Gedanken zur Entwicklung der Menschheit …


Ein philosophischer Podcast mit modernem Background… einfach mal reinhören!
(1)
Ich sitze an meinem Computer und versuche, mir einfach einmal vorzustellen, wie es mit der Menschheit so läuft…

Zunächst stelle ich mir vor, ich wäre in einer Höhle und bin einer der ersten Menschen. Mein Name ist Homo sapiens und wir befinden uns in der Zeit vor ca. 60.000 Jahren. Das ist noch nicht lange her, wenn man bedenkt, dass die Erde vor 4,6 Milliarden Jahren entstand.
Meine Vorfahren sind auf einer langen Wanderung aus Afrika über den afrikanischen Graben bis nach Europa gelangt – ganz langsam, nur 5 km pro Generation sind sie gewandert.
Und nun sitz ich hier in meiner Gruppe als Ergebnis von Zufall und Zwang: dem Zufall meiner Gene und dem Zwang meiner Umwelt. Ich habe mich angepasst und kann überleben.
Mein aufrechter Gang ermöglicht mir, Tiere in der Gruppe zu jagen, und der Gebrauch von Werkzeugen brachte mir das Feuer. Durch meine starken Kieferknochen kann ich das erjagte Fleisch besser verwerten, und mein einzigartiges Gehirn gibt mir die Freiheit, nicht nur Teil der Natur zu sein, sondern auch die Natur in meinem Sinne zu nutzen. Doch wir leben trotzdem immer an der Hungergrenze. Die Jagd ist anstrengend und nicht immer erfolgreich.
Wir sammeln Früchte von den Bäumen und Samen, die unseren Speiseplan ergänzen und uns mitunter über Wasser halten.
Wir haben eine feste Gruppenstruktur. Gewiss gibt es mitunter Streitereien in unserer Gruppe, doch wichtig ist nur die Zeugung von Nachwuchs, damit unsere Gruppe überlebt und sich gegen die Konkurrenz durchsetzt.
Und wir begraben unsere Toten, was uns von den Tieren unterscheidet.
Die Natur bestimmt unser Leben, die Sonne, das Eis, der Schnee und der Regen.
Die Tiere, die wir jagen, sind der Boden unserer Kultur: wir malen ihre Bilder an die Wand der Höhle.
Die Vergangenheit sind unsere Toten und die Zukunft bestimmt die Frage des Erfolges in der Jagd.
Was werden wird: wir wissen es nicht. Unser Motto lautet einfach: überleben!

(2)
In den folgenden Jahrtausenden bildeten wir viele erste Hochkulturen in Asien, Afrika und Amerika.

Die periodischen Überschwemmungen machten das Land fruchtbar, wodurch intensive Landwirtschaft betrieben werden konnte. So wurden wir nomadisierenden Wildbeuter zu Ackerbauern und Viehzüchtern. Für den Bau von Bewässerung und Staudämmen wurde zudem eine gesellschaftliche Organisation notwendig. Die Verteilung des knappen fruchtbaren Landes und die Zuteilung der Wassernutzung erforderte eine Verwaltung und Rechtsprechung. Es begann eine Aufspaltung der Menschen in verschiedene Gruppen mit verschiedenen Rechten, eine Trennung in Herrschende und Beherrschte.
Eine Bevorratung von Getreide war für die Fälle ausbleibender Überschwemmungen erforderlich. Auch die Bevorratung erforderte Organisation und Planung. Zur Berechnung der Flut wurde ein Kalender entwickelt, der Kenntnisse in Mathematik und Astronomie voraussetzte. Mathematik wurde auch für den Bau der Städte benötigt.
Parallel zur politischen Organisationsbildung entstand in fast allen Hochkulturen eine religiöse Hierarchie, die den Herrscher als von den Göttern eingesetzt stützte. Gesellschaftliche Normen wurden als Gesetze festgeschrieben. Bekannt ist der sogenannte Kodex Hammurabi im altbabylonischen Reich. In 280 Paragrafen regelte er Aspekte des bürgerlichen Rechts, das Straf- und Verwaltungsrecht. Es überlieferte zahlreiche Einzelfallentscheidungen, die sich oft durch große Härte auszeichneten.
Wir Menschen suchten stets nach einem Ordnungsprinzip. Eine Ordnung stabilisiert das gesellschaftliche Gefüge und dämpft unsere individuellen Ängste.
Auslöser für viele kulturelle Entwicklungen war der Glaube an das Leben nach dem Tod und der daraus sich entwickelnde Totenkult, der bei den Ägyptern so stark ausgebildet war, dass sich die Menschen ihr ganzes Leben mit der Ausgestaltung ihres Grabes beschäftigten.
Im traditionellen religiösen Mythos wird durch den Mythos das Dasein der Menschen mit der Welt der Götter verknüpft.
Im Reich der Ägypter – wie auch in anderen Hochkulturen – hatte jeder Gott seinen eigenen Tempel, in dem Statuen der jeweiligen Götter standen.
Der sumerischen Gilgamesch-Epos ist religionsschöpfend. Es geht um Weltverständnis, Welterklärung und um Fertigwerden mit der Welt, dem Zusammenleben mit anderen Menschen und damit um Fertigwerden mit dem eigenen Leben. Wir Menschen suchen einen Weg durch das Leben.
Und dabei ist es immer wieder die Angst, die uns ein Wohlbefinden oder Glücklichsein erschwert. Die Angst vor der Zukunft, die Angst vor dem eigenen Tod. Durch die Angst können wir nicht glücklich oder frei sein.

