Medical Peace Work online courses …

Bei dem letzten Mitgliedertreff der IPPNW (Ärzte gegen den Atomkrieg in sozialer Verantwortung) erhielt ich einen kostenlosen USB-Stick mit Lektionen zur medizinischen Friedensarbeit.
Nun fand ich diese interessanten Kurse auch im Internet!
Dazu muss man sich allerdings anmelden und eine Bestätigungsmail beantworten! Nicht viel Aufwand für das interessante Gebiet!

Die Kurse gibt es leider nur in Englisch. Doch mit einem Übersetzer (z.B. Google Translator) lassen sie sich leicht ins Deutsche übertragen.

Worum geht es?

Die sieben Medizinischen Friedensarbeits-Kurse sind eine Einführung in der Gewaltprävention und Friedensförderung für Ärzte, Krankenschwestern, im Gesundheitswesen Beschäftigte, Gesundheitsberater im psychischen Bereich, sowie andere im Gesundheitswesen Tätige sowie Studenten in diesen Bereichen.

Insbesondere ist es für diejenigen gedacht, die

  • ihre Friedens- und Konfliktforschung-Kompetenzen stärken wollen.
  • beabsichtigen, für humanitäre Hilfe, Entwicklung, Menschenrechte, Frieden oder medizinische Organisationen im Ausland oder zu Hause zu arbeiten.
  • Heilungschancen ihrer Patienten und Gemeinden in gewaltbereiten Einstellungen verbessern wollen.
  • Ziele

    Wenn Sie diese Kurse abgeschlossen haben, sollten sie

  • einen gesundheitspolitischen Ansatz, bei Krieg und andere Formen von Gewalt haben.
  • Wissen über die gesundheitlichen Auswirkungen von direkter und struktureller Gewalt auf Individuen und Gesellschaften kennen.
  • verschiedene Wege kennen, auf denen Mitarbeiter des Gesundheitswesens zur Reduzierung der Defizite des Friedens beitragen können.
  • eigene neue nützliche Qualitäten zur Anleitung des Gesundheitspersonals im Sinne eines Friedensbewusstsein haben.
  • die Erkennung und Nutzung von Möglichkeiten zur Gewaltprävention und Friedensförderung an Ihrem Arbeitsplatz und in der klinischen Praxis haben.
  • Wie sind die Kurse aufgebaut?

    Die Medizinischen Friedensarbeits-Online-Kurse sind Multi-Media-E-Learning-Tools. Der Inhalt wird in sieben verschiedenen Kurse – eingeteilt in 21 Kapiteln – vorgestellt. Jedes Kapitel besteht aus folgenden Komponenten:

  • Lehrbuch-Lektionen, damit Sie vertiefte Kenntnisse erwerben
  • standardisierte Fragen, zur Überprüfung der Unterrichtsziele
  • Problem-basiertes E-Learning mit praktischen Beispielen, um die im Lehrbuch gelernten Lektionen anzuwenden.
  • Geschätzter Aufwand für einen Kurs beträgt ca. 6-10 Stunden.

    Kurs 1 gibt Ihnen eine Einführung in die Medizinische Friedensarbeit Rahmen und entsprechenden Konzepten für die anderen Kurse. Wir empfehlen daher zuerst diesen Kurs zu absolvieren. Allerdings können die MPW-Kurse in beliebiger Reihenfolge ausgeführt werden.

    Hier der Link zu den Medizinischen Friedensarbeits-Kursen: Medical Peace Work

    CIAO Hans

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    Wie viele Flüchtlinge sollte Europa aufnehmen?

    Zu diesem Thema referierte beim Braunschweiger Friedenszentrum Herbert Erchinger, Pastor i.R. und Gründungsmitglied des Braunschweiger Refugiums, das Flüchtlinge betreut.

    „Katastrophal und unmenschlich wird die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik seit der Verschärfung des Asylrechts genannt. Über 1.800 Menschen starben 2011 allein bis Ende August im Mittelmeer bei dem Versuch, die Not hinter sich zu lassen und in Europa Freiheit und ein besseres Leben zu finden. Nach wie vor werden Unzählige zurückgeschickt, darunter Kinder, die in Deutschland geboren wurden oder aufgewachsen sind. Haben wir Verfolgte aus den arabischen Ländern aufgenommen?
    Europa könnte für einen Teil der Verfolgten ein sicherer Hafen sein…“, heißt es in dem Veranstaltungsflyer.

    Pastor Erchinger begann seinen Vortrag mit einem Hinweis auf die Flüchtlingstraditionen der verschiedenen Religionen. Die Juden wurden aus Ägypten vertrieben und auch Jesus war ein Flüchtlingskind. Flüchtlinge haben stets die neuen Staaten bereichert – seien es die Hugenotten, die Auswanderung vieler Deutscher in die Vereinigten Staaten oder die Emigranten während der Herrschaft des Nationalsozialismus. Auch die Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR bis zum Mauerbau bedeuteten für die Bundesrepublik einen Gewinn.

    Von sogenannten „Wirtschaftsflüchtlingen“ sprach erstmals Franz-Josef Strauß – doch lässt sich Politik und Wirtschaft so klar trennen? Was kann als Kriterium für „Normalität“ in einer Kultur und damit als Abschiebegrund gelten?

    In unserem Grundgesetz lautet der Artikel 16a: (1) Politisch Verfolgte genießen Asylrecht…

    Nach der Wende 1989 und im Balkankrieg kam es zu einem massiven Anstieg der Flüchtlingszahlen (Statistik). Danach ging ihre Zahl deutlich zurück. Betrachtet man die Zahlen im weltweiten Flüchtlingsstrom, so kommen nur 3% der 40 Millionen weltweiten Flüchtlinge nach Europa! Deutschland nimmt keine Flüchtlinge mehr aus sogenannten „sicheren Drittstaaten“ auf, obwohl es 2005 die Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt hat.

    Ein besonderes Anliegen war Pastor Erchinger die Notsituationen der Flüchtlinge und die Schikanen, denen sie auf ihrer Flucht ausgesetzt sind. Europa hat sich mit dem Schengener Abkommen an seinen Grenzen abgeschottet. Die EU-Behörde Frontex und Rapid Border Intervention Teams sorgen täglich für erschreckende Bilder von Abschiebungen an ihrer Grenze. Wie schon oben erwähnt, starben über 1.800 Menschen 2011 allein bis Ende August im Mittelmeer. Dabei handelt es sich auch um internationale Gewässer!

