Orbit uncut – eine Meditation …

Manchmal sehne ich mich nach Ruhe. Ein Blick auf die Welt verbunden mit dem Geräusch einer fliegenden Raumstation.

Ich schaue und spüre… Dabei ist das einzelne Bild gar nicht so wichtig. Ich begreife mich als Teil dieses wunderbaren Planeten ERDE.

Ich sinniere vor mich hin, was ist und was noch zu geschehen hat. Ich bin ja Teil von diesem Ganzen.

Eine einzige Umlaufbahn der Erde durch die Internationale Raumstation in Echtzeit, 408 km über der Oberfläche, mit 9.966 Zeitrafferfotos der ISS Expedition 57 vom 6. Oktober 2018 aufgenommen.

Zeitraffer-Konvertierung in Echtzeit mithilfe von Metadatenreferenz und Frame-Interpolation mit einer Dauer von 1:32:20 Stunden.

Für mich ist dies eine Meditation mit dem Ganzen – dem Sein.

Vielleicht geht es euch ähnlich. Stellt das Bild groß und spürt, was es heißt, Teil dieses Planeten zu sein…

Ciao Hans

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Kleiner Diskurs mit Erich Fromm …

Erich_FrommErich Fromm (* 23. März 1900 in Frankfurt am Main; † 18. März 1980 in Muralto, Schweiz) war ein deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe. Bereits seit Ende der 1920er Jahre hatte er einen humanistischen, demokratischen Sozialismus vertreten. Seine Beiträge zur Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik haben ihn als einflussreichen Denker des 20. Jahrhunderts etabliert, auch wenn er in der akademischen Welt oft gering geschätzt wurde. Viele seiner Bücher wurden zu Bestsellern, insbesondere Die Kunst des Liebens aus dem Jahre 1956 sowie 1976 Haben oder Sein. Seine Gedanken wurden auch außerhalb der Fachwelt breit diskutiert.

Ich habe einen fiktiven Diskurs zusammengestellt, wobei ich Originalzitate aus den Schriften Erich Fromms verwendet habe.

KLEINER DISKURS MIT ERICH FROMM

HANS:
„Sein oder Nichtsein, das ist hier
die Frage…“, ist ein Zitat aus
der Tragödie Hamlet, Prinz von
Dänemark von William Shakespeare.
In dem Stück beginnt der
Protagonist Hamlet mit diesem Satz
einen Monolog, in dem er darüber
nachdenkt, dass er vor
entschlossenem Handeln Scheu hat,
weil er trotz seiner Todessehnsucht
und seinem Weltschmerz Angst vor
dem Tod hat.

ERICH FROMM:
Die Angst vor dem Tod wächst mit
dem Gefühl, nicht richtig lebendig
gewesen zu sein.
Die meisten Menschen sterben, bevor
sie ganz geboren sind.
Das Sterben ist bitter, doch der
Gedanke, sterben zu müssen, ohne
gelebt zu haben, ist nicht zu
ertragen.

HANS:
Doch was heißt entschlossenes
Handeln?

ERICH FROMM:
Tätigsein heißt, seinen Anlagen,
seinen Talenten, dem Reichtum
menschlicher Gaben Ausdruck zu
verleihen.
Produktivität ist die Fähigkeit des
Menschen, seine Kräfte zu
gebrauchen und die in ihm liegenden
Möglichkeiten zu verwirklichen.
Die Fähigkeit zu handeln schafft
auch das Bedürfnis, diese
Fähigkeiten zu nutzen;
Funktionsstörungen und Unglück
entstehen, wenn die Fähigkeit nicht
genutzt wird.

HANS:
Immer wieder treffe ich auf die
Angst durch einen Mangel an meinem
Selbstwertgefühl.

