Prof. Dr. Ekkehart Krippendorff beim Friedensbündnis Braunschweig…

Prof. Dr. Ekkehart Krippendorff ist einer der Pioniere der Friedensforschung und referierte gestern bei dem Friedensbündnis Braunschweig zu dem Thema “STAAT & KRIEG”.

Einige seiner Gedanken erinnerten mich an meinen letzten Artikel. Er schilderte die besondere Situation der Deutschen bei der Ausbildung eines Nationalbewusstseins. Erinnern wir uns: das “Heilige Römische Deutsche Reich” war ein Flickenteppich vieler kleiner Fürstentümer. Ein deutsches Nationalbewusstsein gab es im Gegensatz zu den Spaniern oder Franzosen noch nicht. Erst mit der Beendigung des 30jährigen Krieges durch den Westfälischen Frieden 1648, der quasi zum damaligen Grundgesetz des Reiches wurde, erkannten die Fürstentümer ihre gegenseitige Souveränität an. Doch auch da bestand noch kein gesamtdeutsches Nationalbewusstsein. Man fühlte sich als Schwabe, Holsteiner oder auch als Braunschweiger…

Ändern tat sich die Situation erst durch die napoleonischen Eroberungen, als die Fürsten und Herzöge vor der Frage standen: wie können wir Napoleon vertreiben? Dazu brauchte man Armeen, Soldaten, die man gegen die napoleonischen Truppen in den Krieg schicken konnte. Eine Wehrpflicht wurde eingeführt und das Militär wurde somit zur “Schule der Nation”. Die deutsche Nation wurde also von oben eingeführt und nicht vom Volk. Die ausgedienten Soldaten wurden als Lehrer in den Schulen eingesetzt und trichterten ihren Schülern mit Rohrstock und Drill das “deutsche Wesen” ein. Militärische Denkmäler und Straßenbenennungen sollten der Identitätsfindung dienen. Im späteren Kaisertum trugen die Kinder Marinekleidung, um ihre Nationalität zu dokumentieren.

Es dauerte also recht lange, ehe sich die Vorstellung von Deutschland als Kulturnation (Weimarer Klassik: Goethe,Schiller u.a.) in eine Staatsnation wandelte.

Das Militär denkt in dem Schema Befehl und Gehorsam. Das ist einfach und nicht so kompliziert. Deshalb erscheinen auch militärische Lösungen von Konflikten am einfachsten. Aber am Beispiel Afghanistans sieht man sehr deutlich, dass dieses Vorgehen nicht auf fremde historisch gewachsene Strukturen anwendbar ist. In Afghanistan besteht eine Stammesgesellschaft – Beamte oder ein öffentlicher Dienst, der einer Staatsethik verpflichtet ist, existiert nicht. Die allgemein Korruption in Afghanistan lässt sich nicht auf einzelne Individuen (wie bei uns) reduzieren, sondern ist Teil der bestehenden sozialen Netzwerke (Stammesloyalität).

Auch in Afrika wurden die Staaten nach dem Kolonialismus einfach in die Unabhängigkeit entlassen, wobei die alten Kolonialmächte ihr eigenes Staatsbild einfach auf Afrika projizierten, ohne die Bedingungen der afrikanischen Strukturen zu berücksichtigen. Und die neuen Staaten waren so brav und postulierten die Unantastbarkeit der neuen Staatsgrenzen.

Die Lage in Nahost – der Konflikt Palästina/Israel – ist sehr schwierig, weil sich beide Seiten auf eine Staatsfixierung mit starren Grenzen festgelegt haben. Prof. Krippendorff nannte Martin Buber, einen Zionisten und Philosophen, der schon zu Beginn der zionistischen Bewegung und der jüdischen Einwanderung nach Palästina eindringlich mahnte, gute Beziehungen zu den Arabern aufzubauen, was ihm viel Widerspruch und Feindschaft eintrug.
Wie wäre es, wenn Israel Palästina einfach annektiert und dann ein gemeinsamer Staat mit einem neuen Modus vivendi (Völkerrechtlich bezeichnet der Begriff die vorläufige Verständigung zwischen Völkerrechtssubjekten, die später durch eine endgültige Abmachung abgelöst werden soll) geschaffen wird. Aber gegenwärtig ist dieser Gedanke unrealistisch…

Zu den immer wieder auftretenden Sezessionsbewegungen meinte Krippendorff:
unter der Diktatur Francos in Spanien habe sich der Staat immer von den Bevölkerungsgruppen (Basken, Katalanen) entfernt. Die heimischen Sprachen wurden einfach verboten und die Kultur unterdrückt.
England als United Kingdom war da schlauer. Es verfolgte die Strategie der Devolution (Übertragung administrativer Funktionen in einem Einheitsstaat an regionale Körperschaften). So konnten Konflikte mit Schottland oder Wales befriedet werden.
Die Auflösung Jugoslawiens, als eine serbische Armee versuchte, die Interessen des Gesamtstaates zu vertreten, war eine Konsequenz. Es wurde diskutiert, in wieweit auch westliche Nationen involviert waren.
Als positves Beispiel nannte Krippendorf die Schweiz. Die Eidgenossenschaft existiert als loser Staatenbund seit dem 13. Jahrhundert, ist in in 26 Kantone gegliedert und drei-sprachig (Deutsch, Französisch, Italienisch). Föderalismus kann viele Probleme beheben.

