(Menschen-)Kettenreaktion gegen Atomenergie – mein Standort Brokdorf…

Nun endlich habe ich es geschafft – meinen kleinen Videofilm über die Aktion KettenReAktion vom 24. April 2010 fertig zu stellen.

Es war ein sonniger Samstag, als wir morgens um 9.00 Uhr mit dem Naturstromexpress-Sonderzug aus Braunschweig aufbrachen. Die Stimmung in den Abteilen war super! Von jung bis alt war alles vertreten. Lesestoff (auch die TAZ – meine Stammzeitung) lag auf den Tischen und es gab belegte Stullen, Kaffee und auch Musik im Speisewagen, wo jeder, der wollte, das Tanzbein schwingen konnte.
Zeit für interessante Gespräche gab es genug und die Kinder spielten mit ihren Spielsachen.

In Itzehoe kamen wir um 13.00 Uhr an und stiegen in die bereitstehenden Busse zur Weiterfahrt nach Brokdorf um. Bei der Ankunft trafen wir auf viele Menschen mit Antiatomsonnen-Fahnen, die sich alle auf den Weg zur Deichkrone machten. Schafe weideten vor dem Deich und die Menschenschlange sammelte sich auf der Deichkuppe. Dahinter lag die Elbe, in der sich die Sonne in tausend glitzernden Farben spiegelte. Ganz im Hintergrund konnte man das Atomkraftwerk Brokdorf erkennen, und davor die endlos erscheinende Kette der vielen bunten Menschen.

Um 14.30 Uhr erfolgte dann der Kettenschluss. Wir fassten uns an den Händen und überwanden die kleine Lücken mit Bändern oder Pullovern.

Wir hatten es geschafft – die Kette stand! 120 km vom AKW-Krümmel bis zum AKW-Brokdorf… Es war ein tolles Gefühl!

Nach der Aktion ging ich zur Kundgebung neben dem AKW-Brokdorf. Eine Band aus Braunschweig spielte und es wurde getanzt und der bisher größte Erfolg in der Geschichte der Antiatombewegung gefeiert. Wir erfuhren auch von den anderen Aktionen im Zwischenlager Ahaus mit weitere 8000 Menschen und in Biblis mit 20.000 DemonstrantInnen. Zusammengerechnet waren an diesem Samstag also sage und schreibe 148.000 Menschen gegen Atomkraft auf den Beinen!!!

Abends um kurz nach 22.00 Uhr waren wir dann alle wieder wohlbehalten in Braunschweig – etwas erschöpft aber glücklich über die gelungene Aktion. Dieser Tag hat sich gelohnt und setzt ein deutliches Zeichen!

Hier mein kleiner Videofilm:

CIAO Hans

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Der 1.Mai in Braunschweig…

Gestern schien in Braunschweig die Sonne und bot damit gute Voraussetzungen für den 1. Mai. Mal wird der 1. Mai als Tag der Arbeit, Maifeiertag oder auch Kampftag der Arbeiterbewegung bezeichnet. ln Braunschweig fanden dieses Jahr sowohl eine Kundgebung auf dem Burgplatz, eine Demonstration und ein Maifest im Bürgerpark statt.

Entstanden ist dieser gesetzliche Feiertag Anfang 1886 durch die nordamerikanische Arbeiterbewegung. Sie forderte zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai auf (in Anlehnung an die Massendemonstration am 1. Mai 1856 in Australien, welche ebenfalls den Achtstundentag forderte).

Die Nationalsozialisten nannten diesen Tag in „Feiertag der nationalen Arbeit“ um, während gleichzeitig die Gewerkschaften verboten und ihre Gewerkschaftshäuser gestürmt wurden. 1934 machten die Nazis diesen Tag zum gesetzlichen Feiertag.

Nach dem braunen Terror wurde die alte Tradition des 1.Mai wieder aufgenommen. In der ehemaligen DDR wurde der Tag sogar zum „Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“ hochstilisiert. In der BRD war er vor allem der Tag der Gewerkschaften.

In der letzten Zeit erheben neben den Gewerkschaften auch Schüler und Studenten sowie Atomkraftgegener ihren Protest. Der 1. Mai ist zu einem Spiegelbild der sozialen Bewegungen geworden.
Einige benutzen den Tag auch zu ausgelassener Randale – so wie jetzt wieder in Berlin und Hamburg. Aber von Randale war in Braunschweig keine Spur. Nach der Kundgebung wurde auch im Bürgerpark bei Bier und Döner reichlich gefeiert. Das Wetter lud ganze Familien dazu ein.

Aber seht selbst:

CIAO Hans

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Braunschweig in 3D…

Der 24 jährige Leonhard Pröttel aus Braunschweig hat eine Nominierung bei dem Google-Wettbewerb „Model your town“ erhalten. Er ist einer von 5 Finalisten des Jahres 2010!

Leonhard studiert Architektur an der Technischen Universität Braunschweig. Unter dem Namen „der Uhlenbusch“ hat er etliche Gebäude aus Braunschweig in die 3D-Galerie von Google gestellt. Mit Hilfe des Computerprogramms SketchUp von Google lässt sich dies in viel Kleinarbeit bewerkstelligen…

Hier mal ein Video, das Braunschweig als 3D-Modell darstellt:

Damit er gegen die internationale Konkurrenz bei dem Wettbewerb bestehen kann, schaut euch auch mal die anderen Modelle an und gebt euer Votum ab:
Wettbewerb bei Google (votet natürlich für Braunschweig!)