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Die meisten Religionen des Altertums waren polytheistisch – nur wenige Religionen des Altertums waren monotheistisch wie das Judentum und später das Christentum und der Islam.
Die Religion ermöglichte uns, unsere Gegenwart so zu leben, wie sie ist, während wir gleichzeitig auf eine bessere Zukunft im Jenseits warten. Ein unendliches und gutes Wesen, eben ein göttliches Wesen, das uns über alles liebt, bewahrt uns vor der Einsamkeit, der Angst und der Endlichkeit unseres Lebens. Wir werden unsere Liebsten in einem jenseitigen Leben wiedersehen. Was für ein Trost! Und um so gerettet zu werden brauchen wir nur zu vertrauen – einen Glauben an Gott und Demut, die in der Einsicht in die Notwendigkeit und im Willen zum Hinnehmen der Gegebenheiten begründet ist – einer erzwungenen Selbstunterwerfung.
Mit dem Auftreten der ersten Philosophen im alten Griechenland um ca. 500 v.Chr. geschieht nun etwas grundlegend Neues: sie wollen das Seelenheil nicht mehr durch ein höheres Wesen, einen anderen – nämlich Gott erreichen, sondern suchen das Seelenheil durch sich selbst, durch eigene Erkenntnis, eigene Vernunft. Dabei wurde das Geschäft der Philosophie von freien Bürgern in Athen betrieben, von Männern, die wohlhabend waren, Zeit und Muße hatten und natürlich auch ihre Sklaven! (bis auf wenige Ausnahmen, wie Sokrates oder Diogenes).
Als erstes wollten sie ein Mindestmaß an Erkenntnis über die Welt, in der sich unser Leben abspielt, und die Instrumente der Erkenntnis erwerben.
Des weiteren fragten sie nach der richtigen Weise des Zusammenlebens der Menschen, der praktischen Ethik. Und schließlich die Frage nach der Weisheit, um die Ängste zu überwinden und ein möglichst glückliches und freies Leben führen zu können.
Die Griechen (vor allem im Stoizismus) versuchen das Wesentliche der Welt vor allem in ihrem inneren Wesen der Harmonie, der gleichzeitig gerechten und schönen Ordnung zu sehen, dem „Göttlichen“, was sie Cosmos nennen. Dieses Göttliche ist kein persönliches Wesen, sondern die Weltordnung, das Universum als Ganzes. Diese wunderbare Ordnung der Dinge wird von den Griechen auch „Logos“ genannt. Stellt man sich die Welt als ein harmonisches Lebewesen dar, so ist das Weltall beseelt und mit Empfindungsvermögen und Vernunft begabt. Alles was geschieht, geschieht zu Recht und der letzte Zweck des Lebens besteht darin, seinen richtigen Platz in der Ordnung zu finden. Es geht vor allem um die Beschreibung des Cosmos, seine Organisation und Harmonie – nicht um die Störungen wie z.B. Naturkatastrophen.
Sich mit dem Cosmos zu verbinden oder sich in ihn eiunzuordnen wurde zur Richtschnur für jede gerechte Handlung, das Prinzip jeder Moral und jeder Politik. Konkret ging es darum, im praktischen Leben zu einem Einklang mit der Harmonie zu gelangen, um in ihr seinen richtigen Platz zu finden, der jedem im Ganzen zusteht.
In den Augen der griechischen Stoiker (wie teilweise auch der Buddhisten) wird die menschliche Existenz vor allem von zwei Dingen blockiert: das Festhalten an der Vergangenheit und die Sorge um die Zukunft. Ständig verpassen wir dadurch den Augenblick und können diesen nicht voll auskosten. Abschneiden muss man also zweierlei: die Furcht vor der Zukunft und die Erinnerung an das Ungemach der Vergangenheit. Letzteres geht mich nichts mehr an, ersteres noch nicht. Nach Epiktet ist das gute Leben ein Leben ohne Hoffnungen und Ängste, in dem man seiner Existenz versöhnt ist und die Welt, so wie sie existiert, voll akzeptiert.
Die stoische Philosophie bleibt anonym und unpersönlich. Für sie ist der Tod nur ein Übergang von einem persönlichen Zustand in einen Zustand der Verschmelzung mit dem Kosmos, wobei wir unsere Individualität verlieren.

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Und genau hier setzt nun das Christentum an und besiegt schließlich die griechische Philosophie. Das Christentum verspricht uns wirklich alles, was wir wollen: eine endlich auch persönliche Unsterblichkeit und mit ihr das Heil unserer Angehörigen. 15 Jahrhunderte wird das Christentum die westliche Welt beherrschen! Im Christentum hat auch die Vernunft Platz. Vernunft heißt hier aber, die großen Texte der Evangelien zu verstehen, die Botschaft Christi auszulegen. Es gilt, die Natur als Schöpfung Gottes zu verstehen und zu deuten. Dabei nimmt der Glaube den Platz der Vernunft ein: Es geht nicht mehr so sehr darum, durch sich selbst zu denken, als auf einen anderen zu vertrauen. Demut ist notwendig, um den Verstand auszuschalten, um zu vertrauen und dem Glauben Raum zu geben genauso wie die Demut eines Gottes, der sich so erniedrigt, dass er Mensch wird unter den Menschen.
Die Weisheit oder Lebensdisziplin wird eine schulische Disziplin – Scholastik – man philosophiert über den Sinn der Heiligen Schrift oder die Natur als Werk Gottes, aber nicht mehr über die letzten Zwecke des menschlichen Lebens.
Und das Christentum gibt einen neuen Impuls: der moralische Wert eines Menschen hängt NICHT wie bei den Griechen von seinen natürlichen Gaben oder Talenten ab, sondern von dem Gebrauch, den er davon macht, also von seiner Freiheit und nicht von seiner Natur! Damit verlassen wir die hierarchische aristokratische griechische Welt. Die Christen behaupten, dass der Logos – also das Göttliche – nicht mehr mit der harmonischen Weltordnung als solcher identisch ist, sondern in einem außerordentlichen Wesen, in Christus, verkörpert! Das Christentum ersetzt die anonyme Heilslehre der Griechen durch das Versprechen, dass wir durch Christus als Person gerettet werden. Die menschliche Person wird durch das Christentum aufgewertet. Die Menschenwürde ist für alle dieselbe. Alle Menschen sind gleichwertig. Die Freiheit und nicht mehr die Natur wird zum Fundament der Menschheit!
Das Christentum räumt dem Gewissen einen bedeutenden Platz ein. Weil es den Geist höher stellt als den Buchstaben des Gesetzes, schreibt es praktisch keine Gebote für das tägliche Leben vor…
Im Gegensatz zu den griechischen Stoikern verspricht uns das Christentum die Unsterblichkeit der einzelnen Person. „Die Liebe in Gott“ und die „Nächstenliebe“ erweist sich aus der Sicht der Christen stärker als der Tod. „Die Liebe in Gott“ ermöglicht die Unsterblichkeit der Seele, die Auferstehung unseres Körpers. Im Christentum finde ich quasi meine Unsterblichkeit (und nicht nur meine!).