    Warum behandelt der deutsche Staat die Flüchtlinge so streng? Nach Meinung von Herrn Erchinger hat der Staat Angst vor einem Rechtsruck in der Bevölkerung. Die Niederlande, in der keine echte Integration stattfand, ist dabei ein beredtes Beispiel. Eine Folge dieser Strenge sind die illegalen Flüchtlinge – mal ganz abgesehen von der Frage, ob ein Mensch illegal sein kann…
    420.000 Illegale leben in Deutschland, 120.000 allein in Berlin. Sie werden als billige Arbeitskräfte ausgenutzt und haben Angst, zum Arzt zu gehen oder ihre Kinder in öffentliche Schulen zu schicken!

    Um den Leidensweg der Flüchtlinge zu beenden, wäre eine regulierte Ausreise aus den Staaten (z.B. über die Botschaften) verbunden mit einer intelligenten Entwicklungshilfe zu bedenken!

    Aber nicht nur der Staat soll sich um die Flüchtlinge kümmern, auch Bürgerengagement ist gefordert! Betrachtet man auch den demographischen Faktor, so ist das Boot bei uns noch lange nicht voll!

    CIAO Hans

    PS: „Kettenduldungen“, bei denen ein Asylant jeden Tag mit Abschiebung rechnen muss und das über viele Jahre, gehören abgeschafft!
    „Flughafenverfahren“ (20.000 Flüchtlinge pro Jahr), bei denen Verfolgte in Flughäfen festgehalten werden und in wenigen Wochen abgeschoben werden, ebenfalls!

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    Wem gehört das Heilige Land? Gedanken zum Palästinakonflikt …

    Israel – das Heilige Land. Seit Jahrzehnten spitzt sich die Lage zwischen den Palästinensern und Juden immer mehr zu. Wie konnte es dazu kommen, was sind die geschichtlichen Hintergründe in diesem Konflikt?

    Der Konflikt im Heiligen Land (PDF)

    Der Konflikt im Heiligen Land (PDF)

    Ich habe mir die Mühe gemacht und ein kleines Skript erstellt, was die Situation in Palästina aus historischer Sicht etwas beleuchtet.

    Aus dem Inhalt:
    Prolog
    Ihr Völker der Welt
    habt ein Organ ihr euch geschaffen,
    auf dass ein jeder es vernehme,
    in diesen unruhigen Zeiten.
    Im Rat der Vereinten Nationen
    sitzet ihr zu richten all
    die über menschliche Prinzipien
    ohn‘ Scheu einfach sich erheben
    und nicht achten der Menschen
    gemeinsames Gebot der Toleranz
    und Duldung.
    Eure Stimme sei laut und vernehmbar,
    dass sie auch der Kleinste höre
    und ein jeder ohne Scheu
    die Regeln achte und vertrete… (Auszug)

    I. Wem gehörte der Alte Orient?

    II. Die Geschichte der Israeliten

    III. Die Christen und Moslems im Heiligen Land

    IV. Der Zionismus

    V. Mandatsherrschaft der Briten

    VI. Gründung des Staates Israel

    VII. Entwicklungen im Staat Israel

    VIII. Nachwort

    Zum Schnellüberblick eine kleine Mediathek:

    (den weißen Balken unten verschieben!)

    Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948 (PDF)

    Die Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948 (PDF)

    Aus dem Nachwort meines Skriptes:
    Wem gehört das Heilige Land?
    In der Geschichte besiedelten es viele Völker!
    Abraham war der Stammvater dreier Religionen:
    Judentum, Christentum und Islam.
    Im Buch Ezechiel aus der Zeit ca. 600-560 v. Chr.,
    in Babylonien entstandene Schrift des Alten Testaments der Bibel
    der ins Babylonische Exil verschleppten Israeliten,
    heißt es:
    „Ihr aber, ihr Berge Israels, sollt wieder grün werden
    und Früchte hervorbringen für mein Volk Israel; denn es wird bald zurückkommen…
    Ich hole euch heraus aus den Völkern,
    ich sammle euch aus allen Ländern und bringe euch in euer Land…
    Ich bringe euch zurück in das Land Israel…“
    Ein Versprechen für die weltweite jüdische Diaspora,
    mit dem Talmud als Bindeglied der Gemeinschaft.
    Nicht Vaterland sondern Gottesland ist Israel den religiösen Juden.
    Die Juden stellen sich selbst eine Besitzurkunde aus.
    Kein Warten mehr auf den Messias, sondern weltliche Erlösung
    durch Verknüpfung von Religion und Nation.
    Doch Palästina ist nie menschenleer gewesen.
    In der Geschichte war das Heilige Land ein regelrechter Völkerfriedhof.
    Bindeglied zwischen Orient und Occident war es immer multikulturell.
    Jesus wirkte im Heiligen Land,
    Jerusalem war die Stätte von Mohammeds Himmelfahrt.
    Auch ihnen ist das Land heilig.
    Aber sie stellen keine Besitzansprüche.
    Ja – wem gehört das Heilige Land?
    Na allen, die dort leben wollen und müssen,
    es gebührt allen!

    Aber Israel stellt sich mit seiner Politik über alles,
    baut Mauern,sperrt Gebiete und Straßen,
    und ist nur an seinen Vorteil bedacht.
    Seit Gründung des Staates Israel hat sich ihre Politik nicht geändert:
    Sie haben die militärische Macht,
    ihre Siedlungspolitik unvermindert fortzusetzen
    und damit vollendete Tatsachen zu schaffen.
    Sie stellen ihre Moral über das Völkerrecht –
    Und werden von der Weltgemeinschaft nicht belangt!
    Der Hass zwischen den Völkern in Israel wird steigen,
    Kinder tragen ihn von Generation zu Generation.
    Mein Appell am Ende dieses Skriptes:
    Jüdisches Volk Israel erwache,
    beende die Politik der Siedlungen
    und beginne mit einer Politik des Zusammenlebens in Frieden mit deinen Nachbarn.
    „Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg.
    Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine Neigung zu Güte, Vertrauen, Gerechtigkeit…“
    ,
    sagte schon der Philosoph Spinoza.

