Martha ist von uns gegangen…

Ich lernte Martha in unserer Selbsthilfegruppe kennen. Sie war das älteste Mitglied unseres Kreises, hatte das 80.Lebenjahr schon überschritten und freute sich doch immer wieder auf die Gespräche in unserer Gruppe. Auch sie hatte unter Ängsten und Depressionen zu leiden. Zudem waren ihre Hüftgelenke verschlissen und das Treppensteigen in den 1.Stock unseres Gruppenraumes forderte viel Kraft von ihr. Wir warteten immer, bis auch sie ihren Platz eingenommen hatte.

Martha erkrankte als Jugendliche unter Tuberkulose und nach den damals üblichen Behandlungsmethoden hatte man ihr einen Lungenflügel entfernt. Auch kleine Anstrengungen fielen ihr zunehmend schwerer. Marthas Mann war schon vor einiger Zeit verstorben und sie war allein – sie hatte keine Kinder oder sonstige Verwandte. Sie lebte allein in ihrer Wohnung und freute sich über jeden Besuch. Manchmal fuhr sie mit dem Taxi in ein Kaufhaus, setzte sich vor die Umkleidekabinen und beobachtete stundenlang die Personen bei der Auswahl neuer Kleidungsstücke. Das bereitete ihr Freude.

In unserer Gruppe rieten wir ihr, sich in den Altenheimen umzusehen, damit sie eine Vorstellung davon bekäme, was eventuell einmal auf sie zu käme. Doch trotz vieler Gespräche weigerte sie sich, diesen Vorschlag auch anzunehmen. Nur einen Notrufknopf – gebunden um ihren Hals – akzeptierte sie nach vielen Gesprächen.

Ihr Zustand verschlechterte sich und schließlich war ihr ein Besuch unserer Selbsthilfegruppe nicht mehr möglich. Sie bekam eine Pflegestufe – täglich suchte sie morgens ein Pflegedienst auf – und das Essen wurde ihr ins Haus geliefert.

Eines nachts kam es zu einer Krise und sie drückte den Notfallknopf ihres Halsbandes. Ich besuchte sie am nächsten Tag auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen, was bei ihrer eingeschränkten Lungenfunktion zu einer bedrohlichen Situation führte. Da lag sie nun, bewußtlos für viele Tage und angeschlossen an viele Schläuche. Wir befürchteten schon das Schlimmste. Doch die Mediziner der Intensivstation leisteten gute Arbeit. Nach einigen Wochen war ihre Krise überwunden und es kam die große Frage auf sie zu: wie soll es weitergehen?

Allein zu Hause war ihre Versorgung nicht mehr möglich. Zusammen mit der Sozialarbeiterin überlegten wir, welches Heim für sie in Frage käme. Sie hatte keine große Wahl, da ihr ein Übergang von der Klinik direkt in ein Pflegeheim bevorstand. Schließlich willigte sie und ein neuer Lebensabschnitt begann. Die Auflösung ihrer alten Wohnung und einige Behördengänge übernahmen wir für sie.

Doch der Umzug in die neue Umgebung fiel ihr sehr schwer. Sie hatte zwar wie gewünscht ein eigenes kleines Zimmer, doch die Umgebung war ihr völlig fremd. Martha aß mit anderen Heimbewohnern an einem Tisch, die teils dement waren und es mit der Eßkultur nicht ganz so genau nahmen, und ihre Vorstellungen passten da so gar nicht hinein. Anfangs genoss sie die Sonne in ihrem Rollstuhl auf dem Balkon und freute sich über jeden Besucher. Doch der Winter stand vor der Tür…

Marthas Zustand verschlechterte sich und sie brauchte immer mehr Hilfestellung. Dies brachte sie in Konflikt mit den Schwestern, die auf Grund ihrer Arbeitsbelastungen nicht immer die rechte Zeit fanden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Ja, sie bekam Angst, die Schwestern durch ihre Hilflosigkeit zu sehr zu belasten und versuchte ihre Wünsche herabzusetzen. Wir besorgten ihr einen elektrischen Rollstuhl, um ihr mehr Freiräume zu schaffen. Anfangs übte sie das Rollstuhlfahren und meinte: „Das schaff ich – schließlich habe ich einen Führerschein…“. Doch mit der Zeit ließen ihre Kräfte nach und sie wünschte sich, diesen blöden elektrischen Rollstuhl endlich wieder los zu werden, damit sie nicht mehr diese Konzentration aufbringen müsste.

In den täglichen Gesprächen mit ihr beklagte sie ihre Hilflosigkeit und den Verlust ihrer Freiheit. Sie war dabei völlig klar im Kopf und besprach gerne philosophische Fragen. Ja, das machte ihr Spaß. Aber der Wunsch – „Ich will sterben“ – wuchs von Tag zu Tag. Es kamen Tage mit Panikanrufen, wo sie dachte, es wäre jetzt so weit und sie wünschte sich Besuch möglichst den ganzen Tag über mit anregenden Gesprächen. Diesen Wunsch konnten wir ihr aber nicht ausreichend erfüllen.

Ihre Bewegungmöglichkeiten nahmen immer mehr ab, so dass sie schließlich sogar in ihrem Fernsehstuhl oder auch Bett nur mit Hilfe eine neue Stellung einnehmen konnte. Sie zog sich immer mehr in ihr kleines Zimmer zurück, starrte den ganzen Tag in ihrem Fernsehstuhl an die Wand und verfiel schließlich in Depression. Man konnte nicht mehr klar entscheiden, was sie noch leisten konnte und was nicht. Die Schwestern forderten sie sehr und sie litt darunter.