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Im 16. Jahrhundert gerät der christliche Glaube, der den strengen Zwängen der Kirche unterstellt war, in eine schwere Krise. Neue Erkenntnisse der Wissenschaft stellen die Prinzipien der Kirche in Frage. Kopernikus (1543) und Galileo (1632) stoßen die Erde aus dem Zentrum der Weltsicht und setzen die Sonne an ihre Stelle. Die Gundmauern des Christentums selbst wurden erschüttert und der Gehorsam gegenüber Gott war nicht mehr selbstverständlich. Die Zerstörung des Weltbildes d.h. der Ersatz der Vorstellung der Welt als eines wohlgeordneten Ganzen, in welchem die räumliche Struktur eine Hierarchie der Vollkommenheit und der Werte verkörperte, durch die eines grenzenlosen oder sogar unendlichen Universums, welches nicht länger durch natürliche Unterordnung, sondern nur durch die Identität seiner letzten und grundlegenden Bestandteile und Gesetze zusammengehalten wird, hat in den Köpfen der damaligen Zeit einen Zustand der Verwirrung hinterlassen. Von nun an wird die „experimentelle Methode“ , die bisher praktisch unbekannt war, die Grundlage der Zukunft der modernen Wissenschaft.
Wenn die Weltordnung, Harmonie, Schönheit und Güte nicht mehr durch Gott vorgegeben sind, dann muss der Mensch selbst von außen Ordnung in dieses Universum bringen.Um einer desillusionierten Welt Sinn zu geben, bedarf es einer aktiven Erarbeitung der Weltordnung.
Immanuel Kant (Kritik der reinen Vernunft 1781) formuliert den Gedanken, dass sich die Wissenschaft von nun an als eine Arbeit der Verknüfung versteht, einer Synthese.
Von nun an wird der Mensch in den Mittelpunkt gestellt und man spricht von der Philosophie des Humanismus. Die neue humanistische Ethik mit dem Begriff der Freiheit des Menschen wurde besonders durch Rousseau (1755) beeinflusst. Er beschäftigte sich mit der Frage, was ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier? Bei Aristoteles definiert sich der Mensch als „vernünftiges“ Tier. Bei Rosseau ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal die Freiheit. Der Mensch besitzt die Fähigkeit, sich sein ganzes Leben lang zu vervollkommnen, während das Tier von Anfang an und auf sichere Weise von der Natur, vom Instinkt geleitet wird, und sozusagen „augenblicklich“, von Geburt an, vollkommen ist. Ein Tier hat nicht die Freiheit, sich zu perfektionieren. Im Menschen ist die Natur zwar noch da, doch der Mensch kann von den natürlichen Regeln abweichen und sich sogar eine Kultur schaffen. Der Mensch kann sich Exzessen hingeben, was dem Tier verwehrt ist. Im Menschen „spricht der Wille noch, wenn die Natur schweigt“.
Daraus folgt: die Menschen sind Träger ihrer eigenen individuellen Geschichte und es gibt die Geschichte ihrer Gesellschaften – Kultur und Politik. Da es keine Menschennatur gibt, da kein natürliches oder soziales Programm ihn vollständig einschließen kann, ist der Mensch, ob Mann oder Frau, frei, unendlich vervollkommnungsfähig und keineswegs durch vorgebliche, mit der Rasse oder dem Geschlecht verknüpfte Bedingungen vorprogrammiert. Und weil der Mensch frei ist, in keinem natürlichen oder historischen Code eingeschlossen ist, ist der Mensch ein moralisches Wesen. Er hat die Freiheit der Wahl zwischen guten und schlechten Taten.
Das Tier und die Natur sind eins – der Mensch und die Natur sind zwei…
Doch diese Freiheit muss da aufhören, wo die Freiheit der anderen anfängt. Kant forderte in seinem kategorischen Imperativ 1785 „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Wir müssen also Rücksicht nehmen auf die Freiheit des anderen.
Umsetzung grundlegender Werte und Ideen der Aufklärung waren die Ziele der Französischen Revolution 1789 – insbesondere die Menschenrechte. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ war ihr Motto, die Würde des Menschen hatte sie sich auf ihre Fahnen geschrieben. In Paris sorgten Revolutionsausschüsse und Volksgesellschaften dafür, dass sogar alle Kirchen der Hauptstadt schließlich dem Kult des höchsten Wesens – der Vernunft – geweiht wurden und dass in sämtlichen Pariser Sektionen ein Kult für die Märtyrer der Freiheit eingeführt wurde. Die frühen religionspolitischen Maßnahmen der Revolution zielten auf die Gleichstellung der Religionen und die Beseitigung der kirchlichen Standesprivilegien.

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Ein Philosoph der Postmoderne hat die Ordnung wirklich vom Thron gestoßen: Friedrich Nietzsche (1844-1900). „Gott ist tot“ – lautet sein berühmtester Ausspruch. Er kritisiert gleichzeitig den Humanismus und Rationalismus: „Es gibt nichts außerhalb der Lebenswirklichkeit, nicht darüber, nicht darunter, nicht im Himmel, nicht in der Hölle, und sämtliche Ideale von Politik, Moral und Religion sind nichts als „Götzen“, metaphysischer Schwulst, Erdichtungen, die nichts anderes im Sinn haben, als vor dem Leben zu fliehen, um sich dann gegen es zu wenden.“ Nietzsche negiert die Suche nach einer Ordnung, die uns von Ängsten befreit. Die Welt ist im Gegensatz ein Chaos, eine unreduzierbare Pluralität von Kräften, Instinkten, Trieben, die unaufhörlich miteinander rivalisieren. Nietzsche gibt die Empfehlung in seinem „amor fati“, das Leben vorbehaltlos zu lieben, ein bisschen weniger zu bedauern, ein bisschen weniger zu hoffen, dafür die Wirklichkeit, so wie sie ist, ein bisschen mehr und wenn möglich sogar vorbehaltlos zu lieben!
Da regt sich hoffentlich Widerspruch bei euch! Ist das nicht einfach destruktiv?
Wie kann man z.B. einen Holocaust akzeptieren? Geht es nicht darum, das Überleben der Menschheit zu sichern? Ist das Interesse an Kooperation und Harmonie nicht größer als das an Konflikt und Krieg?
Wie ist es mit dem Problem der gerechten Gesellschaft, der ethischen Prinzipien, welche die Beziehungen unter freien und gleichen Menschen bestimmen sollen? Wollen wir unsere Geschichte nicht kollektiv gestalten und daran teilhaben?
Viele Philosophen haben sich darüber Gedanken gemacht – und in meinen Augen ist jeder Mensch sein eigener Philosoph.
Wir leben in Zeiten der Globalisierung. Internationale Konzerne und Finanzmärkte bestimmen das Geschehen auf unserem Planeten Erde. Uns einzelnen Menschen wird jeder Einfluss auf das Weltgeschehen weitgehend entzogen. Wachstum oder Tod ist die Philosphie des globalisierten Wettbewerbs. Dabei spielt die Technik eine immer größere Rolle. Wachsen oder zugrunde gehen ist der absolute Zwang und das Wesen unserer Gesellschaften geworden. Die Technik wird zu einer Art Zweck an sich. Höhere Ziele im Sinne eines Fortbestandes der Menschheit gibt es nicht mehr.