    CIAO Hans

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    Manifest – Der Tanz der Seele…

    Mein Fenster zur Kommunikationswelt...

    I.

    Ich sitze an diesem Morgen wie jeden Tag wieder vor meinem Computer. Diese Arbeit gehört mittlerweile zu meiner festgezurrten Tagesstruktur. Ich rufe meine Emails ab und antworte in kurzen Re-Mails. Ich beobachte die Statistiken meiner Homepage und meines Blogs und freue mich über die vielen internationalen Besucher. Aus den fernsten Winkeln der Welt schauen Besucher auf meinem Blog vorbei – die Sprache ist kein Problem, da ich einen Übersetzer auf der Seite eingebaut habe. Ich finde es faszinierend, meine Artikel in arabisch, russisch oder chinesisch zu betrachten, interessante unverständliche Schriftzeichen, hinter denen sich meine Gedanken verbergen. Nebenbei schaue ich kurz auf mein Konto und der Auszug beruhigt, nicht wegen des Betrages sondern eher durch das Gefühl, dass sich nicht irgendein Ganove unberechtigt Zugriff verschafft hat. Ja, man muss vorsichtig sein in diesen Zeiten.

    Ich sitze in meiner dunklen Stube, es ist noch sehr früh am Morgen, und ich schaue mir, während ich im Hintergrund einem Radioprogramm aus den USA lausche, mittels der verschiedensten Programme die internationale Nachrichtenflut an. Hier ein Video aus Fernost, dort einen Radiobeitrag aus Deutschland oder auch einen Zeitungsartikel aus den USA. Die Auswahl ist so groß, dass ich immer nur noch die Überschriften überfliege, höchstens die Kurzzusammenfassung betrachte und dann entscheide, ob ich den Artikel lesen möchte. Danach folgt schon wieder eine Entscheidung – ist der Artikel interessant genug, um ihn in Twitter zu setzen? In einem bunten Mix aus aktuellen Nachrichten und Links zu meinen eigenen Blog-Beiträgen kreiere ich meinen Twitter-Fluss. Durch dieses Verfahren werden meine Artikel enorm aufgewertet – sie stehen plötzlich neben Artikeln der renommierten Zeitungen. Schon etwas vermessen…

    Aber ich fühle mich gut dabei. Ich sitze hier in meinem Wohnzimmer und starre auf den Monitor wie durch ein Fenster zur Welt. Ich fühle mich keineswegs einsam. Eher beschleicht mich das Gefühl, ein Teil von einem großen Ganzen zu sein.

    Dies ist die Welt der Kommunikation, des ungezähmten Informationsflusses, der seit einigen Jahren immer mehr anschwillt. Er besteht aus einem großen Müllhaufen von Zeichen und Bildern und es ist eine Herausforderung, die Rosinen daraus zu finden. Doch hat man sich die verschiedenen Methoden zur Komprimierung der Flut angeeignet, dann ist das Konzentrat durchaus erbaulich. Und ich trinke täglich einen großen Schluck daraus. Freunde von mir meinen, ich sei dadurch schon regelrecht besoffen. Etwa schon Sucht? Das Kriterium der Sucht ist der Kontrollverlust, nicht mehr ich regele mein Leben sondern das Suchtmittel bestimmt mich. Doch ein Sklave meiner Kommunikation bin ich noch nicht geworden. Ich kann mich abgrenzen und auch für längere Zeiträume auf das Fenster zur Welt verzichten.
    Ich bin ein depressiver Mensch, der auch immer wieder mit seinen Ängsten zu kämpfen hat. Und in dieser unsicheren Lebenslage brauche ich Halt, eine Struktur, die in ihrer Regelmäßigkeit etwas Sicherheit vermittelt. Und eben dies ist meine Tagesstruktur, in der ich meine virtuelle Kommunikation eingebunden habe.

    Ich schreibe Artikel in meinem Blog – ja für wen eigentlich? Ich behandele Themen, die mich in meinem Denken bewegen, und schicke sie quasi in ein Kommunikations-Nirwana. Durch dieses Treiben bin ich mit meinen Gedanken nicht mehr allein, sondern meine Gedanken werden Teil von einem Welt-Ganzen. Ich werde Teil des globalen Dorfes und kann mich der Illusion hingeben, durch mein Tun dieses Dorf auch mit zu gestalten. Ohne ein Rückmeldung ist dies allerdings auf die Dauer frustrierend. Doch schon allein die Betrachtung der Statistiken meines Blogs zeigen mit, hallo – da ist doch jemand, der sich für meine Gedanken interessiert. Schön – es stellt sich bei mir ein Gefühl von Zufriedenheit ein.

    Ja, mein lange Zeit depressives Leben bekommt plötzlich einen Sinn. Und ich sitze auch nicht mehr allein in meinen vier Wänden sondern kommuniziere über Programme in Videokonferenzen mit fremden Menschen in fernen Kontinenten (und das noch dazu kostenlos!).

    Doch virtuell bleiben diese Freundschaften auch weiterhin. Ich spaziere nicht in Ghana über die Straßen, sehe die Marktstände und die vielfältigen Menschen und spüre dabei die Hitze, höre das Lärmen oder entwickle ein Gefühl für Ghana. Nein, ich habe Kontakt mit Menschen aus Ghana und habe dabei doch mein Braunschweiger Standardgefühl im Kopf. Insofern kann ich nur virtuell mein Wohnzimmer über das Monitorfenster zur Welt verlassen. Dabei bietet mir mein Computer die Möglichkeiten einer fast unbegrenzten Kreativität. Ich kann meine vielfältigen Ideen in der unterschiedlichsten Form umsetzen, sei es in Form eines Videos, eines kleinen Comics, eines Artikels, eines Podcasts oder sogar einer kleinen Fernsehshow (Videostreaming). Ohne große Programmierkenntnisse bietet meine
    Bit-Maschine immer neue Herausforderungen, die es gilt zu verwirklichen. Und hat man die Umsetzung erreicht, stellt sich ein Gefühl der Genugtuung ein. Plötzlich bin ich kein Loser mehr, sondern aktiver Part einer Gemeinschaft.