Ihr Wunsch zu sterben wuchs immer mehr. Sie bekam Tabletten, die sie sehr schläfrig machten, und die Struktur von Tag und Nacht geriet durcheinander. Martha wurde inkontinent, was ihr höchst peinlich war, und schließlich kam sie aus ihrem Bett nicht mehr heraus. Nun sprach sie nur noch von ihrem Wunsch zu sterben.

Martha trank nicht mehr genug und auch das Essen war ihr belanglos geworden. Bei meinen Besuchen erlebte ich sie in den verschiedensten Zuständen: mal agitiert, mal ängstlich, mal abwesend… Ihre Welt bestand fast nur noch in ihrem Kopf, wo alte Erinnerungen aus ihrer Jugendzeit wieder auftauchten.

Martha wollte ihren Geburtstag noch erleben. Das schaffte sie – doch schon wenige Tage später verstarb sie.

Auf ihrem letzten Gang bei ihrer Urnenbeisetzung begleiteten wir sie. Eine Bestattung anonym und ohne Feier, so wie sie es sich gewünscht hatte.

Ja, das waren die letzten Tage von Martha – nun ist sie von uns gegangen…

Was mich an ihrer Geschichte besonders betroffen gemacht hat, ist ihr Verlust an Freiheit in ihrer letzten Lebensphase. Der Lebensabschnitt, wo man nicht mehr selbst agiert sondern auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Ich habe bei der Begleitung ihres Sterbeprozesses viel erfahren – dafür bin ich ihr dankbar. Gelernt habe ich, mich auch mit meinem eigenen Sterbeprozess, der hoffentlich noch weit entfernt liegt, ein wenig auseinanderzusetzen. Sterben gehört zu unserem Leben dazu, es ist Teil des Lebens. Und wir sollten dies nicht so weit weg schieben, sondern ruhig einmal die Gedanken darüber auf uns zukommen lassen. Wie geht es mir damit, wenn ich die Gedanken auf meinen Tod lenke? Was fühle ich dabei? Das ist bei jedem Menschen verschieden – doch gewiss ist nur eins: der Tod…

CIAO Hans

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Rüstungsgeschäfte: Deutsche Waffen in Krisengebieten…

Zu diesem Thema referierte gestern Jürgen Grässlin auf einer Veranstaltung des Friedenszentrums Braunschweig e.V.. Jürgen Grässlin ist Bundesprecher mehrerer Friedensorganisationen, Buchautor und Lehrer. Er ist Rüstungsexperte und beschäftigt sich vor allem mit dem Einsatz von Waffen in Krisengebieten, besonders in Türkisch-Kurdistan und Somalia.

In einem Interview mit dem SWR beschreibt er und die Geschäfte mit der tödlichen Technik. Beim Rüstungsgeschäft prallen Wirtschaftsinteressen und moralische Fragen hart aufeinander. Da das Interview einen guten Einstieg in die Problematik der Rüstungsexporte in Krisengebiete gibt, hier das Interview:

Deutschland hat es auf den dritten Platz der Rüstungsexporteure weltweit geschafft. Ich habe die Situation mal in einer Grafik dargestellt:

In dem Dokumentarfilm „Allein gegen die Waffenindustrie – Der Kampf des Jürgen Grässlin“ (von Katja Duregger) wird die Arbeit des Friedensaktivisten dargestellt. Auf obiger Veranstaltung meinte er, der Film müsse eigentlich „Gemeinsam gegen die Waffenindustrie“ heißen…

Mich hat dieser Film über die Rüstungsindustrie sehr berührt und ich hoffe, auch der ein oder andere wird ein wenig wach gerüttelt! Es lohnt sich das Ansehen!

Hier eine Tabelle über die Todesursache von Kriegsopfern:

Die laufenden Aktionen, an denen Jürgen Grässlin z.Zt. beteiligt ist:

  • Wir kaufen keinen Mercedes!
  • Stoppt das G36-Gewehr!
  • Aktion Aufschrei – Rüstungsexporte ächten, den Opfern eine Stimme geben!
  • Beteiligen kann man sich über das Internet oder durch die direkte Kontaktaufnahme [email protected]

    Weitere Links: RüstungsInformationsBüro (RIB e.V.), Deutsche Friedensgesellschaft VK, Friedensratschlag, Daimler/EADS

    CIAO Hans

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    Ostermarsch 2010 in Braunschweig…

    Am Ostersamstag fand auch in Braunschweig wieder ein Ostermarsch statt – in Form einer Fahrraddemonstration und einer Kundgebung. Es war noch recht kühl, aber die Sonne schien und es war damit gutes Wetter für die Aktion. Seit 50 Jahren finden diese Ostermärsche statt, 50 Jahre gegen Atomwaffen und Kriege.
    In Braunschweig stand der Ostermarsch dieses Jahr unter den Losungen

    – Atomwaffen abschaffen!
    – Bundeswehr raus aus Afghanistan!
    – Frieden für Palästina und Israel!
    -Europa ohne Militärverfassung und NATO in einer gerechten und sozialen Weltordnung!

    Ich hatte meinen Fotoapparat und meine Videokamera dabei und nahm die Aktion zur Dokumentation auf. Die anfänglichen Worte von Frieder Schöbel, Mitglied des Friedenszentrums Braunschweig e.V., über die Geschichte der Ostermärsche auch in Braunschweig fand ich sehr interessant. Ja, er ist schon ein alter Hase der Friedensbewegung.