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Und da stellt sich mir die Frage: Der Mensch – eine Fußnote der Evolution?
(siehe mein Gedicht hier)

Eine Lösung wäre vielleicht meine Einzigartigkeit: wenn ich mich von mir selber löse, um die anderen zu verstehen, wenn ich mein Erfahrungsfeld erweitere, wenn ich das Besondere meiner Ursprungssituation überwinde und damit gleichzeitig zu einer Berücksichtigung der weiteren und reicheren Möglichkeiten gelange, die jene der ganzen Menschheit sind…

CIAO Hans

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Manifest – Der Tanz der Seele…

Mein Fenster zur Kommunikationswelt...

I.

Ich sitze an diesem Morgen wie jeden Tag wieder vor meinem Computer. Diese Arbeit gehört mittlerweile zu meiner festgezurrten Tagesstruktur. Ich rufe meine Emails ab und antworte in kurzen Re-Mails. Ich beobachte die Statistiken meiner Homepage und meines Blogs und freue mich über die vielen internationalen Besucher. Aus den fernsten Winkeln der Welt schauen Besucher auf meinem Blog vorbei – die Sprache ist kein Problem, da ich einen Übersetzer auf der Seite eingebaut habe. Ich finde es faszinierend, meine Artikel in arabisch, russisch oder chinesisch zu betrachten, interessante unverständliche Schriftzeichen, hinter denen sich meine Gedanken verbergen. Nebenbei schaue ich kurz auf mein Konto und der Auszug beruhigt, nicht wegen des Betrages sondern eher durch das Gefühl, dass sich nicht irgendein Ganove unberechtigt Zugriff verschafft hat. Ja, man muss vorsichtig sein in diesen Zeiten.

Ich sitze in meiner dunklen Stube, es ist noch sehr früh am Morgen, und ich schaue mir, während ich im Hintergrund einem Radioprogramm aus den USA lausche, mittels der verschiedensten Programme die internationale Nachrichtenflut an. Hier ein Video aus Fernost, dort einen Radiobeitrag aus Deutschland oder auch einen Zeitungsartikel aus den USA. Die Auswahl ist so groß, dass ich immer nur noch die Überschriften überfliege, höchstens die Kurzzusammenfassung betrachte und dann entscheide, ob ich den Artikel lesen möchte. Danach folgt schon wieder eine Entscheidung – ist der Artikel interessant genug, um ihn in Twitter zu setzen? In einem bunten Mix aus aktuellen Nachrichten und Links zu meinen eigenen Blog-Beiträgen kreiere ich meinen Twitter-Fluss. Durch dieses Verfahren werden meine Artikel enorm aufgewertet – sie stehen plötzlich neben Artikeln der renommierten Zeitungen. Schon etwas vermessen…

Aber ich fühle mich gut dabei. Ich sitze hier in meinem Wohnzimmer und starre auf den Monitor wie durch ein Fenster zur Welt. Ich fühle mich keineswegs einsam. Eher beschleicht mich das Gefühl, ein Teil von einem großen Ganzen zu sein.

Dies ist die Welt der Kommunikation, des ungezähmten Informationsflusses, der seit einigen Jahren immer mehr anschwillt. Er besteht aus einem großen Müllhaufen von Zeichen und Bildern und es ist eine Herausforderung, die Rosinen daraus zu finden. Doch hat man sich die verschiedenen Methoden zur Komprimierung der Flut angeeignet, dann ist das Konzentrat durchaus erbaulich. Und ich trinke täglich einen großen Schluck daraus. Freunde von mir meinen, ich sei dadurch schon regelrecht besoffen. Etwa schon Sucht? Das Kriterium der Sucht ist der Kontrollverlust, nicht mehr ich regele mein Leben sondern das Suchtmittel bestimmt mich. Doch ein Sklave meiner Kommunikation bin ich noch nicht geworden. Ich kann mich abgrenzen und auch für längere Zeiträume auf das Fenster zur Welt verzichten.
Ich bin ein depressiver Mensch, der auch immer wieder mit seinen Ängsten zu kämpfen hat. Und in dieser unsicheren Lebenslage brauche ich Halt, eine Struktur, die in ihrer Regelmäßigkeit etwas Sicherheit vermittelt. Und eben dies ist meine Tagesstruktur, in der ich meine virtuelle Kommunikation eingebunden habe.

Ich schreibe Artikel in meinem Blog – ja für wen eigentlich? Ich behandele Themen, die mich in meinem Denken bewegen, und schicke sie quasi in ein Kommunikations-Nirwana. Durch dieses Treiben bin ich mit meinen Gedanken nicht mehr allein, sondern meine Gedanken werden Teil von einem Welt-Ganzen. Ich werde Teil des globalen Dorfes und kann mich der Illusion hingeben, durch mein Tun dieses Dorf auch mit zu gestalten. Ohne ein Rückmeldung ist dies allerdings auf die Dauer frustrierend. Doch schon allein die Betrachtung der Statistiken meines Blogs zeigen mit, hallo – da ist doch jemand, der sich für meine Gedanken interessiert. Schön – es stellt sich bei mir ein Gefühl von Zufriedenheit ein.

