Wohnen im Alter – E-BOOK Ratgeber …

In einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden, spielt nicht nur die Frage nach geeigneten Betreuungsmöglichkeiten, sondern auch die Frage nach den passenden Wohnformen im Alter eine entscheidende Rolle. Während die Menschen vor noch gar nicht allzu langer Zeit nur die Wahl zwischen einem weiteren Verbleiben in der angestammten Wohnung, dem Umzug in eine andere Mietwohnung oder
in ein Alters- und Pflegeheim hatten, fällt die Wahl heute zunehmend schwer. Gerade in den letzten Jahren sind zahlreiche neue Wohnformen im Alter entstanden, die nicht nur Seniorengerechtes Wohnen, sondern auch ein Höchstmaß an Betreuung bei weitgehender Wahrung der persönlichen Freiheit ermöglichen.

Dazu das folgende Script mit Genehmigung des Autors:

CIAO Hans

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Martha ist von uns gegangen…

Ich lernte Martha in unserer Selbsthilfegruppe kennen. Sie war das älteste Mitglied unseres Kreises, hatte das 80.Lebenjahr schon überschritten und freute sich doch immer wieder auf die Gespräche in unserer Gruppe. Auch sie hatte unter Ängsten und Depressionen zu leiden. Zudem waren ihre Hüftgelenke verschlissen und das Treppensteigen in den 1.Stock unseres Gruppenraumes forderte viel Kraft von ihr. Wir warteten immer, bis auch sie ihren Platz eingenommen hatte.

Martha erkrankte als Jugendliche unter Tuberkulose und nach den damals üblichen Behandlungsmethoden hatte man ihr einen Lungenflügel entfernt. Auch kleine Anstrengungen fielen ihr zunehmend schwerer. Marthas Mann war schon vor einiger Zeit verstorben und sie war allein – sie hatte keine Kinder oder sonstige Verwandte. Sie lebte allein in ihrer Wohnung und freute sich über jeden Besuch. Manchmal fuhr sie mit dem Taxi in ein Kaufhaus, setzte sich vor die Umkleidekabinen und beobachtete stundenlang die Personen bei der Auswahl neuer Kleidungsstücke. Das bereitete ihr Freude.

In unserer Gruppe rieten wir ihr, sich in den Altenheimen umzusehen, damit sie eine Vorstellung davon bekäme, was eventuell einmal auf sie zu käme. Doch trotz vieler Gespräche weigerte sie sich, diesen Vorschlag auch anzunehmen. Nur einen Notrufknopf – gebunden um ihren Hals – akzeptierte sie nach vielen Gesprächen.

Ihr Zustand verschlechterte sich und schließlich war ihr ein Besuch unserer Selbsthilfegruppe nicht mehr möglich. Sie bekam eine Pflegestufe – täglich suchte sie morgens ein Pflegedienst auf – und das Essen wurde ihr ins Haus geliefert.

Eines nachts kam es zu einer Krise und sie drückte den Notfallknopf ihres Halsbandes. Ich besuchte sie am nächsten Tag auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen, was bei ihrer eingeschränkten Lungenfunktion zu einer bedrohlichen Situation führte. Da lag sie nun, bewußtlos für viele Tage und angeschlossen an viele Schläuche. Wir befürchteten schon das Schlimmste. Doch die Mediziner der Intensivstation leisteten gute Arbeit. Nach einigen Wochen war ihre Krise überwunden und es kam die große Frage auf sie zu: wie soll es weitergehen?

Allein zu Hause war ihre Versorgung nicht mehr möglich. Zusammen mit der Sozialarbeiterin überlegten wir, welches Heim für sie in Frage käme. Sie hatte keine große Wahl, da ihr ein Übergang von der Klinik direkt in ein Pflegeheim bevorstand. Schließlich willigte sie und ein neuer Lebensabschnitt begann. Die Auflösung ihrer alten Wohnung und einige Behördengänge übernahmen wir für sie.