    Die Fahrradtour durch Braunschweigs Innenstadt mit den vielen Plakaten und Friedensfahnen war sehr bunt und lebendig. Ich wäre ja mitgefahren, aber nun stand ich hinter meiner Videokamera…

    Auf der Abschlusskundgebung sprach Pastor Albrecht Fay über die Situation in Afghanistan und Obamas neue Impulse in der Weltpolitik. Dabei sah er Obama durchaus kritisch. Marion Krüger, Teilnehmerin des Gaza-Friedensmarsches 2010, berichtete über die Lage der Palästinenser im Gaza-Streifen. Sie sprach als Mutter von Kindern und ihre Worte haben mich sehr bewegt. Zum Schluss stellte Bernd von der Bürgerinitiative Waggum die Bedenken der Bürger gegen den Ausbau des Braunschweiger Flughafens dar. Auch in seinem Beitrag ging es um Frieden, keine Militärforschung in Braunschweig…

    Hier die zwei Videos, die ich aufgenommen habe (Abschlusskundgebung leicht gekürzt, da YouTube nur 10 Minuten zulässt).

    CIAO Hans

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    Wetten – wir schaffen die KETTENreAKTION am 24.April…

    Am 24.April 2010 soll eine 120 km lange Menschenkette vom AKW Brunsbüttel bis zum AKW Krümmel als eindrucksvolles Zeichen gegen die Atomkraftwerke gebildet werden- Motto: „Atomkraftwerke abschalten“. Und dies zwei Wochen vor den Wahlen in Nordrhein-Westfalen und zwei Tage vor dem Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe!
    Die Menschenkette soll ab 14.30 Uhr für 30 Minuten stehen und ein buntes Aktionsprogramm soll begleitend durchgeführt werden.

    Nähere Informationen könnt ihr auf der Mitmach-Startseite von ausgestrahlt.de bekommen.
    Beschrieben wird dort, wie ihr in Sonderzügen zu der Aktion hinkommen könnt und wie ihr selber Werbung für die Aktion machen könnt: Flugblätter, Plakate, Großplakate, Kettenmails, Kinospots, Lokalpresse, Busse organisieren…

    Streckenverlauf und zeitliche Abstimmung sowie Zuordnung der Regionen zu den Streckenabschnitten könnt ihr hier einsehen!

    Schon eine Kette, in der die Leute im Abstand von etwa fünf Metern stehen, ist ein Erfolg. Dafür wären 24.000 Menschen nötig. Aber natürlich kann die Kette auch enger aufgestellt sein. Dann wird die Aktion wirklich gigantisch.

    Jeder Meter zählt! Jeder Mensch zählt! Du zählst! Darum geht es im .ausgestrahlt-Kinospot für die 120 Kilometer lange Aktions- und Menschenkette am 24. April. Ca. 50 Sekunden, gedreht und produziert von einem Münchner Filmemacher mit tatkräftiger Unterstützung von mehreren Dutzend .ausgestrahlt-Aktiven. Hier der Kinospot, den ihr ja in eurem Lieblingskino anbieten könnt – Spot vom Server downloaden und evtl. auf DVD brennen!(Näheres auf der Website)

    Ich bin dabei – und du???

    CIAO Hans

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    Zur Situation der weltweiten Gesundheitsversorgung…

    Gesundheit ist ein Grundrecht des Menschen, unverzichtbar für die Ausübung anderer Menschenrechte. Für jeden Menschen ist der Erhalt des höchsten erreichbaren Standards der Gesundheit förderlich, die ihm für ein Leben in Würde zusteht. Die Verwirklichung des Rechts auf Gesundheit kann durch zahlreiche, sich ergänzende Ansätze, wie die Formulierung der Gesundheitspolitik, oder die Durchführung von Gesundheitsprogrammen durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), verfolgt werden…„(article 12 of the International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights)

    Da ich täglicher Leser der Tageszeitung (TAZ) bin, erhalte ich auch die Monatsbeilage von Le Monde diplomatique. Darin fand sich in der letzten Ausgabe ein sehr interessanter Artikel: Gesundheit und ein langes Leben (von Martine Bulard). Aus diesem Artikel möchte ich nur einige Fakten aufführen…

    Die erste gesetzliche Krankenversicherung wurde im deutschen Kaiserreich 1883 eingeführt, damit der „Soldat der Arbeit“ im Krankheitsfall versorgt war. Sozialen Unruhen sollte damit vorgebeugt werden. Zugleich erließ Bismarck die „Sozialistengesetze“, womit die Sozialdemokratie verboten wurde.

    In der Satzung der 1948 gegründeten WHO (World Health Organization) wird erstmals das „Recht auf Gesundheit“ festgeschrieben. Doch wie sieht es mit diesem Recht auf Gesundheit in der Welt aus?
    Wie lässt sich Gesundheit organisieren?

    In Deutschland schreitet die Privatisierung der Krankenhäuser immer weiter voran und man ist gerade dabei, das Prinzip der Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung abzuschaffen. So fordert der FDP-Gesundheitsminister einen Systemwechsel hin zu einer Kopfpauschale.

    In den USA hat man sich bisher vehement gegen einen staatlichen Eingriff in das Gesundheitssystems gewehrt, der privaten Krankenversicherung wurde immer der Vorrang gegeben. Als Obama Präsident wurde, nannte er die Gesundheitsreform als eines seiner wichtigsten Ziele. Gestern nun hat Obama seine Reform im Repräsentantenhaus durchgesetzt: 32 Millionen bislang unversicherte Amerikaner sollen eine Absicherung im Krankheitsfall bekommen. Bisher war das US-Gesundheitssystem bekannt für sein regelmäßiges Versagen: außerhalb eines Unternehmens gab es keinen Anspruch auf Versorgungsleistungen, und trotzdem war das amerikanische Gesundheitssystem eines der teuersten der Welt! So gaben die Einwohner der Vereinigten Staaten 2007 pro Kopf 7287 $ für das Gesundheitssystem aus, das ist rund doppelt so viel wie in Deutschland (3512 Int. $)(wikipedia).

