Felicia Langers leidenschaftliches Plädoyer für die Menschlichkeit in Palästina…

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Felicia Langer – 80jährig, Jüdin – war zu Besuch bei dem Deutsch-Palästinensischen Verein in der TU Braunschweig. Dabei hielt sie ein leidenschaftliches Plädoyer für die Menschenrechte der Palästinenser. Nach dem Jurastudium verteidigte sie viele Palästinenser in Israel als Rechtsanwältin und erhielt für ihren engagierten Einsatz bereits viele Auszeichnungen: den alternativen Nobelpreis, eine Ehrung der Bruno-Kreisky-Stiftung sowie 2009 das Bundesverdienstkreuz ersten Grades.

Ihr Credo: „Wenn das Unrecht so offensichtlich ist wie das Leid der Palästinenser, dann darf man nicht schweigen!“ Nach ihrer Meinung ist ein Frieden im Nahen Osten nur möglich, wenn die Juden ihre Schuld bei der Vertreibung der Palästinenser anerkennen und das Menschenrecht einer Rückkehr der Palästinenser in ihre Heimat akzeptieren. Felicia Langer betrachtet sich als eine Augenzeugin der israelischen Besatzung. Israel trete das Völkerrecht mit Füßen, doch es gäbe auch ein anderes Gesicht, das Gesicht des Volkes. Hautnah erlebte Felicia die Enteignung der Palästinenser in Ost-Jerusalem. Die Siedlungen der Juden in den besetzten Gebieten gehen trotz vielfältiger internationaler Apelle weiter.
„Der Inbegriff von Gewalt ist die Besetzung“, so Felicia.

In den von Israel besetzten Gebieten wird die Bewegungsfreiheit der Palästinenser massiv beschränkt – durch Mauer, Checkpoints, Auflagen. Auf manchen Straßen heißt es „Nur für Juden!“ was fatal an die Vergangenheit erinnert, wo es „Nicht für Juden!“ hieß. Felicia zitierte Texte eines Südafrikaners, in denen die Situation in Israel schlimmer als im Apartheidsregime Südafrikas dargestellt wurde. In ihren Augen entwickelt sich Israel immer mehr zu einer Ethnokratie für die Juden.

In ihrem Vortrag, der trotz ihrer leichten Erkältung viel Leidenschaft auf die Zuschauer überspringen ließ, spürte der Zuhörer etwas von der Verzweiflung der Palästinenser. Die Israelis berufen sich auf Abraham, dem in grauer Vorzeit Land für die Juden versprochen wurde, doch das international anerkannte Völkerrecht haben sie noch nie beachtet.

Israel und Deutschland – eine Freundschaft, die durchaus vorbelastet ist. Der Holocaust ist eine Bürde. Doch die Funktionalisierung des Antisemitismusbegriffs durch Israel in der Nahost-Debatte ist untauglich.

Es stellt sich die entscheidende Frage: „Wie können wir Deutschen mit unserer Vergangenheit Israel kritisieren?“

Felicia Langer meint, die Deutschen hätten schon einmal geschwiegen – mit schwerwiegenden Konsequenzen: Hitler kam an die Macht… Kann man in dem Schweigen eine Mittäterschaft sehen?
Heute sollten auch die Deutschen zu Israel nicht schweigen.

Freundschaft mit Israel – JA. Doch es sollte dabei eine gegenseitige kritische Freundschaft sein!

Ihrem Plädoyer kann ich mich nur anschließen…

CIAO Hans

PS: Felicia Langer in Wikipedia
… zur weiteren Vertiefung ein Video mit einem Interview des Historikers Ilan Pappe zur Besatzungspolitik Israels 1947 (Nakba) hier
Impressionen einer Reisegruppe im Westjordanland (pax Christi und IPPNW)

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