienst an der Waffe, wollten bei dem Sterben in Vietnam nicht dabei sein. Blackpanther, eine Bewegung der Schwarzen, entdeckten ihre Identität und forderten ein Ende der Rassendiskriminierungen.
Auch in anderen Teilen der Welt gingen die Studenten auf die Straße: Japan, Brasilien und weitere Orte.
Che Guevara starb am 8. Oktober 1967 in den Bergen Boliviens, als er versuchte, genauso wie in Kuba mittels eines kleinen Kommandos die Revolution durchzuführen. Seine revolutionäre Moral galt den 68er Studenten als Vorbild. Auf den Demonstrationen wurde sein Konterfei auf den Plakaten mitgetragen.
Doch auch der Osten regte sich: in China lief die Große Proletarische Kulturrevolution unter Führung von Mao Zedong, was viele Studenten beflügelte – Aufbegehren gegen das Establishment (erst viel später erkannte man die Fehler dieser Kulturrevolution).
Im Ostblock fand in der Tschechoslowakei unter der Regie von Alexander Dubček der “Prager Frühling” statt. Die Menschen rochen den Duft der Freiheit. In der Nacht zum 21. August 1968 beendeten etwa eine halbe Million Soldaten der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens mit ihren Panzern das Experiment. DDR-Truppen nahmen an der Besetzung nicht teil, lagen aber in Alarmbereitschaft.
Es war auch die Zeit, als die Hippie-Bewegung entstand, neue Rockmusik die Jugend begeisterte und auch mit neuen Drogen experimentiert wurde.
Es war die Zeit, als die Jugend gegen das verstaubte alte System der 50er Jahre, gegen ihre Väter und Mütter aufbegehrte. Es war eine Emanzipation: Einstieg in die Bearbeitung der Geschehnisse des Nationalsozialismus, die Neudefinition des Feminismus und das Infragestellen vieler für selbstverständlich gehaltener gesellschaftlicher Normen.
Ich bin der Meinung, ohne diese Bewegungen der 68er Jahre wären wir nicht da, wo wir heute sind. Natürlich wurde damals auch einiges falsch gemacht. Aber wenn man sich auf neuem Terrain zu bewegt, dann macht man unweigerlich auch Fehler…
Und in dieser Zeit steckte ich – wie oben gesagt – in der Pubertät. Die Ereignisse haben mich geprägt. Ich kann mich noch gut an die Auseinandersetzungen mit meinem Vater erinnern, die allabendlichen Diskussionen über die Vorkommnisse des Tages. Ich bekam eine andere Einstellung als mein Vater, der dies auf die Schule schob – dort werde die Jugend verdorben…
Im Rückblick kann ich sagen, dass ich froh bin, diese Zeit der gesellschaftlichen Veränderung so hautnah miterleben zu dürfen. Sie hat mein Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit gestärkt und auch den Blick über den Tellerrand ermöglicht, der Blick auf die globale Welt, was sich dann später noch vertiefte, als ich einige Länder an der unteren Skala der Entwicklung besuchen konnte…
CIAO Hans
Monika Ertl – der Racheengel Che Guevaras…

Monika Ertl wuchs als Kind des Kameramanns Hans Ertl in Deutschland auf. Als Bergsteiger wurde ihr Vater zu Beginn der 1930er-Jahre bekannt. Er drehte Filme für die Propaganda der Nationalsozialisten unter Leni Riefenstahl und Generalfeldmarschall Rommel. Seit 1948 hielt sich ihr Vater in Bolivien auf und 1953 folgte ihm die Familie nach. Ihr Vater betrieb dort später eine Farm und drehte seine letzten Filme. Schon als Sechzehnjährige begleitete sie ihren Vater auf Urwald- und Filmexpeditionen. Bei Vorstoß nach Paititi (1955), wirkte Monika als Kamera-Assistentin mit. 
Nach einer gescheiterten Ehe mit einem Deutsch-Bolivianer stieß sie in den späten 1960er Jahren zur ELN, der nationalen Befreiungsarmee Boliviens, die sich nach dem Tod Che Guevaras in einer Wiederaufbauphase befand. Zunächst beteiligte sie sich eher passiv am Kampf gegen die Militärregierung. So gewährte sie beispielsweise den überlebenden Kämpfern von Guevaras gescheitertem Aufstand und anderen Verfolgten der Militärregierung Unterschlupf, insbesondere den Brüdern „Inti“ und „Chato“ Peredo, die Guevaras Nachfolger in der Führung der ELN waren. Ertl wurde unter ihren Kampfnamen „La Gringa“ und „Juana“ mit ihrem Organisationstalent zu einer der wichtigsten Führungspersonen der Organisation. Zunächst versuchte sie, ein Gelände für die Ausbildung der Anhänger der ELN zu finden. Dafür wollte sie ihren Vater gewinnen, der abgelegen im Dschungel eine Farm betrieb. Der sah jedoch in dem Vorhaben der ELN keine Erfolgsaussichten und lehnte ab. Als Monika Ertls Auto bei einem Banküberfall zur Geldbeschaffung der ELN als Fluchtwagen erkannte wurde, wurde sie ab 1970 polizeilich in Bolivien gesucht.
