Privatisierungswelle bei deutschen Kliniken…
Ökonomische Gesichtspunkte spielen auch in unserem Gesundheitswesen eine immer größere Rolle. Jeder kann einmal krank werden und dann ist er auf medizinische Hilfe angewiesen. Die Gesundheitsversorgung war bisher immer eine öffentliche Angelegenheit, d.h. die Kommunen kümmerten sich um die kommunalen Krankenhäuser. Doch im Rahmen der allgemeinen Finanzkrise fehlt den Kommunen immer mehr das nötige Geld zur Investitionsfähigkeit, sie können den Betrieb mit ihren Finanzmitteln nicht mehr ohne Defizite aufrecht erhalten (lt. Ärzteblatt sind davon 35 % der kommunalen Krankenhäuser betroffen).
Und immer mehr Kommunalpolitiker denken über eine Privatisierung ihrer Krankenhäuser nach. Das Geld mit dem sie durch einen Verkauf ihrer kommunalen Krankenhäuser ihre Kassen auffüllen können, ist die Lösung für scheinbar viele ihrer Probleme.
Und so ist es nicht verwunderlich, dass zwischen 1991 und 2007 die Zahl der öffentlichen Häuser von 1.110 auf 677 und die der freigemeinnützigen von 943 auf 790 sank! Die Zahl der privaten Krankenhäuser stieg in der gleichen Zeit von 358 auf 620! (Quelle: Dt.Ärzteblatt, Heft 17, 30.April 2010)
Und die privaten Klinikbetreiber rüsten auf: bei der Helios-Kliniken GmbH finanziert der Mutterkonzern Fresenius die Krankenhausaufkäufe, die Asklepios-Kliniken haben umfangreiche finanzielle Reserven vorbereitet, so wie die Sana-Kliniken AG, die ihre Finanzkraft durch ein Schuldscheindarlehen von 200 Mio. Euro verbesserte, und auch die Rhön-Klinikum AG hat sich eine Kapitalerhöhung von 460 Millionen Euro gegönnt.
In den privatisierten Kliniken herrscht ein neuer Wind: Stichwort “Benchmarking”. Benchmarking in der Betriebswirtschaft ist ein systematischer und kontinuierlicher Prozess des Vergleichens von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen im eigenen Unternehmen sowie mit denen in fremden Unternehmen in qualitativer und/oder quantitativer Hinsicht. Ziel der Privatunternehmen ist es natürlich, Rendite zu erzielen, und Rendite von 10 bis 12 % sind möglich, sagen die privaten Klinikbetreiber.
“Benchmarking” führt zu einer wirtschaftlichen Aufrechnung, was kann noch besser mit geringeren Geldern erreicht werden. Von Vorteil für die Privaten ist, dass sie keiner politischen Kontrolle unterliegen und somit frei im Mangement der Kliniken sind. Durch den Betrieb mehrerer Kliniken können sie sich bessere Einkaufskonditionen gegenüber der Pharmaindustrie verschaffen und auch wirkungsvollere EDV-Strukturen aufbauen. Aber diese “Freiheit” ermöglicht es ihnen auch, den Leistungsdruck in der Pflege enorm zu erhöhen. Wenn nicht direkt durch Entlassungen so wird über Auflösungsverträge Personal abgebaut. “Der Arbeitsaufwand ist enorm gestiegen… [doch] aus Angst vor Repressionen ist kein Beschäftigter bereit, in den Medien über seine Erfahrungen zu berichten…”, sagt Ries-Heidtke, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der jetzt von Asklepios übernommenen Kliniken in Hamburg.
Der Allgemeinmediziner Dr.Eckert klagt über das privatisierte Universitätsklinikum Marburg: “Die Qualität der Patientenversorgung ist seit dem Trägerwechsel erheblich schlechter geworden…”. Der Stellenabbau verursacht auch schlechte Arbeitsbedingungen für die Ärzte. Ältere, erfahrenere Ärzte verlassen die Kliniken und werden oft durch junge Assistenzärzte ersetzt, die dann aufgrund der hohen Arbeitsbelastung kaum ihrer Weiterbildung nachkommen können.