Ich bin von Leonhards Arbeiten fasziniert. Ob ich aber selbst auch die Zeit finden werde, in mühseliger Kleinarbeit mit SketchUp Modelle zu erstellen, wird sich finden. 😉

PS: wer sich Braunschweig intensiv in 3D ansehen will und einen Spaziergang auf eigene Faust plant, der kann sich GoogleEarth herunterladen, Braunschweig als Ziel eingeben und dann 3D-Gebäude fotorealistisch ankreuzen – dann etwas kippen, und schon ist man auf Braunschweigs Straßen…

CIAO Hans

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KETTENreAKTION am 24.April 2010: Wir haben die Wette gewonnen…

Morgens um 9.00 Uhr ging es in dem Sonderzug aus Braunschweig los. Mit kleinem Rucksack, Videokamera und Fotoapparat ausgerüstet traf ich im Zug auf viele Gleichgesinnte. Uns alle einte das Motto:

„Atomrisiko verlängern? Sag nein!“

Die MenschenKettenReAktion sollte ein erster Schritt in der Kampagne zur Stilllegung der Atomkraftwerke Brunsbüttel, Krümmel, Biblis und Neckarwestheim sein. Auf einer Strecke von 120 km vom AKW Krümmel bis zum AKW Brunsbüttel sollte sich eine Menschenkette gegen die Atomkraftwerke formieren. In einem früheren Artikel hatte ich gewettet, dass wir es schaffen… Und das Ergebnis war überwältigend!!!

Es wurde die größte Protestaktion in der Geschichte der Anti-AKW-Bewegung! 120.000 Menschen beteiligten sich an der „Langstreckendemonstration“ in Schleswig-Holstein und Hamburg! Gleichzeitig wurde das AKW Biblis von 20.000 Atomkraftgegenern umzingelt und 7.000 demontrierten am Atommüll-Zwischenlager Ahaus. Wenn ich richtig rechne, dann waren letzten Samstag 147.000 Atomkraftgegener auf den Beinen!!!

Hier ein kleiner Film – von oben und von unten:

Luftbilder von der Kette (anklicken!):

Und weitere Bilder von der Aktion (anklicken!):

In zwei Wochen finden die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen statt (9.Mai). Jetzt heisst es, den Druck, den diese großartige Aktion auf die Politiker macht, aufrecht zu erhalten und ein neues Energiekonzept von Bund und Ländern zu fordern: Atomreaktoren abschalten und auf andere Energien umsatteln!

Hier dazu ein Link von ausgestrahlt.de: Das kannst Du tun…

Hier mein eigenes Video zu der KettenReAktion: Menschenkette – Standort Brokdorf

Und wer war alles dabei? – Die Initiatoren der Anti-Atom-Kette sind der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, das Kampagnennetzwerk Campact und die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad. Getragen wird die Aktion außerdem von Attac Deutschland, dem Bundesverband Erneuerbare Energien e.V., Bündnis 90 /Die Grünen, DGB Nord, Deutscher Naturschutzring – DNR, die Klima-Allianz, Deutsche Umwelthilfe – DUH, Die Linke, Dr. Thomas Schaack – Umweltbeauftragter der Nordelbischen Kirche, Evangelische Jugend Hamburg, Forum gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortungsvolle Energiepolitik (Gundremmingen), Grüne Jugend, IG Metall Küste, IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, IG Metall Unterelbe, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – IPPNW, Jungsozialisten in der SPD – Jusos, Naturfreunde Deutschlands, Sozialdemokratische Partei Deutschland – SPD.

CIAO Hans

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Jugendliche engagieren sich gegen Atomwaffen…

Gestern besuchte ich eine Veranstaltung des Friedenszentrums Braunschweig e.V., auf der die 19 jährige Nina Eisenhardt einen Einblick in die Friedensarbeit mit Jugendlichen gab. Sie selbst war schon mit 13 Jahren durch ihren Vater zu der Bewegung gegen die Atomwaffen weltweit gestoßen. Engagiert und mit sehr viel Hintergrundwissen referierte sie, wie auch Jugendliche für die Friedensarbeit gewonnen werden können.

Nina arbeitet im Netzwerk BANg (Ban All Nukes Generation – European Youth Network für nukleare Abrüstung), welches der Jugend einen Raum zur Entwicklung und Umsetzung ihrer eigene Strategie für den Frieden und atomare Abrüstung in Europa und in der Welt bieten möchte. BANg ist auch ein Marktplatz vieler Ideen und Erfahrungen, Tricks und Informationen. BANg hat jetzt über 100 Mitglieder aus verschiedenen Organisationen in einem Dutzend Ländern (z.B. bang-USA, Japan,…).