Doch der Umzug in die neue Umgebung fiel ihr sehr schwer. Sie hatte zwar wie gewünscht ein eigenes kleines Zimmer, doch die Umgebung war ihr völlig fremd. Martha aß mit anderen Heimbewohnern an einem Tisch, die teils dement waren und es mit der Eßkultur nicht ganz so genau nahmen, und ihre Vorstellungen passten da so gar nicht hinein. Anfangs genoss sie die Sonne in ihrem Rollstuhl auf dem Balkon und freute sich über jeden Besucher. Doch der Winter stand vor der Tür…

Marthas Zustand verschlechterte sich und sie brauchte immer mehr Hilfestellung. Dies brachte sie in Konflikt mit den Schwestern, die auf Grund ihrer Arbeitsbelastungen nicht immer die rechte Zeit fanden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Ja, sie bekam Angst, die Schwestern durch ihre Hilflosigkeit zu sehr zu belasten und versuchte ihre Wünsche herabzusetzen. Wir besorgten ihr einen elektrischen Rollstuhl, um ihr mehr Freiräume zu schaffen. Anfangs übte sie das Rollstuhlfahren und meinte: „Das schaff ich – schließlich habe ich einen Führerschein…“. Doch mit der Zeit ließen ihre Kräfte nach und sie wünschte sich, diesen blöden elektrischen Rollstuhl endlich wieder los zu werden, damit sie nicht mehr diese Konzentration aufbringen müsste.

In den täglichen Gesprächen mit ihr beklagte sie ihre Hilflosigkeit und den Verlust ihrer Freiheit. Sie war dabei völlig klar im Kopf und besprach gerne philosophische Fragen. Ja, das machte ihr Spaß. Aber der Wunsch – „Ich will sterben“ – wuchs von Tag zu Tag. Es kamen Tage mit Panikanrufen, wo sie dachte, es wäre jetzt so weit und sie wünschte sich Besuch möglichst den ganzen Tag über mit anregenden Gesprächen. Diesen Wunsch konnten wir ihr aber nicht ausreichend erfüllen.

Ihre Bewegungmöglichkeiten nahmen immer mehr ab, so dass sie schließlich sogar in ihrem Fernsehstuhl oder auch Bett nur mit Hilfe eine neue Stellung einnehmen konnte. Sie zog sich immer mehr in ihr kleines Zimmer zurück, starrte den ganzen Tag in ihrem Fernsehstuhl an die Wand und verfiel schließlich in Depression. Man konnte nicht mehr klar entscheiden, was sie noch leisten konnte und was nicht. Die Schwestern forderten sie sehr und sie litt darunter.

Ihr Wunsch zu sterben wuchs immer mehr. Sie bekam Tabletten, die sie sehr schläfrig machten, und die Struktur von Tag und Nacht geriet durcheinander. Martha wurde inkontinent, was ihr höchst peinlich war, und schließlich kam sie aus ihrem Bett nicht mehr heraus. Nun sprach sie nur noch von ihrem Wunsch zu sterben.

Martha trank nicht mehr genug und auch das Essen war ihr belanglos geworden. Bei meinen Besuchen erlebte ich sie in den verschiedensten Zuständen: mal agitiert, mal ängstlich, mal abwesend… Ihre Welt bestand fast nur noch in ihrem Kopf, wo alte Erinnerungen aus ihrer Jugendzeit wieder auftauchten.

Martha wollte ihren Geburtstag noch erleben. Das schaffte sie – doch schon wenige Tage später verstarb sie.

Auf ihrem letzten Gang bei ihrer Urnenbeisetzung begleiteten wir sie. Eine Bestattung anonym und ohne Feier, so wie sie es sich gewünscht hatte.

Ja, das waren die letzten Tage von Martha – nun ist sie von uns gegangen…

Was mich an ihrer Geschichte besonders betroffen gemacht hat, ist ihr Verlust an Freiheit in ihrer letzten Lebensphase. Der Lebensabschnitt, wo man nicht mehr selbst agiert sondern auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Ich habe bei der Begleitung ihres Sterbeprozesses viel erfahren – dafür bin ich ihr dankbar. Gelernt habe ich, mich auch mit meinem eigenen Sterbeprozess, der hoffentlich noch weit entfernt liegt, ein wenig auseinanderzusetzen. Sterben gehört zu unserem Leben dazu, es ist Teil des Lebens. Und wir sollten dies nicht so weit weg schieben, sondern ruhig einmal die Gedanken darüber auf uns zukommen lassen. Wie geht es mir damit, wenn ich die Gedanken auf meinen Tod lenke? Was fühle ich dabei? Das ist bei jedem Menschen verschieden – doch gewiss ist nur eins: der Tod…