    Zwei gegenläufige Entwicklungen: die einen wollen privatisieren, die anderen wollen mehr staatliche Versorgung.

    Doch steigt auch der Gesundheitszustand und die Lebenserwartung der Bevölkerung durch die Mehrausgabe von Finanzmitteln?


    ©Le Monde diplomatique
    Weit gefehlt!

    Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung der USA lag 2002 bei 69,3 Jahren!(s.wikipedia,oben). Bei den Japanern liegt sie bei 76 Jahren, bei den Franzosen bei 73 Jahren, bei den Deutschen bei 73 Jahren, bei den Schweden bei 74 Jahren oder 72 Jahre bei den Briten.(s.Artikel Le Monde diplomatique, oben)


    ©Le Monde diplomatique
    Entgegen der Erwartung, dass die Höhe der Gesundheitsausgaben auch die Gesundheit und Lebenserwartung der Bevölkerung beeinflusst, hängt es eben auch sehr davon ab, wie die Menschen leben, arbeiten und sich ernähren! In den Ländern mit gesetzlichen Krankenkassen sind die Gesundheitsausgaben häufig niedriger (Schweden 18,3%, Japan 18,7%, Deutschland 23,1% und die USA über 50%!!!).

    Also richtet nicht der Markt alles (Kosten der Arzneimittel, Leistungskataloge, Gehaltskosten usw.)!


    ©Le Monde diplomatique
    Hier eine interessante Karte, die den öffentlichen oder privaten Anteil der Gesundheitsausgaben auf der Welt anzeigt.

    ©Le Monde diplomatique
    Die Ungleichheiten unter den Nationen sind aber immer noch sehr deutlich. In 31 Ländern darunter Südafrika, Botswana, Gabun aber auch in Russland und der Ukraine ist die Lebenserwartung deutlich gesunken. In Sierra Leone liegt sie beispielsweise bei 35 Jahren (dabei berücksichtigen: Kriege, Katastrophen, Flüchtlingslager, Trinkwasser…)!

    In Afrika und einigen Länderns Asiens sterben die meisten Menschen an Infektionskrankheiten: Malaria, Tuberkulose, Aids. Wären die Medikamente nicht so teuer und wäre eine bessere Trinkwasserversorgung möglich, könnte die Lebenserwartung deutlich erhöht werden.

    In den Industrieländern sterben die meisten Menschen dagegen an Krebs-, Herz-Kreislauf-, Atemwegserkrankungen oder an Diabetes.

    Mein Fazit:
    Die Privatisierung der Gesundheitsversorgung ist nicht der richtige Weg!

    CIAO Hans

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    Der Ostermarsch – die Protestaktion der Friedensbewegung…

    Am 3.April, dem Ostersamstag, findet auch in Braunschweig wieder ein Ostermarsch in Form einer Fahrraddemonstration statt. Um 11.00 Uhr treffen sich die Friedensaktivisten auf dem Kohlmarkt. Nach der Fahrraddemo folgt eine kleine Kundgebung.

    Seit 1960 finden diese Ostermärsche in vielen Städten statt. Die Friedensaktivisten demonstrieren für ein Ende der atomaren Bewaffnung und des nuklearen Wettrüstens. Die Teilnehmerzahl an den Ostermärschen schwankte im Laufe der Jahre stark: sie begannen mit 1.200 Teilnehmern 1960 und als sie 1968 zu einer außerparlamentarischen Sammlungsbewegung wurden, wuchs die Bewegung auf 300.000. 1983 nahmen etwa 700.000 Menschen an verschiedenen Aktionen zum Frieden teil.

    In Zeiten des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion spürten viele Menschen die Gefahr eines Atomkrieges und gingen gegen ihre Ängste auf die Straße.

    Doch auch mit Beendigung des Kalten Krieges ist die Gefahr einer atomaren Auseinandersetzung nicht gebannt. Neben den alten Atommächten (USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und der Volksrepublik China) sind neue Staaten zu Atommächten geworden (Indien, Pakistan, Israel) oder sind auf dem Wege, sich atomar zu bewaffnen (Nordkorea?, Iran?, Saudi-Arabien?).
    Das Risiko eines Atomkrieges besteht nach wie vor und wird solange eine Gefahr darstellen, wie es Atomwaffen auf der Welt gibt!

    US-Präsident Barack Obama ergriff im September 2009 die Initiative für seine Vision von einer Welt ohne Atomwaffen. In einer von ihm geleiteten Sitzung des UN-Sicherheitsrats stimmte das Gremium für einen Entwurf der US-Regierung, in dem die Verschrottung aller Nuklearwaffen gefordert wird. Doch konkrete Umsetzungen dieser Initiative lassen noch auf sich warten.

    Auch in Deutschland lagern noch Atomwaffen: In Deutschland können heute noch bis zu 44 nukleare Bomben in Büchel, dem Standort des Jagdbombergeschwaders 33 der Bundeswehr, gelagert werden. Es ist mittlerweile der einzige verbliebene aktive Lagerort in Deutschland. Vorhanden sind dort vermutlich noch 10-20 Waffen. In einem Artikel habe ich dazu aufgefordert, einen Brief an Obama zu schreiben, damit auch die letzten Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden. Eine Vorlage als PDF liegt bei und es müsste auch in unserem Interesse sein, die Initiative von Obama zu unterstützen.

