Tod In der abendländischen Geschichte haben sich die Einstellungen zu Sterben, Tod, und Trauer in wenigen großen Phasen gewandelt. Heute sterben wir meist einen einsamen Krankenhaustod. Wurde das Sterben für uns Menschen vielleicht zum Problem, weil wir als einzige Lebewesen auf der Erde wissen, daß wir sterben müssen?

Im Altertum gab es eine strikte Trennung zwischen Lebenden und Toten. Die unmittelbare Nähe und Nachbarschaft der Toten wurde gescheut.
Erst im 6.Jahrhundert mit Einzug des Christentums bestattete man die Toten inmitten der Städte. Dabei fanden die Bestattungen in Massengräbern der Kirche statt, die individuellen Gräber verschwanden.
Todesschmerz Im Mittelalter versuchten die Menschen, sich auf ihren Tod vorzubereiten. Sie trafen letzte Verfügungen und legten sich zum Tod nieder. Sterben und Tod war eine bewußte öffentlich festgelegte Zeremonie, die der Sterbende selbst organisierte, die er leitete, deren Ablauf er kannte und deren Mittelpunkt er war. Der öffentliche Abschied war ein Ritual, zu dem ebenso Abbitte bei den zahlreich um das Sterbebett Herumstehenden wie Bitte um Vergebung der Sünden sowie schließlich die Empfehlung der Seele gehörten. Manchmal war das Sterbezimmer so voll, daß der Sterbende um etwas mehr Ruhe und Platz bitten mußte.
Zwischen dem 13.und 18.Jahrhundert kam es zu einer Individualisierung des Sterbens. Man entdeckte seinen "eigenen Tod". Grabstellen mit Inschriften und Portraits traten nun in vielfältiger Zahl auf. Testamente zur Vorsorge für das Ableben wurden geschrieben. Vor den Entscheidungen angesichts des Todes waren die Familienmitglieder weitgehend ausgeschlossen.
Im 18.Jahrhundert erhielt die Trauer eine andere Qualität.Im Mittelpunkt stand nun nicht der "eigene Tod" sondern der "Tod des anderen". Emotional und dramatisch wurde der Tod des geliebten Menschen ausgelebt. Hatte früher der Tod etwas Feierliches, so trat jetzt das Gefühl des Verlassenwerdens in den Vordergrund. Auch die Trauergemeinschaft begrenzte sich mehr und mehr auf den engsten Familienkreis.
In unserem Jahrhundert wird der Tod immer mehr zu einem verbotenen Objekt, was schamhaft ausgespart wird. Der Sterbende wird zum Minderjährigen, geistig Debilen degradiert und von der Umwelt abgekapselt. Der Ort des Todes verschiebt sich immer mehr vom Daheim ins Krankenhaus. Dort ist kein Platz für eine Zeremonie, die der Sterbende im Familienkreis und mit Freunden erlebt und wahrnimmt, sondern der Tod wird zu einem technischen Problem.