    Kurz – ich möchte auf die Gefühle des Glücks, die mir mein Computer vermittelt, nicht mehr verzichten. Er ist dabei auch der Spiegel meiner Seele. Wenn ich ihn schlecht füttere, erhalte ich unzufriedene Ergebnisse. Und Glück und Zufriedenheit sind Werte, die bei den Menschen an erster Stelle der Wunschskala stehen.
    Allerdings ist mir die virtuelle Welt meines Computers zu klein geworden. Diese Welt ist ein gewichtiger Teil – aber eben nicht alles. Ich habe auch begonnen, mich wieder in der realen Welt zu engagieren. Nur dort kann ich meine virtuell erworbenen Denkanstöße auch in aktives Handeln umsetzen. Der Kontakt mit anderen Menschen, die mir leiblich gegenüber stehen, aktiviert doch auch viele neue emotionale Ebenen, die die Bit-Maschine in keinster Weise befriedigen kann.

    So beteilige ich mich schon viele Jahre an der Selbsthilfegruppe Angst und Depression. Da finde ich Menschen, die meine depressive Persönlichkeitsstruktur verstehen und denen ich mich auch nach so langer Zeit immer noch verbunden fühle. Ein Blick, ein Wort oder eine kleine Geste – und schon fühle ich mich an meine eigene Seele erinnert. Der Fluss der Neuankömmlinge reißt einfach nicht ab und über die Zeiträume ist die stetige Veränderung bei uns allen sichtbar. Alles bewegt sich fort und nichts bleibt, sagte schon der griechische Philosoph Heraklit in der Vorzeit – man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen…

    Aber jeder Mensch ist eben Teil des Flusses und es bedarf schon einiger Anstrengungen, dieses Fließen auch bewusst zu erleben. Man braucht die Muße, um aus dem Alltagsgeschehen auszubrechen und diesen ständigen Strom betrachten zu können. Hat dieser Weg erst einmal mein Interesse geweckt, so gewinnt er eine eigene Dynamik. Eng verbunden ist dieser Weg mit dem Bestreben nach mehr Wissen. Ich betrachte dieses teilweise recht chaotische Treiben aus einer anderen Perspektive und möchte nun auch wissen, welche Ursachen zu diesem Zustand geführt haben. So lese ich jetzt nach vielen Jahren wieder Bücher über Geschichte und Gedanken der Menschheit. Langsam entsteht aus den vielen Mosaiksteinen ein Gesamtbild, dessen Transparenz mich auch im Alltag begleitet.
    Auch unsere kleine Philosophiegruppe, angeleitet durch einen gestandenen Philosophieprofessor, trägt das Ihrige dazu bei. Aber nicht allein das Wälzen von Fakten bringt eine Veränderung des Flusses, es ist die emotionale Verarbeitung des Wissens mit den anderen Teilnehmern, die in die Tiefe geht und seine Wirkung zeigt. Der Mensch ist eben doch ein soziales Wesen und nur im Austausch mit anderen kommt er zu seiner wahren Bestimmung.

    II.

    Worauf kommt es im Leben an? Ich habe nicht vor, jetzt den Zeigefinger zu erheben und eine Moralpredigt zu halten. Das habe ich schon in unserer Selbsthilfegruppe gelernt: die Schritte zu einem erfüllten selbstbewussten Leben kann ich nur selbst in mir finden. Ratschläge sind dabei gut, doch ich entscheide selbst, was ich für mich davon annehmen kann. Nur eines ist dabei sehr wichtig: meine Entscheidung!

    Ja, ein Jeder muss sich entscheiden, Verantwortung für sich zu übernehmen. Auch wenn ich dieses Wort „muss“ hasse, in diesem Fall ist es wirklich angebracht. Denn ohne die Verantwortung für uns selbst können wir auch keine Verantwortung für Andere übernehmen. Erst nach Akzeptanz dieser Wahrheit als Notwendigkeit erhalten wir auch die Freiheit, uns für Andere einzusetzen. Das ist aber mitunter gar nicht so einfach.

    Ich will ein Beispiel nennen: wenn mich meine sozialen Ängste daran hindern, mich zu entfalten, selbstbewusst aufzutreten oder soziale Kontakte zu gestalten, dann beginne ich zu üben. So habe ich mich bereit erklärt, an einem Infostand teilzunehmen, der sich jede Woche direkt in der Innenstadt aufbaut. Ich gehe dort bewusst auf andere Menschen zu und versuche, soziale Kontakte zu knüpfen. Dabei möchte ich mich so einbringen wie ich bin, mit meinen Ängsten, Fantasien und Fähigkeiten. Diese Akzeptanz meines Selbst ist anfangs ein schierer Widerspruch: mit meinen Ängsten und Unsicherheiten auf andere Menschen zugehen? Doch meine Erfahrung hat mich überzeugt: durch das ständige Üben werden die Ängste kleiner und meine Sicherheit nimmt zu. Ja, es gelingt mir nach einiger Zeit sogar, die Gefühlslage der anderen Menschen zu deuten und auf ihre Bedürfnisse einzugehen (zumindest zum Teil).

    Dieser Prozess des Übens setzt voraus, dass ich bereit bin zur Tat, bereit bin, mich auf eine Aktion einzulassen. Nur so lassen sich meine Schwierigkeiten angehen und ich kann sie überwinden. Wie in dem schönen Sprichwort: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt…“ Im Prinzip ist das auch die Grundlage jeder Verhaltenstherapie.

    Habe ich erstmal mein eigenes Verantwortungsgefühl für mich übernommen, und ich merke, wie es mir besser geht, dann gelange ich auch schnell zu der Frage der globalen Verantwortung. Ich bin nur ein Teil des globalen Ganzen, ein Teil der Menschheit und mein Glück wie auch das Glück der anderen stehen in einem engen Zusammenhang. Letztendlich ist mein individuelles Wohlbefinden abhängig von einem gesunden globalen Verantwortungsgefühl aller. Ich erkenne, dass nicht mehr nur mein Ego im Mittelpunkt der Welt steht, sondern auch meine Anteilnahme am Wohlbefinden Anderer.

    Das obige Beispiel mit dem Infostand hat mir auch gezeigt, dass meine durch Übung erworbene Einfühlsamkeit mir auch Zufriedenheit verschafft. Diese Einfühlsamkeit bedeutet die Unterschiedlichkeit zwischen uns zu akzeptieren und Toleranz zu üben. Damit ist aber kein „Helfersyndrom“ gemeint – ich verliere mich nicht beim Helfen. Ich bleibe bei mir und versuche, mich solidarisch zu verhalten. Ich übernehme meine Verantwortung gegenüber einem Anderen in dem Bewusstsein, dass jeder ein Anrecht auf Selbstverwirklichung und Wohlbefinden hat. Dabei geht es auch um ein Abwägen der eigenen Bedürfnisse mit Anderen.