Besonders am Herzen lag Nina, uns über die politischen Diskussionen um den Atomwaffensperrvertrag (Nichtverbreitungsvertrag), der schon seit 40 Jahren besteht und 2010 neu überarbeitet werden soll, zu informieren. Sie konnte uns die Streitereien der verschiedenen Staaten zu diesem Vertrag sehr anschaulich schildern. So scheiterte die letzte Konferenz 2005 in New York – unter anderem, weil die USA jegliche Gespräche über Abrüstung blockierten. Auch andere Staaten vertreten vor allem ihre eigenen Interessen.

Nina und andere Jugendliche können an diesen Konferenzen neben anderen Nirchtregierungsorganistionen (NGOs) teilnehmen und somit ein wenig Transparenz schaffen. Nina ist in den letzten Jahren dabei weit herumgereist: UNO in New York, Action Camp in Büchel (Deutschland), NVV-Vorbereitungsausschuss in Genf, Demonstrationen und Blockaden in Schottland und Frankreich, NVV-Vorbereitungsausschuss in Wien, Besuch in Hiroshima und mehr. Unterstützung auf den Reisen bekommt sie nur wenig: durch die IPPNW, die IPPNW-Studentenorganisation oder durch Ican (International campaign to abolish nuclear weapons).

Besonders geprägt während ihrer Arbeit haben sie die Gespräche mit den Atombombenopfern in Hiroshima, den Hibakusha. Die Gespräche mit diesen Überlebenden haben sie tief beeindruckt.

Um Jugendliche für die Friedensarbeit zu gewinnen, darf man ihnen ihre Aktionen nicht vorschreiben – sie brauchen den Freiraum, den sie sich wünschen, um ihre Aktionen selber zu gestalten. Nach einer anfänglichen Information über die Wirkungen einer Atombombe, sollten sie sich selber weiter informieren (z.B. in einer Veranstaltung) und erst nach geraumer Zeit kommt es dann vielleicht auch zu eigenem Engagement.

Mir hat der Abend gezeigt: auch Jugendliche sind für die Friedensarbeit zu gewinnen…
Übrigens: am 5.Juni gibt es einen Aktionstag gegen Atomwaffen!

PS: hier ein kleines Programm für Kinder gegen Atomversuche

CIAO Hans

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Jakob von Uexküll: Gedanken zu unserer Zukunft…

Jakob von Uexküll (* 19. August 1944 in Uppsala) ist ein schwedisch-deutscher Berufsphilatelist, Schriftsteller, Stifter des „Alternativen Nobelpreises“ (Right Livelihood Award, Initiator des World Future Council (Weltzukunftsrat), Mitbegründer des alternativen Weltwirtschaftsgipfels (1984) und Gründer des Estonian Renaissance Award (1993).

Im Jahre 2007 gründete er den World Future Council (Weltzukunftsrat). Dieser setzt sich für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen ein. Der Rat identifiziert mithilfe seines Netzwerks von Wissenschaftlern, Parlamentariern und Umweltorganisationen weltweit zukunftsweisende Politikansätze und fördert ihre Implementierung auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene.

Hier ein sehr interessantes Interview mit ihm (Bild anklicken!):

Seine Überlegungen sind für unsere Zukunft beachtenswert!

2006 erhielt er den großen Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz
2008 den Erich-Fromm-Preis
2009 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse

CIAO Hans

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Der Ausverkauf von Afrika – Land Grabbing…

Eine neue Entwicklung ist derzeit in Afrika zu beobachten: ausländische Investoren versuchen immer mehr Ackerland zu kaufen, um Nahrungsmittel und Energiepflanzen für den Export zu produzieren. Sogar die Vereinten Nationen sind besorgt über große Unternehmen, die immer mehr fruchtbares Land in Drittwelt- oder Schwellenländern aufkaufen. Allein in Afrika soll in den letzten drei Jahren fruchtbares Land, das zusammengesehen 20 Millionen Hektar hätte, in die Hände großer Lebensmittelfirmen übergegangen sein.

In der Art „neuer Kolonialherren“ versuchen Investmentbanker, Wirtschaftsvertreter, Agrarexperten und Konzernmanager Kauf- oder Pachtverträge für Ackerland zu erhalten. In den Jahren zwischen 2006 bis 2009 wurden Schätzungen nach 22 bis 55 Millionen Hektar Land in Afrika, Asien und Lateinamerika auf diese Weise verkauft oder verpachtet (Ackerland Europäische Union: 97 Millionen Hektar!).

Besonders aktiv sind dabei Staaten, die selber nicht genügend Nahrungsmittel für ihre Bevölkerung produzieren können, weil sie nicht über genügend Ackerland oder Wasserressourcen verfügen: Saudi-Arabien, Libyen, Japan oder Südkorea (Quelle). Sie wollen auf dem gekauften oder gepachteten Ackerland Reis, Weizen, Sojabohnen und Zucker anbauen. Zu Schnäppchenpreise von weniger als 8€ pro Hektar versprechen sie, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Infrastruktur (Straßen,Häfen usw.) auszubauen.

