Denn Denken hat was… WDR 5 Das philosophische Radio

Philosophie ist die Liebe zur Weisheit. Und in meinen Augen ist jeder sein eigener Philosoph – wobei nicht unbedingt die Weisheit die Voraussetzung ist. WDR5 produziert jede Woche ein philosophisches Feature zu den verschiedensten Themen für interessierte „normale“ Menschen.

Sapere aude ist ein lateinisches Sprichwort und bedeutet: Wage es, weise zu sein! Meist wird es in der Interpretation Immanuel Kants zitiert, der es 1784 zum Leitspruch der Aufklärung erklärte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
(mit Maus scrollen)

CIAO Hans

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Zeittafel zur Philosophiegeschichte (Wikipedia)

Besser als auf Wikipedia kann man die Chronik der Philosophie kaum darstellen. Nach eigenen Versuchen bin ich deshalb bei Wikipedia geblieben:

CIAO Hans

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alpha-Kanal: Giordano Bruno …

Wie Sokrates starb Giordano Bruno für seine Überzeugungen – allerdings durch das Urteil der katholischen Kirche.
Für Bruno ist das All voller Leben, Planeten seien mehr als bloße Materie, im Weltall gäbe es überall Lebewesen.
Auf dem Gebiet der Astronomie nahm er Galileis Erkenntnis vorweg, dass die Erde nur eine ungefähre Kugelgestalt besitze und an den Polen abgeflacht ist.

Er war der bedeutenste Naturphilosoph der Renaissance.

CIAO Hans

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Comic: Schopenhauers Mitleidsethik …

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CIAO Hans

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Comic: Entscheidungen – Freier Wille?

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CIAO Hans

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Freiheit und Determination …

Der Begriff der Freiheit in Philosophie und Naturwissenschaft.

Andere Präsentationen von … anschauen Nickolaus Henning

Haben wir einen „Freien Willen“?

CIAO Hans

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Kleiner Diskurs mit Erich Fromm …

Erich_FrommErich Fromm (* 23. März 1900 in Frankfurt am Main; † 18. März 1980 in Muralto, Schweiz) war ein deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe. Bereits seit Ende der 1920er Jahre hatte er einen humanistischen, demokratischen Sozialismus vertreten. Seine Beiträge zur Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik haben ihn als einflussreichen Denker des 20. Jahrhunderts etabliert, auch wenn er in der akademischen Welt oft gering geschätzt wurde. Viele seiner Bücher wurden zu Bestsellern, insbesondere Die Kunst des Liebens aus dem Jahre 1956 sowie 1976 Haben oder Sein. Seine Gedanken wurden auch außerhalb der Fachwelt breit diskutiert.

Ich habe einen fiktiven Diskurs zusammengestellt, wobei ich Originalzitate aus den Schriften Erich Fromms verwendet habe.

KLEINER DISKURS MIT ERICH FROMM

HANS:
„Sein oder Nichtsein, das ist hier
die Frage…“, ist ein Zitat aus
der Tragödie Hamlet, Prinz von
Dänemark von William Shakespeare.
In dem Stück beginnt der
Protagonist Hamlet mit diesem Satz
einen Monolog, in dem er darüber
nachdenkt, dass er vor
entschlossenem Handeln Scheu hat,
weil er trotz seiner Todessehnsucht
und seinem Weltschmerz Angst vor
dem Tod hat.

ERICH FROMM:
Die Angst vor dem Tod wächst mit
dem Gefühl, nicht richtig lebendig
gewesen zu sein.
Die meisten Menschen sterben, bevor
sie ganz geboren sind.
Das Sterben ist bitter, doch der
Gedanke, sterben zu müssen, ohne
gelebt zu haben, ist nicht zu
ertragen.

HANS:
Doch was heißt entschlossenes
Handeln?

ERICH FROMM:
Tätigsein heißt, seinen Anlagen,
seinen Talenten, dem Reichtum
menschlicher Gaben Ausdruck zu
verleihen.
Produktivität ist die Fähigkeit des
Menschen, seine Kräfte zu
gebrauchen und die in ihm liegenden
Möglichkeiten zu verwirklichen.
Die Fähigkeit zu handeln schafft
auch das Bedürfnis, diese
Fähigkeiten zu nutzen;
Funktionsstörungen und Unglück
entstehen, wenn die Fähigkeit nicht
genutzt wird.

HANS:
Immer wieder treffe ich auf die
Angst durch einen Mangel an meinem
Selbstwertgefühl.

