Nachlese zum Gaza-Freedom-March 2010…

Ich hatte schonmal aktuell über den Gaza-Friedensmarsch-2010 in diesem Blog berichtet (hier).

Gestern fand nun ein Treffen der Friedensaktivisten aus Braunschweig statt, auf dem sie von ihren Aktionen auf dem Friedensmarsch berichteten. Mit kleiner Digitalkamera hab ich die vielen Bilder einfach aufgenommen, damit auch ihr sie hier sehen könnt. Entschuldigt die z.T. schlechte Qualität – aber von einer Leinwand bei Zimmerlicht zu fotografieren ist nicht gerade das Pralle.
Hier die Bilder zu ihren Aktionen – mit Hilfe der Teilnehmer werde ich auch noch die Kommentare zu den Bildern ergänzen…

Hier die Kairoer Erklärung des Gaza Friedensmarsches:

  • Kairoer Erklärung
  • Ein Appell geht an alle Organisationen und Einzelpersonen, die sich dieser Erklärung verpflichtet fühlen, sie zu unterschreiben und mit uns darauf hinzuarbeiten um sie Wirklichkeit werden zu lassen.

    Noch einige wichtige Links:

  • Global BDS Movement
  • bds-info
  • GazaFreedomMarch
  •   Gedicht zum Gazakrieg…
      Kommentar zum Gaza-Friedensmarsch…

    CIAO Hans

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    Der Gaza-Friedensmarsch 31.Dezember 2009…

    eingebunden mit Embedded Video


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    Seit Juni 2007 haben Ägypten und Israel eine Blockade über den Gazastreifen verhängt. Diese Blockade gilt sowohl für Land- wie Seewege.
    Die Geschichte dieses Konfliktes zwischen Palästinensern und Israelis ist lang. Verschärft hatte sich der Konflikt, als sich 2006 die Hamas gegen die Fatah im Gazastreifen bei den Wahlen durchsetzte und schließlich auch die militärische Kontrolle übernahm.
    Als Reaktion auf Raketenangriffe der Hamas auf israelisches Territorium begann die israelische Armee am 27. Dezember 2008 im Gazastreifen die “Operation Gegossenes Blei” mit einem Luftwaffenangriff. Die Operation wurde erst am 18. Januar 2009 beendet. Während dieser israelischen Operation wurde die Infrastruktur des Gaza-Streifens zerstört. Während dieses 22-Tage-Krieges wurden mehr als 1300 Palästinenser und 13 Israelis getötet.
    Im September 2009 stellte der Richter Richard Goldstone seinen Bericht über Gaza der UN-Vollversammlung vor: darin wird betont, dass es während des Krieges, den Israel zwischen dem 28. Dezember 2008 und 18. Januar 2009 führte, “schwere Verletzungen der internationalen Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts” gab. Er forderte die Behörden von Israel und dem Gazastreifen zur Durchführung von Untersuchungen derartiger Verbrechen innerhalb von sechs Monaten auf, sonst werde man sie an den Internationalen Strafgerichtshof zu melden. Der Text verurteilte auch die weitgehende Blockade des Gazastreifens als “kollektive Bestrafung” gegen die Zivilbevölkerung.
    Wie medico international meldet, “sagen 16 internationale Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen in einem neuen Bericht, dass der Wiederaufbau und die Beseitigung der Kriegsschäden im Gazastreifen noch immer nicht möglich sind. Lediglich ein Bruchteil der Schäden an Häusern, ziviler Infrastruktur, öffentlichen Einrichtungen und Geschäften konnte bisher repariert werden… Der Zivilbevölkerung, sowie den UN- und Hilfsorganisationen wird bis auf wenige Ausnahmen verboten Materialien wie Zement und Glas zu importieren…
    Kritik üben die Organisationen an der internationalen Politik, die zwar immer wieder die Blockade kritisiere, aber nichts unternehme um dieser israelischen Maßnahme ein Ende zu bereiten. Die internationale Gemeinschaft muss endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und wirksam auf die Beendigung der Versorgungsblockade drängen. Die Bevölkerung von Gaza muss die Möglichkeit erhalten, ihre Häuser selbst wieder aufzubauen und sich neue wirtschaftliche Perspektiven zu erarbeiten.” (hier der gesamte Bericht (PDF))

    Nun soll am 13.Dezember 2009 ein Gaza-Friedensmarsch 2010 für die Aufhebung der Blockade in Gaza stattfinden.
    Auch 6 Braunschweiger nehmen an dieser Friedensaktion teil:

    Marschieren gegen die Blockade von Gaza...

