Spontanaktion des Braunschweiger Friedensbündnisses zum Angriff auf die Hilfsschiffe für Gaza…

Als ich in den frühen Morgenstunden des 31. Mai die ersten Videos von dem Angriff des israelischen Militärs auf den Schiffskonvoi sah, der Hilfsgüter nach Gaza bringen sollte, war ich sehr geschockt. In den folgenden Stunden erhielt ich einige Mails vom Braunschweiger Bündnis für den Frieden, in denen spontan zu einer Protestaktion gegen diesen Piratenakt der Israelis aufgerufen wurde. Auf dem Kohlmarkt machte ich dann folgende Aufnahmen:


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Auf dem Schiff war die deutsche Delegation unter anderem mit dem Juristen Professor Norman Paech, zwei Bundestagsabgeordneten und Matthis Jochheim von der IPPNW, den Ärzten für soziale Verantwortung vertreten.

Nach dem blutigen israelischen Marineeinsatz gegen die Gaza-Hilfsflotte kritisierte der schwedische Schriftsteller Henning Mankell:

Die israelischen Soldaten gingen fernab der eigenen Gewässer zum bewaffneten Angriff über. Das war in internationalen Gewässern. Also handelt es sich um Seeräuberei und Kidnapping.

Zur Erstürmung der Flottille mit Hilfsgütern für den Gazastreifen durch israelische Soldaten erklärt Gregor Gysi, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE:

Israel versucht seit geraumer Zeit den Gazastreifen, in dem es seine Besatzung aufgegeben hat, abzuriegeln. Dazu hat Israel kein Recht. Es gibt keine einzige völkerrechtliche Norm, auf die Israel eine solche Abriegelung stützen kann. Deshalb ist sie mehrfach und von einer Vielzahl von Staaten verurteilt worden.
Mehrere Schiffe waren unterwegs, um Hilfsgüter an die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen zu liefern. Die israelische Armee wollte dies rechtswidrig nicht zulassen und die Schiffe besetzen. Ohne im Einzelnen beurteilen zu können, was bei der Besetzung geschah, ist es niemals und durch nichts zu rechtfertigen und deshalb verbrecherisch, dass einseitig das Feuer eröffnet wird und friedliche Menschen getötet oder verletzt werden. Unter den Passagieren befinden sich auch die Bundestagsabgeordneten Annette Groth und Inge Höger, beide Mitglieder der Fraktion DIE LINKE sowie der ehemalige Abgeordnete der Linksfraktion, der 72-jährige Norman Paech.
Ich erwarte vom Bundespräsidenten, vom Bundestagspräsidenten, von der Bundeskanzlerin und vom Bundesaußenminister, dass sie sich unverzüglich gegenüber der israelischen Regierung für das Ende der Gewalt gegenüber den Besatzungen der Schiffe, für die unverzügliche Freilassung sämtlicher friedlicher Besatzungsmitglieder, für die Bildung einer internationalen Untersuchungskommission zur Klärung der Vorgänge und für das Ende der rechtswidrigen Abriegelung des Gazastreifens einsetzen.

Ich bin gespannt, wie die Weltgemeinschaft auf dieses Vorgehen der israelischen Regierung reagieren wird…

PS: Free-Gaza-Termine im deutschsprachigen Raum hier

CIAO Hans

Palästina – Land ohne Hoffnung ?