ERICH FROMM:
Wenn man unsere heutige Zeit mit
Recht als das Zeitalter der Angst
bezeichnet hat, dann hauptsächlich
wegen jener Angst, die durch das
Fehlen des Selbst entsteht.
Die psychische Aufgabe, der man
sich stellen muss, ist nicht, sich
sicher zu fühlen, sondern zu
lernen, die Unsicherheit ohne Panik
und unangebrachter Angst zu
ertragen.

HANS:
Worin finde ich mich?

ERICH FROMM:
Ich bin „ich“ nur in dem Maße, als
ich lebendig bin und mit anderen in
Beziehung stehe.
Sag mir, was dich wach macht, und
ich sage dir, wer du bist.
Der einzige Weg zu ganzer
Erkenntnis ist der Akt der Liebe.
Im Akt der Liebe, im Akt der
Hingabe meiner selbst… entdecke
ich mich selbst, entdecke ich uns
beide, entdecke ich den Menschen.

HANS:
In meinen Augen nennt dies sich
Empathie, die Fähigkeit und
Bereitschaft, Gedanken, Emotionen,
Motive und Persönlichkeitsmerkmale
einer anderen Person zu erkennen
und zu verstehen. Zur Empathie
gehört auch die Reaktion auf die
Gefühle Anderer.

ERICH FROMM:
Liebe ist eine aktive Kraft im
Menschen. Liebe ist eine dem
Menschen eigene Kraft, durch die er
sich mit der Welt in Beziehung
setzt und durch die er die Welt zu
seiner Welt macht.
Liebe ist etwas, das man in sich
selbst entwickelt, nicht etwas, dem
man verfällt.
Wo keine Liebe ist, kann kein
Mitgefühl sein.

HANS:
Doch wie soll ich mein Leben leben?

ERICH FROMM:
Das Ziel des Lebens besteht darin,
intensiv zu leben, voll geboren zu
werden und ganz wach zu sein.
Die Kunst des Lebens und des
Sterbens zu erlernen erfordert viel
Anstrengung, Übung, Geduld; wie
alles Können erfordert es lernen.
Niemand und nichts außer wir selbst
geben dem Leben Sinn.

HANS:
Und was ist mit meinen Gefühlen,
die mitunter meinen Verstand zum
aussetzen bringen?

ERICH FROMM:
Die Menschen neigen immer mehr
dazu, über ihre Gefühle
nachzudenken, anstatt zu fühlen.
Alle Leidenschaften und Strebungen
des Menschen sind Versuche, eine
Antwort auf seine Existenz zu
finden – man könnte auch sagen,
sind ein Versuch, der
Geisteskrankheit zu entgehen.

HANS:
Wie soll ich mich in dieser
technisierten Welt verhalten? Was
soll sein mein Streben?

ERICH FROMM:
Die vermutlich größte Gefahr
unseres gegenwärtigen Systems ist
die Tatsache, dass Dinge, Apparate
und technische Errungenschaften
attraktiver werden als Leben und
Wachstum.
Heute glauben die Menschen, man
könne nur genießen, was man kaufen
muss.
Es liegt etwas Krankhaftes in dem
Drang zu immer größerem Konsum.
Die Wünsche des Konsumenten werden
durch den Produzenten erzeugt.

HANS:
Bleibt mir in dieser
konsumorientierten Welt noch eine
Alternative?

ERICH FROMM:
In der Existenzweise des Habens ist
der Mensch an das gebunden, was er
in der Vergangenheit angehäuft hat:
Geld, Land, Ruhm, sozialen Status,
Wissen, Kinder, Erinnerungen.
Zukunft ist für den am Haben
Orientierten die Vorwegnahme
dessen, was Vergangenheit werden
wird.
Wenn ich bin, der ich bin, und
nicht, was ich habe, kann mich
niemand berauben oder meine
Sicherheit und mein
Identitätsgefühl berauben.
Wir Menschen haben ein angeborenes,
tiefverwurzeltes Verlangen zu sein:
unseren Fähigkeiten Ausdruck zu
geben, tätig zu sein, auf andere
bezogen zu sein, dem Kerker der
Selbstsucht zu entfliehen.
Friede als der Zustand anhaltender
harmonischer Beziehungen zwischen
Völkern ist nur möglich, wenn die
Habensstruktur durch die Struktur
des Seins ersetzt wird.

