Psychiatrie im Nationalsozialismus …

Vor 65 Jahren fanden in Deutschland die „Euthanasie“-Morde in den psychiatrischen Anstalten statt. Jetzt beginnt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) sich ernsthafter mit diesem dunklen Kapitel auseinanderzusetzen.

Auf ihrer Gedenkveranstaltung „Psychiatrie im Nationalsozialismus – Erinnerung und Verantwortung“ am 26.11.2010. In seiner Rede erinnerte Prof. Dr. Frank Schneider, Präsident der DGPPN, an dieses Kapitel:

„Psychiater haben in der Zeit des Nationalsozialismus Menschen verachtet, die ihnen anvertrauten Patientinnen und Patienten in ihrem Vertrauen getäuscht und belogen, die Angehörigen hingehalten, Patienten zwangssterilisieren und töten lassen und auch selber getötet. An Patienten wurde nicht zu rechtfertigende Forschung betrieben, Forschung, die Patienten schädigte oder gar tötete.
Warum haben wir so lange gebraucht, uns diesen Tatsachen zu stellen und offen mit diesem Teil unserer Geschichte umzugehen? …[es] wurde viel zu lange ein wichtiger Teil der Geschichte dieser Fachgesellschaft ausgeblendet, verdrängt. Dafür schämen wir uns… Es hat fast 70 Jahre gedauert,…[bis] ich heute hier vor Ihnen stehe, [um] dieser Sprachlosigkeit ein Ende zu setzen …“

Und Prof. Schneider führte in Seinem Vortrag die Fakten auf:

  • Am 14. Juli 1933, nur kurze Zeit nach der von der NSDAP selbst so genannten „Machtergreifung“ Hitlers, wurde dann das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ verabschiedet, an dessen offiziellem Kommentar der Psychiater – und in den Jahren 1935–1945 Präsident der psychiatrischen Gesellschaft – Ernst Rüdin, damals Direktor der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie, mitgewirkt hat.
  • Zu den „Erbkrankheiten“ zählte man manisch-depressive Erkrankungen und Schizophrenie ebenso wie Epilepsie sowie der Blind- und Taubheit, Kleinwuchs und vieles mehr…
  • Alle Ärzte wurden verpflichtet, diese sogenannten „Erbkranken“ gegenüber den Behörden anzuzeigen. Über 360.000 Menschen wurden auf Grundlage dieses Gesetzes von Medizinern selektiert und zwangssterilisiert. Über 6.000 starben bei den Eingriffen.
  • Auch drei der Nachkriegspräsidenten der DGPPN waren als Gutachter psychisch Erkrankter für die Ermordung im Rahmen der Aktion T4 -Selektion direkt an NS-Verbrechen beteiligt: Werner Villinger 1952-1954, Friedrich Mauz 1957-1958 und Friedrich Panse 1965-1966.
  • Ernsthaft begann die Erforschung der Geschichte der Psychiatrie in Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus seit etwa Anfang der 1980er Jahre. Als Psychiater waren dies wesentlich Klaus Dörner – erstmals 1969, dann mit mehreren Publikationen in den 1980er Jahren –, Asmus Finzen und Joachim-Ernst Meyer. Unter den Historikern sind Gerhard Baader, Dirk Blasius und Hans Walter Schmuhl zu nennen. Und 1983 erschien das aufrüttelnde Buch von Ernst Klee „‚Euthanasie‘ im NS-Staat“, welches ich [Prof.Schneider] damals ganz ungläubig und fassungslos gelesen hatte. Auch dies ein Buch, welches mich außerordentlich betroffen machte…
  • „Geistiger Tod“, „Ballastexistenzen“, „lebensunwertes Leben“, all diese Worte gehen nur sehr schwer über die Lippen. Sie erschüttern und verstören zutiefst – und im Wissen um die aktive Beteiligung von Psychiatern an Gleichschaltung, Zwangssterilisierung und Mord erfüllen sie uns mit Scham, Zorn und großer Trauer…
  • weitere Einzelheiten in der Rede…
  • Und Prof. Dr. Schneider zieht eine Konsequenz:

    „Im Namen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde bitte ich Sie, die Opfer und deren Angehörige, um Verzeihung für das Leid und das Unrecht, das Ihnen in der Zeit des Nationalsozialismus im Namen der deutschen Psychiatrie und von deutschen Psychiaterinnen und Psychiatern angetan wurde und für das viel zu lange Schweigen, Verharmlosen und Verdrängen der deutschen Psychiatrie in der Zeit danach…“