Ganz aktuell (31.05.2010-8.25 Uhr): Militäraktion -Israels Militär stürmt türkisches Hilfsgüterschiff und dazu ein Video
Augenzeugenberichte über Israels Angriff auf das Marmara-Schiff (englisch)

Frau Dr. Marx beim Vortrag“Palästina ist ein Quotenkiller…”, sagt Frau Dr. Marx auf einer Veranstaltung zum Themenkomplex Gaza, “…da schalten die Zuschauer aus!”. Sie studierte in Bonn, Heidelberg, Jerusalem und Köln Judaistik, Islamwissenschaften und Geschichte. Von 2003 bis 2007 arbeitete sie als ARD-Hörfunk-Korrespondentin für Israel und die Palästinensischen Gebiete in Tel Aviv. Gegenwärtig arbeitet sie als Parlamentskorrespondentin für Deutsche Welle Hörfunk und macht von Zeit zu Zeit Vertretungen im ARD-Hörfunkstudio in Tel Aviv. Den Gaza-Streifen bereiste sie letztmalig nach dem Gazakrieg im Sommer 2009.

In ihrem Vortrag schilderte sie eindrücklich die gegenwärtige Situation im Gaza-Streifen nach dem 22-Tage-Krieg “Operation Gegossenes Blei” der Israelis. In meinem Blog hatte ich früher schon darüber berichtet: Der Gaza-Friedensmarsch 31.Dezember 2009… und Nachlese zum Gaza-Freedom-March 2010… .

Weil das Gaza-Trick-Video so schön die Situation der Bewohner von Gaza darstellt, hier nochmals:


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Ich schalte bei dem Thema Gaza nicht aus, sondern versuche auch weiterhin genau die Entwicklung zu beobachten – soweit das geht. Die Schwierigkeiten der Journalisten bei der Berichterstattung über den Gaza-Streifen und seinen Bewohnern wurden von Frau Dr. Marx aus eigener Erfahrung berichtet. So war es für Journalisten schon einen Monat vor dem Gaza-Krieg unmöglich, nach Gaza zu gelangen. Während des Krieges kamen keine westlichen Reporter in das Kriegsgebiet. Sie konnten statt dessen vom “Hügel der Schande” israelische Panzer beim Einmarsch filmen, jedoch nicht das Elend der Bevölkerung in Gaza. Berichte kamen wenn überhaupt von palästinensischen Filmern, die unter Einsatz ihres Lebens Bilder drehten.

Hier ein Video, was die Berichterstattung beschreibt – ZAPP: Zensierte Bilder – Die Propagandaschlacht im Gaza-Krieg


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Al Jazeera war das einzige weltweite Nachrichten-Netzwerk mit einer Berichterstattung aus dem Inneren von Gaza und Israel während des Konflikts. Hier ein Video “Reflections of War” (Teil 1/4):


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Tania Krämer, eine Journalistin der Deutschen Welle hat beobachtet, wie die Menschen in Gaza ihr Leben neu organisieren: Das Leben im Gazastreifen nach dem Krieg…


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Und was macht ein Gefangener in einem Verlies? Er buddelt sich einen Tunnel in die Freiheit. Und genau das bleibt auch den Paläastinensern übrig. Tania Krämer von der Deutschen Welle hat die Tunnelbauer bei ihrer lebensgefährlichen Arbeit beobachtet:


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Ägypten baut nun eine Stahlmauer, um den Tunnelschmuggel zu unterbinden. Doch die Tunnelbauer haben auch da schon eine Lösung gefunden, berichtet Frau Dr. Marx.

Ich finde es sehr bedenklich, dass die Bevölkerung von Gaza in ihrer totalen Isolation von der Weltöffentlichkeit nicht mehr recht wahrgenommen wird. Bei dem Thema Gaza schalten die Menschen ihre Fernseher aus – ein Quotenkiller.

Zur Zeit hat die bislang größte Hilfsaktion für den Gaza-Streifen hat begonnen: Von Schweden aus sind 800 Menschen auf Schiffen aufgebrochen (TAZ). Zusammen mit sieben weiteren Schiffen, die von irischen, griechischen und türkischen Häfen aus starten, will diese Freiheitsflottille die Menschen im Gazastreifen mit Hilfsgütern versorgen und gleichzeitig die Öffentlichkeit auf die völkerrechtswidrige Blockade des Gazastreifens durch Israel aufmerksam machen, die seit drei Jahren andauert.
Israel will diesen Schiffkonvoi unter allen Umständen verhindern (Kaperung auf hoher See ohne Journalisten…?). Die Gruppen gehören zur Free-Gaza-Bewegung (www.freegaza.org). Zur deutschen Sektion zählen unter anderem die Internationalen Ärzte für die Verhinderung des Atomkrieges (IPPNW), die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft und die Palästinensische Gemeinde Deutschland.