    Dieser Prozess setzt in mir eine Dynamik frei, die es mir erlaubt, immer weitere neue Tätigkeitsfelder zu erschließen. Und auch in unserer Selbsthilfegruppe erlebe ich diese Dynamik immer wieder – hat man das Boot erstmal bestiegen, fährt es von allein weiter.
    Neben unserer Selbsthilfegruppe kümmere ich mich auch um andere Mitglieder am Rande unserer Gesellschaft – Behinderte, Alte, Alkoholiker, psychisch Kranke. Diese Zuwendung erachte ich mittlerweile als selbstverständlich für mich.

    Es ist eine neue Ethik, die ich versuche bei mir umzusetzen: ich möchte ein mitfühlender Mensch sein, der die Gleichgültigkeit gegenüber Anderen aus tiefstem Herzen ablehnt. Ich habe erkannt, meine Bedürfnisse hängen auch von den anderen ab. Ohne gegenseitige Rücksicht ist ein soziales Überleben auf dieser Erde nicht möglich.

    III.

    Schau ich auf GAIA (=Mutter Erde) in der Nacht (und auch bei Tag), so bin ich um den Schlaf gebracht…

    Diese Welt ist im geschichtlichen Lauf ihrer Widersprüche, welche vor allem der Mensch zu verantworten hat, an einem Wendepunkt angelangt. So wie bisher geht es nicht mehr weiter. Sowohl im nationalen wie auch im internationalen Rahmen sind wir an einem „point of no return“ angekommen. Die Ungleichgewichte zwischen reich und arm im nationalen wie internationalen Rahmen haben Dimensionen angenommen, die sich mit meiner oben beschriebenen Ethik nicht in Einklang bringen lassen. Menschen haben sich aus der Gemeinschaft entfernt und frönen einer ungebrochenen Besitzstandsgier, neiden sich gegenseitig ihre Reichtümer. Große Teile der Gesellschaften haben auf Grund der Besitzstrukturen keinen Zugriff auf lebensnotwendige Ressourcen. Sei es nun der Nord-Süd-Konflikt zwischen entwickelten und in der Entwicklung befindlichen Staaten oder auch nur die alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin mit ihren Kindern: der Widerspruch in der Befriedigung ihrer Bedürfnisse ist – so scheint es – unlösbar.

    Neben dem Besitz über die Maschinen und der damit verbundenen abhängigen Arbeit geht es bei diesem Widerspruch auch um Bildung und andere gesellschaftliche Medien, die das öffentliche Bewusstsein prägen. Ich bin der Meinung, ein jeder ist sein eigener Philosoph, aber seine Erkenntnis kann er nur in soweit erreichen, wie er auch über die nötige Bildung, die für den Prozess der Bewusstwerdung nötig ist, verfügt. Und in diesem Bereich herrschen die alten überkommenen Mächte, die sich nicht auf eine neue Ethik im sozialen Sinne einlassen. Sie haben etwas zu verlieren, ihre Macht und ihre Besitztümer.

    Versuchen wir doch, ein globales Verantwortungsgefühl im Allgemeinbewusstsein des Normalbürgers zu verankern! Eine Philosophie des unbegrenzten Wachstums ist in unserer heutigen Zeit unverantwortlich. Die Verfügbarkeit der fossilen Rohstoffe ist begrenzt. Es gilt, neue erneuerbare Energietechniken mit Hochdruck zu entwickeln, um die sich abzeichnende Klimakatastrophe vielleicht noch abzuwenden. Den Irrsinn der atomaren Abschreckung mit all seinen Gefahren für die Menschheit ist zu beenden. Im Rahmen des globalen Verantwortungsgefühls müssen wir uns von der Ideologie eines „nach mir die Sintflut…“ verabschieden. Neue Ideen sind zur Bewältigung unserer heutigen Sintflut zu berücksichtigen. Wer in Gleichgültigkeit verfällt, der macht sich eines Verbrechens an der Zukunft und unseren Kindeskindern schuldig. Ehrlichkeit über unsere Situation ist dabei unabdingbare Voraussetzung.

    Deutlich sollte das „Sein“ in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins gerückt werden und nicht das „Haben“. Genügsamkeit wird in Zukunft eine unabdingbare Notwendigkeit sein. Damit ist aber nicht eine Genügsamkeit in den sozialen Strukturen gemeint. Hier gilt es, das Wohl jedes Einzelnen in der Gemeinschaft im Auge zu behalten – im Sinne eines Gemeinwohls – und zu große Differenzierungen zu vermeiden.

    Der Mensch im Kapitalismus erlebt sich als vereinzeltes Wesen. Auf dem Arbeitsmarkt muss er Leistungen vollbringen, was ihn in Konkurrenz zu anderen setzt. Die Welt erscheint ihm als ein Sammelsurium von Waren, die er sich für seine Leistungen aneignen kann. Und dieses Konsumieren erscheint ihm als einziges Gut, was erstrebenswert ist. Doch eine echte wahre Befriedigung erlangt er dabei nicht. Er lebt in seinen vier Wänden und schaut kaum über den Tellerrand hinaus – und das trotz Fernsehen und Internet. Oder haben diese Medien schon einmal einen Konsumenten mit globalem Verantwortungsbewusstsein ausgestattet?

    Informationen zur Lage der Menschheit bekommt man in Massen, doch was fehlt ist die bewusste Verarbeitung, die emotionale Anteilnahme, die schließlich zur Tat und damit der Veränderung führt. Es gilt auch von der Vereinzelung und der damit oft verbundenen mechanistischen und zufälligen Weltsicht zu einer globalen Sicht zu kommen – die Erde als Ganzes sehen. Nicht der Mensch herrscht über die Erde, wie uns einige Gentechniker glauben machen wollen, sondern der Mensch ist Teil der Natur, wie sie sich in der Gestalt der Erde zeigt.