In unserer Region ist zur Zeit das Kreiskrankenhaus Helmstedt in finanziellen Schwierigkeiten. Es wird diskutiert, ob die Stadt Braunschweig das Kreiskrankenhaus mit in ihre Versorgung aufnehmen oder ein privater Betreiber den Betrieb übernehmen soll. Der Protest der Mitarbeiter im Kreiskrankenhaus in Helmstedt ebbt nicht ab. Erneut haben Pfleger und Ärzte im Februar bei einem Demonstrationszug durch die Helmstedter Innenstadt die Garantie ihres Arbeitsplatzes gefordert. Hintergrund: Das Krankenhaus soll in diesem Jahr verkauft werden. Auf einem der Spruchbänder stand: „Ihr werdet uns vermissen, wenn Profit vor Gesundheit kommt!” (Braunschweiger Zeitung 17.2.2010)
Die manchmal so hoch gelobte Privatisierung ist also auch mit vielen Pferdefüßen verbunden und kann schließlich zu einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung führen.
Hier einige Zahlen zu den privaten Karankenhausbetreibern:
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jg.107, Heft 17, 30.April 2010
CIAO Hans
Zur Situation der weltweiten Gesundheitsversorgung…
“Gesundheit ist ein Grundrecht des Menschen, unverzichtbar für die Ausübung anderer Menschenrechte. Für jeden Menschen ist der Erhalt des höchsten erreichbaren Standards der Gesundheit förderlich, die ihm für ein Leben in Würde zusteht. Die Verwirklichung des Rechts auf Gesundheit kann durch zahlreiche, sich ergänzende Ansätze, wie die Formulierung der Gesundheitspolitik, oder die Durchführung von Gesundheitsprogrammen durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), verfolgt werden…“(article 12 of the International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights)
Da ich täglicher Leser der Tageszeitung (TAZ) bin, erhalte ich auch die Monatsbeilage von Le Monde diplomatique. Darin fand sich in der letzten Ausgabe ein sehr interessanter Artikel: Gesundheit und ein langes Leben (von Martine Bulard). Aus diesem Artikel möchte ich nur einige Fakten aufführen…
Die erste gesetzliche Krankenversicherung wurde im deutschen Kaiserreich 1883 eingeführt, damit der “Soldat der Arbeit” im Krankheitsfall versorgt war. Sozialen Unruhen sollte damit vorgebeugt werden. Zugleich erließ Bismarck die “Sozialistengesetze”, womit die Sozialdemokratie verboten wurde.
In der Satzung der 1948 gegründeten WHO (World Health Organization) wird erstmals das “Recht auf Gesundheit” festgeschrieben. Doch wie sieht es mit diesem Recht auf Gesundheit in der Welt aus?
Wie lässt sich Gesundheit organisieren?
In Deutschland schreitet die Privatisierung der Krankenhäuser immer weiter voran und man ist gerade dabei, das Prinzip der Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung abzuschaffen. So fordert der FDP-Gesundheitsminister einen Systemwechsel hin zu einer Kopfpauschale.
In den USA hat man sich bisher vehement gegen einen staatlichen Eingriff in das Gesundheitssystems gewehrt, der privaten Krankenversicherung wurde immer der Vorrang gegeben. Als Obama Präsident wurde, nannte er die Gesundheitsreform als eines seiner wichtigsten Ziele. Gestern nun hat Obama seine Reform im Repräsentantenhaus durchgesetzt: 32 Millionen bislang unversicherte Amerikaner sollen eine Absicherung im Krankheitsfall bekommen. Bisher war das US-Gesundheitssystem bekannt für sein regelmäßiges Versagen: außerhalb eines Unternehmens gab es keinen Anspruch auf Versorgungsleistungen, und trotzdem war das amerikanische Gesundheitssystem eines der teuersten der Welt! So gaben die Einwohner der Vereinigten Staaten 2007 pro Kopf 7287 $ für das Gesundheitssystem aus, das ist rund doppelt so viel wie in Deutschland (3512 Int. $)(wikipedia).
Zwei gegenläufige Entwicklungen: die einen wollen privatisieren, die anderen wollen mehr staatliche Versorgung.
Doch steigt auch der Gesundheitszustand und die Lebenserwartung der Bevölkerung durch die Mehrausgabe von Finanzmitteln?
![]() ©Le Monde diplomatique |
Hier eine interessante Karte, die den öffentlichen oder privaten Anteil der Gesundheitsausgaben auf der Welt anzeigt. |
Mein Fazit:
Die Privatisierung der Gesundheitsversorgung ist nicht der richtige Weg!
CIAO Hans