    Das Unternehmen ist nicht ohne Gefahren! So warnte das deutsche Auswärtige Amt:“Ich rate Ihnen und Ihren Mitreisenden nachdrücklich von der Teilnahme an dem Friedensmarsch ab. Die ägyptischen Behörden haben uns mitgeteilt, dass der Friedensmarsch definitiv nicht gestattet wird. Bei Zuwiderhandlung muss mit Inhaftierung gerechnet werden.
    Doch die Freidensmarschierer wollen sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen. Immerhin haben sich 1300 Menschen aus über 43 Ländern für den Friedensmarsch angemeldet. Dabei soll der Protest gewaltfrei sein. Unter der Gaza-Blockade leiden zunehmend die Bevölkerung und bei der Blockade handele es sich um eine Verletzung des Internationalen Völkerrechts.
    Anders als die deutsche Regierung unterstützen die Schweiz, Frankreich und England das Anliegen der Friedensaktivisten.
    Die Friedensaktivisten möchten über Rafah an der Grenze von Ägypten nach Gaza einmarschieren und fordern die Ägyptische Regierung auf, die Grenze zu öffnen.
    In ihrem 20 kg Gepäck haben die Teilnehmer auch Geschenke für die paläastinensischen Kinder dabei : “Wir wollen, dass sie mal wieder einen Grund zum Lächeln haben…”

    Aktuelle Nachrichten zu dem Friedensmarsch kann man unter Twubs einsehen. Dort erscheinen alle aktuellen Tweets zu Gaza…

    Ich wünsche dem Unternehmen viel Erfolg (wäre am liebsten mitgefahren). Hoffen wir, dass die Weltöffentlichkeit durch die Aktion wieder vermehrt das Schicksal der leidgeprüften Palästinenser im Gazastreifen zur Kenntnis nimmt und auch Taten folgen lässt.

    Pressemitteilung der deutschen und schweizer Delegation vom Gaza Freedom March
    Kontakt:
    Dr. Ute Lampe in Kairo (deutsche Mobil-Nr.: +49178-6653929)
    Mikael Erikssen in Kairo (ägyptische Mobil-Nr.: +20195546329)
    Elsa Rassbach in Kairo (ägyptische Mobil-Nr.:+20109816078)

    TeilnehmerInnen vom Gaza Freedom March in Kairo im Polizeikessel

    Kairo, 31. Dezember – Ungefaehr 430 DemonstrantInnen von 1.300 TeilnehmerInnen des Gaza Freedom March wurden in Sichtweite des aegyptischen Museums in Kairo von der Sicherheitspolizei eingekesselt. Die Polizeikraefte hatten einen engen Ring um die TeilnehmerInnen gezogen und jeden Zu- und Ausgang verhindert. Einzelne Personen durften nach mehr als 2 Stunden den Kessel verlassen, mussten aber zuvor das Versprechen abgeben, sich als Tourist von der Demonstration fern zu halten. Bei der Einkesslung ging die Polizei extrem ruppig und auch brutal vor: DemonstrantInnen wurden blutig geschlagen, einem Teilnehmer wurde ein Zahn ausgeschlagen. Um weitere Demonstrationen von TeilnehmerInnen im Umfeld zu vermeiden, hatte die Polzei wiederholt in Verfolgungsjagden TeilnehmerInnen einzufangen versucht, um sie in den Kessel zu zerren.