    Ob wir die neuen Ideen nun Sozialismus oder Zukunft oder Utopismus nennen, ist eigentlich schnurz. Getragen von einer neuen globalen Ethik ist jede neue Idee bei der Lösung der globalen Situation sinnvoll und hilfreich. Entscheidend jedoch ist der qualitative Sprung von der Idee dann auch zur Tat. Und ich hoffe auf viele neue Aktivisten, die auch bereit sind, mit neuem globalen Verantwortungsgefühl sich auf der politischen Bühne zu engagieren.

    „Adieu“, sagte der Fuchs.
    „Hier mein Geheimnis.
    Es ist ganz einfach:
    man sieht nur mit dem Herzen gut.
    Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
    (Antoine de Saint-Exupery)

    Hier der Artikel als PDF: Der Tanz der Seele

    CIAO Hans

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    Welche Verantwortung haben wir für Israel und Palästina?

    Gestern besuchte ich eine interessante Veranstaltung vom Friedenszentrum Braunschweig zu dem Thema „Welche Verantwortung haben wir für Israel und Palästina? Welche Verantwortung hat Israel für die Region?“.(Unterstützung: Asta der TU, IPPNW, Attac, DGB)

    Unter der Moderation von Ute Lampe diskutierten Edo Medicks (Israelischer Ex-Basatzungssoldat, Fotograf), Joachim Hempel (Domprediger) und Michael Kleber (DGB-Regionsvorsitzender) auf dem Podium. In den Eingangsstatements stellte Hempel die Bedeutung der wechselseitigen Beeinflussung von orientalischer und europäischer Kultur dar. Kleber stammt aus der ehemaligen DDR und besuchte mehrfach Israel, wo er besonders Kontakte zur Histadrut im gewerkschaftlichen Rahmen aufnahm. Er sei ein regelrechter „Fan von Israel“, was sich durch die vielfältigen Jugendaustausche und auch Erwachsenenarbeit ergab. Er liebt die Kultur und bemängelt den Verlust von Frieden. Medicks, mit 29 Jahren der Jüngste in der Runde, hatte seinen 3-jährigen Wehrdienst meist in den besetzten Gebieten (Golanhöhen) abgeleistet. Er wies auf den doppelten Standard in Israel hin: einerseits proklamiere Israel für sich, eine westliche Demokratie zu sein, andererseits missachtet Israel das Völkerrecht und die Anforderungen der Vereinten Nationen. Von den 7 Millionen Einwohnern leben 5 Millionen unter Besatzung. Er betonte, dass für ihn die Politik nur zweitrangig sei, für ihn stehe die humanitäre Situation der Menschen im Mittelpunkt.

    Israel ist ein Staat und eine Gesellschaft im Orient und nicht in Europa betonte Hempel. Und damit sollte Israel ein integraler Bestandteil des Nahen Ostens werden. Besonders die Alltagssituation der Menschen in Israel sei bedrückend: die Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt, die Mauer als Grenze beschränkt auch als Zeitkontingent die Menschen und besonders Jugendliche, welche auf beiden Seiten über gute Schulen verfügen, sind unzufrieden mit der Situation. Die Wahl des Bischof Dr. Munib A. Younan aus Jordanien zum Präsidenten des Lutherischen Weltverbandes zeige, wie wichtig auch die Kirche die Krisensituation im Nahen Osten nehme.

    Kleber meinte, auch im DGB sollte man sachliche offene Kritik äußern können. Die Histadrut ist dabei eine besondere Gewerkschaft. Sie entstand schon 30 Jahre vor der israelischen Staatsgründung. Ein Problem stellen besonders die Arbeitsrechte der arabischen Bevölkerung dar. Dabei sei der DGB in seiner Kritik noch zu vorsichtig.

    Medicks betonte, dass nicht jeder, der die Israelische Regierung kritisiert, automatisch ein Antisemit sei – ein Kurzschluss, den Israel gerne praktiziert. Israel ist ein politisches Gebilde und deshalb muss auch Kritik erlaubt sein! Aufgabe sei es besonders humanitäre Werte zu unterstützen und nicht so sehr einzelne Parteien, die ja meist zionistisch seien.

    Das besondere Verhältnis Deutschlands zu Israel betonte Herr Hempel. Über deutsche Stiftungen werde auf beiden Seiten Vertrauen geschaffen. Doch ohne die USA läuft auch in Israel nichts. Die Frage nach einer unabhängigen deutschen Außenpolitik stand im Raum…

    Als es dann um konkrete Aktionen zur Einflussnahme auf die Politik Israels (Siedlungsbau…) ging, vertraten die Podiumsteilnehmer verschiedene Ansichten. Im DGB gebe es zwar eine kritische Sicht bei der Mehrheit, doch Boykottaktionen wie sie von Gewerkschaften in Kalifornien, Australien u.a. durchgeführt wurden (Artikel siehe hier) sind in Deutschland nicht organisierbar. Statt eines Boykotts israelischer Schiffe sollte lieber auf mehr Bewegungsfreiheit der Menschen durch Grenzöffnungen hingewirkt werden.

    Medicks vertrat im Gegensatz zu den anderen Diskutanten die These, dass Israel kein demokratischer Staat sei. Israel hat keine eigene Verfassung. Nur 51% der Bevölkerung Israels werden durch die Regierung repräsentiert, 49 % fühlen sich nicht vertreten. Schulen und Krankenhäuser stehen zu 100 % unter Militärkontrolle. Eine Vermischung der Bevölkerungsgruppen möchte die israelische Regierung verhindern, womit eine Umsiedlung von 1,5 Millionen Palästinensern notwendig wird. Um Änderungen der israelischen Politik zu bewirken, hielt Medicks einen Boykott israelischer Güter für gerechtfertigt. Er berief sich dabei auf die Erfahrungen der Boykottmaßnahmen gegen das Apartheidsregimes in Südafrika. Welchen internationalen Status haben die illegalen Siedlungen im Westjordanland? Was dort produziert wird, kommt auf den europäischen Markt als israelische Ware. Man erkennt israelische Produkte an dem Strichcode mit den Anfangsnummern 729…