    Gestern Abend besuchte ich die Veranstaltung des Friedenszentrums und des Friedensbündnisses Braunschweig in der Reihe „Wege zu einer Kultur des Friedens“ – Lesung zum 40.Todestag des Pazifisten Bertrand Russell. Er war auch neben vielen anderen Aktivitäten wie z.B. dem Vietnamtribunal auch zeitweise Präsident der Campaign for Nuclear Disarmament und dann auch Mitinitiator der Osterfriedensmärsche.

    Vielleicht hat der ein oder andere aus Braunschweig ja Lust, an der Osterfahrraddemo teilzunehmen – ich bin mir sicher, dass das Wetter mitspielt! Ich erwarte euch…

    CIAO Hans

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    Nachlese zum Gaza-Freedom-March 2010…

    Ich hatte schonmal aktuell über den Gaza-Friedensmarsch-2010 in diesem Blog berichtet (hier).

    Gestern fand nun ein Treffen der Friedensaktivisten aus Braunschweig statt, auf dem sie von ihren Aktionen auf dem Friedensmarsch berichteten. Mit kleiner Digitalkamera hab ich die vielen Bilder einfach aufgenommen, damit auch ihr sie hier sehen könnt. Entschuldigt die z.T. schlechte Qualität – aber von einer Leinwand bei Zimmerlicht zu fotografieren ist nicht gerade das Pralle.
    Hier die Bilder zu ihren Aktionen – mit Hilfe der Teilnehmer werde ich auch noch die Kommentare zu den Bildern ergänzen…

    Hier die Kairoer Erklärung des Gaza Friedensmarsches:

  • Kairoer Erklärung
  • Ein Appell geht an alle Organisationen und Einzelpersonen, die sich dieser Erklärung verpflichtet fühlen, sie zu unterschreiben und mit uns darauf hinzuarbeiten um sie Wirklichkeit werden zu lassen.

    Noch einige wichtige Links:

  • Global BDS Movement
  • bds-info
  • GazaFreedomMarch
  • Gedicht zum Gazakrieg…
    Kommentar zum Gaza-Friedensmarsch…

    CIAO Hans

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    „Suizid“ – eine freie Entscheidung?

    „Suizid“, die Selbsttötung eines Menschen, wird umgangssprachlich auch oft als „Freitod“ bezeichnet. Doch ist diese finale Aktion wirklich so „frei“?

    Mit dieser Thematik werde ich oft in unserer Selbsthilfegruppe Angst und Depression konfrontiert. Da ich selbst unter Depressionen leide, kenne ich diese selbstzerstörerischen Gedanken nur zu gut. Auch bin ich in meinem bisherigen Leben – sei es als Arzt oder als Patient – mit vollendeten Selbstmorden öfter konfrontiert worden.

    Gerade jetzt hörte ich wieder die Meinung, dass man über seinen eigenen Tod doch selber entscheiden könne… Ich fing an, mich nochmals mit der Suizidthematik auseinanderzusetzen, denn ich bin anderer Meinung.

    Die Psychiatrie, Psychologie, Soziologie, Philosophie, Theologie und die Rechtswissenschaft setzen sich mit der Selbsttötung auseinander. Ja, es gibt sogar eine Suizidologie. Suizidalität gilt als die Summe aller Denk− und Verhaltensweisen von Menschen oder von Gruppen von Menschen, die in Gedanken, durch aktives Handeln, durch Handeln lassen oder auch durch passives Unterlassen einer für das Leben notwendigen Verrichtung den eigenen Tod anstreben bzw. als möglichen Ausgang in Kauf nehmen. Suizidalität gilt dabei nicht als Krankheit per se, Todeswünsche und Suizidideen können auch beim psychisch und körperlich gesunden Menschen in einer belastenden Lebenssituation auftreten.

    Nach Angaben der WHO 2003 sterben weltweit jedes Jahr ca. 1 Mill. Menschen durch Suizid; bei jungen Menschen ist Suizid weltweit die häufigste Todesursache. Suizidversuche mit geschätzten 20±50Mill. weltweit sind wesentlich häufiger, wobei es keine zuverlässigen Daten gibt.

    Suizidalität hat es schon immer in der Menschheitsgeschichte gegeben. Der französische Historiker Georges Minois schrieb die erste Abhandlung über den Suizid von der Antike bis zum 20.Jahrhundert in seinem Buch „Geschichte des Selbstmords“. Er fragte: „Warum haben sich in dieser oder jener Epoche Menschen dafür entschieden, nicht mehr zu sein? Jeder Einzelne hatte seine Gründe, und es kommt darauf an, sie zu verstehen, denn diese Haltung enthüllt uns die lebenswichtigen Werte der Gesellschaft. Sie betrifft sowohl das Individuum als auch die Gruppe“. Er zitierte Albert Camus: „Es gibt nur einwirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Die Entscheidung, ob das Leben sich lohne oder nicht, beantwortet die Grundfrage der Philosophie. Alles andere – ob die Welt drei Dimensionen oder der Geist neun oder zwölf Kategorien habe – kommt erst später. Das sind Spielereien; zunächst heißt es, Antwort geben“.