Links: Blog vom Schiff Die Schiffsroute (WitnessGaza)

Nachdem der Gaza-Friedensmarsch ja keinen Erfolg hatte, wünsche ich mir, dass diese Hilfaktion ankommt und auch von den Medien aufmerksam verfolgt wird.

Hier ein Interview von Frau Dr. Marx, das in der Braunschweiger Zeitung vom 28. Mai 2010 abgedruckt wurde: hier

PS: auch interessant der journalistische Blog André Marty berichtet, oder guerilla radio – Vittorio Arrigoni (italienisch – Googletranslator benutzen!)

CIAO Hans

Ostermarsch 2010 in Braunschweig…

Am Ostersamstag fand auch in Braunschweig wieder ein Ostermarsch statt – in Form einer Fahrraddemonstration und einer Kundgebung. Es war noch recht kühl, aber die Sonne schien und es war damit gutes Wetter für die Aktion. Seit 50 Jahren finden diese Ostermärsche statt, 50 Jahre gegen Atomwaffen und Kriege.
In Braunschweig stand der Ostermarsch dieses Jahr unter den Losungen

- Atomwaffen abschaffen!
- Bundeswehr raus aus Afghanistan!
- Frieden für Palästina und Israel!
-Europa ohne Militärverfassung und NATO in einer gerechten und sozialen Weltordnung!

Ich hatte meinen Fotoapparat und meine Videokamera dabei und nahm die Aktion zur Dokumentation auf. Die anfänglichen Worte von Frieder Schöbel, Mitglied des Friedenszentrums Braunschweig e.V., über die Geschichte der Ostermärsche auch in Braunschweig fand ich sehr interessant. Ja, er ist schon ein alter Hase der Friedensbewegung.

Die Fahrradtour durch Braunschweigs Innenstadt mit den vielen Plakaten und Friedensfahnen war sehr bunt und lebendig. Ich wäre ja mitgefahren, aber nun stand ich hinter meiner Videokamera…

Auf der Abschlusskundgebung sprach Pastor Albrecht Fay über die Situation in Afghanistan und Obamas neue Impulse in der Weltpolitik. Dabei sah er Obama durchaus kritisch. Marion Krüger, Teilnehmerin des Gaza-Friedensmarsches 2010, berichtete über die Lage der Palästinenser im Gaza-Streifen. Sie sprach als Mutter von Kindern und ihre Worte haben mich sehr bewegt. Zum Schluss stellte Bernd von der Bürgerinitiative Waggum die Bedenken der Bürger gegen den Ausbau des Braunschweiger Flughafens dar. Auch in seinem Beitrag ging es um Frieden, keine Militärforschung in Braunschweig…

Hier die zwei Videos, die ich aufgenommen habe (Abschlusskundgebung leicht gekürzt, da YouTube nur 10 Minuten zulässt).


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CIAO Hans

Nachlese zum Gaza-Freedom-March 2010…

Ich hatte schonmal aktuell über den Gaza-Friedensmarsch-2010 in diesem Blog berichtet (hier).