Ja, mein lange Zeit depressives Leben bekommt plötzlich einen Sinn. Und ich sitze auch nicht mehr allein in meinen vier Wänden sondern kommuniziere über Programme in Videokonferenzen mit fremden Menschen in fernen Kontinenten (und das noch dazu kostenlos!).

Doch virtuell bleiben diese Freundschaften auch weiterhin. Ich spaziere nicht in Ghana über die Straßen, sehe die Marktstände und die vielfältigen Menschen und spüre dabei die Hitze, höre das Lärmen oder entwickle ein Gefühl für Ghana. Nein, ich habe Kontakt mit Menschen aus Ghana und habe dabei doch mein Braunschweiger Standardgefühl im Kopf. Insofern kann ich nur virtuell mein Wohnzimmer über das Monitorfenster zur Welt verlassen. Dabei bietet mir mein Computer die Möglichkeiten einer fast unbegrenzten Kreativität. Ich kann meine vielfältigen Ideen in der unterschiedlichsten Form umsetzen, sei es in Form eines Videos, eines kleinen Comics, eines Artikels, eines Podcasts oder sogar einer kleinen Fernsehshow (Videostreaming). Ohne große Programmierkenntnisse bietet meine
Bit-Maschine immer neue Herausforderungen, die es gilt zu verwirklichen. Und hat man die Umsetzung erreicht, stellt sich ein Gefühl der Genugtuung ein. Plötzlich bin ich kein Loser mehr, sondern aktiver Part einer Gemeinschaft.

Kurz – ich möchte auf die Gefühle des Glücks, die mir mein Computer vermittelt, nicht mehr verzichten. Er ist dabei auch der Spiegel meiner Seele. Wenn ich ihn schlecht füttere, erhalte ich unzufriedene Ergebnisse. Und Glück und Zufriedenheit sind Werte, die bei den Menschen an erster Stelle der Wunschskala stehen.
Allerdings ist mir die virtuelle Welt meines Computers zu klein geworden. Diese Welt ist ein gewichtiger Teil – aber eben nicht alles. Ich habe auch begonnen, mich wieder in der realen Welt zu engagieren. Nur dort kann ich meine virtuell erworbenen Denkanstöße auch in aktives Handeln umsetzen. Der Kontakt mit anderen Menschen, die mir leiblich gegenüber stehen, aktiviert doch auch viele neue emotionale Ebenen, die die Bit-Maschine in keinster Weise befriedigen kann.

So beteilige ich mich schon viele Jahre an der Selbsthilfegruppe Angst und Depression. Da finde ich Menschen, die meine depressive Persönlichkeitsstruktur verstehen und denen ich mich auch nach so langer Zeit immer noch verbunden fühle. Ein Blick, ein Wort oder eine kleine Geste – und schon fühle ich mich an meine eigene Seele erinnert. Der Fluss der Neuankömmlinge reißt einfach nicht ab und über die Zeiträume ist die stetige Veränderung bei uns allen sichtbar. Alles bewegt sich fort und nichts bleibt, sagte schon der griechische Philosoph Heraklit in der Vorzeit – man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen…

Aber jeder Mensch ist eben Teil des Flusses und es bedarf schon einiger Anstrengungen, dieses Fließen auch bewusst zu erleben. Man braucht die Muße, um aus dem Alltagsgeschehen auszubrechen und diesen ständigen Strom betrachten zu können. Hat dieser Weg erst einmal mein Interesse geweckt, so gewinnt er eine eigene Dynamik. Eng verbunden ist dieser Weg mit dem Bestreben nach mehr Wissen. Ich betrachte dieses teilweise recht chaotische Treiben aus einer anderen Perspektive und möchte nun auch wissen, welche Ursachen zu diesem Zustand geführt haben. So lese ich jetzt nach vielen Jahren wieder Bücher über Geschichte und Gedanken der Menschheit. Langsam entsteht aus den vielen Mosaiksteinen ein Gesamtbild, dessen Transparenz mich auch im Alltag begleitet.
Auch unsere kleine Philosophiegruppe, angeleitet durch einen gestandenen Philosophieprofessor, trägt das Ihrige dazu bei. Aber nicht allein das Wälzen von Fakten bringt eine Veränderung des Flusses, es ist die emotionale Verarbeitung des Wissens mit den anderen Teilnehmern, die in die Tiefe geht und seine Wirkung zeigt. Der Mensch ist eben doch ein soziales Wesen und nur im Austausch mit anderen kommt er zu seiner wahren Bestimmung.

II.

Worauf kommt es im Leben an? Ich habe nicht vor, jetzt den Zeigefinger zu erheben und eine Moralpredigt zu halten. Das habe ich schon in unserer Selbsthilfegruppe gelernt: die Schritte zu einem erfüllten selbstbewussten Leben kann ich nur selbst in mir finden. Ratschläge sind dabei gut, doch ich entscheide selbst, was ich für mich davon annehmen kann. Nur eines ist dabei sehr wichtig: meine Entscheidung!

Ja, ein Jeder muss sich entscheiden, Verantwortung für sich zu übernehmen. Auch wenn ich dieses Wort „muss“ hasse, in diesem Fall ist es wirklich angebracht. Denn ohne die Verantwortung für uns selbst können wir auch keine Verantwortung für Andere übernehmen. Erst nach Akzeptanz dieser Wahrheit als Notwendigkeit erhalten wir auch die Freiheit, uns für Andere einzusetzen. Das ist aber mitunter gar nicht so einfach.

Ich will ein Beispiel nennen: wenn mich meine sozialen Ängste daran hindern, mich zu entfalten, selbstbewusst aufzutreten oder soziale Kontakte zu gestalten, dann beginne ich zu üben. So habe ich mich bereit erklärt, an einem Infostand teilzunehmen, der sich jede Woche direkt in der Innenstadt aufbaut. Ich gehe dort bewusst auf andere Menschen zu und versuche, soziale Kontakte zu knüpfen. Dabei möchte ich mich so einbringen wie ich bin, mit meinen Ängsten, Fantasien und Fähigkeiten. Diese Akzeptanz meines Selbst ist anfangs ein schierer Widerspruch: mit meinen Ängsten und Unsicherheiten auf andere Menschen zugehen? Doch meine Erfahrung hat mich überzeugt: durch das ständige Üben werden die Ängste kleiner und meine Sicherheit nimmt zu. Ja, es gelingt mir nach einiger Zeit sogar, die Gefühlslage der anderen Menschen zu deuten und auf ihre Bedürfnisse einzugehen (zumindest zum Teil).

