Auf der Suche nach einem Lied der Deutschen…
Unmutston (oder „Ottenton“) nennt man eine Reihe von über 20 Sprüchen in mittelhochdeutscher Sprache des Minnesängers Walther von der Vogelweide (1170-1230), eines der bekanntesten deutschen Dichter des Mittelalters. Allerdings verfasste er mehr Liebeslieder (Minne=mittelhochdeutsch Liebe).
Aber auch ihn beschäftigte damals schon das Deutschland – das heilige römische Reich, in dem die Macht der Kirche – vertreten durch den Papst – mit der weltlichen Macht in Konflikte geriet.
Er schrieb (ins Hochdeutsche übersetzt):
Sagt an, Herr Opferstock, hat Euch der Papst hergesandt,
damit Ihr ihn reich macht und uns Deutsche arm macht und auszehrt?
Jedesmal wenn ihm die volle Länge in den Lateran kommt,
pflegt er ein arges Kunststück zu vollführen:
er sagt uns dann, dass die Ordnung im Reich darniederliegt,
solange bis ihn alle Pfarren aufs Neue füllen.
Ich glaube, von dem Silber kommt wenig zur Hilfe ins heilige Land,
denn Kleriker pflegen keine großen Schätze herzuschenken.
Herr Stock, Ihr seid hergeschickt, um Schaden zu bringen
und unter den Deutschen Törinnen und Narren zu suchen.
Johann Walter(1496-1570) gilt als „Urkantor“ der evangelischen Kirche. Er schrieb viele Melodien zu Martin Luthers Liedern.
Nach dem deutschen Bauernkrieg 1524-1526 (Thomas Müntzer!) und dem 30jährigen Krieg 1618-1648 mit den Verrohungen und Zerstörungen der Menschen durch die Gewalt, schrieb er 1561 folgendes Lied:
Wach auf, wach auf, du deutsches Land!
Du hast genug geschlafen!
Bedenk, was Gott an dich gewandt,
wozu er dich erschaffen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt
Und dir vertraut sein höchstes Pfand.
Drum magst magst du wohl aufwachen.
Gott hat dich, deutsches Volk, geehrt
mit seinem Wort der Gnaden,
groß Hilf und Kraft dir auch beschert,
Elend und Not zu tragen,
Viel Feind, groß Not und Hassgeschrei
Tritt an und fürcht ihr keinerlei!
Die Rott´ wirst du zerschlagen.
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Nach dem Absolutismus, der Französischen Revolution (1789-1799) und der folgenden Restauration durch Napoleon mit der Besetzung weiter Teile Deutschlands (Rheinbund) und dem Wiener Kongress unter Metternich 1815, wurden die nationalen Einheits- und Unabhängigkeitserhebungen verbunden mit bürgerlichen Freiheiten immer stärker und führten zur Deutschen Revolution (1848-49). Wohlgemerkt – der deutsche Bund ist zu der Zeit ein lockerer Staatenbund von 35 Fürsten und 4 freien Städten!
Gustav Reichardt vertonte 1825 einen Text von Ernst Moritz Arndt. Das Lied galt als deutsche Nationalhymne vor dem Deutschen Krieg von 1866.
“Was ist des Deutschen Vaterland?”
1. Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist’s Preußenland? Ist’s Schwabenland?
Ist’s wo am Rhein die Rebe blüht?
Ist’s wo am Belt die Möwe zieht?
O nein, nein, nein!
|: Sein Vaterland muß größer sein! |
2. Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist’s Bayerland? Ist’s Steierland?
Ist’s, wo des Marsen Rind sich streckt?
Ist’s, wo der Märker Eisen reckt?
O nein, nein, nein!
|: Sein Vaterland muß größer sein! |
3. Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist’s Pommerland? Westfalenland?
Ist’s, wo der Sand der Dünen weht?
Ist’s, wo die Donau brausend geht?
O nein, nein, nein!
|: Sein Vaterland muß größer sein! |
4. Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne mir das große Land!
Ist’s Land der Schweizer? Ist’s Tirol?
Das Land und Volk gefiel mir wohl.
Doch nein, nein, nein!
|: Sein Vaterland muß größer sein! |
5. Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne mir das große Land!
Gewiß, es ist das Österreich,
An Ehren und an Siegen reich?
O nein, nein, nein!
|: Sein Vaterland muß größer sein! |
6. Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne endlich mir das Land!
So weit die deutsche Zunge klingt
und Gott im Himmel Lieder singt:
Das soll es sein! Das soll es sein!
|: Das wackrer Deutscher, nenne dein! |
— not sung —
7. Das ist des Deutschen Vaterland,
wo Eide schwört der Druck der Hand,
wo Treue hell vom Auge blitzt
und Liebe warm im Herzen sitzt.
