Mariela Castro, Tochter von Kubas Staatschef Raúl Castro, über die Kubanische Revolution…
«Wir haben es satt, dass man uns ständig Vorschriften macht»
Mariela Castro, Tochter von Kubas Staatschef Raúl Castro, spricht im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» über die Revolution, eine prägende Reise mit ihrem Vater in die Sowjetunion und ihre Arbeit als Sexualerzieherin.
«Reformen sind nötig»: Mariela Castro setzt sich auf Kuba seit Jahren für die Rechte der Homosexuellen ein.
Bild: Béatrice Devènes
(Übersetzung der Plakatinschrift auf dem Foto: „ Zwei Gleiche sind auch ein Paar.“ Unten rechts: „Verschiedenartigkeit ist natürlich.“)
Mariela Castro, Pädagogin
Die 48-jährige Mariela Castro ist die Tochter des kubanischen Staatschefs Raúl Castro. Sie ist Pädagogin und Leiterin des Nationalen Zentrums für Sexualerziehung. Sie ist in zweiter Ehe mit dem italienischen Fotografen Paolo Titolo verheiratet. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder.
Frau Castro, was machen Sie in der Schweiz?
Ich bin auf Einladung der medizinischen Hilfsorganisation Amca hier, die in Mittelamerika tätig ist und dieses Jahr ihren 25. Geburtstag feiert. Ich stelle an Podien und Tagungen meine Arbeit zugunsten der kubanischen Homo- und Transsexuellen vor.
Warum setzen Sie sich auf Kuba für die Rechte von Homosexuellen ein?
Eigentlich hat diese Arbeit schon meine Mutter Vilma Espín in den 1960er-Jahren begonnen. Damals ging es vor allem um Frauenrechte, und es waren die Frauen selber, die für ihre Töchter und Söhne eine sexuelle Aufklärung verlangten. So schuf die Föderation kubanischer Frauen 1972 ein entsprechendes Programm, dessen Mitarbeiter sich auch um die Diskriminierungen zu kümmern begannen, unter denen Männer leiden. Später entstand das Nationale Zentrum für Sexualerziehung, das ich heute leite.
Welches sind die wichtigsten Ziele Ihrer Organisation?
Die Bevölkerung über Probleme im Zusammenhang mit der Sexualität aufzuklären und Vorurteile zu bekämpfen, die zu einem diskriminierenden Verhalten gegenüber Homo- und Transsexuellen führen könnten. Wir arbeiten mit dem Bildungsministerium zusammen, organisieren Vorträge, lancieren öffentliche Kampagnen und führen jeweils im Mai die kubanische Woche gegen die Homophobie durch. Zudem ist im Parlament seit längerem ein Gesetzesvorschlag deponiert, um die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern zu erlauben.
Wenn Fidel oder Raúl Castro auf Kuba eine Änderung wollen, dann wird doch nicht lange diskutiert, sondern ruck, zuck gehandelt.
Das glauben Sie! Fidel wollte schon vor seiner Erkrankung viele Änderungen, die scheiterten, weil andere dagegen waren. Und mein Vater hat eine ganze Liste von Reformen, von denen er bisher einige aus demselben Grund nicht verwirklichen konnte.
In den Anfängen der kubanischen Revolution wurden Schwule in Arbeitslager gesteckt. Kürzlich hat sich sogar Fidel dafür entschuldigt.
Ja, und ich finde es falsch, dass er persönlich die Schuld für die damaligen Fehler auf sich genommen hat. Ich will ihn nicht verteidigen – aber die ganze Gesellschaft, die Psychiatrie, die Justiz waren damals schwulenfeindlich, nicht nur auf Kuba, sondern auf der ganzen Welt. Fidel konnte sich in den turbulenten Zeiten nach dem Triumph der Revolution nicht um alles kümmern.
Haben Sie häufig Kontakt zu ihm?
Nein, ich habe ihn seit seiner Erkrankung nicht mehr gesehen. Als er im Spital lag, durften ihn nur Personen besuchen, die mit seiner Arbeit zu tun haben. Genau wie alle anderen Kubaner rätselte ich, wie es ihm wohl geht. Mein Vater war zu diskret, um darüber zu sprechen. Er hat nur gesagt, dass er mir irgendwann einmal erzählen wird, wie sehr er während Fidels Krankheit gelitten hat.