    Um die Demonstration im letzten Moment doch noch zu verhindern, hatte die aegyptische Polizei am fruehen morgen den Eingang zum Hotel Lotus blockiert, in welchem die meisten OrganisatorInnen des Gaza Freedom March ihre Quartiere haben. Allerdings war der Prozess nicht mehr aufzuhalten.

    Da die aegyptischen Behoerden eine Einreise aller internationalen TeinehmerInnen vom Gaza Freedom March nach Gaza verweigerten, hatten sich die Delegierten entschlossen, die Demonstration zur Beendigung der Blockade von Gaza am 31.12.09 in Kairo durchzufuehren. Auch diese Demonstration in Kairo wurde von den Behoerden nicht genehmigt, so dass ein besonderes Vorgehen zwischen den Delegierten vereinbart wurde. Unauffaellig und in Kleingruppen trafen die TeilnehmerInnen in Sichtweite des aegyptischen Museums ein. Puenktlich um 10 Uhr kam das Signal zum Beginn des Marschs. Durch Aufzeigen von Transparenten und Bannern und dem Sprechchor “Free Gaza” wurde der Marsch von zwei Kleingruppen inititialisiert. Sofort stroemten alle TeilnehmerInnen auf die Strasse, zeigten ihre Fahnen und Transparente und stimmten in den Sprechchor mit ein. Es dauerte nur wenige Minuten bis die Polizei den Kessel um ungefaehr 400 DemonstrantInnen zugezogen hatte. Die groessere Zahl konnte sich dem Kessel entziehen.

    Der Gaza Freedom March findet heute parallel in Gaza und Kairo statt. Zwar hatten die aegyptischen Behoerden zwei Tage zuvor die Einreise von 100 Delegierten nach Gaza erlaubt, jedoch wurde diese umstrittene aegyptische Offerte im weiteren Verlauf und nach einer Diskussion zwischen den OrganisatorInnen und den Delegierten abgelehnt. Die anders lautende Presseerklaerung der deutschen Delegation vom 29.12.∕30.12.09 und Zeitungsmeldungen basieren auf einer verfruehten Pressemitteilung von Seiten der OrganisatorInnen.

    Im Kessel haben Sprecher jeder Delegation ihre Statements zum Gaza Freedom March abgegeben. Stefan Ziefle, der fuer die deutschen TeilnehmerInnen sprach, sagte: „1989 sind wir die Mauer in Deutschland losgeworden. Jetzt kämpfen wir dafür, dass auch die Mauer um Gaza fällt“. Als Sprecher der Schweizer TeilnehmerInnen sagte Mikael Erikssen: “Die Schweiz muss als Depositarstaat der Genfer Konventionen ihre Verantwortung wahrnehmen, das Unrecht in Gaza verurteilen und fuer Gerechtigkeit sorgen!”

    Gegen 16:45 Uhr entschieden die DemonstrantInnen im Kessel, den Protest auf der Strasse aufzuloesen. Weitere Aktionen sind fuer den naechsten Tag zu erwarten…

    Hier ein paar Bilder von der Aktion: Fotoalbum “GAza Auslese 29 31 12″
    Und hier ein aktueller Bericht von Dr.Helmut Käss, einem Teilnehmer der Aktion:
    Mittwoch, Donnerstags: 30.-31.12. Kairo:

    Am Mittwoch dramatische Entwicklung:

    Die ägyptische Regierung hatte einem scheinbaren Entgegenkommen auf unsere Wünsche gesagt, dass 100 Personen nach Gaza reisen dürften. Sie hatte aber solche Bedingiungen gestellt, dass es ihr fast gelungen wäre, die Friedensbewegung zu spalten. Der Koordinierungsausschuss stimmte erst zu. In der Folge kam es zu heftigen Protesten und in der Nacht noch nahm der Ausschuss die Entscheidung zurück. Am morgen bei den Bussen stiegen die ausgewählten Delegierten wieder aus. In der Folge stiegen anscheinend völlig willkürlich Personen zu und fuhren nach Gaza, aber dies ist ohne offiziellen Vertretungsstatus.