Gestern fand nun ein Treffen der Friedensaktivisten aus Braunschweig statt, auf dem sie von ihren Aktionen auf dem Friedensmarsch berichteten. Mit kleiner Digitalkamera hab ich die vielen Bilder einfach aufgenommen, damit auch ihr sie hier sehen könnt. Entschuldigt die z.T. schlechte Qualität – aber von einer Leinwand bei Zimmerlicht zu fotografieren ist nicht gerade das Pralle.
Hier die Bilder zu ihren Aktionen – mit Hilfe der Teilnehmer werde ich auch noch die Kommentare zu den Bildern ergänzen…

Hier die Kairoer Erklärung des Gaza Friedensmarsches:

  • Kairoer Erklärung
  • Ein Appell geht an alle Organisationen und Einzelpersonen, die sich dieser Erklärung verpflichtet fühlen, sie zu unterschreiben und mit uns darauf hinzuarbeiten um sie Wirklichkeit werden zu lassen.

    Noch einige wichtige Links:

  • Global BDS Movement
  • bds-info
  • GazaFreedomMarch
  •   Gedicht zum Gazakrieg…
      Kommentar zum Gaza-Friedensmarsch…

    CIAO Hans

    Der Gaza-Friedensmarsch 31.Dezember 2009…

    eingebunden mit Embedded Video


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    Seit Juni 2007 haben Ägypten und Israel eine Blockade über den Gazastreifen verhängt. Diese Blockade gilt sowohl für Land- wie Seewege.
    Die Geschichte dieses Konfliktes zwischen Palästinensern und Israelis ist lang. Verschärft hatte sich der Konflikt, als sich 2006 die Hamas gegen die Fatah im Gazastreifen bei den Wahlen durchsetzte und schließlich auch die militärische Kontrolle übernahm.
    Als Reaktion auf Raketenangriffe der Hamas auf israelisches Territorium begann die israelische Armee am 27. Dezember 2008 im Gazastreifen die “Operation Gegossenes Blei” mit einem Luftwaffenangriff. Die Operation wurde erst am 18. Januar 2009 beendet. Während dieser israelischen Operation wurde die Infrastruktur des Gaza-Streifens zerstört. Während dieses 22-Tage-Krieges wurden mehr als 1300 Palästinenser und 13 Israelis getötet.
    Im September 2009 stellte der Richter Richard Goldstone seinen Bericht über Gaza der UN-Vollversammlung vor: darin wird betont, dass es während des Krieges, den Israel zwischen dem 28. Dezember 2008 und 18. Januar 2009 führte, “schwere Verletzungen der internationalen Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts” gab. Er forderte die Behörden von Israel und dem Gazastreifen zur Durchführung von Untersuchungen derartiger Verbrechen innerhalb von sechs Monaten auf, sonst werde man sie an den Internationalen Strafgerichtshof zu melden. Der Text verurteilte auch die weitgehende Blockade des Gazastreifens als “kollektive Bestrafung” gegen die Zivilbevölkerung.
    Wie medico international meldet, “sagen 16 internationale Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen in einem neuen Bericht, dass der Wiederaufbau und die Beseitigung der Kriegsschäden im Gazastreifen noch immer nicht möglich sind. Lediglich ein Bruchteil der Schäden an Häusern, ziviler Infrastruktur, öffentlichen Einrichtungen und Geschäften konnte bisher repariert werden… Der Zivilbevölkerung, sowie den UN- und Hilfsorganisationen wird bis auf wenige Ausnahmen verboten Materialien wie Zement und Glas zu importieren…
    Kritik üben die Organisationen an der internationalen Politik, die zwar immer wieder die Blockade kritisiere, aber nichts unternehme um dieser israelischen Maßnahme ein Ende zu bereiten. Die internationale Gemeinschaft muss endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und wirksam auf die Beendigung der Versorgungsblockade drängen. Die Bevölkerung von Gaza muss die Möglichkeit erhalten, ihre Häuser selbst wieder aufzubauen und sich neue wirtschaftliche Perspektiven zu erarbeiten.” (hier der gesamte Bericht (PDF))

    Nun soll am 13.Dezember 2009 ein Gaza-Friedensmarsch 2010 für die Aufhebung der Blockade in Gaza stattfinden.
    Auch 6 Braunschweiger nehmen an dieser Friedensaktion teil:

    Marschieren gegen die Blockade von Gaza...