Dieser Prozess des Übens setzt voraus, dass ich bereit bin zur Tat, bereit bin, mich auf eine Aktion einzulassen. Nur so lassen sich meine Schwierigkeiten angehen und ich kann sie überwinden. Wie in dem schönen Sprichwort: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt…“ Im Prinzip ist das auch die Grundlage jeder Verhaltenstherapie.

Habe ich erstmal mein eigenes Verantwortungsgefühl für mich übernommen, und ich merke, wie es mir besser geht, dann gelange ich auch schnell zu der Frage der globalen Verantwortung. Ich bin nur ein Teil des globalen Ganzen, ein Teil der Menschheit und mein Glück wie auch das Glück der anderen stehen in einem engen Zusammenhang. Letztendlich ist mein individuelles Wohlbefinden abhängig von einem gesunden globalen Verantwortungsgefühl aller. Ich erkenne, dass nicht mehr nur mein Ego im Mittelpunkt der Welt steht, sondern auch meine Anteilnahme am Wohlbefinden Anderer.

Das obige Beispiel mit dem Infostand hat mir auch gezeigt, dass meine durch Übung erworbene Einfühlsamkeit mir auch Zufriedenheit verschafft. Diese Einfühlsamkeit bedeutet die Unterschiedlichkeit zwischen uns zu akzeptieren und Toleranz zu üben. Damit ist aber kein „Helfersyndrom“ gemeint – ich verliere mich nicht beim Helfen. Ich bleibe bei mir und versuche, mich solidarisch zu verhalten. Ich übernehme meine Verantwortung gegenüber einem Anderen in dem Bewusstsein, dass jeder ein Anrecht auf Selbstverwirklichung und Wohlbefinden hat. Dabei geht es auch um ein Abwägen der eigenen Bedürfnisse mit Anderen.

Dieser Prozess setzt in mir eine Dynamik frei, die es mir erlaubt, immer weitere neue Tätigkeitsfelder zu erschließen. Und auch in unserer Selbsthilfegruppe erlebe ich diese Dynamik immer wieder – hat man das Boot erstmal bestiegen, fährt es von allein weiter.
Neben unserer Selbsthilfegruppe kümmere ich mich auch um andere Mitglieder am Rande unserer Gesellschaft – Behinderte, Alte, Alkoholiker, psychisch Kranke. Diese Zuwendung erachte ich mittlerweile als selbstverständlich für mich.

Es ist eine neue Ethik, die ich versuche bei mir umzusetzen: ich möchte ein mitfühlender Mensch sein, der die Gleichgültigkeit gegenüber Anderen aus tiefstem Herzen ablehnt. Ich habe erkannt, meine Bedürfnisse hängen auch von den anderen ab. Ohne gegenseitige Rücksicht ist ein soziales Überleben auf dieser Erde nicht möglich.

III.

Schau ich auf GAIA (=Mutter Erde) in der Nacht (und auch bei Tag), so bin ich um den Schlaf gebracht…

Diese Welt ist im geschichtlichen Lauf ihrer Widersprüche, welche vor allem der Mensch zu verantworten hat, an einem Wendepunkt angelangt. So wie bisher geht es nicht mehr weiter. Sowohl im nationalen wie auch im internationalen Rahmen sind wir an einem „point of no return“ angekommen. Die Ungleichgewichte zwischen reich und arm im nationalen wie internationalen Rahmen haben Dimensionen angenommen, die sich mit meiner oben beschriebenen Ethik nicht in Einklang bringen lassen. Menschen haben sich aus der Gemeinschaft entfernt und frönen einer ungebrochenen Besitzstandsgier, neiden sich gegenseitig ihre Reichtümer. Große Teile der Gesellschaften haben auf Grund der Besitzstrukturen keinen Zugriff auf lebensnotwendige Ressourcen. Sei es nun der Nord-Süd-Konflikt zwischen entwickelten und in der Entwicklung befindlichen Staaten oder auch nur die alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin mit ihren Kindern: der Widerspruch in der Befriedigung ihrer Bedürfnisse ist – so scheint es – unlösbar.

Neben dem Besitz über die Maschinen und der damit verbundenen abhängigen Arbeit geht es bei diesem Widerspruch auch um Bildung und andere gesellschaftliche Medien, die das öffentliche Bewusstsein prägen. Ich bin der Meinung, ein jeder ist sein eigener Philosoph, aber seine Erkenntnis kann er nur in soweit erreichen, wie er auch über die nötige Bildung, die für den Prozess der Bewusstwerdung nötig ist, verfügt. Und in diesem Bereich herrschen die alten überkommenen Mächte, die sich nicht auf eine neue Ethik im sozialen Sinne einlassen. Sie haben etwas zu verlieren, ihre Macht und ihre Besitztümer.

Versuchen wir doch, ein globales Verantwortungsgefühl im Allgemeinbewusstsein des Normalbürgers zu verankern! Eine Philosophie des unbegrenzten Wachstums ist in unserer heutigen Zeit unverantwortlich. Die Verfügbarkeit der fossilen Rohstoffe ist begrenzt. Es gilt, neue erneuerbare Energietechniken mit Hochdruck zu entwickeln, um die sich abzeichnende Klimakatastrophe vielleicht noch abzuwenden. Den Irrsinn der atomaren Abschreckung mit all seinen Gefahren für die Menschheit ist zu beenden. Im Rahmen des globalen Verantwortungsgefühls müssen wir uns von der Ideologie eines „nach mir die Sintflut…“ verabschieden. Neue Ideen sind zur Bewältigung unserer heutigen Sintflut zu berücksichtigen. Wer in Gleichgültigkeit verfällt, der macht sich eines Verbrechens an der Zukunft und unseren Kindeskindern schuldig. Ehrlichkeit über unsere Situation ist dabei unabdingbare Voraussetzung.