    Der Medizinhistoriker Volker Roelcke aus Gießen belegte in seinen historischen Forschungen auf der Gedenkveranstaltung die Verknüpfung der deutschen Ärzteschaft mit dem NS-Regime. Zwangssterilisationen sowie die Initiative zu Patiententötungen und Menschenversuchen in den Konzentrationslagern seinen nicht nur „von der politischen Seite, sondern (auch) von den beteiligten Ärzten selbst“ ausgegangen…

    Die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit von Seiten der DGPPN ist uneingeschränkt zu begrüßen. In die Nachforschungen müssen aber auch das „Hungersterben“ mit berücksichtigt werden, als in der Zeit zwischen 1939 und 1945 Morde in Anstalten auch durch Medikamente und gezielte Unterversorgung stattfanden.

    Hier ein Artikel von Matthias Hamann-Roth, Gedenken an die NS-Opfer auf dem DGPPN-Kongress, welcher in Dr.med.Mabuse, Zeitschrift für alle Gesundheitsberufe, publiziert wurde.

    CIAO Hans

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    Atomzeichen – allüberall…


    Atomzeichen – allüberall…

    Von drauß vom Schachte komm ich her,
    Ich muss euch sagen – da strahlt es doch sehr!
    Allüberall in der Endlager Fängen
    Liegt Atommüll in den Gängen.
    Ja, auch hier im Braunschweiger Land
    ist Konrad, Morsleben und Asse wohlbekannt.
    Doch wer denkt schon in diesen Tagen
    An all die vielen Atommülllagen…
    Bei uns schaut doch am Himmelstor
    Nur mit großen Augen das Christkind hervor.
    Geschenke jetzt – und das recht schnell,
    Die Zukunftsfrage ich nicht stell.
    Ein paar Tage solln wir gar nichts tun,
    Von der Jagd des Lebens einfach ruhn.
    Und der Herre Christ uns dann beschenkt,
    Doch an die Zukunft niemand denkt.
    Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind,
    Schlag das doch einfach in den Wind!
    Die Säcklein, die sind schon alle da,
    Verstreut im Salzbergwerk fürwahr.
    Wohl verdient haben wir die Rute,
    Tun für unsre Kinder nicht das Gute.
    Baumkerzen brennen – ist doch klar,
    Strahlen doch nicht tausend Jahr.

    Ach ich glaub, ich schließ die Augen,
    Atome für das Fest nicht taugen.
    Nun sprecht, Herr Christ, wie ihr’s herunten find,
    Sind’s gut Kind, sind’s böse Kind?

    Von drauß vom Schachte komm ich her,
    Ich muss euch sagen, dort strahlet es sehr…

    (frei nach einem Gedicht von Theodor Storm 1817-1888 / Knecht Ruprecht)

    Weitere interessante Links bitte kritisch lesen! : Das Bundesamt für Strahlenschutz; Schachtanlage Asse

    CIAO Hans

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    Als Delegierter beim Landesparteitag der Linken Niedersachsen in Emden…

    (CC=Untertitel im Video anstellen!)
    Tja, manchmal trifft es einen und es heißt, als gewählter Delegierter zu einem Parteitag der Organisation zu fahren, für die man sich politisch engagiert. Und bei mir ist es Die LINKE Braunschweig, für deren Kreisverband ich als Vertreter anreisen durfte.

    Emden ist eine kreisfreie Stadt an der Mündung der Ems in die Nordsee – nahe der holländischen Grenze. Im Delegationsverfahren nachgerückt erhielt ich meinen Auftrag recht kurzfristig und für Vorbereitungen war nicht viel Zeit. Doch es war dann doch eine fröhliche Runde, mit der es zum dreitägigen Parteitag ging.

    Die Nordseehalle als Tagungsort erwies sich als vorteilhaft: geräumig, übersichtlich und auch technisch auf neuestem Stand (nur sollte man auch auf dem Podium die Lautsprecher besser hören können!).

    Am Begrüßungstag, den 20. November 2010, hielt der scheidende Landesvorsitzende Diether Dehm im Stadtgarten in Emden noch vor dem Landesparteitag der Linken Niedersachsen eine Kulturverantstaltung mit dem Deutschen Miserere von Bertolt Brecht und Monopoly von ihm selbst.