    Das Unternehmen ist nicht ohne Gefahren! So warnte das deutsche Auswärtige Amt:“Ich rate Ihnen und Ihren Mitreisenden nachdrücklich von der Teilnahme an dem Friedensmarsch ab. Die ägyptischen Behörden haben uns mitgeteilt, dass der Friedensmarsch definitiv nicht gestattet wird. Bei Zuwiderhandlung muss mit Inhaftierung gerechnet werden.
    Doch die Freidensmarschierer wollen sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen. Immerhin haben sich 1300 Menschen aus über 43 Ländern für den Friedensmarsch angemeldet. Dabei soll der Protest gewaltfrei sein. Unter der Gaza-Blockade leiden zunehmend die Bevölkerung und bei der Blockade handele es sich um eine Verletzung des Internationalen Völkerrechts.
    Anders als die deutsche Regierung unterstützen die Schweiz, Frankreich und England das Anliegen der Friedensaktivisten.
    Die Friedensaktivisten möchten über Rafah an der Grenze von Ägypten nach Gaza einmarschieren und fordern die Ägyptische Regierung auf, die Grenze zu öffnen.
    In ihrem 20 kg Gepäck haben die Teilnehmer auch Geschenke für die paläastinensischen Kinder dabei : “Wir wollen, dass sie mal wieder einen Grund zum Lächeln haben…”

    Aktuelle Nachrichten zu dem Friedensmarsch kann man unter Twubs einsehen. Dort erscheinen alle aktuellen Tweets zu Gaza…

    Ich wünsche dem Unternehmen viel Erfolg (wäre am liebsten mitgefahren). Hoffen wir, dass die Weltöffentlichkeit durch die Aktion wieder vermehrt das Schicksal der leidgeprüften Palästinenser im Gazastreifen zur Kenntnis nimmt und auch Taten folgen lässt.

    Pressemitteilung der deutschen und schweizer Delegation vom Gaza Freedom March
    Kontakt:
    Dr. Ute Lampe in Kairo (deutsche Mobil-Nr.: +49178-6653929)
    Mikael Erikssen in Kairo (ägyptische Mobil-Nr.: +20195546329)
    Elsa Rassbach in Kairo (ägyptische Mobil-Nr.:+20109816078)

    TeilnehmerInnen vom Gaza Freedom March in Kairo im Polizeikessel

    Kairo, 31. Dezember – Ungefaehr 430 DemonstrantInnen von 1.300 TeilnehmerInnen des Gaza Freedom March wurden in Sichtweite des aegyptischen Museums in Kairo von der Sicherheitspolizei eingekesselt. Die Polizeikraefte hatten einen engen Ring um die TeilnehmerInnen gezogen und jeden Zu- und Ausgang verhindert. Einzelne Personen durften nach mehr als 2 Stunden den Kessel verlassen, mussten aber zuvor das Versprechen abgeben, sich als Tourist von der Demonstration fern zu halten. Bei der Einkesslung ging die Polizei extrem ruppig und auch brutal vor: DemonstrantInnen wurden blutig geschlagen, einem Teilnehmer wurde ein Zahn ausgeschlagen. Um weitere Demonstrationen von TeilnehmerInnen im Umfeld zu vermeiden, hatte die Polzei wiederholt in Verfolgungsjagden TeilnehmerInnen einzufangen versucht, um sie in den Kessel zu zerren.

    Um die Demonstration im letzten Moment doch noch zu verhindern, hatte die aegyptische Polizei am fruehen morgen den Eingang zum Hotel Lotus blockiert, in welchem die meisten OrganisatorInnen des Gaza Freedom March ihre Quartiere haben. Allerdings war der Prozess nicht mehr aufzuhalten.