Warum engagieren Sie sich nicht auch für andere wichtige Rechte wie die Meinungsfreiheit oder die Versammlungsfreiheit?
Über diese Dinge verbreiten die internationalen Medien viele Klischees, die nichts mit dem wahren Kuba zu tun haben. Auf Kuba gibt es Meinungsfreiheit! Wir können alles sagen, was wir denken, sogar im Internet. Wir können für oder gegen die Regierung sein, und niemand kommt deswegen ins Gefängnis.
Und was ist mit den Gewissensgefangenen, die Kuba kürzlich freiliess, nachdem sie jahrelang zu Unrecht eingesperrt waren? Oder der regierungskritischen Bloggerin Yoani Sánchez, der jede Auslandreise verweigert wird?
Yoani Sánchez ist eine ganz andere Geschichte. Laut kubanischem Strafrecht ist sie eine Söldnerin. Sie erhält genau wie die anderen sogenannten Dissidenten Geld aus den USA, um Lügen zu verbreiten und die Regierung anzuschwärzen. Wenn ein Schweizer während des Zweiten Weltkriegs heimlich für Nazideutschland arbeitete, riskierte er gar, erschossen zu werden. Die Straftat des Landesverrats hat auch jede andere westliche Demokratie in ihrem Strafgesetzbuch. Und die Presse wird in der ganzen Welt von ökonomischen Interessengruppen kontrolliert. Ganz zu schweigen von den Journalisten, die in anderen lateinamerikanischen Ländern ermordet werden oder verschwinden. Ist Yoani Sánchez verschwunden? Nein, sie verbreitet weiter ihre Lügen.
Andrei Sacharow, Vaclav Havel und Lech Walesa galten im Ostblock auch als Verräter. Die Geschichte hat sie freigesprochen.
Kuba mit den ehemaligen Ostblockstaaten zu vergleichen, ist völlig falsch. Als ich 1984 mit meinem Vater in die Sowjetunion reiste, fragte ich ihn: «Ist das der Sozialismus, den du Kuba wünschst? Ich nicht!» Wissen Sie, was er antwortete? «Ich auch nicht.» Aber warum soll Kuba seine Gesetze ändern, nur weil es das Ausland verlangt? Wir haben es satt, dass man uns ständig Vorschriften macht. Wir haben das Recht, selber über unsere Zukunft zu bestimmen. Kuba ist keine Diktatur, das Volk kann einen Abgeordneten wählen oder auch nicht, und es wird im ganzen Land über die Vorzüge und Mängel des Systems diskutiert. Aber wir verteidigen den Sozialismus, weil es vom Volk so gewünscht wird.
Wie wollen Sie das wissen, wenn es auf Kuba keine freien Wahlen gibt?
Im Jahr 1992 gab es eine Volksabstimmung, bei der sich die überwiegende Mehrheit für den Sozialismus ausgesprochen hat.
In der DDR standen angeblich auch 99 Prozent der Bürger auf der Seite der SED. Auf Kuba hat einer nicht einmal das Recht auf einen eigenen Internetanschluss.
Weil die Amerikaner nicht erlauben, dass wir uns an ihr Glasfaserkabelnetz anschliessen. Wir haben nun ein Abkommen mit Venezuela geschlossen, um ein eigenes Kabel zu verlegen. Danach wird auf Kuba selbstverständlich jeder seinen eigenen Anschluss haben.
Könnte es sein, dass Sie als Tochter von Raúl Castro die Realität des kubanischen Sozialismus anders erleben als normale Bürger? Mussten Sie je mit dem Rationierungsheft in einer Schlange stehen, um etwas Reis und Bohnen zu bekommen?