CIAO Hans

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Der ewige Fluss – Geburt, Altern, Krankheit, Sterben, Tod…

Heraklit ordnet man den Ausspruch „Alles fließt“ (panta rhei) zu und auch die Aussage: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.“ Ja das Leben ist wie ein Fluss, es beginnt mit der Quelle – der Geburt – und verläuft dann über viele Windungen bis ins Meer – dem Tod – und verliert sich im Ozean. Es geht ständig voran, ein Zurück ist nicht möglich. Ständig befindet sich der Fluss in Veränderung, jede Sekunde ist er an einem anderen Punkt. Nur zurück kann er nicht, sein Lauf geht immer weiter.

Der zentrale philosophische Begriff bei Heraklit ist der Logos, ein einheitsstiftendes Prinzip der Gegensätze, das alles beherrscht und allem zugrunde liegt. Das Umschlagen der Gegensätze geschieht dabei wohl „gemäß Streit und Schuldigkeit“ im Spannungsverhältnis der jeweiligen Bezugspole. Tag und Nacht, erst „Krankheit macht die Gesundheit angenehm, Übel das Gute, Hunger den Überfluss, Mühe die Ruhe“, Götter werden erst im Kontrast zu Menschen denkbar.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mich die Schrift „Über den Widerspruch“ (Mao Zedong) als Jugendlicher begeistert hatte. Es läuft nicht alles nur nach dem Schema These -> Anti-These -> Synthese, sondern es geht auch um Ursachen (Auslöser einer Kausalkette) und die verschiedenen Prozesse hängen miteinander zusammen.

Hermann Hesse schrieb in seinen Tagebüchern im Januar 1921: „Wie seltsam lange braucht man, um sich selbst ein klein wenig zu kennen – wie viel länger, um Ja zu sich zu sagen und in einem überegoistischen Sinne mit sich einverstanden zu sein! Wie muss man doch immer wieder an sich herum machen, mit sich kämpfen, Knoten lösen, Knoten durchhauen, neue Knoten knüpfen! Ist man damit einmal zu Ende, ist einmal die volle Einsicht, die volle Harmonie, das volle und fertige Jasagen da, ist dies Ziel einmal erreicht: dann lächelt man und stirbt, das ist der Tod, das ist die Erfüllung des Diesmaligen, der willige Eintritt ins Gestaltlose, um daraus wiedergeboren zu werden…„. Dazu ist anzumerken, dass sich Hermann Hesse sehr mit den östlichen Philosophien beschäftigt hat. Sein Buch über das Leben Bhuddas – der „Siddhartha“ – hatte mich eine Zeit mit den großen Religionsstiftern auseinandersetzen lassen. Herausgekommen ist dann eine Kindergeschichte über Buddha, Mohammed und Jesus (könnt ihr hier anschauen).

Auch ich befinde mich auf einer Reise, die ich in diesem Video mit Fraktalen symbolisieren möchte, Bilder im ständigen Fluss…

Jung hat die psychische Entwicklung des Menschen in 2 Hauptphasen aufgeteilt: In der ersten Lebenshälfte soll der Mensch sozialisiert, d.h. zu einem tüchtigen Mitglied der Gruppe werden. Es geht dabei um den Aufbau eines weltzugewandten ICHs, die Fähigkeit zur Persona. In der zweiten Lebenshälfte verschiebt sich die Lebensaufgabe zugunsten einer größeren Bewußtheit des Menschen von sich selber – es geht um bewusste Selbstfindung mit dem Ziel der Belebung der Ich-Selbst-Achse.

Es gibt anthropologische Konstanten von „Gut“ und „Böse“ – die Gemeinsamkeit in der Ethik aller Völker und Religionen (kollektives Unbewusstes). Aber es gibt keine absolute Wahrheit: es muss uns bewusst werden, dass auch die Vorstellung von „Gut“ und „Böse“ immer nur eine bloß relative und immer nur eine vorläufige Gültigkeit besitzt. Man darf heutige Vorstellungen nicht verabsolutieren…
Dabei kommt es darauf an, sich sowohl nach „Innen“ wie auch in der „Umgebung“ auszurichten, quasi ein „Sowohl-als-Auch“, sonst wird man psychisch krank oder zum Fanatiker. Es geht um die Ausreifung der eigenen Persönlichkeit. (hierzu ein Skript von Prof.Dr.Kinkel)

Unsere eigenen Vorstellungen von der Welt, unsere Gefühle und Ansichten ändern sich ständig, wie der ständig strömende Fluss. In der ersten Klasse hält man die Schüler der zweiten Klasse für unheimlich alt. Später dann meint man dann: „Trau keinem über Dreißig…“ bis man selber in dem nicht für möglich gehaltenen Alter angelangt ist.