    Da die aegyptischen Behoerden eine Einreise aller internationalen TeinehmerInnen vom Gaza Freedom March nach Gaza verweigerten, hatten sich die Delegierten entschlossen, die Demonstration zur Beendigung der Blockade von Gaza am 31.12.09 in Kairo durchzufuehren. Auch diese Demonstration in Kairo wurde von den Behoerden nicht genehmigt, so dass ein besonderes Vorgehen zwischen den Delegierten vereinbart wurde. Unauffaellig und in Kleingruppen trafen die TeilnehmerInnen in Sichtweite des aegyptischen Museums ein. Puenktlich um 10 Uhr kam das Signal zum Beginn des Marschs. Durch Aufzeigen von Transparenten und Bannern und dem Sprechchor “Free Gaza” wurde der Marsch von zwei Kleingruppen inititialisiert. Sofort stroemten alle TeilnehmerInnen auf die Strasse, zeigten ihre Fahnen und Transparente und stimmten in den Sprechchor mit ein. Es dauerte nur wenige Minuten bis die Polizei den Kessel um ungefaehr 400 DemonstrantInnen zugezogen hatte. Die groessere Zahl konnte sich dem Kessel entziehen.

    Der Gaza Freedom March findet heute parallel in Gaza und Kairo statt. Zwar hatten die aegyptischen Behoerden zwei Tage zuvor die Einreise von 100 Delegierten nach Gaza erlaubt, jedoch wurde diese umstrittene aegyptische Offerte im weiteren Verlauf und nach einer Diskussion zwischen den OrganisatorInnen und den Delegierten abgelehnt. Die anders lautende Presseerklaerung der deutschen Delegation vom 29.12.∕30.12.09 und Zeitungsmeldungen basieren auf einer verfruehten Pressemitteilung von Seiten der OrganisatorInnen.

    Im Kessel haben Sprecher jeder Delegation ihre Statements zum Gaza Freedom March abgegeben. Stefan Ziefle, der fuer die deutschen TeilnehmerInnen sprach, sagte: „1989 sind wir die Mauer in Deutschland losgeworden. Jetzt kämpfen wir dafür, dass auch die Mauer um Gaza fällt“. Als Sprecher der Schweizer TeilnehmerInnen sagte Mikael Erikssen: “Die Schweiz muss als Depositarstaat der Genfer Konventionen ihre Verantwortung wahrnehmen, das Unrecht in Gaza verurteilen und fuer Gerechtigkeit sorgen!”

    Gegen 16:45 Uhr entschieden die DemonstrantInnen im Kessel, den Protest auf der Strasse aufzuloesen. Weitere Aktionen sind fuer den naechsten Tag zu erwarten…

    Hier ein paar Bilder von der Aktion: Fotoalbum “GAza Auslese 29 31 12″
    Und hier ein aktueller Bericht von Dr.Helmut Käss, einem Teilnehmer der Aktion:
    Mittwoch, Donnerstags: 30.-31.12. Kairo:

    Am Mittwoch dramatische Entwicklung:

    Die ägyptische Regierung hatte einem scheinbaren Entgegenkommen auf unsere Wünsche gesagt, dass 100 Personen nach Gaza reisen dürften. Sie hatte aber solche Bedingiungen gestellt, dass es ihr fast gelungen wäre, die Friedensbewegung zu spalten. Der Koordinierungsausschuss stimmte erst zu. In der Folge kam es zu heftigen Protesten und in der Nacht noch nahm der Ausschuss die Entscheidung zurück. Am morgen bei den Bussen stiegen die ausgewählten Delegierten wieder aus. In der Folge stiegen anscheinend völlig willkürlich Personen zu und fuhren nach Gaza, aber dies ist ohne offiziellen Vertretungsstatus.

    Im weiteren Verlauf bereiteten wir den Friedensmarsch in Kairo vor, der eine Stunde vor dem Marsch in Gaza geplant wurde. Dieser Marsch ist von der Ägyptischen Regierung verboten worden.