Aber natürlich! Das muss ich immer noch, und mein Vater übrigens auch. Meine Nachbarn können das bezeugen. Und wenn ich ins Ausland reiste, habe ich Raúl jeweils Seife, Zahnpasta und Shampoo gekauft, weil ihm diese Dinge fehlten. Nie hat er mir irgendwelche Privilegien zugeschanzt, und ich bin ihm dafür dankbar. Nur so konnte ich wissen, wie sich die kubanische Realität anfühlt.
Diese Realität ist ein ziemliches Desaster.
An unseren wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind zu einem Grossteil die USA mit ihrem kriminellen Embargo schuld. Aber es stimmt, dass die Revolution Fehler gemacht hat. Ich bin genau wie mein Vater dafür, über diese Fehler offen zu diskutieren und weitere Reformen zu beschliessen, um den kubanischen Sozialismus zu verbessern.
Was muss sich auf Kuba ändern?
Ich wünsche mir mehr Raum für einen kritischen, aber fairen Journalismus. Die Reisebeschränkungen gehören abgeschafft. Will jemand auswandern, ist das sein gutes Recht. Die ganze Landwirtschaftspolitik der Revolution war derart einseitig, dass wir heute 80 Prozent der Lebensmittel importieren müssen. Aber ich bin überzeugt, dass wir diese Fehler korrigieren und die Errungenschaften der Revolution retten können.
Halten Sie es für ausgeschlossen, dass die Revolution scheitern könnte?
Völlig auszuschliessen ist das sicher nicht. In diesem Fall werde ich mein Alter damit verbringen, den Untergang der kubanischen Revolution zu bedauern.
Basler Zeitung, 6.September 2010
Gedenken an den Atombombenabwurf über Hiroshima/Nagasaki…
Auch nach 65 Jahren ist es ein Gebot der Stunde, an die Ereignisse des Augustmonats im Jahre 1945 zu erinnern. Die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki haben die Welt grundlegend verändert. Die Menschheit hat versucht, die Kraft der Sonne für ihre Zwecke einzusetzen – und das in der zerstörerichsten Art. Seit dem 6. August 1945 schwebt ein Damoklesschwert über der Menschheit.
Doch statt aus dem Elend der unbezähmbaren Kraft der Atomenergie zu lernen, haben immer mehr Staaten auf diese Kraft gebaut. Arsenale der Vernichtung wurden angelegt, mit dem Argument der Abschreckung. Doch die Zukunft steht uns nur offen, wenn wir für eine atomwaffenfreie Welt einstehen und dieses Ziel mit all unsere Kraft zu verwirklichen suchen. Möglichkeiten gibt es, wir müssen sie nur ergreifen… (Beispiel: Aktion – “unsere Zukunft – atomwaffenfrei”)
Als ich mir nochmals bei Wikipedia die Ereignisse nachlas, fielen mir ein paar Zeilen ein:
Achtuhrfünfzehn schlug die Stunde
Da gab Tibbets Abwurf frei
Und Hiroshima ging voll zugrunde
Sein Bomber hieß Enola Gay.
Er nannte ihn nach seiner Mutter
Und die Bombe “Little Boy”
Er meinte noch, er wär ein Guter,
Und er warf sie ohne Scheu.
Nach dem Blitz die Sturmeswelle
Feuer von Millionen Grad
Schatten blieben nur an Mauerstelle
Und atomar war auch die Saat.
Viele Mütter unten – die Verletzten
Weinten ums verbrannte Kind
Deren Haut hing nur in Fetzen
Und der Tod – er kam geschwind.
Das Blut – es quoll aus allen Poren
Niemand war davor gefeit
Das Leben so sie schnell verloren
Hilfe stand nicht mehr bereit.
Mahnung sei uns all dies Elend
Menschheit gibts nur ohn Atom
Stoppt die Bombe – macht ein Ende
Bombenfrei – das sei der Lohn!