Bei dem unter dem englischen Begriff „land-grabbing“ bekannt gewordene Phänomen der Landnahme, ist die einheimische Bevölkerung jedoch von den Verhandlungen ausgeschlossen. Im Gegenteil: politische, ökologische, soziale Probleme entstehen. Die einheimischen Menschen verlieren den für ihre Ernährungsgrundlage wichtigen Zugang zu Land und Wasser, Nomaden werden um Weiderechte, Kleinbauern um ihre Existenz gebracht, Minderheiten vertrieben. Sofia Monsalve von der Menschenrechtsorganisation FIAN kritisiert: „Was wir leider häufig beobachten, ist, dass wenn solche Investoren die Nutzungsrechte von diesem Land kriegen oder das Land kaufen, die Menschen, die darauf leben, einfach zwangsvertrieben werden, ohne sie zu entschädigen und ohne sie woanders anzusiedeln.“ Und das sei nach dem internationalen Menschenrechtspakt ein Verstoß gegen das Recht auf Wohnung und auf Nahrung, kritisiert sie (Quelle).

Das „land-grabbing“ stellt also eine Bedrohung für die Bauern und damit auch die weltweite Ernährungssicherheit dar. Schon 2009 gab es auf der Welt 1,2 Milliarden Hungernde! Verschärft wird die Lage noch durch die Förderung von Agrarkraftstoffen in Europa und den USA. Ackerland ist in den Augen von Banken, Finanzinstituten und Investmentunternehmen zu einer sicheren Finanzanlage geworden. Sie versprechen sich hohe Renditechancen und gute Gewinnaussichten.

Das INKOTA Netzwerk e.V. hat eine Aktion unter dem Motto „Ausverkauf von Afrika stoppen!“ gestartet, und fordert in einer Beilage der Tageszeitung (TAZ) auf, einen Brief an Bundeskanzlerin Merkel und Bundesentwicklungsminister Niebel zu schicken.

Hier eine Briefvorlage als PDF-Datei: Brief an Merkel und Niebel

Adresse der Sammelstelle für den Brief:
INKOTA-netzwerk
Chrysanthemenstraße 1-3
10407 Berlin
Fax: 030 420820 – 210

PS: Ein Buch mit vielen Informationen: Fred Pearce, Land Grabbing, Der globale Kampf um Grund und Boden, September 2012 zum Verlag

CIAO Hans

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Die Linke: Woher wir kommen, wer wir sind…

Beim Lesen des Programmentwurfs der Linken kam ich auf die Idee, die Geschichte der Arbeiterbewegung in einer Zeitachse kurz darzustellen. Das war kein leichte Unterfangen… Herausgekommen ist eine grobe Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse, wobei ich Texte von Wikipedia zur Grundlage nahm.

Einfach auf das Bild klicken:

Besser als es im Programmenwurf in Abschnitt I. zusammengefasst ist, kann ich es nicht formulieren.
Deshalb hier nochmals der Abschnitt I des Programmentwurfs:

DIE LINKE knüpft an linksdemokratische Positionen und Traditionen aus der sozialistischen, sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiterbewegung und aus anderen emanzipatorischen Bewegungen an. Wir bündeln politische Erfahrungen aus der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland.

Die bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts erstrebten Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gegen religiöse Dogmen und Privilegien des Adels. Humanismus und Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie waren bestimmend für die Arbeiterbewegung und die Frauenbewegung. Sie forderten die Verwirklichung von Recht und Freiheit für alle Menschen. Doch erst die Befreiung aus der Herrschaft des Kapitals verwirklicht die sozialistische Perspektive der Freiheit und Gleichheit für alle Menschen. Dies haben insbesondere die sozialistischen Theoretiker Marx und Engels gezeigt.

Im 19. Jahrhundert organisierten sich Arbeiterinnen und Arbeiter in Gewerkschaften. Sie setzten der Ausbeutung durch das Kapital Widerstand entgegen, um ihre Interessen durchzusetzen. Sie kämpften für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, für höhere Einkommen und Mitbestimmungsrechte. Sie bildeten Genossenschaften und Vereine, um Alltag und Freizeit solidarisch zu gestalten und Kultur- und Bildungsansprüche zu verwirklichen. Mit der zunehmenden Politisierung der Arbeitermilieus entwickelte die Arbeiterbewegung auch ihre politischen Interessenvertretungen. Diese wurden von der Staatsmacht mit Zuckerbrot und Peitsche, mit Sozialreformen und Sozialistengesetz heftig bekämpft. Trotzdem wurde die Sozialdemokratie an der Schwelle zum 20. Jahrhundert in Deutschland zu einer mächtigen politischen und kulturellen Kraft, deren Traditionen uns Verpflichtung sind.

