Armut ist eine Form von Gewalt – „With My Own Two Hands“ | Song Around The World …

Ciao Hans

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alpha-Forum: Prof. Dr. Christoph Butterwegge – Armutsforscher …

Christoph Butterwegge ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Köln. In seinem jüngsten Buch „Hartz IV und die Folgen. Auf dem Weg in eine andere Republik?“ kritisiert er das Armutsrisiko von Arbeitslosen, die Zunahme des Niedriglohnsektors und die Tendenz zur Entsoldidarisierung in unserer Gesellschaft.

CIAO Hans

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Armut in Braunschweig – kein privates sondern ein gesellschaftliches Problem …

Wird in Braunschweig genug gegen die Armut getan? – dies war das Thema einer Veranstaltung des Friedenszentrum Braunschweig e.V. und des Braunschweiger Friedensbündnisses.

Vertreter aller Ratsparteien sowie ein Vertreter der Stadt waren zu der Diskussion eingeladen. Doch weder die Stadt noch die CDU oder SPD waren erschienen. Aber auch so gab es eine recht lebendige Diskussion.

Gunter Kröger von der AWO führte in einleitenden Worten aus, dass die Stadt Braunschweig im Jahre 2001 besonders durch die Kürzungen von 20 % im sozialen Bereich (z.B. Balz, Mutter/Vater-Kind-Kuren, u.a.) das Problem der Armut in Braunschweig erst richtig offensichtlich wurde. Er forderte ein Präventionsnetzwerk Kinderarmut, den Ausbau von Familienzentren und eine kostenlose Bildung für alle – von der Krippe bis zum Studium. Armut dürfe nicht nur als Betreuungsaufgabe gesehen werden, sondern auch als Bildungsauftrag.

Monika Döhrmann vom Mütterzentrum/MehrGenerationenHaus führte aus, dass das Mehrgenerationenhaus offen für alle sei – inklusive Migranten. Dort gibt es vielfältige Beratung und Betreuung. Eine Sozialarbeiterin arbeitet dort und ein Secondhand-Laden ist vorhanden. Menschen werden bei ihren Problemen begleitet, wie z.B. Schuldnerberatung, Hausaufgabenhilfe oder Babybetreuung.

Chritiane Reinsch als Vertreterin des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter wies auf die Schwierigkeiten hin, die viele Menschen bei Behördengängen haben. Sie bietet z.B. eine Begleitung zum Jobcenter an (früher nannte man dies Arbeitsamt) und zweimal wöchentlich findet eine Rechtsberatung durch Rechtsanwälte statt. Armut betreffe besonders die Kinder.

Hansi Volkmann vom DGB bedauerte die Mittelstreichung im Sozialsektor durch das Land. Diese Lücke werde durch die Stadt Braunschweigt nicht ausgefüllt. Er wies auf das Hamburger Modell, ein Beispiel, wie auch Jugendliche wieder aus der Arbeitslosigkeit (verbunden mit Armut) wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen könnten. Es gelte, einen kommunalen Arbeitsmarkt mit gerechter Entlohnung zu schaffen. Der DGB ist Mitglied des Präventionsnetzwerkes, doch dort gelte es vor allem, die Leitbilder auch mit Leben zu füllen.

Uwe Söhl von der Diakonie bemängelte, dass die Stadt kein Konzept zur Bekämpfung der Armut habe. Noch 2007 konnte der Oberbürgermeister Hoffmann das Problem der Armut öffentlich in Zusammenhang mit dem Vorurteil „saufender Eltern“ nennen. Gottlob hat sich das Klima seitdem etwas geändert. Er wollte Großanschaffungen bei Hartz IV-Familien (wie z.B. Kühlschränke usw.) nicht über die Regelsätze abgewickelt wissen. Mit dem Hartz IV-Regelsatz von 364 € sei dies für die betroffenen Familien nicht zu schaffen.

Es folgte eine lebhafte Diskussion. Wer ist arm? Es gibt zwei Definitionen: einmal die Definition des statistischen Landesamtes, wonach Menschen unter 60 % des durchschnittlichen monatlichen Verdienstes als arm eingestuft werden (durchschnittlicher Monatsverdienst=1.370 € (2009), d.h. unter 822 €=arm) und zum anderen die Gruppe von Menschen, die staatliche Förderleistungen erhalten (Fürsorgeleistungen, Asylgelder…). Bei der ersten Definition sind ca. 20 % der Braunschweiger von Armut betroffen, nach der zweiten nur 10%! (d.h. 47.000 oder 24.000 Braunschweiger!).

Wer arm ist, der hat auch meistens Bildungsdefizite. Und Kinderarmut ist auch immer Familienarmut. Bildungsgutscheine können da nicht viel ändern. Frau Döhrmann führte an, dass die Voraussetzung für Hausaufgabenhilfe ein Bescheid über die Versetzunggefährdung von der Schule nötig sei und dann die Nachhilfe nur für 3 Monate gewährt werde!

Armut führt zu gesellschaftlicher Ausgrenzung. Diese Ausgrenzung werde zum Teil über Generationen weitergegeben. Das Selbstwertgefühl armer Menschen ist meist deutlich vermindert. Und Kinder tragen darunter am meisten. Sie nehmen lieber die Schelte der Lehrer in Kauf, wenn sie mal wieder das Geld für Bücher oder Ausflüge nicht zur Schule mitbringen, als dass sie ihre Eltern dazu drängen, da sie deutlich deren Not verspüren. Und die Vorurteile gegen Armut in unserer Gesellschaft („das sind alles Trinker“ usw.) sind noch lange nicht abgebaut. Viele Bereiche haben keinen Kontakt mehr zu den armen Schichten und ihren Nöten – so halten sich die Vorurteile.

Auch Arme haben das Recht auf einer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (Schwimmbad, Theater, Kino…) und die Wiedereinführung eines Familienpasses ist notwendig. Und daran kann die Stadt Braunschweig etwas ändern, anstatt sich nur auf Spender im Bereich Armut zu verlassen.

Am Schluss der Diskussion war allen klar – Armut ist ein politisches Problem und kann nur durch aktive Maßnahmen seitens der Stadt gelöst werden.

Hallo Stadtrat – werd mal wach!

CIAO Hans

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