ERICH FROMM:
Wenn man unsere heutige Zeit mit
Recht als das Zeitalter der Angst
bezeichnet hat, dann hauptsächlich
wegen jener Angst, die durch das
Fehlen des Selbst entsteht.
Die psychische Aufgabe, der man
sich stellen muss, ist nicht, sich
sicher zu fühlen, sondern zu
lernen, die Unsicherheit ohne Panik
und unangebrachter Angst zu
ertragen.

HANS:
Worin finde ich mich?

ERICH FROMM:
Ich bin „ich“ nur in dem Maße, als
ich lebendig bin und mit anderen in
Beziehung stehe.
Sag mir, was dich wach macht, und
ich sage dir, wer du bist.
Der einzige Weg zu ganzer
Erkenntnis ist der Akt der Liebe.
Im Akt der Liebe, im Akt der
Hingabe meiner selbst… entdecke
ich mich selbst, entdecke ich uns
beide, entdecke ich den Menschen.

HANS:
In meinen Augen nennt dies sich
Empathie, die Fähigkeit und
Bereitschaft, Gedanken, Emotionen,
Motive und Persönlichkeitsmerkmale
einer anderen Person zu erkennen
und zu verstehen. Zur Empathie
gehört auch die Reaktion auf die
Gefühle Anderer.

ERICH FROMM:
Liebe ist eine aktive Kraft im
Menschen. Liebe ist eine dem
Menschen eigene Kraft, durch die er
sich mit der Welt in Beziehung
setzt und durch die er die Welt zu
seiner Welt macht.
Liebe ist etwas, das man in sich
selbst entwickelt, nicht etwas, dem
man verfällt.
Wo keine Liebe ist, kann kein
Mitgefühl sein.

HANS:
Doch wie soll ich mein Leben leben?

ERICH FROMM:
Das Ziel des Lebens besteht darin,
intensiv zu leben, voll geboren zu
werden und ganz wach zu sein.
Die Kunst des Lebens und des
Sterbens zu erlernen erfordert viel
Anstrengung, Übung, Geduld; wie
alles Können erfordert es lernen.
Niemand und nichts außer wir selbst
geben dem Leben Sinn.

HANS:
Und was ist mit meinen Gefühlen,
die mitunter meinen Verstand zum
aussetzen bringen?

ERICH FROMM:
Die Menschen neigen immer mehr
dazu, über ihre Gefühle
nachzudenken, anstatt zu fühlen.
Alle Leidenschaften und Strebungen
des Menschen sind Versuche, eine
Antwort auf seine Existenz zu
finden – man könnte auch sagen,
sind ein Versuch, der
Geisteskrankheit zu entgehen.

HANS:
Wie soll ich mich in dieser
technisierten Welt verhalten? Was
soll sein mein Streben?

ERICH FROMM:
Die vermutlich größte Gefahr
unseres gegenwärtigen Systems ist
die Tatsache, dass Dinge, Apparate
und technische Errungenschaften
attraktiver werden als Leben und
Wachstum.
Heute glauben die Menschen, man
könne nur genießen, was man kaufen
muss.
Es liegt etwas Krankhaftes in dem
Drang zu immer größerem Konsum.
Die Wünsche des Konsumenten werden
durch den Produzenten erzeugt.

HANS:
Bleibt mir in dieser
konsumorientierten Welt noch eine
Alternative?

ERICH FROMM:
In der Existenzweise des Habens ist
der Mensch an das gebunden, was er
in der Vergangenheit angehäuft hat:
Geld, Land, Ruhm, sozialen Status,
Wissen, Kinder, Erinnerungen.
Zukunft ist für den am Haben
Orientierten die Vorwegnahme
dessen, was Vergangenheit werden
wird.
Wenn ich bin, der ich bin, und
nicht, was ich habe, kann mich
niemand berauben oder meine
Sicherheit und mein
Identitätsgefühl berauben.
Wir Menschen haben ein angeborenes,
tiefverwurzeltes Verlangen zu sein:
unseren Fähigkeiten Ausdruck zu
geben, tätig zu sein, auf andere
bezogen zu sein, dem Kerker der
Selbstsucht zu entfliehen.
Friede als der Zustand anhaltender
harmonischer Beziehungen zwischen
Völkern ist nur möglich, wenn die
Habensstruktur durch die Struktur
des Seins ersetzt wird.

HANS:
Doch was ist diese Struktur des
Seins?