1914 spaltete der Krieg die deutsche Sozialdemokratie. Die SPD-Führung befürwortete die Politik der nationalistischen Abgrenzung und stimmte schließlich für den Krieg. Der europäische Zusammenhalt der Arbeiterschaft für den Frieden wurde aufgegeben. Gegen diese verheerende Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie leisteten neben vielen anderen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg Widerstand, den sie mit ihrem Leben bezahlten. Die deutsche Revolution von 1918/19 war eine sozialdemokratische Revolution, die mit Hilfe der sozialdemokratischen Führung niedergeschlagen wurde. Gegensätzliche Haltungen zur Revolution in Deutschland und später auch zur Sowjetunion vertieften die Spaltung der Arbeiterbewegung. Die USPD, die KPD und linkssozialistische Bewegungen gehören heute ebenso zum historischen Erbe der LINKEN wie die Geschichte der Sozialdemokratie.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg befand sich Deutschland bis Sommer 1919 in einem blutigen Bürgerkrieg, der Tausende von Todesopfern forderte und große Bitterkeit hinterließ. Die Konsequenzen waren dramatisch. Denn die Spaltung der Arbeiterbewegung erleichterte den Aufstieg der Nationalsozialisten und verhinderte gemeinsamen Widerstand gegen ihre Machtübernahme. Das Ermächtigungsgesetz Hitlers im Jahre 1933 beendete die Weimarer Demokratie. Der Widerstand von Kommunistinnen und Kommunisten, von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern und anderen gegen die nun einsetzende nationalsozialistische Barbarei war letztlich erfolglos. Viele sind von den Nazis getötet worden, andere saßen in den Gefängnissen und Lagern oder befanden sich auf der Flucht.

Die Barbarei und der verbrecherische Krieg der deutschen Nationalsozialisten verheerten ganz Europa. Nach dem Krieg wurden unter dem Einfluss der Siegermächte USA und Sowjetunion in Westeuropa bürgerliche Demokratien mit kapitalistischer Wirtschaftsordnung und in Mittel- und Osteuropa Staaten mit sozialistischem Anspruch aufgebaut.

In Westdeutschland blieben, wie in anderen Ländern Westeuropas, sozialistische Neuordnungsbestrebungen nach dem Krieg erfolglos. Die Kommunistische Partei war in der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland schwach und zunehmender Repression ausgesetzt, 1956 wurde die KPD verboten. Die SPD blieb während der „Adenauer-Ära“ in der Opposition. Ab 1959 gab sie Zug um Zug ihre Vorstellungen einer über den Kapitalismus hinausweisenden Neuordnung von Wirtschaft und Gesellschaft auf.

Zu den Erfahrungen der Menschen in der Bundesrepublik gehörten zunehmender gesellschaftlicher Wohlstand, an dem auch die unteren gesellschaftlichen Schichten teilhatten, sowie eine parlamentarische Demokratie. Doch gleichzeitig bestanden autoritäre und obrigkeitsstaatliche Strukturen fort. Seit den 1960er Jahren entwickelte sich eine gesellschaftskritische außerparlamentarische Opposition. Das war eine Bewegung für mehr Demokratie, gegen autoritäre Tendenzen, für andere Lebensentwürfe, für mehr Selbstverwirklichung der Einzelnen, gegen Medien- und Kapitalmacht.

Die Gewerkschaften setzten in harten Auseinandersetzungen Lohnsteigerungen, Arbeitszeitverkürzungen und verbesserte sozialstaatliche Leistungen durch. Mehr Demokratie sollte in Wirtschaft und Gesellschaft möglich sein. Die Erfahrungen dieser Kämpfe zeigen allerdings auch, dass in einer kapitalistischen Gesellschaft die Demokratie an den Werkstoren und Ladentüren endet. Ständige Auseinandersetzungen sind notwendig, um die Achtung der Menschenwürde, akzeptable Arbeitsbedingungen und das Recht auf Privatsphäre auch in den Betrieben zu gewährleisten.

Eine neue Frauenbewegung bildete sich, um gegen patriarchale, Frauen unterdrückende und benachteiligende Strukturen im Öffentlichen wie im Privaten zu kämpfen. Auf dem Weg zur Veränderung der Geschlechterverhältnisse mit dem Ziel einer geschlechtergerechten Gesellschaft erwies sich die Gleichstellung von Männern und Frauen als ein wesentlicher Schritt.

Die Umweltbewegung entstand und setzte sich für eine naturverträgliche Produktions- und Lebensweise und gegen die Nutzung der Atomkraft ein. Internationalistische Gruppen unterstützten Befreiungsbewegungen in Afrika, Lateinamerika und Asien und stritten für eine solidarische Entwicklungszusammenarbeit.

Die Friedensbewegung forderte Abrüstung und vor allem die Beseitigung von Massenvernichtungswaffen. Sie unterstützte und prägte die Entspannungspolitik, der es in den 1970er und 1980er Jahren gelang, die gefährliche Blockkonfrontation der Nachkriegszeit aufzuweichen und so zu entschärfen. Der SPD-Vorsitzende und Bundeskanzler Willy Brandt knüpfte mit seiner Friedens- und Entspannungspolitik bewusst an das Gründungsverständnis der Sozialdemokratie an, dass Humanität und Krieg einander ausschließen und mehr Demokratie der Weg gesellschaftlicher Veränderung sein solle. Er erhielt dafür den Friedensnobelpreis, wie später der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Michail Gorbatschow. Dieser forderte durch weitreichende Abrüstungsangebote und den Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan 1988 zu neuem Denken auf.