    Daher wurden heute, Donnerstags aus Touristen um 10:00 plötzlich eine Demonstration. Dies spielte sich bei lebhaftesten Verkehr vor dem Ägyptischen Museum ab. Diese Demonstration war am Vortag vorbereitet worden mit gewaltfreien Trainings und Besprechungen.
    Es wurden Kleingruppen gebildet, die sich in ihrer Risikobereitschaft absprachen. Unsere Gruppe war nicht so risikobereit, deshalb nahmen wir an der Demonstration nur wenige Minuten teil, wobei wir eifrig „Fre, free Gaza“ brüllten.
    Danach begannen nahe Polzeitruppen mit der Einkesselung.
    Wir flüchteten nach Süden, wobei Friederike und Ute grob angefasst wurden und in den Kessel gezogen werden sollten. Es gelang ihnen, sich zu befreien, aber Ute war den Tränen nahe.

    Wir bewegten uns näher und weiter je nach Mut und Entwicklung. Nach etwa dreißig Minuten war die Situation stabil. Ich hörte, dass aus zwei Kesseln einer gemacht wurde und dieser war auf den Gehsteig verschoben worden. Wir gingen von einer anderen Seite noch mal auf den Kessel zu, wurden aber durch winkende Eiladungen der Polizei, auch in den Kessel gezwungen zu werden, auf Abstand gehalten.. Das Hauptquartier des Koordinationskomitees, dem Hotel Lotus, war durch Polizei blockiert. Daneben fand eine Demonstration statt, die ebenfalls von dicken Polizeiketten blockiert wurde. Danach suchten Elsa und Ute ein Internetcafe, um Presseerklärungen vorzubereiten.
    Dann erfuhr Elsa von ihrem Sohn aus dem Kessel, dass Wasser knapp werde. Harald und ich wurden beauftrat, den Leuten im Kessel Wasser zu bringen. Wir kauften kurz vor dem Kessel 13 1,r Liter Flaschen und versuchten, mit einer jungen Studentin, Anna, unser Glück. Dort war inzwischen eine stabile Situation. Ab und zu durften Leute raus, wir aber durften nicht rein. „No bags“ wurde gesagt. Dass wir Wasser bringen sollte, galt nichts, da ja knappes Wasser die Ausdauer der Demonstranten schmälern könnte. Dann kam plötzlich Sayed und tatsächlich schaffte er es, dass wir hinein durften. Die Stimmung im Kessel war ganz gut, es war eine Lageratmosphäre.

    Ich trug mein T-shirt „Gaza Freedom March“ die meiste Zeit und machte auch mit zwei verteilten Din A3 Schilder etwas Reklame für den Frieden. Nur bei dem Gang in den Kessel zog ich einen Unterpulli drüber. Ich hatte im Lauf der letzten Tage eine ganze Menge freundliche Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

    Wir kamen etwas langsam dann wieder heraus, aber immerhin…
    Nachher hörte Elsa noch ein Gerücht, dass ein Demonstrant im Krankenhaus gestorben sei, aber das glaube ich noch nicht. Die Polizei war zwar am Anfang recht brutal, es hatte anscheinend einen Zahn und einige blauen Flecken gekostet, aber den Todesfall glaube ich nicht.

    So werden wir jetzt noch um Mitternacht etwas Neujahr feiern und morgen werden wir weitersehen…

    Auch hoffe ich auf eine gesunde Rückkehr unserer Braunschweiger Friedensmarschierer…
    Heute, 5.1.2010, erfahre ich, dass alle Braunschweiger Aktivisten wieder heil in Braunschweig angekommen sind.

    Zum Abschluss noch einen Essay von Uri Avnery, einem israelischen Friedensaktivisten, zur Beurteilung des GazaFreedomMarch2010 vom 2.Januar 2010: Die eiserne Mauer

    CIAO Hans

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