Bemerkenswert fand ich Krippendorffs Einschätzung der Politik Obamas. Mit seiner Wahl zum Präsidenten der USA habe sich ein “Window of opportunity” (günstige Gelegenheit) geboten, das jedoch die Europäer nicht genutzt haben und einfach verstreichen ließen. Heute ist Obama in seinem eigenen Land einer riesigen Hasswelle ausgesetzt. Viele US-Bürger halten Obama für keinen Amerikaner oder einen Moslem. Er hat viele Dinge in den USA in Gang gesetzt, jedoch ist seine Politik mangels Unterstützung wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt.

Was haben wir für Möglichkeiten, den Friedensprozess in der Welt voranzubringen?
Wie wäre es, wenn wir uns von unserer militärischen Staatsethik in unserem Denken verabschieden würden, wenn bei einem Staatsempfang nicht mehr Soldaten Spalier stehen sondern Vertreter aus jeder Berufsgruppe. Wir müssen einfach klar zur Kenntnis nehmen, dass eine militärische Lösung von Konflikten zwar einfach erscheint, jedoch keine Dauerlösung verspricht.

Krippendorf rezitierte die “Kinderhymne” von Bertold Brecht (ich habe sie im vorigen Artikel aufgeführt) und nannte das Forum Ziviler Friedensdienst.

Ich habe an dem Abend viel gelernt…

CIAO Hans

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Ostermarsch 2010 in Braunschweig…

Am Ostersamstag fand auch in Braunschweig wieder ein Ostermarsch statt – in Form einer Fahrraddemonstration und einer Kundgebung. Es war noch recht kühl, aber die Sonne schien und es war damit gutes Wetter für die Aktion. Seit 50 Jahren finden diese Ostermärsche statt, 50 Jahre gegen Atomwaffen und Kriege.
In Braunschweig stand der Ostermarsch dieses Jahr unter den Losungen

- Atomwaffen abschaffen!
- Bundeswehr raus aus Afghanistan!
- Frieden für Palästina und Israel!
-Europa ohne Militärverfassung und NATO in einer gerechten und sozialen Weltordnung!

Ich hatte meinen Fotoapparat und meine Videokamera dabei und nahm die Aktion zur Dokumentation auf. Die anfänglichen Worte von Frieder Schöbel, Mitglied des Friedenszentrums Braunschweig e.V., über die Geschichte der Ostermärsche auch in Braunschweig fand ich sehr interessant. Ja, er ist schon ein alter Hase der Friedensbewegung.

Die Fahrradtour durch Braunschweigs Innenstadt mit den vielen Plakaten und Friedensfahnen war sehr bunt und lebendig. Ich wäre ja mitgefahren, aber nun stand ich hinter meiner Videokamera…

Auf der Abschlusskundgebung sprach Pastor Albrecht Fay über die Situation in Afghanistan und Obamas neue Impulse in der Weltpolitik. Dabei sah er Obama durchaus kritisch. Marion Krüger, Teilnehmerin des Gaza-Friedensmarsches 2010, berichtete über die Lage der Palästinenser im Gaza-Streifen. Sie sprach als Mutter von Kindern und ihre Worte haben mich sehr bewegt. Zum Schluss stellte Bernd von der Bürgerinitiative Waggum die Bedenken der Bürger gegen den Ausbau des Braunschweiger Flughafens dar. Auch in seinem Beitrag ging es um Frieden, keine Militärforschung in Braunschweig…

Hier die zwei Videos, die ich aufgenommen habe (Abschlusskundgebung leicht gekürzt, da YouTube nur 10 Minuten zulässt).