    Im weiteren Verlauf bereiteten wir den Friedensmarsch in Kairo vor, der eine Stunde vor dem Marsch in Gaza geplant wurde. Dieser Marsch ist von der Ägyptischen Regierung verboten worden.

    Daher wurden heute, Donnerstags aus Touristen um 10:00 plötzlich eine Demonstration. Dies spielte sich bei lebhaftesten Verkehr vor dem Ägyptischen Museum ab. Diese Demonstration war am Vortag vorbereitet worden mit gewaltfreien Trainings und Besprechungen.
    Es wurden Kleingruppen gebildet, die sich in ihrer Risikobereitschaft absprachen. Unsere Gruppe war nicht so risikobereit, deshalb nahmen wir an der Demonstration nur wenige Minuten teil, wobei wir eifrig „Fre, free Gaza“ brüllten.
    Danach begannen nahe Polzeitruppen mit der Einkesselung.
    Wir flüchteten nach Süden, wobei Friederike und Ute grob angefasst wurden und in den Kessel gezogen werden sollten. Es gelang ihnen, sich zu befreien, aber Ute war den Tränen nahe.

    Wir bewegten uns näher und weiter je nach Mut und Entwicklung. Nach etwa dreißig Minuten war die Situation stabil. Ich hörte, dass aus zwei Kesseln einer gemacht wurde und dieser war auf den Gehsteig verschoben worden. Wir gingen von einer anderen Seite noch mal auf den Kessel zu, wurden aber durch winkende Eiladungen der Polizei, auch in den Kessel gezwungen zu werden, auf Abstand gehalten.. Das Hauptquartier des Koordinationskomitees, dem Hotel Lotus, war durch Polizei blockiert. Daneben fand eine Demonstration statt, die ebenfalls von dicken Polizeiketten blockiert wurde. Danach suchten Elsa und Ute ein Internetcafe, um Presseerklärungen vorzubereiten.
    Dann erfuhr Elsa von ihrem Sohn aus dem Kessel, dass Wasser knapp werde. Harald und ich wurden beauftrat, den Leuten im Kessel Wasser zu bringen. Wir kauften kurz vor dem Kessel 13 1,r Liter Flaschen und versuchten, mit einer jungen Studentin, Anna, unser Glück. Dort war inzwischen eine stabile Situation. Ab und zu durften Leute raus, wir aber durften nicht rein. „No bags“ wurde gesagt. Dass wir Wasser bringen sollte, galt nichts, da ja knappes Wasser die Ausdauer der Demonstranten schmälern könnte. Dann kam plötzlich Sayed und tatsächlich schaffte er es, dass wir hinein durften. Die Stimmung im Kessel war ganz gut, es war eine Lageratmosphäre.

    Ich trug mein T-shirt „Gaza Freedom March“ die meiste Zeit und machte auch mit zwei verteilten Din A3 Schilder etwas Reklame für den Frieden. Nur bei dem Gang in den Kessel zog ich einen Unterpulli drüber. Ich hatte im Lauf der letzten Tage eine ganze Menge freundliche Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

    Wir kamen etwas langsam dann wieder heraus, aber immerhin…
    Nachher hörte Elsa noch ein Gerücht, dass ein Demonstrant im Krankenhaus gestorben sei, aber das glaube ich noch nicht. Die Polizei war zwar am Anfang recht brutal, es hatte anscheinend einen Zahn und einige blauen Flecken gekostet, aber den Todesfall glaube ich nicht.

    So werden wir jetzt noch um Mitternacht etwas Neujahr feiern und morgen werden wir weitersehen…

    Auch hoffe ich auf eine gesunde Rückkehr unserer Braunschweiger Friedensmarschierer…
    Heute, 5.1.2010, erfahre ich, dass alle Braunschweiger Aktivisten wieder heil in Braunschweig angekommen sind.

    Zum Abschluss noch einen Essay von Uri Avnery, einem israelischen Friedensaktivisten, zur Beurteilung des GazaFreedomMarch2010 vom 2.Januar 2010: Die eiserne Mauer

    CIAO Hans

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