Im Osten Deutschlands prägte der Sozialismusversuch die Lebensgeschichte der Menschen in widersprüchlicher Weise. Viele Ostdeutsche setzten sich nach 1945 für den Aufbau einer besseren Gesellschaftsordnung und für ein friedliebendes, antifaschistisches Deutschland ein. Im April 1946 wurde die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands gegründet. Der Zusammenschluss von SPD und KPD wurde mit dem gemeinsamen Widerstand gegen den Faschismus gerechtfertigt. Doch erfolgte er unter Druck. Viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die ihm Widerstand entgegensetzten, wurden verfolgt. Die große Mehrheit der Kommunistinnen und Kommunisten und zahlreiche Mitglieder und Funktionäre der SPD unterstützten jedoch die Vereinigung. Sie sollte eine Lehre aus Jahrzehnten der Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung sein.

Zu den Erfahrungen der Menschen im Osten Deutschlands zählen die Beseitigung von Arbeitslosigkeit und die wirtschaftliche Eigenständigkeit der Frauen, die weitgehende Überwindung von Armut, ein umfassendes soziales Sicherungssystem, ein hohes Maß an sozialer Chancengleichheit im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie in der Kultur. Auf der anderen Seite standen Erfahrungen staatlicher Willkür und eingeschränkter Freiheiten. Wichtige Reformansätze wurden nach kurzer Zeit immer wieder autoritär abgewürgt. Die Demokratie blieb auf der Strecke, und eine ökologische Orientierung hatte keine Chance. Die Zentralisation der ökonomischen Entscheidungen und die bürokratisierte Form der Planung und Leitung der Volkswirtschaft sowie die weitgehende Einschränkung betrieblicher Selbstständigkeit führten langfristig zu einem Zurückbleiben der Innovations- und Leistungsfähigkeit. Damit sank die Anziehungskraft des ökonomischen Modells der DDR. Es ist deutlich geworden: Ein Sozialismusversuch, der nicht von der großen Mehrheit des Volkes demokratisch gestaltet, sondern von einer Staats- und Parteiführung autoritär gesteuert wird, muss früher oder später scheitern. Ohne Demokratie kein Sozialismus. Deshalb gehörte zum Gründungskonsens der PDS – einer der Vorläuferparteien der LINKEN – der unwiderrufliche Bruch mit dem Stalinismus.

Teile der Bürgerbewegung der DDR, darunter auch Reformerinnen und Reformer innerhalb der SED, setzten sich im Herbst 1989 für einen friedlichen, demokratischen, sozialen und ökologischen Aufbruch und einen politischen Wandel zu einem besseren Sozialismus ein. Doch 1990 scheiterte dieses Projekt. Es gelang ebenso wenig, eine demokratische Neubegründung des vereinigten Deutschlands durchzusetzen. Aus dem demokratischen Aufbruch im Osten wurden ein bloßer Beitritt und ein für viele Menschen schmerzlicher sozialer Absturz. Auf der einen Seite gab es einen Zugewinn an demokratischen Rechten, individueller Freiheit, rechtsstaatlicher Sicherheit und internationaler Öffnung. Auf der anderen Seite einen wirtschaftlichen und sozialen Niedergang vieler ostdeutscher Regionen und die Aneignung ostdeutschen Staatseigentums durch internationale Konzerne mithilfe der Treuhandanstalt.

Im vereinten Deutschland wurden die Errungenschaften und Erfahrungen der Ostdeutschen nicht genutzt. In einem schwierigen und selbstkritischen Prozess ging aus der ehemaligen SED die Partei des Demokratischen Sozialismus hervor. Sie behauptete sich als unabhängige Kraft und erstarkte mit ihrem Anspruch, Interessen der Menschen in Ostdeutschland politisch zu vertreten. Ihre Versuche, Menschen in Westdeutschland zu gewinnen, hatten jedoch nur geringe Erfolge.

Die Linke in Deutschland war lange Zeit in der Defensive. Sie war schwach und marginalisiert, und wenn sie innerhalb der Sozialdemokratie politische Veränderungen anstrebte, waren die Handlungsmöglichkeiten sehr eng. Teile der Linken setzten auf die Grünen oder kleinere sozialistische und kommunistische Organisationen. Viele der in Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen aktiven Linken hatten keine Bindung zu einer Partei.

Das Projekt „Rot-Grün“, von vielen mit hohen Erwartungen begrüßt, enttäuschte ab 1999, da es soziale und ökologische Ziele den Interessen des Kapitals unterordnete und die Tür für internationale Kriegseinsätze deutscher Soldaten öffnete. In rasantem Tempo wandten sich sich SPD und BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN von Grundsätzen sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit und den Interessen der Bevölkerungsmehrheit an einer friedlichen Welt ab. Die „neue Sozialdemokratie“ stand für den Abbau des Sozialstaats und Umverteilung von unten nach oben. Das „Hartz IV“-Gesetz und die Agenda 2010 führten zum endgültigen Bruch vieler sozial und links gesinnter Menschen mit SPD und Grünen und zur Entwicklung einer neuen politischen Kraft, der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG).

Im Jahr 2007 haben sich Linkspartei.PDS und WASG zur neuen Partei DIE LINKE vereinigt. Wir laden alle Menschen ein, die eine andere Politik und eine bessere Welt wollen, die für Freiheit und Gleichheit eintreten, für Emanzipation und soziale Gerechtigkeit, für internationale Solidarität, Frieden und Ökologie.