    Ich fand die drei Tage in Emden anstrengend aber auch recht interessant. Deutlich war war auf dem Parteitag eine Harmonie zu spüren, die auf dem gemeinsamen Bestreben für ein gesetztes Ziel basierte. Die Diskussionen waren von solidarischer Disziplin geprägt. Die vielen Abstimmungen über die Zusammensetzung des neuen Landesvorstandes und die vielen Anträge zum Rahmenwahlprogramm für die Kommunalwahl 2011 in Niedersachsen wurden in der gebotenen Zeit absolviert. Diether Dehm trat als alter Landesvorsitzender nicht mehr zur Wahl an und Manfred Sohn zusammen mit Giesela Brandes-Steggewentz wurden auf diesen Posten gewählt. Besonders gefreut hat es mich, dass Hans-Georg Hartwig von unserem Kreisverband Braunschweig von der Partei wieder in den Landesvorstand gesandt wurde.

    CIAO Hans

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    Der Castor rollt und steht und rollt… Aktionen gegen die Atomenergie im Wendland…

    Am Samstag ging es los! Auf zur Großkundgebung gegen den Castor in Dannenberg! Nach Angaben der Veranstalter waren 50.000 Menschen auf den Beinen und wir waren dabei. Ein paar kleine Eindrücke zeigt der kleine Film. Dabei war dies nur der Auftakt der Proteste gegen den Castor-Transport nach Gorleben. Erst heute oder morgen kommt der Castor-Transport an. Tausende Aktivisten befinden sich im Wendland und wollen den Transport behindern, um ein deutliches poltisches Zeichen zu setzen. Diesesmal fingen die Protestaktionen schon in Frankreich an…

    Weiter Bilder: Bilder von mir Bilder von Helmut
    Castor-Blockade 2010 – ein Erfahrungsbericht von Ute

    Auch in Braunschweig gab es dieses Jahr Proteste gegen den Castor. 50 Mitglieder des Asse-II-Koordinationskreises – soviel wie nie zuvor – machten sich auf den Weg ins Dannenberger Camp. Dabei hielten sie vor dem Braunschweiger Schloss und in kurzen Statements wurde die Atompolitik der Regierung kritisiert und zu einer Teilnahme an den Protesten gegen den Castor aufgerufen.

    Ein aktuelles Video von graswurzel.tv zum Castor 2010:


    Download Video or MP3

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    Der 1.Mai in Braunschweig…

    Gestern schien in Braunschweig die Sonne und bot damit gute Voraussetzungen für den 1. Mai. Mal wird der 1. Mai als Tag der Arbeit, Maifeiertag oder auch Kampftag der Arbeiterbewegung bezeichnet. ln Braunschweig fanden dieses Jahr sowohl eine Kundgebung auf dem Burgplatz, eine Demonstration und ein Maifest im Bürgerpark statt.

    Entstanden ist dieser gesetzliche Feiertag Anfang 1886 durch die nordamerikanische Arbeiterbewegung. Sie forderte zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai auf (in Anlehnung an die Massendemonstration am 1. Mai 1856 in Australien, welche ebenfalls den Achtstundentag forderte).

    Die Nationalsozialisten nannten diesen Tag in „Feiertag der nationalen Arbeit“ um, während gleichzeitig die Gewerkschaften verboten und ihre Gewerkschaftshäuser gestürmt wurden. 1934 machten die Nazis diesen Tag zum gesetzlichen Feiertag.

    Nach dem braunen Terror wurde die alte Tradition des 1.Mai wieder aufgenommen. In der ehemaligen DDR wurde der Tag sogar zum „Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“ hochstilisiert. In der BRD war er vor allem der Tag der Gewerkschaften.

    In der letzten Zeit erheben neben den Gewerkschaften auch Schüler und Studenten sowie Atomkraftgegener ihren Protest. Der 1. Mai ist zu einem Spiegelbild der sozialen Bewegungen geworden.
    Einige benutzen den Tag auch zu ausgelassener Randale – so wie jetzt wieder in Berlin und Hamburg. Aber von Randale war in Braunschweig keine Spur. Nach der Kundgebung wurde auch im Bürgerpark bei Bier und Döner reichlich gefeiert. Das Wetter lud ganze Familien dazu ein.

    Aber seht selbst:

    CIAO Hans

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