    Auch in den verschiedenen Weltreligionen finden sich Aussagen zu dem Problem Suizid. Verbot des Suizides im jüdischen Talmud (bis ins 20. Jahrhundert wurden alle üblichen Trauerriten versagt) und im Islam (die Aufnahme ins Paradies wird verweigert, und es droht ein „ewiges Höllenfeuer“; Ausnahme: der Märtyrertod), im Christentum fehlende Verurteilung suizidaler Handlungen im Alten und Neuen Testament (doch das Gebot „Du sollst nicht töten!“ gilt nach Augustinus auch für einen selbst! Später wurde Suizid als Sünde gebrandmarkt; bis ins frühe 19.Jahrhundert wurde den Suizidopfern die Beerdigung auf Friedhöfen verweigert), Negierung des Suizides im Buddhismus oder Hinduismus.

    In der Medizin/Psychiatrie wurde Suizidalität schon früh im Kontext von Melancholie diskutiert, denkt man an die Äußerungen von Robert Burton in seinem Werk über die Melancholie 1621 oder auch an die Formulierungen von Wilhelm Griesinger 1867, der Suizid in Zusammenhang mit „Schwermut mit Äußerung von Zerstörungstrieben“ aber den Suizid „durchaus nicht immer“ als Symptom einer psychischen Erkrankung sah. Von Esquirol (1838) stammt die Aussage: „Der Selbstmord bietet alle Merkmale der Geisteskrankheit“, womit Suizidalität der Psychiatrie zugeordnet und die Grundlage für ein heutiges „medizinisch−psychosoziales Paradigma“ von Suizidalität in Ablösung einer Jahrhunderte lang bestehenden religiös−philosophischen Sichtweise vorbereitet wurde. Seit Besetzung des Themas Suizidalität durch Medizin und im engeren Sinne Psychiatrie sowie das 1897 erschienene soziologische Werk von Durkheim „Der Selbstmord“ entsteht neben der Arbeit mit suizidalen Menschen die wissenschaftliche Suizidologie als ein Querschnittsfach, das heute von Religion und Philosophie bis hin zu Psychologie, Psychiatrie, Epidemiologie, Neurobiologie und Genetik reicht.

    Mehr als 90% aller Suizidenten leiden zum Zeitpunkt ihrer Selbsttötung an einer psychischen Erkrankung. Depressive Störungen gehen mit einer hohen psychiatrischen Miterkrankung (Komorbidität) einher. Häufig treten auch Angststörungen, Substanzmissbrauch und Alkoholerkrankungen auf. Das größte Risiko ist die Suizidalität. Bis zu 15% der Todesfälle bei depressiven Patienten sind auf einem Suizid zurückzuführen (!). Die jährliche Suizidrate steigt bei depressiven Personen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung auf das 30fache an. Gleichzeitig ist auch die Mortalität (Sterblichkeitsrate) durch natürliche Ursachen statistisch deutlich erhöht. Weltweit findet man nahezu überall das Überwiegen der Männer beim Suizid, wobei mit zunehmendem Alter die Suizidrate steigt (etwa ab dem 40. Lebensjahr, Überwiegen der Männer; Altersdepression!). Die Suizidversuchsrate hingegen sinkt (am höchsten bei jüngeren Menschen, überwiegend jungen Frauen). Rund 75 % der Menschen, die sich das Leben genommen haben, haben im Monat zuvor einen Arzt aufgesucht.

    Soweit die Fakten. Doch was sollte man tun, wenn man mit suzidalen Gedanken eines Menschen konfrontiert wird? Und oft wird ein Suizid vorher angekündigt! Erwin Ringel beschrieb 1953 das „Präsuizidale Syndrom“, nachdem er 745 gerettete Selbstmörder untersucht hatte. Bis heute gilt seine Arbeit als ein Meilenstein in der Selbstmordforschung. Unter dem Begriff „präsuizidales Syndrom“ führte er drei Symptome auf: Einengung des Denkens, Aggressionshemmung bzw. Aggressionsumkehr und Suizidfantasien.

    Die Verhütung (Prävention) von Selbstmorden ist heute eine wichtige Aufgabe. Es gibt sogar ein Nationales Suizidpräventionsprogramm für Deutschland, um die Etablierung von Arbeitsgruppen, die sich in verschiedenen Bereichen (Medien, Randgruppen, Arbeit, alte Menschen usw.) mit Suizidprävention beschäftigen (weiterführende Links zur Suizidprävention). Folgende Grundsätze sind darin aufgeführt:

  • Suizidprävention ist möglich
  • Suizidalität ist ein komplexes Phänomen
  • Suizidprävention ist eine gesellschaftliche Aufgabe
  • Suizidprävention ist auf verschiedenen Ebenen nötig
  • Suizidprävention muss die Angehörigen miteinbeziehen(!)
  • Ich vertrete die Ansicht, dass Ankündigungen und Warnzeichen mit dem Hinweis auf Suizidalität sehr ernst genommen werden müssen. Um eine weitere Isolation der Betroffenen zu verhindern, ist es notwendig, mit den Betroffenen über ihre Probleme und Suizidgedanken zu reden. Entscheidend ist, dass die Betroffenen erkennen, dass sie Hilfe benötigen und diese Hilfe dann auch angenommen werden kann. Gespräche, mit Freunden, einer Telefonseelsorge, einer Selbsthilfegruppe oder auch besonders mit einem vertrauensvollen Arzt sind sehr wichtig.

    Wie man aus dem oben Ausgeführten ersehen kann, ist ein Suizid keinesfalls eine „freie“ Entscheidung eines Menschen!!! Suizidgedanken sind krankhaft und meist durch entsprechende Therapie behandelbar. Wie sagte mir mal jemand: „Auch wenn tausend Türen verschlossen scheinen, es gibt immer noch eine Tür, die man noch nicht aufgemacht hat…“

    CIAO Hans

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    Stolpersteine – gegen das Vergessen…

    „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ …

    …und damit dies nicht geschieht, startete der Kölner Künstler Gunter Demnig 1995 sein Projekt „STOLPERSTEINE“. Bundesweit und auch in den angrenzenden Ländern sollte der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedacht werden.