Es gibt Alternativen zur herrschenden Politik und zum kapitalistischen System, zu seinen Krisen und Ungerechtigkeiten: eine Gesellschaft im Einklang mit der Natur, die sich auf Freiheit und Gleichheit gründet, eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Wir wollen sie gemeinsam erkämpfen.

Ich hoffe, ihr habt es mit Interesse gelesen…

Zum Spaß noch ein kleines Video über unsere Osteraktion:


Download Video or MP3

CIAO Hans

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Martha ist von uns gegangen…

Ich lernte Martha in unserer Selbsthilfegruppe kennen. Sie war das älteste Mitglied unseres Kreises, hatte das 80.Lebenjahr schon überschritten und freute sich doch immer wieder auf die Gespräche in unserer Gruppe. Auch sie hatte unter Ängsten und Depressionen zu leiden. Zudem waren ihre Hüftgelenke verschlissen und das Treppensteigen in den 1.Stock unseres Gruppenraumes forderte viel Kraft von ihr. Wir warteten immer, bis auch sie ihren Platz eingenommen hatte.

Martha erkrankte als Jugendliche unter Tuberkulose und nach den damals üblichen Behandlungsmethoden hatte man ihr einen Lungenflügel entfernt. Auch kleine Anstrengungen fielen ihr zunehmend schwerer. Marthas Mann war schon vor einiger Zeit verstorben und sie war allein – sie hatte keine Kinder oder sonstige Verwandte. Sie lebte allein in ihrer Wohnung und freute sich über jeden Besuch. Manchmal fuhr sie mit dem Taxi in ein Kaufhaus, setzte sich vor die Umkleidekabinen und beobachtete stundenlang die Personen bei der Auswahl neuer Kleidungsstücke. Das bereitete ihr Freude.

In unserer Gruppe rieten wir ihr, sich in den Altenheimen umzusehen, damit sie eine Vorstellung davon bekäme, was eventuell einmal auf sie zu käme. Doch trotz vieler Gespräche weigerte sie sich, diesen Vorschlag auch anzunehmen. Nur einen Notrufknopf – gebunden um ihren Hals – akzeptierte sie nach vielen Gesprächen.

Ihr Zustand verschlechterte sich und schließlich war ihr ein Besuch unserer Selbsthilfegruppe nicht mehr möglich. Sie bekam eine Pflegestufe – täglich suchte sie morgens ein Pflegedienst auf – und das Essen wurde ihr ins Haus geliefert.

Eines nachts kam es zu einer Krise und sie drückte den Notfallknopf ihres Halsbandes. Ich besuchte sie am nächsten Tag auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen, was bei ihrer eingeschränkten Lungenfunktion zu einer bedrohlichen Situation führte. Da lag sie nun, bewußtlos für viele Tage und angeschlossen an viele Schläuche. Wir befürchteten schon das Schlimmste. Doch die Mediziner der Intensivstation leisteten gute Arbeit. Nach einigen Wochen war ihre Krise überwunden und es kam die große Frage auf sie zu: wie soll es weitergehen?

Allein zu Hause war ihre Versorgung nicht mehr möglich. Zusammen mit der Sozialarbeiterin überlegten wir, welches Heim für sie in Frage käme. Sie hatte keine große Wahl, da ihr ein Übergang von der Klinik direkt in ein Pflegeheim bevorstand. Schließlich willigte sie und ein neuer Lebensabschnitt begann. Die Auflösung ihrer alten Wohnung und einige Behördengänge übernahmen wir für sie.

Doch der Umzug in die neue Umgebung fiel ihr sehr schwer. Sie hatte zwar wie gewünscht ein eigenes kleines Zimmer, doch die Umgebung war ihr völlig fremd. Martha aß mit anderen Heimbewohnern an einem Tisch, die teils dement waren und es mit der Eßkultur nicht ganz so genau nahmen, und ihre Vorstellungen passten da so gar nicht hinein. Anfangs genoss sie die Sonne in ihrem Rollstuhl auf dem Balkon und freute sich über jeden Besucher. Doch der Winter stand vor der Tür…

Marthas Zustand verschlechterte sich und sie brauchte immer mehr Hilfestellung. Dies brachte sie in Konflikt mit den Schwestern, die auf Grund ihrer Arbeitsbelastungen nicht immer die rechte Zeit fanden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Ja, sie bekam Angst, die Schwestern durch ihre Hilflosigkeit zu sehr zu belasten und versuchte ihre Wünsche herabzusetzen. Wir besorgten ihr einen elektrischen Rollstuhl, um ihr mehr Freiräume zu schaffen. Anfangs übte sie das Rollstuhlfahren und meinte: „Das schaff ich – schließlich habe ich einen Führerschein…“. Doch mit der Zeit ließen ihre Kräfte nach und sie wünschte sich, diesen blöden elektrischen Rollstuhl endlich wieder los zu werden, damit sie nicht mehr diese Konzentration aufbringen müsste.

In den täglichen Gesprächen mit ihr beklagte sie ihre Hilflosigkeit und den Verlust ihrer Freiheit. Sie war dabei völlig klar im Kopf und besprach gerne philosophische Fragen. Ja, das machte ihr Spaß. Aber der Wunsch – „Ich will sterben“ – wuchs von Tag zu Tag. Es kamen Tage mit Panikanrufen, wo sie dachte, es wäre jetzt so weit und sie wünschte sich Besuch möglichst den ganzen Tag über mit anregenden Gesprächen. Diesen Wunsch konnten wir ihr aber nicht ausreichend erfüllen.