Deutlich sollte das „Sein“ in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins gerückt werden und nicht das „Haben“. Genügsamkeit wird in Zukunft eine unabdingbare Notwendigkeit sein. Damit ist aber nicht eine Genügsamkeit in den sozialen Strukturen gemeint. Hier gilt es, das Wohl jedes Einzelnen in der Gemeinschaft im Auge zu behalten – im Sinne eines Gemeinwohls – und zu große Differenzierungen zu vermeiden.

Der Mensch im Kapitalismus erlebt sich als vereinzeltes Wesen. Auf dem Arbeitsmarkt muss er Leistungen vollbringen, was ihn in Konkurrenz zu anderen setzt. Die Welt erscheint ihm als ein Sammelsurium von Waren, die er sich für seine Leistungen aneignen kann. Und dieses Konsumieren erscheint ihm als einziges Gut, was erstrebenswert ist. Doch eine echte wahre Befriedigung erlangt er dabei nicht. Er lebt in seinen vier Wänden und schaut kaum über den Tellerrand hinaus – und das trotz Fernsehen und Internet. Oder haben diese Medien schon einmal einen Konsumenten mit globalem Verantwortungsbewusstsein ausgestattet?

Informationen zur Lage der Menschheit bekommt man in Massen, doch was fehlt ist die bewusste Verarbeitung, die emotionale Anteilnahme, die schließlich zur Tat und damit der Veränderung führt. Es gilt auch von der Vereinzelung und der damit oft verbundenen mechanistischen und zufälligen Weltsicht zu einer globalen Sicht zu kommen – die Erde als Ganzes sehen. Nicht der Mensch herrscht über die Erde, wie uns einige Gentechniker glauben machen wollen, sondern der Mensch ist Teil der Natur, wie sie sich in der Gestalt der Erde zeigt.

Ob wir die neuen Ideen nun Sozialismus oder Zukunft oder Utopismus nennen, ist eigentlich schnurz. Getragen von einer neuen globalen Ethik ist jede neue Idee bei der Lösung der globalen Situation sinnvoll und hilfreich. Entscheidend jedoch ist der qualitative Sprung von der Idee dann auch zur Tat. Und ich hoffe auf viele neue Aktivisten, die auch bereit sind, mit neuem globalen Verantwortungsgefühl sich auf der politischen Bühne zu engagieren.

„Adieu“, sagte der Fuchs.
„Hier mein Geheimnis.
Es ist ganz einfach:
man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
(Antoine de Saint-Exupery)

Hier der Artikel als PDF: Der Tanz der Seele

CIAO Hans

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Die Weltkarten im historischen Prozess…

An den kartografisch überlieferten Zeugnissen lässt sich die Vorstellungswelt der Menschen von unserer Erde veranschaulichen.
(anklicken der Bilder zeigt Hintergrundinformationen)

Eines der frühesten Fundstücke aus der Bronzezeit – die Himmelsscheibe von Nebra. Sie weist auf frühe Kenntnisse der Astrologie hin. Sonne, Sonnenwenden, Mond und Sterne bildeten die Bezugspunkte. Diese ca. 2000 Jahre alte Scheibe wurde nahe der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden. In der Zeitepoche gab es schon die Hochkulturen Mesopotamiens und Ägyptens.

Der Grieche Herodot unternahm ausgedehnte Reisen, beschrieb den Krieg zwischen Griechen und Persern und zeichnete ca. 500 v.Chr. eine Karte der damals bekannten Welt.

150 n.Chr. setzte sich das Weltbild des Claudius Ptolemäus durch. Er setzte die Erde fest in den Mittelpunkt des Weltalls und ließ alle Himmelskörper (Mond, Sonne, Planeten, Sterne) in Kreisbahnen um diesen Mittelpunkt kreisen. Um die Beobachtungen in seinem Modell unterzubringen, benötigte er 80 solcher Bahnen. Diese Vorstellung wurde auch durch die Kirche unterstützt und sollte bis zum Ende des Mittelalters die allgemeine Vorstellung der Menschen bilden.

Das Mittelalter war geprägt durch weltliche und vor allem kirchliche Vorstellungen. Natürlich hatte Gott die Welt in den Mittelpunkt gesetzt und die Himmelskörper kreisten auf Schalen um dieses Zentrum. Mittelpunkt der Erde war wiederum Jerusalem, die heilige Stadt. Die bekannteste Karte ist die Ebstorfer Weltkarte. Ihr könnt die Karte über „Darstellung“ vergrößern und auch Anmerkungen anzeigen lassen. Versucht mal Braunschweig zu finden… Auf der Karte wird das Rund der Erde dargestellt. Sie ist so ausgerichtet, dass der Osten oben ist. Dort befindet sich auch die bildliche Darstellung des Paradieses. Im Zentrum der Karte liegt die heilige Stadt Jerusalem .

Nikolaus Kopernikus stellte ca. 1509 als erster durch seine Berechnungen das Ptolomäische Weltbild in Frage. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Sonne im Mittelpunkt des Alls stehe und die Planeten einschließlich der Erde um die Sonne Kreisten (Heliozentrische Weltbild). Kopernikus Werk wurde bis 1835 im Verzeichnis der verbotenen Bücher gelistet.

ca. 1613 bewies Galileo Galilei mit unschlagbaren Beweisen die Richtigkeit von Berechnungen des Kopernikus. Doch Galileo musste sich hart vor den bestehenden Dogmen der Kirche rechtfertigen, die Inquisition eröffnete 1632 ein Verfahren gegen seine Vorstellungen und Erkenntnisse, Folter und Scheiterhaufen drohtem ihm. Doch nachdem Galilei geschworen hatte, „… stets geglaubt zu haben, gegenwärtig zu glauben und in Zukunft mit Gottes Hilfe glauben zu wollen alles das, was die katholische und apostolische Kirche für wahr hält, predigt und lehret“, erhielt er „lediglich“ Kerkerhaft, die bereits nach wenigen Wochen in Hausarrest umgewandelt wurde. Sehr schön ist dieser Kampf des Galilei mit der Kirche in dem Theaterstück von Bertold Brecht: „Das Leben des Galilei“ dargestellt.