ERICH FROMM:
Das Glück für den Menschen liegt in
der Liebe zum Leben.
Das Schönste am Leben ist, seine
eigenen Kräfte zu äußern, und zwar
nicht für einen Zweck, sondern um
des Aktes selber willen.
Glück besteht darin, dass wir den
Felsgrund der Realität berühren,
dass wir unser Selbst entdecken und
uns mit anderen eins und
gleichzeitig von ihnen
unterschieden fühlen.
Glück ist eine aus der inneren
Produktivität des Menschen
entstehende Leistung, kein Geschenk
der Götter. Deshalb ist Glück eine
sichere Begleiterscheinung
produktiven Lebens.
Glücklichsein heißt: Fülle erleben
und nicht Leere, die gefüllt werden
muss.

HANS:
Doch wie soll ich dies unter den
heutigen gesellschaftlichen
Bedingungen erreichen? Werden wir
nicht nur mit dem „Haben“
konfrontiert und das „Sein“ spielt
nur eine Nebenrolle?

ERICH FROMM:
Für die Gesellschaft gilt, dass die
Ökonomie ihr Schicksal ist.
Wir glauben zu herrschen und werden
doch beherrscht – nicht von einem
Tyrannen, sondern von den Dingen,
von den Umständen.
Unsere Gesellschaft produziert
viele nutzlose Dinge und in
gleichem Maße auch nutzlose
Menschen.
Wer sich am Marketing orientiert,
erlebt sich nicht als einen
Menschen mit seiner Liebe, seiner
Angst, seinen Überzeugungen und
Zweifeln, sondern als eine der
realen Natur entfremdete
Abstraktion, die im
Gesellschaftssystem eine bestimmte
Funktion erfüllt.

HANS:
Und wie sieht es mit meiner
Freiheit aus, in diese
gesellschaftlichen Prozesse
einzugreifen?

ERICH FROMM:
Das Bedürfnis zur Freiheit gehört
wohl zur tiefsten Sehnsucht eines
jeden Menschen.
Der Mensch kann in seinem Denken
nicht frei sein, wenn er auch nicht
emotional frei ist; und er kann
emotional nicht frei sein, wenn er
in seiner Lebenspraxis, in seinen
ökonomischen und sozialen
Beziehungen abhängig und unfrei
ist.
Es liegt am Menschen, sich ein
Optimum an Freiheit zu erobern und
sich der Ketten der Notwendigkeit
zu entledigen.

HANS:
Wichtig ist also das Tätigsein mit
all seinen Veränderungen und der
Überwindung der Angst vor neuen
Strukturen.

ERICH FROMM:
Die Zerstörung der Illusionen ist
die Bedingung aller wirklichen
Veränderung.
Die Möglichkeit zur Veränderung ist
in der Fähigkeit des Menschen
begründet, sich jene Kräfte bewusst
zu machen, die ihn sozusagen hinter
seinem Rücken antreiben.
Menschen können zu verändernden
Handlungen nur motiviert werden,
wenn sie Hoffnung haben. Und sie
können nur Hoffnung haben, wenn es
eine Vision gibt; und sie können
nur dann eine Vision haben, wenn
man ihnen Alternativen zeigt.
Bis jetzt war in der Geschichte der
Menschen das Leiden die
Geburtshelferin für Veränderung.
Sollte – zum ersten Mal –
Gleichgültigkeit die Fähigkeit des
Menschen zunichte machen, sein
Schicksal zu wenden?

HANS:
Ich hoffe nicht!
Danke für den kleinen Diskurs…

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Hansens Geschichte …

Es war einmal ein Hans, den viele Dinge bedrückten. Er sah nicht mehr die Sonne, die Bäume und die Vögel, sondern fiel immer mehr in tiefe Trübsinnigkeit. Manchmal hatte er wahrlich eine Verzweiflung zum Tode. Man sagte ihm, nur der Glaube führe ihn aus dieser Verzweiflung. Doch zum Glauben hatte er keine rechte Beziehung. Das Diesseits hatte ihn voll im Griff und mit einem Jenseits konnte er nichts anfangen. Und das Diesseits war gar nicht in seinem Sinne – er zweifelte regelrecht am Dasein. Diese Welt war gar nicht die beste aller Welten.

Er fragte sich: Was soll ich tun? Doch allein kreisten seine Gedanken wie in einem Karussell – er fand einfach nichts Neues, was ihn aus seiner Trübseeligkeit befreite. Er erkannte, wie wichtig es war, auf andere Menschen zuzugehen, um neue Impulse durch Gespräche zu bekommen. Die anderen schienen ihm doch glücklich mit ihrer Welt zu sein.