HANS:
Doch was ist diese Struktur des
Seins?

ERICH FROMM:
Das Glück für den Menschen liegt in
der Liebe zum Leben.
Das Schönste am Leben ist, seine
eigenen Kräfte zu äußern, und zwar
nicht für einen Zweck, sondern um
des Aktes selber willen.
Glück besteht darin, dass wir den
Felsgrund der Realität berühren,
dass wir unser Selbst entdecken und
uns mit anderen eins und
gleichzeitig von ihnen
unterschieden fühlen.
Glück ist eine aus der inneren
Produktivität des Menschen
entstehende Leistung, kein Geschenk
der Götter. Deshalb ist Glück eine
sichere Begleiterscheinung
produktiven Lebens.
Glücklichsein heißt: Fülle erleben
und nicht Leere, die gefüllt werden
muss.

HANS:
Doch wie soll ich dies unter den
heutigen gesellschaftlichen
Bedingungen erreichen? Werden wir
nicht nur mit dem „Haben“
konfrontiert und das „Sein“ spielt
nur eine Nebenrolle?

ERICH FROMM:
Für die Gesellschaft gilt, dass die
Ökonomie ihr Schicksal ist.
Wir glauben zu herrschen und werden
doch beherrscht – nicht von einem
Tyrannen, sondern von den Dingen,
von den Umständen.
Unsere Gesellschaft produziert
viele nutzlose Dinge und in
gleichem Maße auch nutzlose
Menschen.
Wer sich am Marketing orientiert,
erlebt sich nicht als einen
Menschen mit seiner Liebe, seiner
Angst, seinen Überzeugungen und
Zweifeln, sondern als eine der
realen Natur entfremdete
Abstraktion, die im
Gesellschaftssystem eine bestimmte
Funktion erfüllt.

HANS:
Und wie sieht es mit meiner
Freiheit aus, in diese
gesellschaftlichen Prozesse
einzugreifen?

ERICH FROMM:
Das Bedürfnis zur Freiheit gehört
wohl zur tiefsten Sehnsucht eines
jeden Menschen.
Der Mensch kann in seinem Denken
nicht frei sein, wenn er auch nicht
emotional frei ist; und er kann
emotional nicht frei sein, wenn er
in seiner Lebenspraxis, in seinen
ökonomischen und sozialen
Beziehungen abhängig und unfrei
ist.
Es liegt am Menschen, sich ein
Optimum an Freiheit zu erobern und
sich der Ketten der Notwendigkeit
zu entledigen.

HANS:
Wichtig ist also das Tätigsein mit
all seinen Veränderungen und der
Überwindung der Angst vor neuen
Strukturen.

ERICH FROMM:
Die Zerstörung der Illusionen ist
die Bedingung aller wirklichen
Veränderung.
Die Möglichkeit zur Veränderung ist
in der Fähigkeit des Menschen
begründet, sich jene Kräfte bewusst
zu machen, die ihn sozusagen hinter
seinem Rücken antreiben.
Menschen können zu verändernden
Handlungen nur motiviert werden,
wenn sie Hoffnung haben. Und sie
können nur Hoffnung haben, wenn es
eine Vision gibt; und sie können
nur dann eine Vision haben, wenn
man ihnen Alternativen zeigt.
Bis jetzt war in der Geschichte der
Menschen das Leiden die
Geburtshelferin für Veränderung.
Sollte – zum ersten Mal –
Gleichgültigkeit die Fähigkeit des
Menschen zunichte machen, sein
Schicksal zu wenden?

HANS:
Ich hoffe nicht!
Danke für den kleinen Diskurs…

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

This site employs the Wavatars plugin by Shamus Young.