PS: Eine kleine Kindergeschichte zu Atomversuchen findet ihr hier – GAIA – Planet der Pilze
CIAO Hans
Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert…
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“…es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“(Karl Marx, Thesen über Feuerbach MEW: 3:7)
Diesen Ausspruch von Marx kennt fast jeder. Aber das heißt nicht, die Philosophie zu verteufeln! Marx selber hat sich sehr intensiv mit den verschiedensten Philosophen auseinandergesetzt. So mit Kant, dessen “kategorischer Imperativ” ihn zu der Überzeugung führte, so zu handeln, dass es zu einer Bildung der aufgeklärten Menschheit beitrage. Auch mit dem antiken Materialismus Epikurs und besonders mit Hegel und der Hegelkritik Feuerbachs, der die “Hegelsche Dialektik” vom Kopf auf die Füße stellte, hat er sich intensiv beschäftigt. Nicht der “absolute Geist” sondern der konkrete Mensch sei das Subjekt und der Motor der weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit Friedrich Engels entwickelte er den “historischen Materialismus“. In den letzten Jahren wandte sich Marx den Grundlagen der ökonomischen Verhältnisse des Kapitalismus zu und schrieb das “Kapital”.
Neben seiner theoretischen Arbeit nahm Marx aber auch an den politischen Bewegungen seiner Zeit teil: er engagierte sich in der bürgerlichen Revolution von 1848 und schrieb mit Engels im gleichen Jahr das “Kommunistische Manifest“, eine Handlungsanleitung für die Zukunft.
Dabei muss man Marx wie Engels als Menschen ihrer Zeit betrachten. Es ging zunächst darum, die feudalen, aristrokratischen Strukturen zu überwinden. Die Französiche Revolution 1789 mit ihrem Schlachtruf “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” hatte das Rad der Geschichte schon vor ihnen mächtig in Schwung gesetzt. Auch die Restauration unter dem Kaiser Napoleon konnte das Rad nicht mehr zurückdrehen und durch die napoleonischen Truppen wurden auch die neuen französischen Ideen nach Europa getragen, der Ruf nach mehr Demokratie, Pressefreiheit, Steuergerechtigkeit, Sicherung des Privateigentums, das Aufheben der alten Stände und Beteiligung an der politischen Macht. In Deutschland kam es zur unvollendeten Revolution 1848/49, wo weite Teile der Bevölkerung diese neuen Ideen aufnahmen. Und nicht nur Deutschland – weite Teile Europas wurden von den Ideen erfasst.
Der erste Versuch einer “sozialistischen Gesellschaft” bildete die Pariser Kommune 1871. Nach Sebastian Haffner ging es dabei „zum ersten Mal um Dinge, um die heute in aller Welt gerungen wird: Demokratie oder Diktatur, Rätesystem oder Parlamentarismus, Sozialismus oder Wohlfahrtskapitalismus, Säkularisierung (Trennung von Kirche und Staat), Volksbewaffnung, sogar Frauenemanzipation – alles das stand in diesen Tagen plötzlich auf der Tagesordnung.“
Angesichts der Staaten des “realen Sozialismus” des 20. Jahrhunderts klingen die Sätze von Rosa Luxemburg, die sie 1918 schrieb, geradezu prophetisch:
„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für die Mitglieder einer Partei – und mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden […] Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution, wird zum Scheinleben, in der die Bürokratie allein das tätige Element bleibt. Das öffentliche Leben schläft allmählich ein, einige Dutzend Parteiführer von unerschöpflicher Energie und grenzenlosem Idealismus dirigieren und regieren, unter ihnen leitet in Wirklichkeit ein Dutzend hervorragender Köpfe, und eine Elite der Arbeiterschaft wird von Zeit zu Zeit zu Versammlungen aufgeboten, um den Reden der Führer Beifall zu klatschen, vorgelegten Resolutionen einstimmig zuzustimmen, im Grunde also eine Cliquenwirtschaft – eine Diktatur allerdings, aber nicht die Diktatur des Proletariats, sondern die Diktatur einer Handvoll Politiker, d. h. Diktatur im rein bürgerlichen Sinne, im Sinne der Jakobinerherrschaft […] Das ist ein übermächtiges, objektives Gesetz, dem sich keine Partei zu entziehen vermag.“(Quelle)
Wie so oft in der Geschichte folgte auf ein ungestümes Vorwärtsdrängen (zwei Schritt vor) meist eine Gegenreaktion: die alten Mächte vermochten mittels ihrer militärischen oder wirtschaftlichen Macht die Geschichte wieder um einen Schritt zurückzudrängen. Aber auch zwei Schritt vor und dann einen zurück bedeutet in der Summe ein Voranschreiten…
So hätten wir heute keine parlamentarische demokratische Republik (hat lange gedauert – vielleicht war die bittere Erfahrung des Nationalsozialismus sogar eine Notwendigkeit für die Deutschen, um sich allgemein der Demokratie zu öffnen), kein allgemeines passives und aktives Wahlrecht, kein Annäherung der Frauen- an die Männerrechte. Doch das gilt noch lange nicht für alle Völker dieser Erde!