Also überwandt er seine Angst und wendete sich den Menschen zu. Das war am Anfang nicht so leicht, doch mit der Zeit und dem ständigen Üben, gewann er an Selbstsicherheit und konnte sich ihnen öffnen. Dabei sah er das Chaos in der Menschen Gedanken, das sich gar nicht so sehr von seinem inneren Chaos unterschied.

Ja – er war ja auch nur ein Mensch und suchte nach einer Ordnung in diesem wilden Durcheinander. Hans überlegte, wie all diese Dinge in Einklang zu bringen seien und meinte: die Liebe zur Weisheit muss ich entdecken, um Klarheit zu bekommen.

So las er die vielen Bücher der weisen Männer vom Anbeginn der Geschichte bis heute. Doch eine einzige Weisheit entdeckte Hans nicht, denn sogar die weisen Männer widersprachen sich in ihren Ansichten. Er erkannte, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt, sondern derer viele, die alle abhängig waren von den Umständen der Denker in ihrer Zeit.

Es gibt also keine absolute Wahrheit, sondern sie kann nur subjektiv gefärbt sein. Meine Wahrheit ist eine andere als die meiner Mutter oder der weisen Männer. Ein jeder erlebt die Wirklichkeit anders und baut sich daraus sein eigenes Weltbild.

Ein Weltbild zu haben ist gut, denn es gibt Sicherheit in dem allumfassenden Chaos. Und Sicherheit schränkt die Angst ein. Doch totale Sicherheit gibt es nicht, alles ist ständig in Veränderung, die auch die Menschen ständig erneuert.

Hans erkannte, wie wichtig es ist, sich auf diese Veränderungen einzulassen und ständig nach neuen Wirklichkeiten zu suchen. Und plötzlich entdeckte er die vielfältigen Freiheiten, die ihm die täglichen Entscheidungen über die Weltdinge bot. Diese Entscheidungen waren stets mit Verantwortlichkeit verbunden, Verantwortung, die er für sich und seine Mitmenschen trug.

„Ich weiß, ich muss mich dieser Verantwortung stellen, damit mein Leben nicht in Sinnlosigkeit versinkt“, sagte er zu sich. Und seine Bereitschaft, diese Verantwortlichkeit zu übernehmen, wuchs.

Desto mehr Hans wusste, desto mehr erkannte er sein Unwissen. Doch dies hinderte ihn nicht daran, seine getroffenen Entscheidungen mit Verantwortung in der Welt umzusetzen. Er ermunterte auch andere, sich nicht einfach in Sinnlosigkeit ihres Lebens zu verlieren. Den Sinn des Lebens können wir uns nur selber geben.

Hans begann seine Freiheit zu spüren und sah wieder die Sonne, die Bäume und die Vögel. Und er sah die Menschen mit all ihren Problemen. Teilweise waren es auch die seinen, und er lernte, sich mit ihnen zu verbünden. Hans war nicht mehr allein, sondern seine Empathie verlieh ihm Flügel.

Und die Moral von der Geschicht:

ein jeder kann ein Weiser sein,
lässt er sich auf das Chaos ein,
begreift die Freiheit, die er hat,
Verantwortung im Resultat,
statt Ego etwas Empathie,
das sei des Menschen Melodie.

CIAO Hans

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Titus Lucretius Carus: De Rerum Natura – Über die Natur der Dinge …

Lucretius: De Rerum Natura_1675

Lucretius: De Rerum Natura_1675

Über die Natur der Dinge (lat. De Rerum Natura) ist ein aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. stammendes Lehrgedicht des römischen Dichters, Philosophen und Epikureers Titus Lucretius Carus, genannt Lukrez. Die Hommage an Epikur handelt von der Lage des Menschen in einem Universum ohne den Einfluss der Götter.

Die philosophischen Schriften der alten griechischen wie auch der wenigen römischen Philosophen galten im Mittelalter meist verschollen. Es gab nur wenige Abschriften in den Klöstern, welche erst erneut entdeckt werden mussten. Gottlob haben die Araber – vor allem bei ihrer Besetzung Spaniens 711 bis zur endgültigen Vertreibung der Muslime durch die christliche Inquisition 1614 – viele der antiken Schriften übersetzt und damit erhalten.