Krankheiten stellen sich ein. Doch auch der Krankheitsbegriff ist im Fluss! Das kann man sehr schön an der Geschichte der Heilkunde sehen.
Krankheit kann aus drei verschiedenen Richtungen betrachtet werden. Die verschiedenen Blickrichtungen – Sicht des Kranken, Sicht des Arztes und Sicht der Gesellschaft – lassen jeweils andere Seiten von Krankheit in den Vordergrund treten. So kann man unter dem Begriff Krankheit jeweils etwas ganz verschiedenes verstehen.
Krankheit wird auch von den anderen wissenschaftlichen Disziplinen unter jeweils verschiedenen, für die jeweilige Wissenschaft spezifischen Gesichtspunkten und Denkstilen betrachtet.
Schlußfolgerung: eine einheitliche Definition vom Gesundheits-/Krankheitsbegriff existiert nicht. Jede Gruppe bringt ihre unterschiedliche Interessenlage ein. Der Patient mit seinen Klagen, mit seinem Hilfeersuchen steht im Mittelpunkt. Der Arzt nimmt den Auftrag an und handelt in ihm; die öffentliche Hand muß auf ökonomische Grenzen hinweisen. Und der Patient muß die wirtschaftlichen und ärztlichen Begrenzungen anerkennen.

Ich betreue zur Zeit eine ältere Dame in einem Pflegestift. Ich kenne sie aus unserer Selbsthilfegruppe. Ich habe erlebt, wie sie schwer erkrankte, auf Intensivstation mit dem Tode rang und schließlich im Pflegestift untergebracht wurde. Ich erlebte, wie sie aufgrund ihrer Schmerzen immer mehr an Selbständigkeit verlor. Sie kann sich kaum noch bewegen und ist auf permanente Hilfe angewiesen. Sie befindet sich im Widerspruch ihrer Bedürfnisse und der begrenzten Belastbarkeit des Pflegepersonals. Das schafft psychische Konflikte. Wie sagte anfangs Hermann Hesse – „….den Knoten durchhauen… volle Einsicht und Harmonie…“ – das ist gar nicht so einfach, wie ich täglich sehe, die Welt der Widersprüche.

Mit dem Tod haben sich immer wieder Kulturen auseinandergesetzt. So entstand schon bereits um 2500 v. Chr. das Ägyptische Totenbuch oder auch das sogenannte Tibetische Totenbuch. In neuerer Zeit hat sich vor allem Dr.Elisabeth Kübler-Ross (8.7.1926 – 24.8.2004) mit dem Sterben auseinandergesetzt. In ihrem Buch «Interviews mit Sterbenden» formulierte sie die fünf «Stadien des Sterbens».

Ja was bleibt schließlich von dem Fluss, der im Ozean seine Form verliert? Wird er wie Buddha sagt über den Regen wieder zur Quelle getragen, um erneut zu fließen? Sind die Berichte von Nahtoderlebnissen – das Eingehen in das Licht – wahr, oder sind es nur Halluzinationen aufgrund des Sauerstoffmangels im Gehirn?
Eins ist sicher: wir leben in den Erinnerungen unserer Nachfahren weiter, mal mehr mal weniger. Dabei kommt darauf an, was wir in unserem Leben getan haben. Ein Michelangelo ist im Gedächtnis der Menschen länger präsent als ein einfacher normaler Bürger. Aber auch er ist in den Erinnerungen seiner Nachfahren anwesend und hat gewiss auch ihr Leben durch sein Leben beeinflusst…

Die Samen der Vergangenheit sind die Früchte der Zukunft. (Buddha)

„Adieu“, sagte der Fuchs.
„Hier mein Geheimnis.
Es ist ganz einfach:
man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exupery)

CIAO Hans

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