Die allgemeinen Menschenrechte, erstmals verkündet im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1776, stehen dabei immer noch in vielen Teilen zur Verwirklichung an.
Auch in userem wiedervereinten Deutschland sind wir noch lange nicht an dem Ziel angelangt, wo es keine Widersprüche mehr zwischen den Zielen eines jeden einzelnen und der Gesellschaft als ganzer gibt. Im Gegenteil: wir befinden uns in einem Stadium der Verschärfung dieser Widersprüche. Die soziale Kluft unsere Gesellschaft wird immer größer! Heute spricht man nicht mehr von Ständen oder Klassen sondern von Schichten.
“Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in Deutschland immer größer. Die Zahl der armen Haushalte nimmt nicht nur zu – sie werden im Durchschnitt auch immer ärmer. Bei den Spitzenverdienern ist die gegenteilige Entwicklung festzustellen. Es gibt immer mehr Reiche, die zudem stets reicher werden. Die Mittelschicht hingegen schrumpft. Manchen Angehörigen der Mittelschicht gelingt es zwar, zu den Topverdienern aufzuschließen – doch deutlich mehr steigen zu den Niedriglöhnern ab. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)…“, schrieb die TAZ am 15.6.2010.
Und was bei allen vorherigen geschichtlichen Umwälzungen als Ursache mit verantwortlich ist: eine allgemeine Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Strukturen. Und auch da stehen wir heute an einem Punkt 5 vor 12!
Die Zockerei einiger Bänker, Ackermann spricht als Ziel seiner Deutschen Bank von einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent, ist für die Normalbevölkerung nicht nachvollziehbar. Die Milliardenbeträge mit denen unsere Regierung den Finanzmärkten in ihrer Krise unter die Arme greift, kann sich kein Normalbürger mehr vorstellen. “Die Gewinne werden privatisiert und die Verluste sozialisiert…“, höre ich immer wieder. Und da sind wir schon wieder an dem Punkt Ethik, einem Problemfeld der Philosophie.
“In ihrer Ausbildung wird den Bankern beigebracht, dass Gewinnmaximierung und unbändiges Eigeninteressestreben in Ordnung sind. Das ist einfach das ökonomische Lehrbuchwissen.Die Kapitalmärkte haben die Bürger der demokratischen Rechtsstaaten in Geiselhaft genommen…“, sagt der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann (Quelle).
Auch ein verantwortungsvoller Umgang mit der belebten Umwelt (inkl. des Menschen) wird mittlerweile erkannt. Damit sind wir bei der Umweltethik.
Wie schrieb schon Karl Marx in der Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie 1844 mit drastischen Worten:
“Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem [am Menschen] demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst… Die Kritik… endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch den Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln!”
Ihr seht, sich mit Philosophie zu befassen kann durchaus interessant sein!
CIAO Hans
Die 4. Revolution – autonome Energieversorgung…
Ich war mal wieder im Kino und sah einen Film, der mich zum Nachdenken angeregt hat: “Freie Energie für alle! Die 4. Revolution – Energy Autonomy”. Nach 4jähriger Arbeit wurde ein Film produziert, der die Vision einer Gesellschaft, deren Energieversorgung nachhaltig, sauber und dezentral erfolgt, frei von schädlichen Emissionen und jeglicher Belastung für Mensch und Umwelt, frei von Monopolen, Kartellen und Lobbyisten, frei von politischen Abhängigkeiten und Ressourcenknappheit, zugänglich und erschwinglich für alle.