    Gestern besuchte ich eine Veranstaltung des Fördervereins für Braunschweig. Am 9. März 2006 wurden im Rahmen einer öffentlichen Gedenkfeier die ersten Stolpersteine verlegt. Mittlerweile erinnern 135 Stolpersteine an das Schicksal der Braunschweiger Juden. Vor der Zeit des Nationalsozialismus lebten 1.200 Juden in unserer Stadt, 1938 waren es 638 und im Mai 1945 nur noch sehr einige wenige. Die bewegte Geschichte der Juden in Braunschweig begann im Jahre 1282. Wikipedia gibt eine gute Zusammenfassung ihrer Geschichte.

    Im Roten Saal des Schlosses berichteten Schüler der 10.Klassen der John-F.-Kennedy-Realschule und der Nibelungen-Realschule in ihren Präsentationen über die Schicksale der Familien Spanjer-Herford und Meyer. Anschaulich wurden die stets zunehmenden Einschränkungen der Juden in Braunschweig vorgetragen, die schließlich die Familen zur Auswanderung zwangen. Die Schüler hatten sich im Rahmen eines Projektes mit diesen Familien beschäftigt und – soweit zugänglich – Fakten zusammengetragen. Es gelang ihnen auch, Briefkontakt mit einem der letzten Angehörigen der Familie Meyer zu bekommen. Er schrieb bewegende Worte (sogar ein Gedicht). Die Stolpersteine für die Familien sollen an ihrem letzten frei gewählten Wohnort in einigen Monaten verlegt werden. Zu diesem Festakt haben sich auch Familienangehörige aus den USA angemeldet.

    Ich finde es sehr wichtig, bei jungen Schülerinnen und Schülern die Erinnerung an das Leid der Braunschweiger Juden wach zu halten. Nur wenn sie sich z.B. im Rahmen eines Projektes mit diesen Geschehnissen auseinandersetzen, begreifen sie, wie wertvoll unsere demokratischen Werte sind.

    Mittlerweile sind in 97 deutschen Städten über 6.000 Stolpersteine verlegt worden.

    NEU-TV: Upcoming TV-Feature: Person: „Gunther Demnig“ from CNHBorner on Vimeo.

    Die Aktion „Stolpersteine für Braunschweig“ wird unterstützt von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Evangelischen Erwachsenenbildung Braunschweig, Evangelische Probstei Braunschweig, Friedenszentrum Braunschweig e.V., Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Niedersachsen-Ost e.V. und der Jüdischen Gemeinde Braunschweig.

    CIAO Hans

    PS(Hinweis eines Lesers): Der gewerkschaftlichen, sozialistischen, sozialdemokratischen oder gar noch der kommunistischen Opfer wollte man ursprünglich in Braunschweig absichtlich NICHT in dieser Form gedenken. Es gibt daher bisher auch nur eine Ausnahme!

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    Lebenselixier Wasser…

    Sonntags ist mein Erholungstag – ich gehe in die Sauna und zum Schwimmen… Ich genieße es, wenn mir die Schweißtropfen vom Körper rinnen und ich danach unter kalter Dusche und im Eisbecken meine Gefäße trainiere. Anfangs hat mich das Überwindung gekostet, doch mittlerweile ist mir zu einer lieben Gewohnheit geworden. Meine depressiven Verstimmungen verschwinden, wenn ich mich in das Schwimmbecken begebe. Im Wasser fühle ich mich leicht wie in meinem eigenen Weltall – ich wiege nur noch ein Zehntel meines Gewichtes und schwebe förmlich dahin. Ich schimme in Rückenlage ganz entspannt und tauche im Vorwärtsgang wie ein Fisch im Wasser. Dabei liebe ich es, wenn mir meine Atemblasen um den Kopf streichen. Ich schwimme, wie ich will – völlig ohne auch nur im geringsten an Leistung zu denken und beobachte die anderen Mitschwimmer, wie sie sich mühen, wie sie sich entspannen oder auch wie sie ihre Angst überwinden, wenn sie vom 1er oder 3er springen. Väter haben dabei oft hohe Ansprüche an ihre Kinder – der Kampf gegen die Angst auf den Sprungbrettern ist anregend – Freude, wenn die Angst überwunden wurde und Scham, wenn es doch mal wieder gilt, den Rückzug anzutreten. Ich freue mich, wenn die Schwellenangst akzeptiert wird und keine Ermahnungen erfolgen.

    Nebenbei steigt mein Kalorienverbrauch beim Schwimmen um 20 bis 100%, mein Immunsystem wird gestärkt und mein Kreislauf wird mal auf Trapp gebracht. Während der Entspannung im Wasser gehen mir viele Gedanken durch den Kopf, Geschehnisse lassen sich entspannt besser einordnen. Manchmal treffe ich auch Entscheidungen, über die ich sonst schon lange gebrütet hatte. Nach dem Besuch verspüre ich immer eine wohtuende Entspannung in meinem Körper – und ich habe das gute Gefühl, etwas für meinen Körper getan zu haben.