Das soll es sein! Das soll es sein!
|: Das wackrer Deutscher, nenne dein! |
8. Das ist des Deutschen Vaterland,
wo Zorn vertilgt den welschen Tand,
wo jeder Franzmann heißet Feind,
wo jeder Deutsche heißet Freund.
|: Das soll es sein! das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein! |
—/end not sung/—
9. Das ganze Deutschland soll es sein!
O Gott vom Himmel, sieh darein
und gib uns rechten deutschen Mut,
daß wir es lieben treu und gut!
|: Das soll es sein! Das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein! |
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Erst am 18. Januar 1871 kam es im Spiegelsaal von Versailles im Zuge des Deutsch-Französischen Krieges von 1870–1871 unter Regie des konservativen Kanzlers Otto von Bismarck zur „Kaiserproklamation“. Sie markierte die Gründung des Deutschen Kaiserreichs.
“Heil dir im Siegerkranz” war neben der “Wacht am Rhein” die Hymne auf das Kaiserreich.
1. Heil dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands!
Heil, Kaiser, dir!
||: Fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil Kaiser, dir! ||
2. Nicht Roß, nicht Reisige
Sichern die steile Höh’,
Wo Fürsten steh’n:
||: Liebe des Vaterlands,
Liebe des freien Manns
Gründen den Herrscherthron
Wie Fels im Meer. ||
3. Heilige Flamme, glüh’,
Glüh’ und erlösche nie
Fürs Vaterland!
||: Wir alle stehen dann
Mutig für einen Mann
Kämpfen und bluten gern
Für Thron und Reich! ||
4. Handel und Wissenschaft
Heben mit Mut und Kraft
Ihr Haupt empor!
||: Krieger- und Heldentat
Finden ihr Lorbeerblatt
Treu aufgehoben dort,
An deinem Thron! ||
5. Dauernder stets zu blüh’n
Weh’ unsre Flagge kühn
Auf hoher See!
||: Wie so stolz und hehr
Wirft über Land und Meer
Weithin der deutsche Aar
Flammenden Blick. ||
6. Sei, Kaiser Wilhelm, hier
Lang’ deines Volkes Zier,
Der Menschheit Stolz!
||: Fühl’ in des Thrones Glanz,
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil, Kaiser, dir! ||
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In der Weimarer Republik erklärte Reichspräsident Friedrich Ebert 1922 das Deutschlandlied mit allen drei Strophen zur Nationalhymne des Deutschen Reichs. Hoffmann von Fallersleben (nach ihm hieß auch das Gymnasium, das ich besuchen durfte!) dichtete dieses Lied auf der Insel Helgoland. Als Musik nahm er die Kaiserhymne „Gott erhalte Franz, den Kaiser“ von Joseph Haydn aus dem Jahr 1797. Zur Geschichte des Deutschlandliedes siehe: Teil 1, Teil 2, Teil 3 (Stockhausens Interpretation beachtenswert…)
Das Lied der Deutschen
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach laßt uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!
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Im Dritten Reich wurde nur noch die erste Strophe gesungen, direkt gefolgt vom Horst-Wessel-Lied!!!
Auf der ersten Sitzung des Deutschen Bundestages wurde das Lied “Ich hab mich ergeben” gesungen:
1. Ich hab mich ergeben
Mit Herz und mit Hand,
Dir Land voll Lieb´ und Leben
Mein deutsches Vaterland!
2. Mein Herz ist entglommen,
Dir treu zugewandt,
Du Land der Frei’n und Frommen,
Du herrlich Hermannsland!
3. Du Land, reich an Ruhme,
Wo Luther erstand,
Für deines Volkes Tume
Reich ich mein Herz und Hand!
4. Ach Gott, tu erheben
Mein jung Herzensblut
Zu frischem freud’gem Leben,
Zu freiem frommem Mut!
5. Will halten und glauben
an Gott fromm und frei
will Vaterland dir bleiben
auf ewig fest und treu.
6. Laß Kraft mich erwerben
in Herz und in Hand,
zu leben und zu sterben
fürs heil’ge Vaterland!
Da es dem ersten deutschen Bundekanzler Adenauer peinlich war, auf Empfängen mit verschiedenen Liedern (u.a. „Heidewitzka, Herr Kapitän”) begrüßt zu werden, setzte er schließlich beim damaligen Bundespräsidenten Heuss durch, die dritte Strophe des Deutschlandliedes zur Nationalhymne zu machen. Heuss lehnte eine „feierliche Proklamation“ des Liedes jedoch ab. Erst am am 6. Mai 1952 wurde die dritte Strophe durch ein Bulletin des Bundespresseamtes amtlich…
Der Text der DDR-Nationalhymne wurde von Johannes R. Becher zur Musik von Hanns Eisler vermutlich im Oktober 1949 gedichtet:
1.
Auferstanden aus Ruinen
Und der Zukunft zugewandt,
Laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
Und wir zwingen sie vereint,
Denn es muß uns doch gelingen,
Daß die Sonne schön wie nie
|:Über Deutschland scheint.|
2.
Glück und Frieden sei beschieden
Deutschland, unserm Vaterland.
Alle Welt sehnt sich nach Frieden,
Reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einen,
Schlagen wir des Volkes Feind!
Laßt das Licht des Friedens scheinen,
Daß nie eine Mutter mehr
|:Ihren Sohn beweint.|
3.