Sein Credo: der Umstieg auf 100% Erneuerbare Energien innerhalb der nächsten 30 Jahre ist möglich. Hinter diesem Film steht eine ganze EnergyAutonomy-Community. Über den Link kann man auch erfahren, wie man diesen Film in Schulen aufführen kann und Informationsmaterial für Lehrkräfte wird zum Download angeboten (oder einfach hier).
Nach der industriellen Revolution, der Agrar- und Informationsrevolution nun eben die 4. – die Energieversorgungsrevolution.
Aber genug des Vorwortes, hier ein kleiner Filmeinblick:
Wir stecken noch voll in der Informationsrevolution, der Revolution des Internets. Wie oft träumte ich davon, diese neuen Möglichkeiten der Wissensvermittlung auch denjenigen zukommen zu lassen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, die keinen Strom, kein Telefon geschweige denn einen Laptop haben. Bildung bedeutet Unabhängigkeit, ermöglicht erst demokratische Denkweisen. Und Bildung ermöglicht auch eine Autonomie, die Möglichkeit, sich in dieser Welt besser zurecht zu finden und sie für sich zu gestalten.
Auch bei uns sind wir von einer guten Bildung für die Allgemeinheit noch weit entfernt. Doch zumindest die Grundlagen sind gelegt und wir verfügen über die Energieformen, um dazu Zugang zu bekommen. „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes…”, war die bekannte Aussage Lenins. Nun, Kommunismus ist mit dem Strom nicht eingetreten und eine Sowjetmacht gibt es auch nicht mehr. Doch das Grundproblem zur effizienteren Lösung von Problemen wurde erkannt: das Energieproblem.
Wir setzen heute auf fossile Energiequellen: Kohle, Erdöl, Uran. Diese Ressourcen sind beschränkt und die Nutzung belastet unsere Umwelt. Dies wird in dem Film klar dargestellt. Es gilt, mehr auf die erneuerbaren Energien zuzugreifen – und das dies in kurzer Zeit möglich ist, zeigt der Film. Nur gilt es dabei auch Widerstände der herrschenden Energiebetreiber zu überwinden – einerseits politisch andererseits aber auch in unserer eigenen Verhaltensweisen zu den bestehenden Energieformen. Eine Endlagerung von Atommüll und CO2 über Jahrtausende ist für unserer Zukunft nicht akzeptabel. Auch deshalb ist eine Umstellung auf erneuerbare Energien unabwindbar…
Übrigens: ich beziehe keinen Atomstrom mehr!
CIAO Hans
Jugendliche engagieren sich gegen Atomwaffen…
Gestern besuchte ich eine Veranstaltung des Friedenszentrums Braunschweig e.V., auf der die 19 jährige Nina Eisenhardt einen Einblick in die Friedensarbeit mit Jugendlichen gab. Sie selbst war schon mit 13 Jahren durch ihren Vater zu der Bewegung gegen die Atomwaffen weltweit gestoßen. Engagiert und mit sehr viel Hintergrundwissen referierte sie, wie auch Jugendliche für die Friedensarbeit gewonnen werden können.
Nina arbeitet im Netzwerk BANg (Ban All Nukes Generation – European Youth Network für nukleare Abrüstung), welches der Jugend einen Raum zur Entwicklung und Umsetzung ihrer eigene Strategie für den Frieden und atomare Abrüstung in Europa und in der Welt bieten möchte. BANg ist auch ein Marktplatz vieler Ideen und Erfahrungen, Tricks und Informationen. BANg hat jetzt über 100 Mitglieder aus verschiedenen Organisationen in einem Dutzend Ländern (z.B. bang-USA, Japan,…).
Besonders am Herzen lag Nina, uns über die politischen Diskussionen um den Atomwaffensperrvertrag (Nichtverbreitungsvertrag), der schon seit 40 Jahren besteht und 2010 neu überarbeitet werden soll, zu informieren. Sie konnte uns die Streitereien der verschiedenen Staaten zu diesem Vertrag sehr anschaulich schildern. So scheiterte die letzte Konferenz 2005 in New York – unter anderem, weil die USA jegliche Gespräche über Abrüstung blockierten. Auch andere Staaten vertreten vor allem ihre eigenen Interessen.