Erst 1417 entdeckte der Humanist Poggio Braciolini das Manuskript von Titus Lucretius Carus „De Rerum Natura“ in einem deutschen Kloster erneut. In der Folgezeit beeinflusste es die Renaissance und bildete die Grundlage für eine moderne Weltsicht. Es beeinflusste bekannte Namen wie Boticelli, Shakespeare, Giardano Bruno und Galileo Galilei.

Das Werk besteht aus sechs Büchern von jeweils etwa 1000 Versen Länge, die in drei Buchpaare geteilt werden können:

Atomlehre: Grundlagen (Erstes Buch) und Phänomene (Zweites Buch)
Seelenlehre: Vergänglichkeit der Seele und Widerlegung der Todesfurcht (Drittes Buch), Wahrnehmungs- und Affektenlehre (Viertes Buch)
Darstellung der empirischen Welt: Kosmologie und Kulturentstehungslehre (Fünftes Buch), Meteorologie (Sechstes Buch)

Das Werk stellt die Physik, Psychologie und Kulturtheorie Epikurs dar. Die Ethik wird nur am Rande behandelt.

Lukrez versucht, die Entstehung der Gesellschaft und Kultur auf rein natürliche Weise zu erklären. Demnach lebten die Menschen zunächst in einem tierähnlichen Zustand, ohne Sprache, Erkenntnis und sozialen Zusammenhalt, die sich erst später durch die Erfahrung entwickelten. Der Staat entsteht infolge auf Basis der Vertragstheorie. Die gesellschaftliche Entwicklung wird durch die Vernunft der Menschen vorangetrieben.

Hier das gesamte Gedicht in deutscher Übersetzung: Titus Lucretius Carus: Über die Natur der Dinge

Wie provokant die Thesen von Lukrez sind, beschreibt Stephen Greenblatt in seinem Buch: Die Wende wie die Renaissance begann in zusammenfassenden Sätzen:

  • Alles Seiende ist aus unsichtbaren Teilchen zusammengesetzt
  • Diese elementaren Teilchen der Materie – die „Keime der Dinge“ – sind ewig
  • Die elementaren Teilchen sind unendlich in ihrer Zehl, aber begrenzt in Gestalt und Größe
  • Alle Teilchen bewegen sich in einer unendlichen Leere
  • Das Universum hat keinen Schöpfer oder Designer
  • Alle Dinge entstehen infolge geringer Abweichungen
  • Die zufällige Abweichung, der kleine Ruck ist Ursprung auch des freien Willens
  • Die Natur experimentiert unaufhörlich
  • Das Universum wurde weder wegen noch für die Menschen erschaffen
  • Nicht das Schicksal der Gattung (geschweige denn das des Einzelnen) ist der Pol, um den sich alles dreht
  • Menschen sind nicht einzigartig
  • Die menschliche Gesellschaft hat nicht mit einem Goldenen Zeitalter der Ruhe und Fülle begonnen, sondern als urtümlicher Kampf ums Überleben
  • Die Seele ist sterblich
  • Es gibt kein Leben nach dem Tod
  • Der Tod berührt uns nicht
  • Alle organisierten Religionen sind abergläubische Täuschungen
  • Es gibt keine Engel, keine Dämonen und Geister
  • Das höchste Ziel des menschlichen Lebens ist Steigerung des Genusses und Verringerung des Leidens
  • Nicht Neid ist das größte Hindernis auf dem Weg zur Lust, sondern Täuschung
  • Das Verstehen der Dinge und ihrer Natur weckt großes Staunen
  • Ich finde diese Gedanken – formuliert im 1. Jahrhundert vor Christus – fußend auf der Atomistik und der Lehre Epikurs sehr bemerkenswert. Diese vor ca. 2000 Jahren in Gedichtform gefassten Gedanken sind meiner Meinung nach nicht weit von unserer Moderne entfernt!

    CIAO Hans

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    Homo Modernus, Tractatus Philosophicus …

    Fand ich doch ein sehr gut gemachtes Video zur Philosophie des Homo Modernus …

    Video-Kommentar: Wenn in einem parallelen Universum Ludwig Wittgenstein und Marshall McLuhan geheiratet hätten, wäre ihr Roboter Kind so etwas, wie wir es in dieser Animation erstellt haben. Wir hoffen, Sie werden es genießen.

    Homo Modernus ist ein literarisch-Design-Projekt von Claudio Molinari Dassatti und Iñigo Orduña.

    CIAO Hans

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