Essen Zappelphillipp Eßverhalten und Tischsitten sind die beiden Punkte der Eßerziehung, die vortrefflich ihren Ausdruck finden in den Gestalten des Suppenkaspar und des Zappelphillipp. Noch heute kennt jeder diese beiden aus der Geschichte des Struwwelpeters von 1845.

Im Mittelalter war das Nahrungsangebot von Erntezeit und Schlachttagen geprägt. Eine Vorratshaltung gab es noch nicht. Ausgiebige Gelage und Prassereien im Wechsel mit Hungerperioden waren üblich. Schmatzen, Rülpsen, Furzen, unsauberes Hineingreifen in die gemeinsame Schüssel bei den Gelagen gängiges Verhalten.
Für die Klosterschulen gab es schon im 12.Jahrhundert sogenannte "Tischzuchten".
Im 15. und 16.Jahrhundert mit der Verbreitung der Buchdruckerkunst gelangten immer mehr Schriften zur Eßkunst in Umlauf.
Suppenkaspar Im Konkurrenzkampf zwischen Adel und Bürgertum versuchte sich letzteres von den groben "tierischen" Verhaltensweisen der Unterschicht abzugrenzen und der Adel pochte auf seine Privilegien durch höfische Formen des schicklichen Benehmens.
Unter dem Einfluß der Kirche und der absolutistischen Obrigkeit wurde die Eßkultur im 17.Jahrhundert immer weniger zur Stillung individueller Bedürfnisse benutzt, sondern vielmehr in erster Linie als Bedarfsdeckung verstanden, wobei Nährwert und Verdaulichkeit der Speisen immer mehr durch die neuen medizinischen Erkenntnisse in den Vordergrund traten.
Maßgebend wurde die Leistungsfähigkeit des Körpers. Müßiggang, Leckerhaftigkeit und Verweichlichung wurden negative Tugenden.
Im 17. und 18.Jahrhundert wurde das Kochen zur "hohen Kochkunst" erklärt und die Augen sollten mitessen ("Augenschmaus").
Im 18.Jahrhundert legte man immer mehr Wert auf die pädagogische Erziehung des Kindes, und die Eßerziehung belegte einen vorrangigen Platz. Es wehte der Geist des Struwwelpters durch die Kinderzimmer. Essen war jetzt in den Familien strengen Normen unterworfen. Normverletzung wurde bestraft. Die Lust am Essen geriet gegenüber den Normen ins Hintertreffen.