Nina und andere Jugendliche können an diesen Konferenzen neben anderen Nirchtregierungsorganistionen (NGOs) teilnehmen und somit ein wenig Transparenz schaffen. Nina ist in den letzten Jahren dabei weit herumgereist: UNO in New York, Action Camp in Büchel (Deutschland), NVV-Vorbereitungsausschuss in Genf, Demonstrationen und Blockaden in Schottland und Frankreich, NVV-Vorbereitungsausschuss in Wien, Besuch in Hiroshima und mehr. Unterstützung auf den Reisen bekommt sie nur wenig: durch die IPPNW, die IPPNW-Studentenorganisation oder durch Ican (International campaign to abolish nuclear weapons).
Besonders geprägt während ihrer Arbeit haben sie die Gespräche mit den Atombombenopfern in Hiroshima, den Hibakusha. Die Gespräche mit diesen Überlebenden haben sie tief beeindruckt.
Um Jugendliche für die Friedensarbeit zu gewinnen, darf man ihnen ihre Aktionen nicht vorschreiben – sie brauchen den Freiraum, den sie sich wünschen, um ihre Aktionen selber zu gestalten. Nach einer anfänglichen Information über die Wirkungen einer Atombombe, sollten sie sich selber weiter informieren (z.B. in einer Veranstaltung) und erst nach geraumer Zeit kommt es dann vielleicht auch zu eigenem Engagement.
Mir hat der Abend gezeigt: auch Jugendliche sind für die Friedensarbeit zu gewinnen…
Übrigens: am 5.Juni gibt es einen Aktionstag gegen Atomwaffen!
PS: hier ein kleines Programm für Kinder gegen Atomversuche
CIAO Hans
Jakob von Uexküll: Gedanken zu unserer Zukunft…
Jakob von Uexküll (* 19. August 1944 in Uppsala) ist ein schwedisch-deutscher Berufsphilatelist, Schriftsteller, Stifter des “Alternativen Nobelpreises” (Right Livelihood Award, Initiator des World Future Council (Weltzukunftsrat), Mitbegründer des alternativen Weltwirtschaftsgipfels (1984) und Gründer des Estonian Renaissance Award (1993).
Im Jahre 2007 gründete er den World Future Council (Weltzukunftsrat). Dieser setzt sich für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen ein. Der Rat identifiziert mithilfe seines Netzwerks von Wissenschaftlern, Parlamentariern und Umweltorganisationen weltweit zukunftsweisende Politikansätze und fördert ihre Implementierung auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene.
Hier ein sehr interessantes Interview mit ihm (Bild anklicken!):
Seine Überlegungen sind für unsere Zukunft beachtenswert!
2006 erhielt er den großen Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz
2008 den Erich-Fromm-Preis
2009 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse
CIAO Hans
“Us now” – wie sich die Demokratie durch das Netz ändert…
Die US-Dokumentation “Us Now” behandelt in 60 Minuten die Frage, wie sich Demokratie und Regierungen öffnen können und transparenter werden.
Erzählt wird die Geschichte von Online-Netzen, die die herrschenden Hierarchien herausfordern. Die Frage ist, wie man sich in den Bereich der bestehenden Regierungen einbringen kann, um die Politik der Zukunft mit bestimmen zu können.
Es wird das Schicksal eines Fußballklubs von Ebbsfleet beschrieben, der besessen von seinen Anhängern geführt wird; Zopa, einer Bank, in der jeder der Betriebsleiter ist; und das Couch-Surfen, ein riesengroßes Online-Netz, dessen Mitglieder ihre Wohnungen mit fremden Usern teilen. Der Film schildert, wie man auf diesem Weg Neues versuchen kann, wie man Länder aus neuer Sicht betrachten und Einfluss nehmen kann.
Kurz: der Film erzählt die Geschichten der Online-Netze, deren radikale sich selbstorganisierende Strukturen dazu führen könnten, Regierungen für immer zu verändern…
CIAO Hans