    Ich fing an über Wasser nachzudenken. Ja, Wasser ist das Lebenselixier – alles Leben entstand im Wasser, mein Körper besteht aus über 60% aus Wasser und in fast allem was ich aufnehme befindet sich Wasser. Ohne Wasser sterbe ich abhängig von der Außentemperatur in ca. 5 Tagen (in der Wüste schon eher!). Alten Leuten in Krankenhäusern oder Heimen wird immer eingetrichtert, ja 1,5 bis 2 Liter Wasser zu sich zu nehmen, um nicht auszutrocknen, was gar nicht so einfach ist.

    In unserer Zivilisation haben wir fast unbegrenzt Zugriff auf Wasser. Es läuft aus den Wasserleitungen und wir können jederzeit darauf zugreifen. Sogar der Luxus eines öffentlichen Schwimmbeckens steht uns meistens zur Verfügung. Wir denken nicht mehr über „Wasser“ nach, da es für uns eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Schon bei Aristoteles (384-322 v.Chr.) oder in der Systematik der Gesamtmedizin Galens (129-199) gehörte Wasser neben Luft, Feuer und Erde zu den Grundelementen des Lebens. In der langen Geschichte der menschlichen Wasssernutzung spiegelt sich auch die menschliche Entwicklung wieder.

    Unsere Erde ist zu fast 75 % von Wasser bedeckt, doch von dem gesamten auf der Erde vorhandenen Wassermenge sind nur 3 Prozent Süßwasser und nur gerade 0.02 Prozent nutzbares Grundwasser. Dieses Süßwasser ist es, was wir brauchen. Trinken wir Salzwasser geht unser Körper aufgrund von osmotischen Störungen zugrunde, was schon vielen Schiffbrüchigen zum Verhängnis wurde – als der Durst größer wurde als die Vernunft. Dieses trinkbare Wasser, was wir so sorglos verbrauchen, ist also nur in sehr beschränktem Maße auf der Welt vorhanden. Wenn wir uns dies bewusst machen, gehen wir vielleicht ein wenig klüger mit dieser Ressource um.

    In anderen Teilen der Erde haben es die Bewohner nicht so leicht wie wir! Um zu Trinkwasser zu gelangen, nehmen sie mitunter viele Kilometer Fußmarsch auf sich, damit sie dieses Grundbedürfnis, diese absolute Notwendigkeit, stillen können. Nicht immer ist dieses Trinkwasser frei zugänglich: mitunter wird eine Quelle privatisiert und verteidigt, das Lebenselixier Wasser muss bezahlt werden. Klar, auch wir bezahlen unsere Wasserrechnung, aber es nimmt nicht den großen Anteil in unserem Haushaltsbudget ein, den es bei ärmeren Bevölkerungen verursacht.

    Die UN-Generalversammlung hat die Jahre von 2005 bis 2014 zur Internationalen Aktionsdekade „Wasser – Quelle des Lebens“ erklärt. Seit 1997 finden alle drei Jahre Weltwasserforum vom Weltwasserrat (World Water Council) statt (vollständiger Bericht). Wasser ist zu einem wichtigen Politikum im globalen Handeln geworden. Kriegerische Auseinandersetzungen werden um Wasser geführt – was in Zukunft noch eher zunehmen wird.

    Das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung ist in der Völkerrechtslehre zwar anerkannt, es mangelt jedoch an seiner Umset­zung. „Das Menschenrecht auf Wasser berechtigt jedermann zu ausreichender, sicherer, akzeptabel, physisch zugänglich und erschwinglich Wasser für den persönlichen und häuslichen Gebrauch. Eine ausreichende Menge an sauberem Wasser ist notwendig, um den Tod durch Austrocknung zu verhindern, reduzieren das Risiko von Wasser im Zusammenhang mit Krankheit und für den Verbrauch, Kochen, persönlicher und häuslicher Hygiene-Anforderungen „.General Comment 15, CESCR, 2002

    Unter den Milleniums-Entwicklungszielen der UN (15. Januar 2008) findet sich das Vorhaben, bis 2015 den Anteil der Menschen um die Hälfte senken, die keinen nachhaltigen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser und grundlegenden sanitären Einrichtungen haben. Der Bericht der Vereinten Nationen von 2009 schreibt: „Die Welt kann das Trinkwasser-Ziel insgesamt schon vor dem Jahr 2015 erreichen. Einige Länder jedoch haben noch einen schwierigen Kampf vor sich: Weltweit greifen noch immer 884 Millionen Menschen zum Trinken, Kochen, Baden und für andere Haushaltszwecke auf unhygienische Wasserquellen zurück. 84 Prozent dieser Menschen (746 Millionen) leben in ländlichen Gebieten.“

    Wer sich für das Menschenrecht auf sauberes Wasser einsetzt, muss sich auch über die Konsequenzen klar werden: Der „virtuelle Wasserverbrauch“ der Deutschen liegt bei etwa 4.000 Litern pro Kopf und Tag. So viel Wasser wird zur Herstellung landwirtschaftlicher und industrieller Güter benötigt, die wir täglich verbrauchen. Für jede Tasse Kaffee 140 Liter, für jeden Liter Milch 1.000 Liter, für jedes Kilo Steak 16.000 Liter. Aber immer noch ist für mehr als eine Milliarde Menschen sauberes Wasser physisch oder finanziell unerreichbar. 2,4 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu grundlegenden sanitären Einrichtungen… (Zur Begründung eines Menschenrechtes)

    Wir in den industrialisierten Ländern müssen deshalb lernen, mit der Ressource Wasser bewusster umzugehen. In unserem Alltag gilt es, die Ressource Wasser zu achten, damit auch in Zukunft dieses menschlich notwendige Gut verfügbar ist.
    Tipps zum Wassersparen:
    Umweltschutz
    Wasserspartipps
    weitere Tipps

    CIAO Hans

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