    Eine Einigung über Maßnahmen, die ergriffen werden könnten, um auf die Politik Israels Einfluss zu nehmen, konnte in dem Podium nicht erzielt werden. Zu vielfältig sind die Faktoren des Konfliktes zwischen Arabern und Juden im Nahen Osten. Viele Probleme – wie z.B. die israelischen Atomwaffen – konnten in der Kürze der Zeit nicht angesprochen werden. Aber der zahlreiche Besuch der Veranstaltung zeigte doch, dass weitere Diskussionsveranstaltungen zum Thema Israel und die arabische Welt notwendig sind. Die Teilnehmer waren dazu bereit. Allen war dabei klar, dass der Prozess einer Lösung des Konfliktes wahrscheinlich noch mehrerer Generationen bedarf…

    CIAO Hans

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    Antikriegstag des Friedensbündnisses in Braunschweig…

    Gestern wurde im Rahmen des Antikriegstages stellvertretend für alle Kriegsopfer der Menschen, die heute vor einem Jahr in der afghanischen Provinz Kundus einer Völkerrecht und Menschenrechte missachtenden Militärmaschinerie zum Opfer gefallen sind, gedacht. Ich war mit der Kamera dabei…

    Aus dem verteilten Flugblatt:

    „Bei dem durch einen von der deutschen Bundeswehr veranlassten Bombenangriff auf zwei von Taliban geraubte Tanklastzüge wurden 140 Menschen, darunter Kinder und Jugendliche, ermordet. Dadurch ist deutlich geworden, was für viele bis dahin nur eine böse Ahnung schien: dass Deutschland im Krieg ist und das Geschehen im Kundus einen grausamen Teil des Kriegsalltags gegen die Zivilbevölkerung in Afghanistan darstellt.

    Der Oberst, der den Befehl zum so genannten Tanklasterangriff gegeben hatte, ist seit voriger Woche rehabilitiert, nachdem die Bundeswehr angekündigt hat, kein Disziplinarverfahren gegen ihn einleiten zu wollen.

    Mindestens beschämend für ein Land, in dem die Einhaltung der Menschenrechte garantiert wird; heißt es doch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (Artikel 1, Absatz 2):
    Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“

    Die Forderungen des Friedensbündnisses:

  • Konsequente Abrüstung einschließlich der noch auf deutschem Boden befindlichen Atomwaffen
  • Stopp der Waffenlieferungen in Krisengebiete
  • Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan
  • Die dadurch freiwerdenden Milliarden Militärausgaben werden im Bildungs- und Sozialhaushalt dringend benötigt.
    Spätestens heute, wo Kriege mehr und mehr auch zur Massenvernichtung an Zivilisten geworden sind, wird es Zeit, den KRIEG als Mittel der Politik zu verdammen!

    Dem kann ich mich voll und ganz anschließen…

    CIAO Hans

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    Prof. Dr. Ekkehart Krippendorff beim Friedensbündnis Braunschweig…

    Prof. Dr. Ekkehart Krippendorff ist einer der Pioniere der Friedensforschung und referierte gestern bei dem Friedensbündnis Braunschweig zu dem Thema „STAAT & KRIEG“.

    Einige seiner Gedanken erinnerten mich an meinen letzten Artikel. Er schilderte die besondere Situation der Deutschen bei der Ausbildung eines Nationalbewusstseins. Erinnern wir uns: das „Heilige Römische Deutsche Reich“ war ein Flickenteppich vieler kleiner Fürstentümer. Ein deutsches Nationalbewusstsein gab es im Gegensatz zu den Spaniern oder Franzosen noch nicht. Erst mit der Beendigung des 30jährigen Krieges durch den Westfälischen Frieden 1648, der quasi zum damaligen Grundgesetz des Reiches wurde, erkannten die Fürstentümer ihre gegenseitige Souveränität an. Doch auch da bestand noch kein gesamtdeutsches Nationalbewusstsein. Man fühlte sich als Schwabe, Holsteiner oder auch als Braunschweiger…

    Ändern tat sich die Situation erst durch die napoleonischen Eroberungen, als die Fürsten und Herzöge vor der Frage standen: wie können wir Napoleon vertreiben? Dazu brauchte man Armeen, Soldaten, die man gegen die napoleonischen Truppen in den Krieg schicken konnte. Eine Wehrpflicht wurde eingeführt und das Militär wurde somit zur „Schule der Nation“. Die deutsche Nation wurde also von oben eingeführt und nicht vom Volk. Die ausgedienten Soldaten wurden als Lehrer in den Schulen eingesetzt und trichterten ihren Schülern mit Rohrstock und Drill das „deutsche Wesen“ ein. Militärische Denkmäler und Straßenbenennungen sollten der Identitätsfindung dienen. Im späteren Kaisertum trugen die Kinder Marinekleidung, um ihre Nationalität zu dokumentieren.

    Es dauerte also recht lange, ehe sich die Vorstellung von Deutschland als Kulturnation (Weimarer Klassik: Goethe,Schiller u.a.) in eine Staatsnation wandelte.

    Das Militär denkt in dem Schema Befehl und Gehorsam. Das ist einfach und nicht so kompliziert. Deshalb erscheinen auch militärische Lösungen von Konflikten am einfachsten. Aber am Beispiel Afghanistans sieht man sehr deutlich, dass dieses Vorgehen nicht auf fremde historisch gewachsene Strukturen anwendbar ist. In Afghanistan besteht eine Stammesgesellschaft – Beamte oder ein öffentlicher Dienst, der einer Staatsethik verpflichtet ist, existiert nicht. Die allgemein Korruption in Afghanistan lässt sich nicht auf einzelne Individuen (wie bei uns) reduzieren, sondern ist Teil der bestehenden sozialen Netzwerke (Stammesloyalität).

    Auch in Afrika wurden die Staaten nach dem Kolonialismus einfach in die Unabhängigkeit entlassen, wobei die alten Kolonialmächte ihr eigenes Staatsbild einfach auf Afrika projizierten, ohne die Bedingungen der afrikanischen Strukturen zu berücksichtigen. Und die neuen Staaten waren so brav und postulierten die Unantastbarkeit der neuen Staatsgrenzen.