Die erste winkeltreue Weltkarte wurde 1569 von Gerhard Mercator gezeichnet. Das Zeitalter der Kolonisatoren war gekommen und gute Seekarten waren deshalb besonders wichtig. Mit der Mercator-Projektion in der Kartografie wurde eine Zylinderprojektion bezeichnet, wobei die Projektion entlang der Nord-Süd-Richtung verzerrt ist, um eine winkeltreue Abbildung zu erreichen. Gleichzeitig wird aber eine starke Flächenverzerrung in den Polarregionen in Kauf genommen. Zur Navigation der Schiffe wurden diese Karten benutzt.

Der erste kommerziell erfolgreiche Atlas war das „Theatrum Orbis Terrarum“, der 1570 von Abraham Ortelius veröffentlicht wurde.

Nun war das Bedürfnis nach immer genaueren Karten immer größer. Besonders das Militär verlangte im 18. Jahrhundert immer genauere topografischen Landesaufnahmen in modernem Sinn.
Im 19. Jahrhundert wurden amtliche topografische Kartenwerke geschaffen, und im Zuge der internationale Zusammenarbeit des 20. Jahrhunderts wurde einer Standardisierung von Karten und der gemeinsamen Bearbeitung durch Institutionen zahlreicher Staaten geschaffen.

Mittels der Kartographie gilt es heute nicht nur die Navigation der Schifffahrt oder der richtigen militärischen Strategie zu dienen, sondern auch soziale komplexe Weltgeschehnisse auf Karten darzustellen.
Als Beispiel zeige ich hier einfach einmal den „Atlas der Globalisierungen“ (alter Artikel hier):


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CIAO Hans

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Globalisierung – der Hühnerwahnsinn in Ghana…

Die Globalisierung schreitet voran. Entwicklungsländer – wie beispielsweise Ghana – haben darunter zu leiden. Was der „freie Handel“ für diese Länder bedeutet, zeigt dieser Film von Phoenix. Ganze Kulturen werden durch den hemmungslosen Handel mit den Industrienationen zerstört.

Ich habe viele Kontakte über Skype zu Kumasi in Ghana und hatte vor einigen Jahren selber die Möglichkeit, dieses Land zu besuchen (Bilder). Jetzt erhalte ich fast täglich Anfragen nach Hilfe von meinen Chat-Partnern in Ghana. Sie sitzen im Internet-Cafe und versuchen, ihre Probleme durch die neuen Kommunikationswege irgendwie in den Griff zu bekommen. Sie fragen nach Geld für ihr Ausbildungen (z.B. als Krankenschwester) oder einfach nur nach Mittel, um ihr undichtes Dach reparieren zu können, damit sie die Nacht im Trockenen verbringen können. Anfangs habe ich ihnen auch mit meinen begrenzten finanziellen Mitteln geholfen – doch die Anfragen überfordern mich mittlerweile.

Ich kann sehr gut verstehen, dass die vielen Chatter mich in meinem reichen Europa um Mittel anbetteln. Ich würde es ja wahrscheinlich genauso machen, wenn ich in Afrika säße. Sollte einer meiner Leser noch Mittel übrig haben, so kann er Kontakt mit mir aufnehmen. Aber diese Form der individuellen Hilfe ist auf Dauer nicht sinnvoll. Internationale Strukturen des Handels müssen geändert werden!
Und damit sind wir wieder bei der Globalisierung und ihren Folgen.

Der Film zeigt auf, wie die heimischen Produkte in Ghana – in diesem Fall Hühner – durch industrielle Produkte aus den reichen Ländern vom Markt verdrängt und ganze Produktionszweige zerstört werden.
Ich esse gerne Hühnerfleisch, aber so wie das alles abläuft, geht es meine Meinung nach nicht…


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CIAO Hans

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„Us now“ – wie sich die Demokratie durch das Netz ändert…

Die US-Dokumentation “Us Now” behandelt in 60 Minuten die Frage, wie sich Demokratie und Regierungen öffnen können und transparenter werden.

Erzählt wird die Geschichte von Online-Netzen, die die herrschenden Hierarchien herausfordern. Die Frage ist, wie man sich in den Bereich der bestehenden Regierungen einbringen kann, um die Politik der Zukunft mit bestimmen zu können.

Es wird das Schicksal eines Fußballklubs von Ebbsfleet beschrieben, der besessen von seinen Anhängern geführt wird; Zopa, einer Bank, in der jeder der Betriebsleiter ist; und das Couch-Surfen, ein riesengroßes Online-Netz, dessen Mitglieder ihre Wohnungen mit fremden Usern teilen. Der Film schildert, wie man auf diesem Weg Neues versuchen kann, wie man Länder aus neuer Sicht betrachten und Einfluss nehmen kann.

Kurz: der Film erzählt die Geschichten der Online-Netze, deren radikale sich selbstorganisierende Strukturen dazu führen könnten, Regierungen für immer zu verändern…

CIAO Hans

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Atlas der Globalisierungen – sehr interessant!

Der neueste Atlas der Globalisierung führt eine gründlich veränderte Welt vor Augen: Die Weltwirtschaft steckt in der tiefsten Krise seit 1945, die aufstrebenen BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) verschieben die geopolitischen Kräfteverhältnisse, und mit Barack Obama scheinen die Zeiten des unilateral agierenden Imperium Americanum passé zu sein.
Neben einem komplett neuen Inhalt wartet der Atlas auch mit einer kartografischen Kostbarkeit auf: Philippe Rekacewicz hat sämlichte Karten und Grafiken für das Kapitel „Viele Hauptstädte, viele Ansichten“ von Hand gezeichnet und mit Buntstift koloriert. All dies in sechs Kapiteln:

* Neue Weltkunde
* Kapitalismus in der Krise
* Die Zukunft der Energie
* Viele Hauptstädte, viele Ansichten
* Kompliziertes Afrika
* Ungelöste Konflikte

Atlas der Globalisierungen

Hier das Inhaltsverzeichnis als PDF an ansehen!

Hier ein kleiner Booktrailer zu dem Atlas:

Wenn ich Sonntags in die Sauna gehe, schmökere ich gerne in diesem Atlas herum. Er bietet vielfältige Informationen. Ich mach ja sonst keine Reklame, aber hier mach ich eine Ausnahmen…

Die gebundene Luxusausgabe mit CD-ROM kostet 24 € – als großformatiges Paperback braucht man nur 14 € berappen. Wer sich den Atlas schicken lassen will, hier der Link: Bestellung.

CIAO Hans

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