Ihre Bewegungmöglichkeiten nahmen immer mehr ab, so dass sie schließlich sogar in ihrem Fernsehstuhl oder auch Bett nur mit Hilfe eine neue Stellung einnehmen konnte. Sie zog sich immer mehr in ihr kleines Zimmer zurück, starrte den ganzen Tag in ihrem Fernsehstuhl an die Wand und verfiel schließlich in Depression. Man konnte nicht mehr klar entscheiden, was sie noch leisten konnte und was nicht. Die Schwestern forderten sie sehr und sie litt darunter.

Ihr Wunsch zu sterben wuchs immer mehr. Sie bekam Tabletten, die sie sehr schläfrig machten, und die Struktur von Tag und Nacht geriet durcheinander. Martha wurde inkontinent, was ihr höchst peinlich war, und schließlich kam sie aus ihrem Bett nicht mehr heraus. Nun sprach sie nur noch von ihrem Wunsch zu sterben.

Martha trank nicht mehr genug und auch das Essen war ihr belanglos geworden. Bei meinen Besuchen erlebte ich sie in den verschiedensten Zuständen: mal agitiert, mal ängstlich, mal abwesend… Ihre Welt bestand fast nur noch in ihrem Kopf, wo alte Erinnerungen aus ihrer Jugendzeit wieder auftauchten.

Martha wollte ihren Geburtstag noch erleben. Das schaffte sie – doch schon wenige Tage später verstarb sie.

Auf ihrem letzten Gang bei ihrer Urnenbeisetzung begleiteten wir sie. Eine Bestattung anonym und ohne Feier, so wie sie es sich gewünscht hatte.

Ja, das waren die letzten Tage von Martha – nun ist sie von uns gegangen…

Was mich an ihrer Geschichte besonders betroffen gemacht hat, ist ihr Verlust an Freiheit in ihrer letzten Lebensphase. Der Lebensabschnitt, wo man nicht mehr selbst agiert sondern auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Ich habe bei der Begleitung ihres Sterbeprozesses viel erfahren – dafür bin ich ihr dankbar. Gelernt habe ich, mich auch mit meinem eigenen Sterbeprozess, der hoffentlich noch weit entfernt liegt, ein wenig auseinanderzusetzen. Sterben gehört zu unserem Leben dazu, es ist Teil des Lebens. Und wir sollten dies nicht so weit weg schieben, sondern ruhig einmal die Gedanken darüber auf uns zukommen lassen. Wie geht es mir damit, wenn ich die Gedanken auf meinen Tod lenke? Was fühle ich dabei? Das ist bei jedem Menschen verschieden – doch gewiss ist nur eins: der Tod…

CIAO Hans

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Rüstungsgeschäfte: Deutsche Waffen in Krisengebieten…

Zu diesem Thema referierte gestern Jürgen Grässlin auf einer Veranstaltung des Friedenszentrums Braunschweig e.V.. Jürgen Grässlin ist Bundesprecher mehrerer Friedensorganisationen, Buchautor und Lehrer. Er ist Rüstungsexperte und beschäftigt sich vor allem mit dem Einsatz von Waffen in Krisengebieten, besonders in Türkisch-Kurdistan und Somalia.

In einem Interview mit dem SWR beschreibt er und die Geschäfte mit der tödlichen Technik. Beim Rüstungsgeschäft prallen Wirtschaftsinteressen und moralische Fragen hart aufeinander. Da das Interview einen guten Einstieg in die Problematik der Rüstungsexporte in Krisengebiete gibt, hier das Interview:

Deutschland hat es auf den dritten Platz der Rüstungsexporteure weltweit geschafft. Ich habe die Situation mal in einer Grafik dargestellt:

In dem Dokumentarfilm „Allein gegen die Waffenindustrie – Der Kampf des Jürgen Grässlin“ (von Katja Duregger) wird die Arbeit des Friedensaktivisten dargestellt. Auf obiger Veranstaltung meinte er, der Film müsse eigentlich „Gemeinsam gegen die Waffenindustrie“ heißen…

Mich hat dieser Film über die Rüstungsindustrie sehr berührt und ich hoffe, auch der ein oder andere wird ein wenig wach gerüttelt! Es lohnt sich das Ansehen!

Hier eine Tabelle über die Todesursache von Kriegsopfern:

Die laufenden Aktionen, an denen Jürgen Grässlin z.Zt. beteiligt ist:

  • Wir kaufen keinen Mercedes!
  • Stoppt das G36-Gewehr!
  • Aktion Aufschrei – Rüstungsexporte ächten, den Opfern eine Stimme geben!
  • Beteiligen kann man sich über das Internet oder durch die direkte Kontaktaufnahme [email protected]

    Weitere Links: RüstungsInformationsBüro (RIB e.V.), Deutsche Friedensgesellschaft VK, Friedensratschlag, Daimler/EADS

    CIAO Hans

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