    Die Lage in Nahost – der Konflikt Palästina/Israel – ist sehr schwierig, weil sich beide Seiten auf eine Staatsfixierung mit starren Grenzen festgelegt haben. Prof. Krippendorff nannte Martin Buber, einen Zionisten und Philosophen, der schon zu Beginn der zionistischen Bewegung und der jüdischen Einwanderung nach Palästina eindringlich mahnte, gute Beziehungen zu den Arabern aufzubauen, was ihm viel Widerspruch und Feindschaft eintrug.
    Wie wäre es, wenn Israel Palästina einfach annektiert und dann ein gemeinsamer Staat mit einem neuen Modus vivendi (Völkerrechtlich bezeichnet der Begriff die vorläufige Verständigung zwischen Völkerrechtssubjekten, die später durch eine endgültige Abmachung abgelöst werden soll) geschaffen wird. Aber gegenwärtig ist dieser Gedanke unrealistisch…

    Zu den immer wieder auftretenden Sezessionsbewegungen meinte Krippendorff:
    unter der Diktatur Francos in Spanien habe sich der Staat immer von den Bevölkerungsgruppen (Basken, Katalanen) entfernt. Die heimischen Sprachen wurden einfach verboten und die Kultur unterdrückt.
    England als United Kingdom war da schlauer. Es verfolgte die Strategie der Devolution (Übertragung administrativer Funktionen in einem Einheitsstaat an regionale Körperschaften). So konnten Konflikte mit Schottland oder Wales befriedet werden.
    Die Auflösung Jugoslawiens, als eine serbische Armee versuchte, die Interessen des Gesamtstaates zu vertreten, war eine Konsequenz. Es wurde diskutiert, in wieweit auch westliche Nationen involviert waren.
    Als positves Beispiel nannte Krippendorf die Schweiz. Die Eidgenossenschaft existiert als loser Staatenbund seit dem 13. Jahrhundert, ist in in 26 Kantone gegliedert und drei-sprachig (Deutsch, Französisch, Italienisch). Föderalismus kann viele Probleme beheben.

    Bemerkenswert fand ich Krippendorffs Einschätzung der Politik Obamas. Mit seiner Wahl zum Präsidenten der USA habe sich ein „Window of opportunity“ (günstige Gelegenheit) geboten, das jedoch die Europäer nicht genutzt haben und einfach verstreichen ließen. Heute ist Obama in seinem eigenen Land einer riesigen Hasswelle ausgesetzt. Viele US-Bürger halten Obama für keinen Amerikaner oder einen Moslem. Er hat viele Dinge in den USA in Gang gesetzt, jedoch ist seine Politik mangels Unterstützung wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt.

    Was haben wir für Möglichkeiten, den Friedensprozess in der Welt voranzubringen?
    Wie wäre es, wenn wir uns von unserer militärischen Staatsethik in unserem Denken verabschieden würden, wenn bei einem Staatsempfang nicht mehr Soldaten Spalier stehen sondern Vertreter aus jeder Berufsgruppe. Wir müssen einfach klar zur Kenntnis nehmen, dass eine militärische Lösung von Konflikten zwar einfach erscheint, jedoch keine Dauerlösung verspricht.

    Krippendorf rezitierte die „Kinderhymne“ von Bertold Brecht (ich habe sie im vorigen Artikel aufgeführt) und nannte das Forum Ziviler Friedensdienst.

    Ich habe an dem Abend viel gelernt…

    CIAO Hans

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    Jugendliche engagieren sich gegen Atomwaffen…

    Gestern besuchte ich eine Veranstaltung des Friedenszentrums Braunschweig e.V., auf der die 19 jährige Nina Eisenhardt einen Einblick in die Friedensarbeit mit Jugendlichen gab. Sie selbst war schon mit 13 Jahren durch ihren Vater zu der Bewegung gegen die Atomwaffen weltweit gestoßen. Engagiert und mit sehr viel Hintergrundwissen referierte sie, wie auch Jugendliche für die Friedensarbeit gewonnen werden können.

    Nina arbeitet im Netzwerk BANg (Ban All Nukes Generation – European Youth Network für nukleare Abrüstung), welches der Jugend einen Raum zur Entwicklung und Umsetzung ihrer eigene Strategie für den Frieden und atomare Abrüstung in Europa und in der Welt bieten möchte. BANg ist auch ein Marktplatz vieler Ideen und Erfahrungen, Tricks und Informationen. BANg hat jetzt über 100 Mitglieder aus verschiedenen Organisationen in einem Dutzend Ländern (z.B. bang-USA, Japan,…).

    Besonders am Herzen lag Nina, uns über die politischen Diskussionen um den Atomwaffensperrvertrag (Nichtverbreitungsvertrag), der schon seit 40 Jahren besteht und 2010 neu überarbeitet werden soll, zu informieren. Sie konnte uns die Streitereien der verschiedenen Staaten zu diesem Vertrag sehr anschaulich schildern. So scheiterte die letzte Konferenz 2005 in New York – unter anderem, weil die USA jegliche Gespräche über Abrüstung blockierten. Auch andere Staaten vertreten vor allem ihre eigenen Interessen.

    Nina und andere Jugendliche können an diesen Konferenzen neben anderen Nirchtregierungsorganistionen (NGOs) teilnehmen und somit ein wenig Transparenz schaffen. Nina ist in den letzten Jahren dabei weit herumgereist: UNO in New York, Action Camp in Büchel (Deutschland), NVV-Vorbereitungsausschuss in Genf, Demonstrationen und Blockaden in Schottland und Frankreich, NVV-Vorbereitungsausschuss in Wien, Besuch in Hiroshima und mehr. Unterstützung auf den Reisen bekommt sie nur wenig: durch die IPPNW, die IPPNW-Studentenorganisation oder durch Ican (International campaign to abolish nuclear weapons).

    Besonders geprägt während ihrer Arbeit haben sie die Gespräche mit den Atombombenopfern in Hiroshima, den Hibakusha. Die Gespräche mit diesen Überlebenden haben sie tief beeindruckt.

    Um Jugendliche für die Friedensarbeit zu gewinnen, darf man ihnen ihre Aktionen nicht vorschreiben – sie brauchen den Freiraum, den sie sich wünschen, um ihre Aktionen selber zu gestalten. Nach einer anfänglichen Information über die Wirkungen einer Atombombe, sollten sie sich selber weiter informieren (z.B. in einer Veranstaltung) und erst nach geraumer Zeit kommt es dann vielleicht auch zu eigenem Engagement.

    Mir hat der Abend gezeigt: auch Jugendliche sind für die Friedensarbeit zu gewinnen…
    Übrigens: am 5.Juni gibt es einen Aktionstag gegen Atomwaffen!

    PS: hier ein kleines Programm für Kinder gegen Atomversuche

    CIAO Hans

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