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CIAO Hans

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Zur Situation der weltweiten Gesundheitsversorgung…

Gesundheit ist ein Grundrecht des Menschen, unverzichtbar für die Ausübung anderer Menschenrechte. Für jeden Menschen ist der Erhalt des höchsten erreichbaren Standards der Gesundheit förderlich, die ihm für ein Leben in Würde zusteht. Die Verwirklichung des Rechts auf Gesundheit kann durch zahlreiche, sich ergänzende Ansätze, wie die Formulierung der Gesundheitspolitik, oder die Durchführung von Gesundheitsprogrammen durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), verfolgt werden…“(article 12 of the International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights)

Da ich täglicher Leser der Tageszeitung (TAZ) bin, erhalte ich auch die Monatsbeilage von Le Monde diplomatique. Darin fand sich in der letzten Ausgabe ein sehr interessanter Artikel: Gesundheit und ein langes Leben (von Martine Bulard). Aus diesem Artikel möchte ich nur einige Fakten aufführen…

Die erste gesetzliche Krankenversicherung wurde im deutschen Kaiserreich 1883 eingeführt, damit der “Soldat der Arbeit” im Krankheitsfall versorgt war. Sozialen Unruhen sollte damit vorgebeugt werden. Zugleich erließ Bismarck die “Sozialistengesetze”, womit die Sozialdemokratie verboten wurde.

In der Satzung der 1948 gegründeten WHO (World Health Organization) wird erstmals das “Recht auf Gesundheit” festgeschrieben. Doch wie sieht es mit diesem Recht auf Gesundheit in der Welt aus?
Wie lässt sich Gesundheit organisieren?

In Deutschland schreitet die Privatisierung der Krankenhäuser immer weiter voran und man ist gerade dabei, das Prinzip der Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung abzuschaffen. So fordert der FDP-Gesundheitsminister einen Systemwechsel hin zu einer Kopfpauschale.

In den USA hat man sich bisher vehement gegen einen staatlichen Eingriff in das Gesundheitssystems gewehrt, der privaten Krankenversicherung wurde immer der Vorrang gegeben. Als Obama Präsident wurde, nannte er die Gesundheitsreform als eines seiner wichtigsten Ziele. Gestern nun hat Obama seine Reform im Repräsentantenhaus durchgesetzt: 32 Millionen bislang unversicherte Amerikaner sollen eine Absicherung im Krankheitsfall bekommen. Bisher war das US-Gesundheitssystem bekannt für sein regelmäßiges Versagen: außerhalb eines Unternehmens gab es keinen Anspruch auf Versorgungsleistungen, und trotzdem war das amerikanische Gesundheitssystem eines der teuersten der Welt! So gaben die Einwohner der Vereinigten Staaten 2007 pro Kopf 7287 $ für das Gesundheitssystem aus, das ist rund doppelt so viel wie in Deutschland (3512 Int. $)(wikipedia).

Zwei gegenläufige Entwicklungen: die einen wollen privatisieren, die anderen wollen mehr staatliche Versorgung.

Doch steigt auch der Gesundheitszustand und die Lebenserwartung der Bevölkerung durch die Mehrausgabe von Finanzmitteln?


©Le Monde diplomatique
Weit gefehlt!

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung der USA lag 2002 bei 69,3 Jahren!(s.wikipedia,oben). Bei den Japanern liegt sie bei 76 Jahren, bei den Franzosen bei 73 Jahren, bei den Deutschen bei 73 Jahren, bei den Schweden bei 74 Jahren oder 72 Jahre bei den Briten.(s.Artikel Le Monde diplomatique, oben)


©Le Monde diplomatique
Entgegen der Erwartung, dass die Höhe der Gesundheitsausgaben auch die Gesundheit und Lebenserwartung der Bevölkerung beeinflusst, hängt es eben auch sehr davon ab, wie die Menschen leben, arbeiten und sich ernähren! In den Ländern mit gesetzlichen Krankenkassen sind die Gesundheitsausgaben häufig niedriger (Schweden 18,3%, Japan 18,7%, Deutschland 23,1% und die USA über 50%!!!).

Also richtet nicht der Markt alles (Kosten der Arzneimittel, Leistungskataloge, Gehaltskosten usw.)!


©Le Monde diplomatique
Hier eine interessante Karte, die den öffentlichen oder privaten Anteil der Gesundheitsausgaben auf der Welt anzeigt.

©Le Monde diplomatique
Die Ungleichheiten unter den Nationen sind aber immer noch sehr deutlich. In 31 Ländern darunter Südafrika, Botswana, Gabun aber auch in Russland und der Ukraine ist die Lebenserwartung deutlich gesunken. In Sierra Leone liegt sie beispielsweise bei 35 Jahren (dabei berücksichtigen: Kriege, Katastrophen, Flüchtlingslager, Trinkwasser…)!

In Afrika und einigen Länderns Asiens sterben die meisten Menschen an Infektionskrankheiten: Malaria, Tuberkulose, Aids. Wären die Medikamente nicht so teuer und wäre eine bessere Trinkwasserversorgung möglich, könnte die Lebenserwartung deutlich erhöht werden.

In den Industrieländern sterben die meisten Menschen dagegen an Krebs-, Herz-Kreislauf-, Atemwegserkrankungen oder an Diabetes.

Mein Fazit:
Die Privatisierung der Gesundheitsversorgung ist nicht der richtige Weg!

CIAO Hans

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