Allem Anschein nach ermordete Monika Ertl am 1. April 1971 den Konsul Roberto Quintanilla Pereira im bolivianischen Generalkonsulat in Hamburg; die Täterschaft Ertls konnte nie restlos bewiesen werden.
Das Foto zeigt Oberst Roberto Quintanilla Pereira wie er triumphierend mit einer Zigarette neben der Leiche Inti Peredos posiert. Der Ermordete war der Geliebte von Monika Ertl und Nachfolger Che Guevaras bei der ELN. Am 9. September 1969 wurde Peredo von der bolivianischen Polizei erschossen – unter Beteiligung Quintanillas. Quantinilla war übrigens auch an der Ermordung Che Guevaras beteiligt: er hatte befohlen, dem toten Che Guevara noch die Hände abzuhacken – als grausigen Beweis für dessen Tod.
“Quintanilla, Quintanilla….,Du wirst in Deinen Nächten keinen Frieden mehr finden…Du raubtest Inti das Leben
Und du meintest das ganze Volk…”, schrieb Monika Ertl.
Am 1.April 1971 empfing Roberto Quintanilla Pereira, damals Boliviens Generalkonsul in Hamburg, eine junge Frau, die um eine Visa-Auskunft bat. Plötzlich zog die junge Frau eine Pistole aus der Handtasche, feuerte dem Konsul aus kurzer Distanz dreimal in die Brust. Die Einschusslöcher markierten ein regelmäßiges Dreieck. Zufall? Oder stand es für “V” wie “Victory”? Die Polizei fand jedenfalls am Tatort einen Zettel, der schnell klar machte, dass Quintanilla aus politischen Motiven erschossen wurde: “Sieg oder Tod!” stand auf dem Papier – die Parole einer bolivianischen Guerilla-Gruppe. Handtasche, Schal und Brille verlor die Mörderin Quintanillas bei einer Auseinandersetzung mit dessen Frau, die sich der Täterin resolut in den Weg gestellt hatte. Obwohl die Polizei schon Minuten später am Tatort eintraf, konnte die Frau dennoch entkommen – bis heute Anlass für viele Spekulationen.
eingebunden mit Embedded Video
Fest steht, dass Monika Ertl über verschlungene Wege wieder nach Bolivien zurückkehrte – als “Staatsfeind Nr. 1″ schon auf allen Fahndungslisten gesucht. Auf sie war ein Kopfgeld von 20.000 Dollar ausgeschrieben. Sogar für Che Guevara waren nur 4200 Dollar ausgesetzt worden.
Anfang der 1970er Jahre war es Beate und Serge Klarsfeld gelungen, Klaus Barbie in Bolivien aufzuspüren.
1972 versuchte Ertl zusammen mit Régis Debray den ehemaligen SS-Chef von Lyon Klaus Barbie zu entführen, der unter dem falschen Namen „Klaus Altmann“ in Bolivien lebte und für das bolivianische Innenministerium arbeitete. Vielleicht war er sogar ein alter Freund der Familie Ertl. Geplant war, Klaus Barbie über Chile nach Frankreich zu bringen, um ihn dort vor Gericht zu stellen. Damit wollte man einen gefährlichen Berater des Polizeiapparates ausschalten und gleichzeitig eine geistige Verbindung der ELN zur französischen Résistance herstellen. Der Entführungsversuch scheiterte jedoch.
Monika Ertl geriet selbst ins Visier Barbies, dessen Erfahrung bei der Partisanenbekämpfung ihn zum geschätzten Berater und Ehren-Oberst der bolivianischen Sicherheitsdienste in Bolivien gemacht hatten.
Im Mai 1973 wurde Monika Ertl in Bolivien in einen Hinterhalt gelockt und erschossen. Ihr Leichnam wurde fotografiert und dann irgendwo verscharrt. In Deutschland wurden die Polizeiakten geschlossen, Monika Ertl bleibt trotz aller Indizien bis heute nur eine mutmaßliche Mörderin. Und eine Ermordete ohne Grab – die Angehörigen erfuhren nie, wo Che Guevaras Racheengel vergraben wurde.
1980 half Barbie General Luis García Meza bei dessen Staatsstreich. Nach einem Regierungswechsel und der Rückkehr zu einer demokratischen Regierung unter Präsident Hernán Siles Zuazo nahm die bolivianische Polizei Barbie am 19. Januar 1983 fest. Im selben Jahr wurde er nach Frankreich ausgeliefert und dort vor Gericht gestellt.
Der Kriegsverbrecher von Lyon, Barbie, wurde 1987 zu lebenslanger Hafte verurteilt; er starb 1991 im Gefängnis.
Irre Geschichte…
PS: Wer mehr über Che Guevara wissen möchte, der klicke hier.
CIAO Hans