Laßt uns pflügen, laßt uns bauen,
Lernt und schafft wie nie zuvor,
Und der eignen Kraft vertrauend,
Steigt ein frei Geschlecht empor.
Deutsche Jugend, bestes Streben
Unsres Volks in dir vereint,
Wirst du Deutschlands neues Leben,
Und die Sonne schön wie nie
|:Über Deutschland scheint.|
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Ab etwa 1972 wurde die Hymne auf Weisung der SED nicht mehr in der DDR gesungen!
Bertold Brecht dichtete dagegen 1950 seine “Kinderhymne“, die später von Fidelio F. Finke vertont wurde.
Kinderhymne
Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s.
Und das liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.
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oder hier
Während der Verhandlungen zum Einigungsvertrag 1990 schlug Lothar de Maizière, Ministerpräsident der DDR, vor, die dritte Strophe des Deutschlandliedes mit dem Becher-Text Auferstanden aus Ruinen zu verbinden. Nach dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland wurde in einem Briefwechsel des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker mit Bundeskanzler Helmut Kohl im Jahr 1991 ausschließlich die dritte Strophe des Deutschlandliedes zur offiziellen Nationalhymne erklärt.
Hier noch eine sehr eigene Interpretion der Becher-Hymne von Barbara Thalheim – Becher-Hymne Interpretation Thalheim
Der Artikel ist doch lang geworden. Aber ich fand es interessant anhand der Geschichte einer Hymne für Deutschland historische Entwicklungen aufzuzeigen…
CIAO Hans
Rüstungsgeschäfte: Deutsche Waffen in Krisengebieten…
Zu diesem Thema referierte gestern Jürgen Grässlin auf einer Veranstaltung des Friedenszentrums Braunschweig e.V.. Jürgen Grässlin ist Bundesprecher mehrerer Friedensorganisationen, Buchautor und Lehrer. Er ist Rüstungsexperte und beschäftigt sich vor allem mit dem Einsatz von Waffen in Krisengebieten, besonders in Türkisch-Kurdistan und Somalia.
In einem Interview mit dem SWR beschreibt er und die Geschäfte mit der tödlichen Technik. Beim Rüstungsgeschäft prallen Wirtschaftsinteressen und moralische Fragen hart aufeinander. Da das Interview einen guten Einstieg in die Problematik der Rüstungsexporte in Krisengebiete gibt, hier das Interview:
Deutschland hat es auf den dritten Platz der Rüstungsexporteure weltweit geschafft. Ich habe die Situation mal in einer Grafik dargestellt:
In dem Dokumentarfilm “Allein gegen die Waffenindustrie – Der Kampf des Jürgen Grässlin” (von Katja Duregger) wird die Arbeit des Friedensaktivisten dargestellt. Auf obiger Veranstaltung meinte er, der Film müsse eigentlich “Gemeinsam gegen die Waffenindustrie” heißen…
Mich hat dieser Film über die Rüstungsindustrie sehr berührt und ich hoffe, auch der ein oder andere wird ein wenig wach gerüttelt! Es lohnt sich das Ansehen!
Hier eine Tabelle über die Todesursache von Kriegsopfern:

Die laufenden Aktionen, an denen Jürgen Grässlin z.Zt. beteiligt ist:
Beteiligen kann man sich über das Internet oder durch die direkte Kontaktaufnahme j.graesslin@gmx.de
Weitere Links: RüstungsInformationsBüro (RIB e.V.), Deutsche Friedensgesellschaft VK, Friedensratschlag, Daimler/EADS
CIAO Hans
Aktion – “unsere Zukunft – atomwaffenfrei”…
Die Aktion “unsere Zukunft – atomwaffenfrei” unterstütze ich aus ganzem Herzen. Auch ich bin wie die überwiegende Mehrheit (weit über 80 Prozent) der deutschen Bevölkerung gegen Atomwaffen.
Viele Menschen wissen jedoch noch nicht,
Nach der Wiedervereinigung hat Russland seine Atomwaffen vertragsgemäß aus dem Osten Deutschlands abgezogen. Die USA haben jedoch immer noch ca. 20 taktische Atomwaffen im Stationierungsort Büchel in Rheinland-Pfalz, die der NATO zur Verfügung stehen. Laut aktuellen Informationen von Atomwaffenexperten in den USA und in Deutschland sind die bisher zusätzlichen 130 US-Atomwaffen von dem US-Luftwaffenstutzpunkt Ramstein abgezogen worden.
Die Website der Aktion -”unsere Zukunft – atomwaffenfrei” bietet eine Vielzahl von Informationen und Möglichkeiten, aktiv für eine atomwaffenfreie Zukunft zu streiten (ein Besuch lohnt sich!).
Hier eine kurze Präsentation der Aktion:
Die medizinischen Folgen eines Atomeinsatzes sieht man hier:
Zur Debatte um Atomwaffen in Deutschland:
Wer selbst aktiv werden möchte, kann einen Brief an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama schicken. Hier ein PDF-Briefvorschlag!
CIAO Hans



